Scarlet Nexus

Scarlet Nexus Preview+

Groteske JRPG-Action

Hagen Gehritz / 12. Mai 2021 - 16:00 — vor 1 Jahr aktualisiert
Steckbrief
PCPS4PS5XOneXbox X
Action-RPG
16
25.06.2021
Link
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Teaser

In Scarlet Nexus knüpft ihr Bande mit euren Kameraden in einer Spezialeinheit und verdrescht groteske Monster mit Superkräften. Wir konnten beides ausführlich antesten.
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Mit Scarlet Nexus bringt Bandai Namco am 25. Juni 2021 ein actionlastiges JRPG auf den Markt, das zum einen mit seiner Ästhetik punkten will. Das gilt weniger für den ansehnlichen, aber nicht sehr außergewöhnlichen Anime-Stil der Hauptfiguren. Schon eher für die Spielwelt, die Megametropole Suoh mit Hochglanz-Hologramm-Dschungel auf der einen Seite und bedrückenden Betonwüsten mit hemdsärmeligen dichten Netzen aus Stromkabeln überall auf der anderen Seite. Aber ganz besonders ragen natürlich eure Widersacher im Spiel heraus: die Other. Diese Wesen kommen aus einem mysteriösen Nebel und sehen aus, als hätte ein verrückter Bastler Pflanzen, Tierteile und Metall zusammengeschraubt.

Die Other haben die unangenehme Eigenschaft, Hirne zu fressen. Daher gibt es die Spezialeinheit Other Suppression Force, die mit Superkräften die Angriffe der Monster zurückschlägt. Die Sache mit dem Hirn gehört zum übergeordneten Thema des "Brainpunk"-Settings, denn in der Welt von Scarlet Nexus sind alle Menschen mit Hirn-Interfaces verbunden. So sollte man also nicht seinen Gedankenblocker vergessen, sonst hören am Ende noch andere, was einem durch den Schädel geht. Oder um die psychische Gesundheit eines Nutzers zu schützen, wird der Anblick eines Other-Opfers kurzerhand präventiv mit einem Schwarzer-Balken-Hologramm unkenntlich gemacht.

Ich konnte im Rahmen eines Preview-Events ausführlich den Auftakt des JRPGs anspielen und Others mit Telekinese verdreschen.
Die absonderlichen Gegner in Scarlet Nexus sind weit entfernt vom üblichen Kanonenfutter aus Rollenspielen.
 

Telekinese-Schelle

Zu Beginn von Scarlet Nexus habt ihr die Wahl zwischen einem männlichen und einem weiblichen Spielcharakter. Beide sind vordefinierte Figuren und nehmen nicht einfach dieselbe Rolle in der Story ein. So begegne ich weiter der weiblichen Heldin Kaname in der Handlung, auch wenn ich für das Preview-Event den Jungen Yuito gewählt habe. Es gibt auch einen spielerischen Unterschied, da Yuito mit einem Schwert den Gegnern ganz nahe kommt, während Kaname lieber mit Wurfwaffen aus mittlerer Distanz angreift. Beide nutzen darüber hinaus Telekinese im Kampf, denn beim OSF besitzen alle Soldaten übernatürliche Kräfte.

Im Kampf drückt sich das so aus, dass ihr neben üblichen leichten und schweren Angriffen Telekinese-Moves einsetzt. Auch wenn ihr Gegner mit Lock-On aufschaltet, könnt ihr weiter die Kamera drehen. Lose Gegenstände wie Kisten und Fässer in eurem Blickwinkel werden als Wurfgeschosse markiert. Nun müsst ihr kurz die Schultertaste gedrückt halten, um das Objekt anzuheben und zu schleudern. Das verbraucht eure Psycho-Energie, die ihr durch den Nahkampf auffrischt. Nicht nur so greifen beide Angriffsarten ineinander: Wechselt ihr mit dem richtigen Timing vom Nahkampf zur Telekinese und umgekehrt, aktiviert ihr besonders starke Angriffe. Das Wechselspiel könnt ihr auch zu langen Kombos verketten.

Das Wechselspiel aus Telekinese und Nahkampf war spaßig und verband sich durch die genannte Kombo gut. Anders fühlte sich aber das Verketten der leichten und schweren Angriffe recht hakelig an und hin und wieder wollte auch die Psycho-Kräfte-Nahkampf-Kombo nicht so auslösen wie gedacht, wodurch sich der Kampf bisweilen sperrig anfühlte und ich aus dem Flow kam. Ich kann jedoch nicht ganz ausschließen, dass dieser Eindruck teils dadurch entstand, dass ich ein schnelles Action-Spiel als Remote-Hands-on via Stream spielte. Ärgerlich war jedoch bisweilen auch die Kamera, die nach dem Ableben eines Gegners manchmal nicht direkt auf den nächsten aufschaltete, weil der zu weit am Bildrand war. Und da ich nun mal die Kamera trotz Lock-on weiter drehen konnte, ging mancher Schlag ins Leere.
Zu den "schweren" Gegenständen, mit denen ihr besonders starke Telekinese-Attacken entfesselt, gehören unter anderem Wasserfässer, Straßenlaternen und verwaiste Waggons.
 

