Gnadenlos komplex

Pillars of Eternity Preview

Steckbrief
LinuxMacOSPCPS4SwitchXOne
Gruppen-RPG
16
26.03.2015
Link
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Preview
Ein hochkomplexes Regelwerk, klassische Partykämpfe, Multiple-Choice-Dialoge mit Entscheidungen und Tiefgang. Das sind nur ein paar der Elemente, mit denen Obsidian Fans der alten Bioware-RPGs begeistern will. Die Backer-Beta deutet an, dass dieses hehre Ziel tatsächlich erreicht werden könnte.
Benjamin Braun 23. August 2014 - 17:17 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Bis Ende dieses Jahres will Obsidian Entertainment sein Kickstarter-finanziertes Rollenspiel Pillars of Eternity fertigstellen. Wir haben uns der kürzlich gestarteten Backer-Beta angenommen, einen wilden Oger im Dialog überlistet, Geister, Löwen und Riesenspinnen bekämpft und Dracheneier aus einem Nest geklaut. Warum das Ganze? Natürlich um der großen Frage auf den Grund zu gehen, ob dieses Spiel seinem Ruf gerecht werden kann, die tiefen Fußstapfen des großen Vorbilds Baldur's Gate auszufüllen. Denn wie dieses und seine Nachfolger will Pillars of Eternity ein komplexes, zuweilen sperriges, spielzeitstarkes Oldschool-Rollenspiel sein.

Aller Anfang ist komplexObwohl die Beta-Version von Pillars of Eternity noch nichts von der Handlung oder dem tatsächlichen Spielbeginn zeigt, steht vor dem Spielstart die Erstellung unseres Hauptcharakters an. Dafür greifen wir auf beinahe alle Funktionen zu, die es auch im fertigen Spiel geben wird. Wo wir in anderen Rollenspielen nach wenigen Minuten – oder oft gar Sekunden – bereits alle Eigenschaften festgelegt haben, ist die Heldenerschaffung in Pillars of Eternity deutlich komplexer. Gleich sechs Rassen stehen zur Wahl, die allesamt über spezielle Eigenschaften verfügen und deshalb mit bestimmten Vor- oder auch Nachteilen ins Abenteuer starten. Menschen erhalten beispielsweise Boni auf die Charakterwerte "Entschlossenheit" und "Macht", die eure Kampfbalance verbessern beziehungsweise eure körperliche und psychische Stärke erhöhen. Zwerge wiederum genießen einen größeren Bonus auf "Macht" sowie auf die "Verfassung" (Höhe von Gesundheit und Ausdauer), müssen aber gleichzeitig einen kleinen Malus auf das Attribut "Gewandtheit" hinnehmen. Damit ist eure Wahl aber längst nicht abgeschlossen. Natürlich entscheidet ihr euch auch für eine Klasse. Stolze elf Stück gibt es, wobei vom Barbar bis hin zum Zauberer alle nur denkbaren Klassenvarianten dabei sind. Jede Klasse erhält Boni auf eine oder mehrere Fertigkeiten wie Athletik oder Wissen und verfügt selbstredend über spezielle Talente und Fähigkeiten. Als Dieb habt ihr etwa Zugriff auf den "Verkrüppelnden Schlag", mit dem ihr für einige Sekunden erhöhten Schaden austeilt und gleichzeitig besser den feindlichen Angriffen der Gegner entgeht. Die Fähigkeiten des Priesters bestehen hauptsächlich aus Schutzzaubern oder solchen, die der Gruppe für einen begrenzten Zeitraum eine höhere Effizienz verleihen.

Die Charaktererstellung ist hochkomplex und lässt euch die Wahl aus zig Rassen und Klassen. Hier seht ihr einen Feuer-Gottgleichen, der der Klasse Barbar angehört.
Bevor ihr schließlich eure Punkte auf die sechs Hauptattribute verteilt, wählt ihr noch eure Kultur und eure Hintergrundgeschichte. Wart ihr mal ein erfolgreicher Händler, der ein hohes Ansehen genoss, oder vielleicht doch nur ein Söldner, der nur eine Art der Konfliktlösung gelernt hat? Eure Entscheidung bestimmt mit über eure Grundausrüstung und nimmt grundsätzlich Einfluss auf Story und Dialoge. NPCs erkennen oft, wer ihr seid und woher ihr kommt, weshalb sich teils ganz andere Dialogoptionen bieten – manche NPCs reagieren abweisend, andere empfangen euch aufgrund eurer Vorgeschichte mit offeneren Armen. Individualisierungsmöglichkeiten für das äußere Erscheinungsbild gibt es bislang hingegen nur in geringem Umfang. Zumindest bei den Spielerporträts würden wir uns im fertigen Spiel noch einige Optionen mehr wünschen.

