Monster Hunter Stories 1+2 (PlayStation)

Monster Hunter Stories 1+2 (PlayStation) Preview+

Liebenswertes Runden-RPG im Doppelpack

Benjamin Braun / 20. Mai 2024 - 17:01 — vor 3 Wochen aktualisiert

Teaser

Mit Monster Hunter World und Rise erreichte die Capcom-Reihe ihren bisherigen Zenit. Das rundenbasierte RPG-Spin-Off Monster Hunter Stories ist auf seine Weise genauso stark. Beide Teile erscheinen nun erstmals für PS4.
Dieser Inhalt wäre ohne die Premium-User nicht finanzierbar. Doch wir brauchen dringend mehr Unterstützer: Hilf auch du mit!
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Spätestens seit Monster Hunter - World (im Test: Note 9.0) muss ich mich als Fan der Reihe bezeichnen. Noch besser gefiel mir nur der Rollenspiel-Ableger Monster Hunter Stories, der anstelle von Echtzeit-Action auf rundenbasierte Kämpfe setzt, aber ansonsten alles mitbringt, was die Monsterhatz auszeichnet. Und noch mehr als das, denn das Spin-off genießt mit viel Humor und liebenswert inszenierter Story klare Vorteile zur Kernreihe. Ursprünglich wurde der erste Teil der Monster-Hunter-Stories-Reihe nur für 3DS und Mobiltelefone veröffentlicht, im Juni erscheint eine umfassend überarbeitete Neufassung für PC, PlayStation und Switch. Der für Switch und PC veröffentlichte Nachfolger Wings of Ruin (im Test: Note 8.0) geht ebenfalls erstmals auf der Sony-Konsole an den Start. Was euch erwartet und ob ihr die Spiele – separat oder als Compilation für PS4/PS5 – schon mal vorbestellen solltet, verrate ich euch in diesem Text sowie im oben eingebundenen 4K-Video.

Da sich bei der Umsetzung des ersten Monster Hunter Stories am meisten verändert (und sich beide Titel spielerisch sehr ähneln), lege ich den Schwerpunkt darauf, ohne aber Teil 2 zu vergessen.
PS4: Aufgrund des Comicstils und der verbesserten Charaktermodelle (und Monster) sieht das erste Monster Hunter Stories nicht wirklich schlecht aus. Die 3DS-Herkunft sieht man der PS4-Fassung aber dennoch an einigen Stellen deutlich an.
 

Partielle Frischzellenkur

Mit der Remastered-Version von Monster Hunter Stories halten auch ein paar inhaltliche Neuerungen Einzug. Da wäre etwa der Museumsmodus, in dem ihr etliche Artworks aus der Produktion einsehen und in einem Player die einzelnen Musikstücke anhören könnt. Enthalten sind auch die Änderungen der bislang nur in Japan veröffentlichten "Title Updates" 1.20 und 1.30,  von denen ich allerdings nicht mal weiß, was genau die nun bewirken. Wesentlicher sind da schon die technischen Verbesserungen. Überarbeitet wurden insbesondere die Modelle von Charakteren und Monstern, die teils wesentlich detaillierter daherkommen. An den wunderbar animierten Cutscenes gibt es wenig zu meckern, außer dass an manchen Stellen Kompressionsartefakte sichtbar sind.

Schon weniger auffällig sind neue Beleuchtungseffekte und Umgebungstexturen. Auch da macht die PS4-Fassung einen Sprung, die teils kargen Landschaften, gerade auch im Kontrast zur Qualität der Charaktermodelle, können den 3DS-Ursprung des Abenteuers aber allenfalls begrenzt verschleiern. Ich finde das Spiel trotzdem hübsch, ganz dem Leistungsniveau der PS4 gerecht wird Monster Hunter Stories aber nicht. Das gilt auch für den zweiten Teil, der wiederum ein "einfacher Port" des Originals sein dürfte. Als Grundlage vermute ich die PC-Fassung, da sich auf PS4 Schwächen der Switch-Version bei Weitsicht und damit verknüpften Pop-Ups nicht ergeben oder wenigsten erheblich seltener ins Auge fallen.
Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab und sind taktisch geprägt. Es gibt aber auch kleinere Action-Elemente wie "Clashes", in denen ihr euch im Rahmen eines simplen QTEs die Oberhand bei diesem Zusammenprall sichert.
 

