Zurück ins Mittelalter

Risen 3 – Titan Lords Preview

Die Piraten sind Geschichte: Im dritten Teil der RPG-Reihe geht es wieder mittelalterlicher zu, ein neuer Held widmet sich dem Kampf gegen die Titanen. Weshalb uns im August ein Piranha-Bytes-Spiel alter Schule erwartet und vielleicht das beste der Reihe, verraten wir euch in unserer Preview.
Benjamin Braun 20. April 2014 - 23:18 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Ihren Ruf verdankt Piranha Bytes den ersten beiden Teilen der 2001 gestarteten Gothic-Reihe, den selbst der enttäuschende dritte Teil nicht zerstören konnte. Gothic ist für den Essener Entwickler allerdings längst kein Thema mehr, nachdem im Jahr 2009 der erste Teil von Risen an den Start ging. Darin erinnerte vieles an die vorherigen Spiele des Studios, was die einen unter „die können nichts anderes“ verbuchten, die Fans jedoch unter „das ist genau das, was ich will“. Risen 3 - Titan Lords soll im August 2014 insbesondere die Serienanhänger ansprechen, weshalb die Entwickler den Piratenbezug an den Rand drängen und wieder in Richtung Mittelalter-Fantasy gehen.

Der letzte Scheiß!In Risen 3 sind die Titanenkriege immer noch im Gange und drohen, die Welt ins Chaos zu stürzen. Insofern hat sich also an der Ausgangslage seit dem ersten Teil nichts verändert. Doch im Vergleich zu Risen 2 – Dark Waters (GG-Test: 8.5) gibt's einen neuen namenlosen Helden (zumindest gehen wir davon aus, dass er wieder namenlos sein wird). Tot ist der Vorgänger aus den ersten beiden Teilen nicht, der Spieler wird ihm im Laufe der Geschichte sogar über den Weg laufen.

Jedenfalls scheint das kleine Studio aus dem Ruhrpott entschieden zu haben, dass es Zeit für einen Tapetenwechsel ist. Ohne es zu wissen, vermuten wir stark, dass diese Entscheidung eng mit der Abkehr vom Piratensetting zu tun hat, an dessen Stelle wieder ein mittelalterlich anmutendes Fantasy-Setting rückt, das zumindest ansatzweise an Khorinis und das Minental der ersten beiden Gothic-Teile erinnert. Erwartet aber keinen radikalen Bruch zu den beiden ersten Risen-Ablegern: Männer mit Augenklappen, Holzbeinen und Papageien auf der Schulter werden euch auch hier begegnen, wenn auch nur noch am Rande. Offenbar hat die vielfach von den Fans geäußerte Kritik am Piratenbezug ihre Wirkung nicht verfehlt.
 
Verlass dich auf jemanden und du bist verlassen!
Ganz auf einen neuen Helden zu setzen, hat natürlich seine Vorteile: Niemand muss die x-te Amnesie erleiden, um alles zu vergessen, was er in Sachen Skills und Magie im vorherigen Abenteuer gelernt hat. Einen Schicksalsschlag ereilt den neuen Helden zu Beginn seiner Reise aber dennoch. Es sind aber nicht die Titanen selbst, sondern ein mysteriöser Schattenlord, der den Helden überfällt, ausraubt und nebenher noch seine Seele einsteckt. Natürlich wollen wir unseren Kram zurück haben, immerhin kommt man bei den Damen nicht so gut an, wenn man kein Geld hat, dafür aber mangels Seele Alpträume vom Großinquisitor Medoza. Da trifft es sich nur zu gut, dass uns jemand den Rat gibt, doch mal bei den Magiern auf der Insel Teranis vorbei zu schauen und uns vom alternativen Namen Donnerinsel nicht ins Boxhorn jagen zu lassen.
Um die Hilfe der vermeintlich frommen Gemeinschaft zu erhalten, müsst ihr selbstredend eine Gegenleistung erbringen und die Herren in ihren Roben dabei unterstützen, ein Monolithennetzwerk zu errichten. Von diesem erhoffen sich die Magier, dass es die Titanen von Teranis fernhält. Die Insel können wir frei erkunden, wobei uns starke Gegner an bestimmten Stellen das Durchkommen schwer machen. Dazu zählen nicht zuletzt auch seltsame Schattenwesen und weitere Schattenlords, die durch Totenkopfportale an die Oberfläche dringen. Klar, dass dem Held die Aufgabe obliegt, diese Bedrohungen zu beseitigen. Inwieweit es storymäßige Einschränkungen bei der Erschließung von Teranis und anderer Inseln gibt, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Klar scheint im Moment nur, dass die Welt von Risen 3 wieder aus mehreren Teilbereichen besteht, die schätzungsweise nicht ohne Ladescreen erreicht werden können. Größer als in Risen 2 werden einzelne Teile der Welt aber wohl ausfallen. Zumindest Teranis soll größer sein als jede der Inseln aus dem Vorgänger.
 
