WoW meets Magic - The Gathering

Hearthstone - Heroes of Warcraft Preview

Das erste Free-to-play-Spiel aus dem Hause Blizzard Entertainment kombiniert das süchtig machende Prinzip von Sammelkartenspielen mit der bekannten Warcraft-Lizenz und wird so zur perfekten Zeitverbrennungsmaschine. Wir waren für euch in der Betaphase unterwegs und haben bereits über 30 Stunden in das Spiel investiert.
Karsten Scholz 23. August 2013 - 21:09 — vor 5 Jahren aktualisiert
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Nur noch eine Partie! Wie ein Mantra murmelte der Autor dieser Zeilen diesen Satz die letzten Nächte immer wieder und wieder. Er sagte sie, doch darauf hören wollte er immer erst, wenn die Sonne bereits aufging. Schuld am chronischen Schlafmangel der letzten Tage ist das neue Spiel von Blizzard Entertainment – und damit meinen wir nicht etwa die frisch angekündigte Diablo-3-Erweiterung Reaper of Souls, sondern ein unscheinbares Sammelkartenspiel namens Hearthstone - Heroes of Warcraft. Ein nur 15 Mann starkes Team entwickelte das erste Free-to-play-Projekt der Blizzard-Geschichte, die Erwartungen waren daher nach der Ankündigung auf der PAX East in Boston bei vielen Spielern nicht besonders hoch. Mittlerweile befindet sich Hearthstone in der amerikanischen, geschlossenen Beta-Phase, ein europäischer Test soll in Kürze starten. Wir stürzten uns bereits über 30 Spielstunden mit bekannten Warcraft-Figuren wie Jaina Proudmoore, Thrall und Valeera Sanguinar in spannende Karten-Duelle.

Heldenwahl mehr als Kosmetik
Im Tutorial lernt ihr langsam das Regelwerk von Hearthstone.
Wer schon einmal versucht hat, einem Neuling das Regelwerk eines Sammelkartenspiels beizubringen, weiß, dass es durchaus angenehmere Dinge gibt. Eine Zahnwurzelbehandlung zum Beispiel. Die Masse an unterschiedlichen Kreaturen, Zaubern und daraus entstehenden taktischen Möglichkeiten erschlagen unerfahrene Spieler schnell. Dementsprechend clever ist es von den Hearthstone-Entwicklern, dass sie jeden Spieler beim ersten Start des Spiels durch ein Tutorial führen, in dem im Laufe von sechs Kämpfen nach und nach die wichtigsten Regeln des Spiels erklärt werden. Erst wenn ihr den letzten Kampf gemeistert habt, schaltet ihr mit Jaina Proudmoore eure erste Heldin frei. Die restlichen acht Streiter, allesamt bekannte Warcraft-Figuren, müsst ihr erst einmal besiegen, bevor ihr auch in deren Rolle schlüpfen könnt.

Die Wahl des Helden ist viel mehr als nur Kosmetik. Viele Kreaturen und Zauber stehen nur einer bestimmten Klasse zur Verfügung, zudem besitzt jeder Held eine spezifische Fähigkeit, die für geringe Ressourcenkosten einmal die Runde eingesetzt werden darf. Der Spielstil der neun Helden orientiert sich an den Vorbildern aus den Warcraft-Spielen. Thrall ist zum Beispiel ein Schamane, der jede Runde ein zufälliges Totem beschwören kann, das entweder an seiner Seite kämpft oder für regelmäßige Heilung sorgt. Zu seinem Zauberkarten-Repertoire gehören aber auch aus dem Online-Rollenspiel bekannte Sprüche wie Verhexen, Frostschock oder auch Kampfrausch. Die Magierin Jaina Proudmoore setzt wiederum auf Schadenszauber und kontrollierende Eiseffekte wie Frostnova, mit der sie feindliche Kreaturen kurzzeitig ausschaltet.

Leicht zu erlernen ...Erfahrenen Sammelkartenspielern fällt schnell auf, dass das Grundgerüst der Hearthstone-Kämpfe nicht mit Taktik-Schwergewichten wie Magic - The Gathering mithalten kann. Ein Münzwurf entscheidet anfänglich, wer beginnt. Der Gewinner des Wurfs erhält zum Start drei, der Verlierer vier Karten. Danach habt ihr noch mal die Möglichkeit, einen Teil oder eure ganze Hand gegen einen neuen Schwung Karten auszutauschen, was besonders dann sinnvoll ist, wenn ihr nur teure Zauber und Kreaturen auf der Hand habt, die ihr in den ersten Runden sowieso nicht spielen könntet. Wenn beide Kontrahenten ihre Startkarten bestätigt haben, beginnt das Duell. Ziel ist es, die 30 Lebenspunkte des gegnerischen Helden auf null zu bringen, bevor das eigene Alter Ego ins Gras beißt. Wie bei Magic 2014 (GG-Test: 6.0) führt ihr dabei eure Aktionen nacheinander aus. Zuerst wird eine Karte aus dem Stapel gezogen, dann steigt euer Manavorrat, die einzige Ressource im Spiel, um einen Punkt an. In der ersten Runde erhaltet ihr also euren ersten Manapunkt, in der zweiten schaltet ihr den zweiten Punkt frei und so weiter, bis ihr schließlich in Runde 10 das Maximum von zehn Manapunkten erreicht habt.