Humorvolle Darbietung mit neuer Sprachausgabe

Die vielleicht wichtigste Neuerung des ersten Monster Hunter Stories ist die  Sprachausgabe. Denn wo es auf 3DS nur Bildschirmtexte gab, werden die Storydialoge nun ausnahmslos von guten bis sehr guten Sprechern auf Englisch oder Japanisch vorgetragen. Der stets in Reimen sprechende Dorfälteste kommt gut rüber, wobei die deutsche Textübersetzung gerade dort nachvollziehbarerweise so stark abweicht, dass es der Reimerei ein Stück weit zuwiderläuft. Am besten gefällt mir aber ohnehin Felyn Navirou, der sich schon früh an die Seite eures in einem eher dünnen Editor erstellten Helden gesellt. Das vorlaute, sprechende Katzenvieh ist jedenfalls immer wieder für einen Lacher gut. Navirou könnte man dabei gut als eine Mischung von Mauzi aus der Pokémon-TV-Serie und Lasagne-Mampfer Garfield beschreiben, letzteres vor allem in Bezug auf die leicht knubbelige Statur.

Eine deutsche Sprachausgabe wäre mir natürlich am liebsten gewesen, aber besser in guter Qualität auf Japanisch oder Englisch als eine dritte auf Deutsch, die am Ende nicht mithalten kann. Die Story selbst hat indes auch ihre ernsthaften oder sogar düsteren Elemente. Beide Spiele legen aber eindeutig mehr Wert auf eine unterhaltsame Darbietung. Insbesondere der zweite Teil ist ziemlich stark auf Comedy getrimmt und deshalb kurzweiliger. Teil 2 kommt auch spielerisch schneller in Fahrt. Die Spielmechanik ist in beiden Teilen klar die größte Stärke.
Wenn der Bindungsstein ausreichend aufgeladen ist, dürft ihr auf euer Monster steigen, beritten "normal" angreifen oder auch eine mächtige Bindungsfähigkeit zünden. Solche Bindungen und Bindungsfähigkeiten gibt es natürlich auch für andere Monster.
 

Dynamisches Rundenkampf-RPG

In Monster Hunter Stories  1 und 2 bewegt ihr euch in Echtzeit durchs Dorf und die umgebenden Einsatzgebiete. In letzteren bekämpft ihr Monster, sammelt Ressourcen  oder vertreibt euch die Zeit beim Fischen. Im Rahmen der Story, in der ihr zu einem sogenannten Rider werdet, erhaltet ihr automatisch Zugriff auf euer erstes "Monstie", das euch auf eurer Reise begleitet und das ihr von Beginn an in den Einsatzgebieten auch reiten dürft. Beim entfernt an einem Velociraptor erinnernden Velociprey muss es natürlich nicht bleiben. Später treibt ihr wesentlich mächtigere Monster in ihre Nester zurück, klaut Eier daraus und brütet neue potenzielle Begleiter aus.

Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab, wobei ihr keine vollständige Kontrolle über die Aktionen eures Leit-Monsties oder eurer in manchen Missionen aktiven Begleiter habt. Das alles läuft klassisch mit der Auswahl normaler Angriffen, Itemverwendung oder dem Zünden von Specials ab. Die meisten Attacken sind aber Kraft, Geschwindigkeit oder Technik zugeordnet, was im Spiel, entfernt an die Pokémon-Spiele erinnernd, für ein Stein-Schere-Papier-Prinzip genutzt wird. Das kommt vor allem bei "Konfrontationen" zum Tragen, also wenn ihr in der aktuellen Runde eures Rider eines der Ziele angreift, das ihn gerade selbst im Visier hat. Im zweiten Teil wird das dadurch, dass auch der Waffentyp (scharf, spitz, stumpf) beachtet werden muss, etwas komplexer. Auch der gezielte Angriff von Körperteilen spielt dort eine zentralere Rolle als im ersten Teil.

Obwohl ihr alle Zeit der Welt habt, um eure Aktion auszuwählen, wirken die Kämpfe vergleichsweise dynamisch. Das liegt auch daran, dass es gelegentlich zu sogenannten Kraft-Clashes zwischen eurem Monster und dem feindlichen kommt, bei dem ihr via Button-Mashing die Oberhand behalten müsst. Besonders spektakulär wird es beim Einsatz der Bindungsfähigkeit, für die ihr zunächst im Kampf auf euer Monster steigt. Ihr könnt aus dieser Position auch normale Angriffe ausführen, oder aber eben eine Bindungsfähigkeit, die besonders viel Schaden anrichtet und vor allem ein bisschen so wie in Dragonball oder Avatar – Der Herr der Elemente inszeniert werden. Das wiederholt sich natürlich oft, aber mit Stufenaufstiegen wächst eben auch euer Repertoire an Spezialaktionen an.

Regelmäßig kommt es zudem zu Begegnungen mit besonders mächtigen Storygegnern. Und auch die Vielfalt an normalen Feindtypen wächst kontinuierlich an. Langweilig wird es in den jeweils (!) locker über 40 Stunden Spielzeit von Monster Hunters Stories 1 &2 für PC sowie PS4/PS5 deshalb nie.