Ich steh auf diese ganze Scheiße!
Als eines der wichtigsten neuen Features führt Koch Media die „flexible Chronologie“ an: Zwar werden die Einzelteile von einer übergeordneten Handlung zusammengehalten, es soll aber deutlich größere Freiheiten dabei geben, welche Aufgaben ihr euch als erstes vornehmt. Wie das im Detail aussieht, wissen wir noch nicht. Wir hoffen aber, dass es nicht wie in Gothic 3 sein wird, wo man ganze Städte komplett "abarbeiten" konnte, sodass es dort bis zum Ende des Spiels quasi nichts Neues mehr gab.
 
Die Spielwelt verspricht eine große Vielfalt und noch mehr Freiheiten, als schon die Vorgänger boten.
Neben der Einteilung in Kapitel, zwischen denen sich die Spielwelt verändert, will Piranha Bytes eine weitere Stärke wieder einbauen (oder noch ausbauen): Quests sollen auf unterschiedliche Weise lösbar sein. Um zu den Magiern zu gelangen, können wir beispielsweise klassische Auftragsquests für den Anführer der Wächter der Magier erledigen, die uns in eine Mine mit magischem Erz führen. Oder aber wir springen einfach in den Brunnen vor der Magierfestung, um so ohne Aufsehen an der Torwache vorbeizukommen. In letzterem Fall landen wir in einem Wasserreservoir, in dem wir ... tatatata ... schwimmen dürfen. Denn aus irgendeinem Grund war Schwimmen in Risen bislang strengstens verboten. Diese Fähigkeit kommt uns auch bei der Erkundung der kleinen Inseln um Teranis zu Gute, die wir dadurch ohne Schiff erreichen können.

Wie komplex im Spielverlauf solche Lösungsvarianten ausfallen, bleibt abzuwarten. Im späteren Verlauf dürften sie in jedem Fall auch stärker im Zusammenhang mit der Wahl unserer Gilde stehen. Die bereits genannten Wächter, die so etwas wie magisch begabte Krieger sind, stellen nur eine davon dar. Wie üblich unterscheidet Piranha Bytes zwischen Fraktionen und Gilden. Im Detail ist noch nicht bekannt, wie viele es davon geben wird, und welchen davon wir uns  anschließen können. So lose, wie die Verbindungen in der jüngeren Vergangenheit waren, sollen sie aber nicht ausfallen, und vor allem deutlich größeren Einfluss auf den Verlauf der Haupthandlung haben. Erstmals in einem Piranha-Bytes-Spiel sind auch unterschiedliche Enden vorgesehen – ob zwei oder mehr, verriet man uns nicht.
 
Alles wird gut!Risen 2 war – wenigstens in der PC-Version – alles andere als hässlich. Zum grafischen Augenschmaus reichte es aufgrund sich wiederholender, hölzerner Animationen und teils unscharfer Texturen aber auch nicht. Bei Risen 3 fielen uns sofort die technischen Verbesserungen bei den Bewegungsabläufen der Figuren auf. Die Charaktere gestikulieren während den Dialogen deutlich realistischer und zeigen eine – gemessen an den bisherigen Piranha-Bytes-Spielen – feine Mimik. Vorbei scheint auch die Zeit der Klon-Charaktere zu sein, in der selbst Namen tragende NPCs oft wie ein Ei dem anderen glichen. Vielfalt und Qualität errei
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chen gewiss nicht das Niveau eines Dragon Age 2, aber dennoch liegen zwischen Risen 2 und 3 gefühlt Welten. Das wird auch bei der Kleidung der Charaktere deutlich. Anders als bisher klappt zum Beispiel der Rock eines rennenden Magiers nicht einfach grob zur Seite weg, während er ansonsten steil nach unten hängt.

Aus dem Vollen schöpfen die Entwickler vor allem in zwei Bereichen: bei den Effekten und bei der Vielfalt der Spielwelt. Da gibt es von Sümpfen, Wäldern und mal mediterranen, mal europäisch wirkenden Städten und Dörfern alles, was das Herz des Gothic-Fans begehrt. Piranha Bytes verspricht, jeden Baum einzeln in die Landschaft zu setzen, statt Weltgenerations-Tools zu benutzen. Der Wiedererkennungswert bestimmter Orte ist entsprechend groß, weil eben kaum ein Fleck aussieht wie der andere. Andererseits kommen Serienkennern bestimmte Designs und Elemente, etwa bei den Gegnern, sofort vertraut vor. Das Erscheinungsbild von Felsspinnen, Scavengern und ähnlichem dürfte kaum jemanden überraschen, aber auch die Begegnung mit Drachensnappern, wie es sie zuletzt in Gothic 2 gab, lassen bei uns heimische Gefühle aufkommen.
Die Magier wollen mit Energieplattformen einen Titanen-Schutz errichten. Der Scavenger im Vordergrund will: fressen.
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