Willst du mein Freund sein?

Trotz der Hakeligkeiten gefielen mir die Kämpfe zum Ende der Preview hin immer besser, da mein Repertoire weiter stieg, zum einen durch einen Skilltree, zum anderen, weil das Tutorial neue Konzepte einführte. Größere Objekte etwa wie Straßenlampen konnte ich mit der linken Schultertaste telekinetisch herumwirbeln, worauf meist ein Superangriff mit Quicktime-Event ausgelöst wird. Der bricht besonders gut die Haltung des Gegners, dann ist er verwundbar für sofort tödliche Finisher. Die Angriffe sind aber genauso gut geeignet, Panzerungen der Feinde zu zerstören.

Nicht zuletzt wurden mir an vorgegebenen Punkten immer neue Begleiter an die Seite gestellt, deren Kräfte ich dank einer besonderen OSF-Technologie "borgen" konnte. Zum Beispiel bat ich dann ein Team-Mitglied, mich auf Kommando unsichtbar zu machen, die Zeit zu verlangsamen oder mich mit Element-Effekten zu buffen. Die Kräfte brachten eine angenehme, taktische Ebene hinzu. So konnte ich mit Telekinese ein Ölfass auf Feinde schleudern und dann mein Schwert per Befehl anzünden lassen: eine heiße Kombi für Extra-Schaden.

Die Kräfte zu nutzen, vertieft eure Bande mit dem OSF-Mitglied, von dem ihr sie borgt. Daneben gibt es andere Möglichkeiten, den anderen nahezukommen. Das löst zusätzliche Szenen oder Nebenaufträge aus. Das lohnt sich spielerisch, denn dadurch steigt die Stufe der Kraft und zusätzliche Boni werden freigeschaltet. Die Kameraden vom OSF sind zwar Soldaten, aber nach typischer Anime-Manier sind fast alle Jugendliche und auch ihre Interaktion miteinander und manches schnell aufgeworfene Liebesdreieck lassen zumindest während meiner Zeit mit der Preview-Version eher an ein Schuldrama aus der Mottenkiste denken. Dennoch gab es auch ein paar Zeitgenossen, die mir schon sympathisch wurden.
Viele Zwischensequenzen bestehen aus Standbildern. Es gibt dynamische Übergänge und regelmäßige Bildwechsel, sodass der Eindruck eines Motion Comics entsteht. Allerdings ist es dennoch eine sparsame Inszenierung.
 

Ästhetik vs Technik

Wo Scarlet Nexus beim Design der Other eine eigenwillige, aber interessante Ästhetik auffährt und auch bei der Gestaltung einiger netter urbaner Szenerien ein gutes Händchen beweist, ist die Technik doch sehr ernüchternd. Da befinde ich mich mitten auf einer zentralen Straße in einer Megastadt, doch die wirkt wie ausgestorben. Wie verloren stehen ansprechbare NPCs verstreut am Wegesrand und erzählen Banales. Die Betonung liegt auch auf Stehen: Es gibt wenig Bewegung.

Dazu war der Raum zum Erkunden in der Preview sehr begrenzt. Der zentrale Hub zweigt an ein, zwei Stellen in andere Gebiete ab. Auf der Straße ist zumindest immer ein halbes Dutzend Autos unterwegs. Ich will über einen Zebrastreifen laufen, um zu sehen, ob sie auf mich reagieren oder mich umfahren. Doch Interaktion gibt es nicht, da holografische Barrieren verhindern, dass ich einfach die Straßenseite wechsle. Dafür muss ich bitteschön Fußgängerbrücken benutzen. So wirkt die Spielwelt hier stark kulissenhaft.

Autor: Hagen Gehritz (GamersGlobal)
 
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Meinung: Hagen Gehritz

In Sachen Art Design gefällt mir Scarlet Nexus weiterhin sehr gut. Telekinese und Nahkampf greifen in den Keilereien gut ineinander. Wenn es genug Gegnertypen gibt und das taktische Element der Superkräfte betont wird, könnten die Kämpfe lange motivieren. Allerdings sollte Bandai Namco noch nachjustieren, damit die Balgerei beim Flow nicht ins Stolpern kommt und die Kamera mitspielt.
Wer in JRPGs gerne eine große Welt erkundet, der wird in Scarlet Nexus nicht glücklich, da die Kampfeinsätze der Story und optionalen Aufträge euch stets durch Levelschläuche führen. Selbst im zentralen Hub könnt ihr nicht mal über die Straße gehen, wo ihr wollt, da euch Holo-Barrieren aufhalten.

