E3 2015: Lara wird erwachsen

Rise of the Tomb Raider Preview

Steckbrief
LinuxMacOSPCPS4360XOne
3D-Actionadventure
18
Crystal Dynamics
13.11.2015
Link
Amazon (€): 31,90 (PlayStation 4), 35,00 (360), 24,99 (PC)
GMG (€): 59,99 (STEAM), 53,99 (Premium), 2,99 (STEAM), 2,69 (Premium), 2,99 (STEAM), 2,69 (Premium), 27,99 (STEAM), 25,19 (Premium), 2,99 (STEAM), 2,69 (Premium), 9,99 (STEAM), 8,99 (Premium), 2,99 (STEAM), 2,69 (Premium), 2,99 (STEAM), 2,69 (Premium), 2,99 (STEAM), 2,69 (Premium), 49,99 (STEAM), 44,99 (Premium), 2,99 (STEAM), 2,69 (Premium), 2,99 (STEAM), 2,69 (Premium), 9,99 (STEAM), 8,99 (Premium), 9,99 (STEAM), 8,99 (Premium), 9,99 (STEAM), 8,99 (Premium), 2,99 (STEAM), 2,69 (Premium)
Mit dem 2013er Lara-Croft-Reboot gelang Crystal Dynamics der vielleicht beste Teil der 1996 gestarteten Serie, obwohl oder gerade weil er sich überaus deutlich bei Uncharted bediente. Nun sind die Entwickler wieder im Serienmodus angekommen – und auf einem guten Weg, mit der Fortsetzung noch einen draufzusetzen.
Benjamin Braun 28. Juni 2015 - 18:29 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Puh, ist das kalt hier! Aber alles halb so wild, immerhin kann die junge Dame in Daunenjacke und gefütterten Stiefelchen zeigen, dass ihre Lippen der Temperatur angemessen zittern. Gemessen an ihrem jugendlichen Alter hat das Mädchen mit dem Pferdeschwanz schon so einiges durchgemacht.

Aber die Zeiten sind vorbei, in denen sie sich schluchzend über ein erlegtes Rehkitz beugte, um ihm das überlebenswichtige Fell abzuziehen. Die junge Frau heißt Lara Croft, und sie ist auf dem besten Wege, die größte Grabräuberin aller Zeiten zu werden.

Die Jagd nach dem heiligen Gral
Lara kann am Rande in diverse optionale "Gräber" einbrechen um nach besonders wertvollen Schätzen zu suchen.
In Rise of the Tomb Raider verschlägt es Lara ins eisige Russland, um dort nach der legendären Stadt Kitesch zu suchen. Von Juri II., dem Großfürst von Wladimir, soll die Stadt einst gegründet worden sein – und genau dort soll das Geheimnis versteckt sein, das ewiges Leben verspricht. Selbstredend ist nicht nur Lara auf der Suche danach, denn wie die Nazis in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug beansprucht eine dunkle Macht das ewige Leben für sich. In Rise of the Tomb Raider ist es eine Organisation namens Trinity, die Lara zuvorkommen will und dabei weder vor einer Entführung noch vor Mord zurückschreckt. Anfangs ist Lara mit ihrem Begleiter Jonah Maiava unterwegs, doch die beiden werden bald voneinander getrennt. Und wieder einmal muss sich die Archäologin nicht bloß einer ganzen Armee bewaffneter Gegner, sondern auch mit Tieren anlegen, etwa riesigen sibirischen Bären.

Durch den tiefen SchneeAnders als das im März 2013 für PC, 360 und PS3 sowie später als Definitive Edition für PS4 und Xbox One veröffentlichte Tomb Raider (GG-Test: 9.0) erscheint Rise of the Tomb Raider nur für Xbox One und 360. Ob und wann sich das ändert, bleibt abzuwarten. Gezeigt hat Microsoft auf der E3 jedenfalls nur die Xbox-One-Version. Die gravierendsten Unterschiede zum letzten Teil betreffen eindeutig die Animationen: Insbesondere bei der zwar lebendigen, aber nicht immer realistischen Mimik hat Crystal Dynamics einige Fortschritte erreicht. Das eingangs erwähnte Zittern der Lippen vor klirrender Kälte gehört genauso dazu wie die generelle Feinheit der Mimik, die es uns erlaubt, das Gesagte förmlich von Laras Lippen zu lesen. Das gilt höchstwahrscheinlich nur für die englische Sprachausgabe, wir können uns nicht vorstellen, dass es auch in der deutschen Fassung so ist.