Das Kampflog zeigt euch übersichtlich die letzten Aktionen an.
Die Manapunkte nutzt ihr, um Kreaturen herbeizurufen, Zauber zu wirken oder Heldenfähigkeiten auszulösen - einmal investierte Punkte sind für die aktuelle Runde geblockt. Wenn ihr später erneut dran seid, steht euch aber wieder der gesamte Ressourcenvorrat zur Verfügung. Die Kreaturen im Spiel verfügen über zwei wichtige Werte: Angriff und Gesundheit. Der Gesundheitszustand der Kreatur gibt an, wie viele Schläge sie aushält, durch die Angriffszahl wisst ihr, wie viel Schaden euer Diener austeilt. Viele Kreaturenkarten besitzen zudem Zusatzeffekte, durch die ihr zum Beispiel Verbündete stärkt oder dank der ihr eine Karte ziehen dürft.

Besonders wichtig ist die Spott-Fähigkeit einiger Kreaturen, die Warcraft-Fans bereits von den Tank-Klassen in World of Warcraft kennen. Jede Karte mit Spott schützt alle anderen befreundeten Kreaturen und den eigenen Helden vor gegnerischen Angriffen. Der Feind muss also erst diese zerstören, bevor er euch ans Leder kann, umgekehrt blocken auch feindliche Tanks jeden eurer Angriffe ab, bis sie erledigt sind. Wenn dagegen kein Tank auf dem Tisch liegt, können alle Angreifer die normalen Kreaturen des Feindes umgehen und ungehindert den verteidigenden Helden attackieren. Dadurch nehmen Kreaturen mit Spott-Fähigkeit in Hearthstone eine ungeheuer wichtige Rolle ein und sollten in keinem Deck fehlen.

... und ziemlich leicht zu meistern
Mit wenigen Klicks stellt ihr euch eigene Decks zusammen. Filteroptionen helfen euch dabei, die Karten zu finden.
Doch nicht nur die Kreaturen können zur Attacke blasen, auch euer Held darf zur Waffe greifen, und zwar wortwörtlich. In Hearthstone gibt es Waffenkarten, mit denen ihr kurzzeitig euren Helden mit einem dicken Streitkolben oder einem flinken Dolch ausrüstet. Klassen wie Schurke oder Krieger setzen sogar gezielt darauf, möglichst häufig mit der Waffe in der Hand die eigenen Truppen zu unterstützen und durch Toxine oder Waffenverzauberungen enormen Schaden auszuteilen. Dabei müsst ihr aber stets euren Lebenspunktevorrat im Auge behalten, da eure Feinde im Normalfall zurückschlagen. Einmal verlorene Gesundheitspunkte, egal ob bei Helden oder Kreaturen, können nur noch durch Heileffekte regeneriert werden. Der Held kann aber niemals mehr als 30 Lebenspunkte besitzen --
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wenn ihr noch mehr aushalten wollt, könnt ihr euren Rüstungswert durch Heldenfähigkeiten oder Zauber erhöhen. Jetzt müssen Feinde zuerst eure Rüstung zerstören, bevor sie eure Lebenskraft senken können.

Der Reiz von Hearthstone besteht darin, aus dem vorhandenen Pool ein Deck von 30 Karten zu bauen, in dem die Kreaturen und Zauber optimal mit den Vorzügen eures Helden harmonieren. Dafür ist es zum einen wichtig, dass ihr nicht nur günstige oder nur teure Karten wählt, sondern eine gesunde Mischung. Gleichzeitig sollten die unterschiedlichen Effekte aufeinander abgestimmt sein. Der Gurubashi-Berserker zum Beispiel ist eine Kreatur, die jedes Mal drei Angriffspunkte dazu gewinnt, wenn sie Schaden erhält. Da sie sieben Lebenspunkte besitzt, hält sie aber auch einiges aus. Priester wählen den Berserker besonders gerne, weil sie die verlorenen Lebenspunkte der Kreatur wieder heilen können, wodurch sie schnell sehr mächtig wird. Von solchen Synergien gibt es unzählige im Spiel, dennoch werdet ihr in Hearthstone (noch?) nicht die taktische Tiefe von Magic The Gathering und Konsorten finden. Doch auch so machen die Kämpfe schon jetzt eine Menge Spaß.
In der Arena spielt ihr nicht mit euren eigenen Decks, damit die Chancengleichheit für alle Spieler gewährleistet ist.
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