Story-technisch weckt das Setting Interesse, doch das Writing überschüttet zum Auftakt mit unnatürlich in die Dialoge gezwängten Erklärungen und viele Charaktere bedienen lediglich alte Anime-Klischees.
 
Für einen Titel, der auch auf Nextgen-Konsolen erscheint, wirkt die Technik enttäuschend. Die leere Hauptstraße mit ihren am Boden festgetackerten NPCs scheint aus der Zeit gefallen und da Telekinese so zentral ist, wären ein paar ansehnlichere Physik-Effekte der Freude an den Kämpfen sicherlich zuträglich. Die Vollversion muss zeigen, ob Scarlet Nexus noch mehr aus dem durchaus vorhandenen Action-Potential herauskitzelt.
SCARLET NEXUS
Vorläufiges Pro & Contra
  • Telekinese ergänzt gut Nahkampf
  • Taktische Möglichkeiten durch Kräfte
  • Spielmechanische Auswirkung der Anfreundung mit Verbündeten
  • Etwas hakelige Steuerung
  • Enttäuschende Technik
  • Story überzeugt beim Auftakt noch nicht
Aktuelle Einschätzung
Der Wechsel aus Nahkampf und telekinetischer Manipulation von Objekten aus der Umwelt zeigt gutes Action-Potential, besonders in Kombination mit den weiteren Kräften, die gezielt Schwachpunkte der Gegner ausnutzen, fühlt sich aber noch etwas hakelig an. Ästhetisch ist Scarlet Nexus stark, die Technik dagegen dröge. Es bleibt abzuwarten, ob die Story nach dem expositionslastigen Auftakt über ihre Anime-Klischees hinauswächst.
Befriedigend
Aktueller Stand
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Hagen Gehritz 12. Mai 2021 - 16:00 — vor 1 Jahr aktualisiert
Hagen Gehritz Redakteur - P - 101786 - 12. Mai 2021 - 11:01 #

Viel Spaß mit der Preview!

Wer selbst mal reinspielen möchte: Es wird noch eine Demo vor Release geben.

StefanH 22 Motivator - - 32240 - 12. Mai 2021 - 17:03 #

Also ich denke, dass ich es mal ausprobieren würde. Aber Begeisterungsstürme sind jetzt noch nicht zu erwarten... Hm...

TheRaffer 22 Motivator - - 34133 - 12. Mai 2021 - 17:26 #

Danke für den Hinweis :)
Ich müsste mir das in der Tat vorher mal anschauen.

Olphas 25 Platin-Gamer - - 62219 - 12. Mai 2021 - 19:06 #

Eigentlich sollte das genau in mein Beuteschema fallen aber ... je mehr ich davon sehe, desto weniger spannend finde ich es.

Olipool 18 Doppel-Voter - P - 11007 - 12. Mai 2021 - 20:11 #

Da habe ich statt "Other" doch ne ganze Zeit "Otter" gelesen und dachte nur: naja, aus Japan kommen doch immer exotische Ideen... gehirnfressende Otter... warum nicht :D

Hagen Gehritz Redakteur - P - 101786 - 12. Mai 2021 - 22:52 #

Das wird vielleicht der geistige Nachfolger, wenn es nicht schon ein Spiel mit Killerottern gibt.

JensJuchzer 21 AAA-Gamer - P - 25591 - 13. Mai 2021 - 14:50 #

Grafikstil finde ich spannend. Der Rest, mal sehen ob die Demo mehr Aufschluss bietet.

Sven Gellersen 23 Langzeituser - - 41767 - 14. Mai 2021 - 9:44 #

Spricht mich jetzt leider nicht so sehr an.

Vampiro 26 Spiele-Kenner - - 73842 - 14. Mai 2021 - 21:36 #

Das Teaserbild hat mich angesprochen. Der Rest leider nicht so :(

Sokar 20 Gold-Gamer - - 21725 - 17. Mai 2021 - 11:57 #

Zur Ankündigung wirkte das Spiel als typisches Anime-Action-Game ohne große Besonderheiten. Und so wirklich hat es mich bisher nicht so wirklich überzeugt, warum ich dass spielen soll und nicht sowas wie Nier oder Bayonetta.

Moriarty1779 17 Shapeshifter - - 8844 - 23. Mai 2021 - 18:40 #

Erinnert mich etwas an Astral Chain auf der Switch. Da hab ich mich auch eher durchgequält als es genossen...

Maddino 18 Doppel-Voter - 10655 - 28. Juli 2021 - 22:44 #

Wird es noch einen finalen Test geben?

Ganon 26 Spiele-Kenner - - 71630 - 10. August 2021 - 14:29 #

Wohl nicht mehr, aber es gibt eine Viertelstunde: https://www.gamersglobal.de/video/scarlet-nexus-die-viertelstunde