Die Komplexität endet aber auch mit der Charaktererstellung nicht. Denn schon auf dem niedrigsten der vier Schwierigkeitsgrade werdet ihr euch intensiv mit der Ausstattung eurer maximal sechsköpfigen Gruppe beschäftigen müssen. Wer sich nicht eifrig mit Waffen, Rüstungen, Ringen, Tränken und ähnlichem auseinandersetzt, wird im Kampf schnell zum Freiwild. Zusätzlich wird es mit "Eisenurteil" eine Permadeath-Variante geben, die nur einen Spielstand erlaubt, während der ebenfalls mit den eigentlichen Schwierigkeitsgraden kombinierbare "Expertenmodus" diverse Hilfeeinblendungen unterdrückt.

Tiefgehende RollenspielerfahrungDas Dorf Dyrfurt aus der Backer-Beta könnte auch den Gedanken der Gebrüder Grimm entstiegen sein. Der Ort, mitten im Wald nahe einem hypnotisch gurgelnden Flusslauf, wirkt sehr idyllisch. Aber der Eindruck täuscht, denn die Bewohner haben mit schweren Problemen zu kämpfen – und manch ein Besucher verfolgt womöglich nicht die ehrenvollsten Absichten. Gleich am Eingang des Dorfes begegnen wir dem Kopfgeldjäger Medreth, der uns um einen Gefallen bittet. Er sucht nach einer gewissen Nyfre, die sich irgendwo im Dorf versteckt halten soll. Angeblich ist sie eine Mörderin und wir sollen so freundlich sein, die Dame in seine Richtung zu locken, damit er sich ihrer "annehmen" kann. Bevor wir uns mit diesem Wunsch beschäftigen, betreten wir aber zunächst das Gasthaus im Dorfzentrum. Wir werden Zeuge einer Unterhaltung zwischen dem Wirt und Fürst Harond, der sich um seine Tochter Aelys sorgt. Das junge Fräulein ist verschwunden und seit
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Tagen wartet Harond vergeblich auf ein Lebenszeichen. Es liegt nahe, dass wir für ihn herausfinden sollen, wo seine Tochter geblieben ist, weshalb wir beschließen, uns im Dorf nach möglichen Zeugen umzusehen.

All das erinnert, genauso wie viele andere Details, sehr stark an die Bioware-Rollenspiele. Ebenfalls "klassisch" wirken die interaktiven Bildergeschichten. Beispielsweise beauftragt uns eine Trankhändlerin damit, in der Nähe nach einem Drachennest zu suchen, da sie mit dem Ei ein mächtiges Gebräu herstellen möchte. Am von einigen Lindwürmern bewachten Nest angekommen, startet jene interaktive Geschichte, die aus illustrierten Texttafeln besteht. Wir probieren zunächst, selbst den Felsen zum Nest hochzuklettern, stellen aber schnell fest, dass unser Charakter aufgrund seiner Werte nicht dazu in der Lage ist. Also schicken wir beim zweiten Mal den Kämpfer unserer Gruppe. Auch der stürzt letztlich ab, rettet aber zumindest einen Teil des Eis, der ausreicht, um die Quest der Tränkebrauerin abzuschließen. Die Machart mag auf Freunde moderner Rollenspiele billig wirken, bei den etwas älteren Spielern dürften aber nostalgische Gefühle aufkommen.
In Pillars solltet ihr nie überstürzt in den Kampf ziehen und stattdessen eifrig Gebrauch von der Pause-Funktion machen. Bereits auf "Leicht" ist dieser Kampf gegen einige Geister sehr fordernd und verzeiht Fehler kaum.
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