Autor: Benjamin Braun, Redaktion: Hagen Gehritz, Jörg Langer (GamersGlobal)

 
Anzeige

Meinung: Benjamin Braun

Wer höchste Ansprüche an die visuelle Umsetzung stellt, der wird gerade mit der PS4-Version des ersten Monster Hunter Stories nicht rundum glücklich. Der Sprung insbesondere bei den Charaktermodellen ist im Vergleich zum 3DS-Original zwar groß. Insgesamt merkt man dem Spiel seine Herkunft vom Nintendo-Handheld aber trotz aller Verbesserungen an, mitunter deutlich. Ich finde die Grafik trotzdem stimmig und gerade mit der neuen Sprachausgabe und dem tollen Soundtrack kommt Atmosphäre auf. Ähnlich sieht es beim Nachfolger Wings of Ruin aus, der technisch weniger angestaubt anmutet.

Der König ist hier, neben dem witzigen Navirou, aber ohnehin die Spielmechanik. Mir persönlich machen die Rundenkämpfe mit ihren Pokémon-Anleihen mindestens genauso viel Spaß wie die actionlastigen Monsterjagten in Monster Hunter World und Rise. Das gilt für das von mir erstmals gespielte Monster Hunter Stories genauso wie den spielmechanisch facettenreicheren und taktisch etwas anspruchsvolleren Nachfolger Wings of Ruin.

Um beide Titel noch einmal spielen zu wollen, sind die Verbesserungen im Zweifel eher zu gering. Wer Monster Hunter Stories aber noch gar nicht gespielt hat und eine Vorliebe für rundenbasierte Kämpfe mit kleineren Action-Elementen mitbringt, der bekommt mit den beiden Titeln der Monster Hunter Stories Collection locker 80 Stunden Spaß!
 
Monster Hunter Stories 1 + 2
Vorläufiges Pro & Contra
  • Gutes (audio-) visuelles Update insbesondere von Monster Hunter Stories 1 ...
  • Tolle taktische Rundengefechte mit kleinen aktiven Action-Elementen
  • Ansprechend inszenierte, gerade dank Navirou oft witzige Story
  • Sehr großer Umfang (über 40 Stunden pro Spiel)
  • ... beide Teile wirken dennoch technisch angestaubt
  • Keine deutsches Sprachausgabe (nur Text)
Aktuelle Einschätzung
Monster Hunter Stories 1 und 2 bieten ansprechende Rollenspiel-Kost mit rundenbasierten Kämpfen, die dank kleinerer Action-Features vergleichsweise dynamisch daherkommen. Inhaltlich stark, kriegt ihr auf PS4 trotz weitreichender Verbesserungen technisch in Teilen Angestaubtes. Noch einmal auf PlayStation spielen lohnt deshalb nur begrenzt, wer erstmals einsteigt, bekommt mehr als 80 Stunden unterhaltsame Monster-Jagd. 
Gut
Aktueller Stand
  • PS4-Vollversion (gespielt auf PS5)
Benjamin Braun 20. Mai 2024 - 17:01 — vor 3 Wochen aktualisiert
Jörg Langer Chefredakteur - P - 471410 - 20. Mai 2024 - 17:01 #

Viel Spaß beim Ansehen und Lesen!

Desotho 18 Doppel-Voter - 9497 - 21. Mai 2024 - 7:22 #

Ich müsste Teil 2 mal auf der Switch weiterspielen :D

viamala 15 Kenner - 3329 - 21. Mai 2024 - 15:42 #

Intessante Preview.
Ich wusste gar nichts über MH-Stories, und dass es Rundenkämpfe sind, hatte ich nicht erwartet. Ich werde mir das mal anschauen irgendwann (hoffentlich).
Kürzlich habe ich 3DS am PC ausprobiert und war sehr überrascht, wie gut es aussieht. Man könnte es direkt mit den jeweiligen Verbesserungen portieren.

Moriarty1779 19 Megatalent - - 19103 - 22. Mai 2024 - 11:06 #

Ist das der Teil, der auch auf dem iPad lief?

Benjamin Braun Freier Redakteur - 441551 - 22. Mai 2024 - 18:28 #

Ja, das erste Monster Hunter Stories erschien etwas später auch für iOS und Android. Vorher halt für 3DS (2017 bzw. schon 2016 in Japan). Im Video ist aber auch Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin zu sehen, das ebenfalls erstmals für PS4 erscheint, zuvor aber schon auf Switch und PC an den Start ging. Müsste während "Corona" gewesen sein.

Holzkerbe 14 Komm-Experte - - 1846 - 25. Mai 2024 - 10:23 #

Ich habe bislang lediglich Teil 1 vor ein paar Jahren auf dem iPhone angespielt. Fand es sehr charmant wie amüsant, aber zum Kauf hat es nach der Demo nicht bei mir gereicht. Könnte mir das aber sehr schön auf dem Steam Deck vorstellen.