Bei den übrigen Animationen haben die Entwickler ebenfalls zugelegt. Gerade in den Kletterabschnitten wirken die Bewegungsabläufe runder als noch im Vorgänger. Spezialanimationen, etwa wenn Lara durch tiefen Schnee watet, sind ebenfalls realistisch gestaltet, auch wenn der Schnee selbst nicht ganz so verdrängt und aufgewühlt wird, wie wir das in der echten Natur erwarten würden. Ein paar weitere Schwächen: Wenn Lara sich schleichend fortbewegt und in einen Strauch kriecht, um ihn als Sichtschutz zu nutzen, biegen sich die Äste recht künstlich zur Seite. Verglichen damit, wie sich das Grünzeug in Uncharted 4 realistisch um Nathan Drake herumwindet, wirkt Rise of the Tomb Raider fast schon veraltet. Ähnlich sieht es mit Blick auf die Texturqualität aus, die aktuell nicht immer allerhöchsten Ansprüchen genügt.

Allerdings betont Noah Hughes, Creative Director von Crystal Dynamics, dass Rise of the Tomb Raider die größte Open World in der Seriengeschichte besitze (Kunststück, bislang hatte nur der Vorgänger überhaupt eine solche...), dreimal so groß wie in Tomb Raider. Da kann das gewiss weniger offene Uncharted 4 letztlich doch nur bedingt als Vergleichsobjekt herhalten.

Doch nicht nur im Großen wollen Hughes und Kollegen Maßstäbe setzen, sondern auch im Kleinen. Wenn Lara durch Wasser schwimmt und wieder an Land geht, wringt sie erstmal das Wasser aus ihrem Pferdeschwanz. Die Haaranimationen sehen besser aus als in Laras letzten großen Abenteuern, Phänomene wie nach oben hängende Haarsträhnen, obwohl die Grabräuberin kopfüber am Seil baumelt, sind uns nicht aufgefallen.

Nathan macht's vor
So richtig zugeben wollte Crystal Dynamics schon beim Tomb-Raider-Reboot nicht, dass Uncharted insbesondere bei der Inszenierung Pate gestanden hatte. Art Director Brian Horton sagte auf unsere entsprechende Frage damals nur, dass Uncharted eine tolle Spieleserie sei. Ach was! Noah Hughes, der uns Rise of Tomb Raider auf der E3 präsentierte, kam diesbezüglich überhaupt nichts über die Lippen.

Nun ja, dafür haben wir selber Augen: Wie nicht anders zu erwarten, geht auch Laras neues Spiel in die Unc
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harted-Richtung, vielleicht sogar noch stärker. Ihr könnt also viele Zwischensequenzen cineastischer Machart erwarten, mit Perspektivwechseln, Close-ups, rasanten Fluchtabschnitten, in denen so einiges zu Bruch geht, und allgemein diverse Szenen, die unter dem Oberbegriff "spektakulär" einzusortieren sind. Als wir beispielsweise mit Lara das erste der (optionalen) Gräber betreten, muss sie über einen Aquädukt zum Eingang gelangen, der während ihres kleinen Parcourslaufs Stück für Stück zusammenbricht.

Sich an Uncharted orientieren, heißt aber auch: Ständig die Kontrolle über die Spielfigur verlieren und dabei zuschauen, wie es Lara nach einem aktiven Sprung gerade noch so schafft, sich an der nächsten Kante hochzuziehen. Im Tempel selbst quetscht sie sich durch einen engen Gang, die Kamera schwenkt heraus und lässt im Lichtschein der Fackel Skelette sichtbar werden. Ein bisschen wie in Indiana-Jones-Filmen werden auch sie in Nahansicht gezeigt, während Insekten und anderes Kleingetier sich durch ihre Mund- oder Augenhöhlen bewegen. Doch keine Sorge, es gibt auch einige Unterschiede zur Uncharted-Serie, und die sind vor allem spielerischer Natur.
Die Uncharted-artige Inszenierung ist äußerst wichtig, aber bei weitem nicht alles, was Rise of the Tomb Raider ausmacht.
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