Sammelkarten à la Minecraft

Scrolls Preview

Nach dem Überraschungshit Minecraft will das Entwicklerteam Mojang mit dem digitalen Sammelkartenspiel Scrolls die Erfolgsgeschichte fortsetzen. Gelingt den Schweden erneut ein Meilenstein der Videospielegeschichte oder backen sie dieses Mal kleinere Brötchen ... ähm ... Schriftrollen.
Karsten Scholz 8. Januar 2014 - 17:37 — vor 5 Jahren aktualisiert
Eines muss man dem Team von Markus Persson, als "Notch" bekannt, lassen: Mit dem Bauklötzchen-Phänomen Minecraft haben die Indie-Entwickler den Nerv vieler Spieler getroffen und sich einen Platz in der Geschichte der Videospiele gesichert - allein bis Oktober 2013 verkauften sie 33 Millionen Kopien ihres Spiels. Nach einem derart erfolgreichen Einstieg ist es natürlich schwer, die Messlatte mit dem nächsten Projekt noch höher anzusetzen. Umso spannender ist es, dass die Jungs von Mojang erneut ihr eigenes Ding durchziehen und einfach machen, wozu sie wirklich Lust haben: ein virtuelles Sammelkartenspiel namens Scrolls, das die Mechaniken von Spielen wie Magic - The Gathering mit taktischen Rundenkämpfen verbindet, die an die Heroes-of-Might-and-Magic-Serie erinnern. Aktuell befindet sich das Trading-Card-Game (kurz TCG) in einer pseudo-offenen Testphase, in die ihr euch, wie in Minecraft damals auch, mit rund 15 Euro einkaufen könnt. Ob sich die Investition lohnt und wie gut sich Scrolls in der aktuellen Version schlägt, erfahrt ihr in unserer Vorschau.

Trefft eure WahlWenn ihr Scrolls das erste Mal startet, müsst ihr euch für eines von vier vorgefertigten Kartendecks entscheiden. "Growth" setzt auf günstige Kreaturen, mit denen ihr bereits früh im Spiel Druck auf euren Gegenüber ausüben könnt. "Order" verlässt sich auf starke Karten-Synergien, bei denen es vor allem auf das richtige Timing ankommt. Das "Energy"-Deck ballert aus allen Rohren und die "Decay"-Spielweise opfert auch schon mal die eigenen Kreaturen, um enormen Schaden zu verursachen. Überlegt gut, welche Taktik zu euch passt, denn ihr müsst einige Zeit mit dieser Spielweise zurechtkommen.

Die drei nicht gewählten Decks schaltet ihr euch später im Ingame-Store frei. Entweder mit der Spielwährung Gold oder mit Shards, die ihr für ein paar investierte Euros erhaltet. Zwischen 3,30 und 4,30 Euro müsst ihr für die Basisdecks einplanen, aber auch der Goldbetrag ist schnell angesammelt. Ihr könnt zudem einzelne Schriftrollen respektive Pakete mit jeweils zehn Karten kaufen und so eure Sammlung im Kleinen erweitern. Auch hier sind die Goldpreise so niedrig angesetzt, dass auch Spieler mit wenig Zeit nicht zwingend Geld ins Spiel stecken müssen, um Spaß haben zu können. Mit den frisch eingekauften Karten optimiert ihr euer anfangs ausgewähltes Starterdeck. Später kombiniert ihr die verschiedenen Spielweisen zu einem aggressiven Growth/Order-Mix oder einer Decay/Energy-Zerstörungsorgie. Im sogenannten "Deck-Builder" stellt ihr euch per "Drag and Drop" und dank diverser Filter- und Sortiermöglichkeiten schnell neue Decks zusammen.

So spielt sich Scrolls
In den Trials müsst ihr euch unter anderem dieser Hasenplage stellen.
In einem kurzen Tutorial erfahrt ihr die grundsätzlichen Mechaniken des Spiels: Jeder Duellant besitzt einen aus 15 Hexfeldern bestehenden Bereich, auf dem er seine Truppen und Verteidigungsbollwerke platzieren darf. Die Positionierung der Soldaten ist überaus wichtig, da die Einheiten nur in gerader Linie attackieren dürfen, dabei wird immer der Feind zuerst ins Visier genommen, der am weitesten vorne steht. Am Ende jeder Reihe steht jeweils ein Götze, insgesamt fünf auf jeder Seite. Ziel ist es, drei der fünf Steinsäulen vollständig zu zerstören. Es gibt also keinen Helden im Hintergrun
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d wie in Magic oder Hearthstone, dessen Lebenspunkte ihr auf null schlagen müsst. Stattdessen räumt ihr sämtliche Verteidiger einer Reihe aus dem Weg, damit ihr ungehindert Zugang zu den gegnerischen Götzen erhaltet. Gleichzeitig dürft ihr natürlich eure eigenen Reihen nicht ungeschützt lassen.

Auf den ersten Blick klingt das Spielprinzip von Scrolls recht simpel, doch offenbaren bereits die ersten Partien eine taktische Tiefe, die mit den etablierten TCG-Marken durchaus mithalten kann. So müsst ihr erst einmal die notwendigen Ressourcen aufbringen, um überhaupt eine Schriftrolle wirken zu dürfen. Für einen Ressourcenschub müsst ihr jedoch zwingend eine Handkarte opfern, ihr steht also jede Runde vor einer kniffligen Entscheidung: Auf welche Kreaturen und Zauber könnt ihr verzichten? Bei Decks mit mehreren Kartentypen verschärft sich die Handhabung der Ressourcen, weil ihr für Growth-Karten eine andere Ressource benötigt als für Energy-Rollen. Alternativ investiert ihr eure weggeworfene Karte in zwei neue Schriftrollen, was vor allem im späteren Verlauf das Tempo der Partie hochhält. Kommen wir als nächstes zu den Kämpfen...
Der Deck-Builder wirkt auf den ersten Blick konfus, steuert sich aber dank Filter- und Sortiermöglichkeiten sehr intuitiv.
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