Grid Legends

Grid Legends Preview+

Entschädigung für den Vorgänger?

Benjamin Braun / 6. Dezember 2021 - 17:25 — vor 2 Wochen aktualisiert
Steckbrief
PCPS4PS5XOneXbox X
Sport
Rennspiel
Codemasters
Electronic Arts
25.02.2022
Link
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Teaser

Mehr Umfang, mehr Vielfalt und ein echter Storymodus sind nur drei Punkte, mit denen der neue Serienteil auf dem Papier zulegt. Ob Grid Legends auch in der Praxis überzeugt, klären wir anhand unserer Spieleindrücke.
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Es wäre übertrieben, den letzten Teil der Grid-Serie von Codemasters als Totalausfall zu bezeichnen, aber überzeugend war das Arcade-Rennspiel der F1-Macher aus dem englischen Southam gewiss auch nicht – Details dazu findet ihr in meinem damaligen Test zu Grid (im Test: Note 6.5). Etwas mehr als zwei Jahre später, am 25. Februar 2022, wird mit Grid Legends der Nachfolger mit aufheulendem Motor an der Startposition bereit stehen. Ich konnte eine Preview-Version auf PC ausführlich anspielen. Allen Neuerungen, konnte ich dabei jedoch noch nicht auf den Zahn fühlen, da zum Beispiel der "Driven to Glory" getaufte Storymodus nicht enthalten war.

Obgleich sich Legends an sich überwiegend im Fahrwasser des Vorgängers bewegt, machen sich bereits in der Anspielversion diverse Unterschiede positiv bemerkbar. Ob die ausreichen, um den schwachen Vorgänger vergessen zu machen oder Rennspielfreunde bereits in Vorfreude schwelgen können, möchte ich euch in diesem Artikel sowie im oben eingebetteten Preview-Video näher bringen.
Grid Legends ist wie gehabt ein Arcade-Racer und keine Rennsimulation. Dass dies ein gutes visuelles Schadensmodell nicht ausschließt, weiß man spätestens seit Burnout. Optisch gibt es in Legends allerdings kaum mehr als ein paar Schrammen.


Mehr von allem

Beim zweiten Spiel seit der Übernahme durch Electronic Arts – das erste war das sehr gelungene F1 2021 (im Test: Note 9.0) – muss Codemasters bewusst sein, dass mit Grid Legends ein Stück weit Wiedergutmachung geleistet werden muss, auch wenn die Briten es nicht explizit thematisieren. Das letzte Grid krankte an zu viel Langeweile auf der Piste und war in seiner unspektakulären Art, gemessen an der Konkurrenz im Sektor der Arcade-Racer, regelrecht überflüssig. Die Antwort der Briten besteht unter anderem aus einer sinnvollen Erweiterung des Umfangs. Statt "nur" 100 Events bietet die Karriere nun etwa 150 Rennveranstaltungen. Es gibt satte 130 Boliden, die sich auf neun Fahrzeugkategorien und 48 Autoklassen verteilen. Außerdem nehmen nun bis zu 22 Fahrzeuge an einem Rennen teil anstelle der 16 im Vorgänger – auch online, wobei von Beginn an Crossplay auch zwischen Xbox- und PlayStation-Konsolen möglich sein soll.

Zu den teils aus dem Vorgänger bekannten Stadtkursen in London, Barcelona oder Moskau sowie permanenten Rennstrecken wie Brands Hatch oder dem Red Bull Ring gesellen sich auch neue Orte und Streckenvarianten wie die in den italienischen Alpen verortete fiktive Strada Alpina. Nicht zuletzt wächst das Angebot an Rennmodi und der allgemeinen Abwechslung. Denn es gibt nicht nur reguläre Rennen (wie üblich eher kurz und ohne Boxenstopps), sondern auch Eliminations-Wettbewerbe oder sogar Multi-Class-Rennen, in denen Touring-Fahrzeuge, Hypercars und fette Renntrucks gegeneinander antreten. Damit die Chancen auf den Sieg für jeden potenziell gleich hoch sind, starten die langsameren Fahrzeuge entsprechend mit einigen Sekunden Vorsprung. Das klingt zunächst doof, in meinen Proberennen hatte ich damit allerdings meinen Spaß und war positiv davon überrascht, wie gut der genannte Zeitvorsprung bemessen ist. Es war stets ziemlich eng im Kampf um die ersten Plätze. Das konnte man im Vorgänger trotz der Anpassungsoptionen für KI-Stärke oder Fahrhilfen praktisch nie beobachten.

Auch steuern sich die vielen Boliden nun merklich unterschiedlicher. Allerdings haben die Entwickler hier für mich beim Fahrgefühl noch Nachholbedarf. Allgemein ist mir die Steuerung noch einen Tick zu schwammig. Bei einzelnen Fahrzeugtypen wie beim Shelby Cobra ist das Fahrgefühl sogar richtiggehend schlecht. Es wirkte auf mich sehr künstlich, wie der missglückte Versuch eines Spagats zwischen Realismus und Arcade. Regelmäßig war zudem nach dem Kontakt mit der Konkurrenz oder der Straßenbegrenzung das Kollisionsverhalten nicht recht nachvollziehbar. Letzteres ist deswegen kein so kleines Problem, weil die KI allgemein recht aggressiv unterwegs ist und schonmal ohne Rücksicht auf den eigenen Schaden auf Tuchfühlung geht. Wieder mit von der Partie ist dazu das Rivalensystem. Ihr besitzt teils schon zu Start des Rennens Rivalen und könnt euch durch rüdes Fahrverhalten weitere Feinde schaffen. Allerdings sind die Rivalen noch draufgängerischer und starten mithin sogar eine seitliche Rammattacke – das muss in meinen Augen nun wirklich nicht sein.
Jedes Fahrzeug steuert sich individuell und, inklusive Cockpit-Ansicht, aus zig unterschiedlichen Perspektiven. Allerdings fühlen sich Handlung und Kollisionsverhalten bei manchen Boliden wie dem Shelby Cobra noch nicht wirklich gut an.


Einzelevents, Karriere und Mehrspieler

Die Preview-Version auf PC bot mir und den Kollegen lediglich einen Ausschnitt von dem, was die finale Version offerieren wird. Konkret konnte ich lediglich eine mittelgroße Auswahl an Events spielen, die so (oder so ähnlich) Teil des Karriere-Modus sein werden. Neben Elimination-Wettbewerben standen darin vor allem Rennen verschiedener Fahrzeugklassen wie GT- oder Touring-Wagen zur Auswahl, unter anderem auch die Electric-Wettbewerbe, in denen ich entsprechend mit Elektro- statt Verbrennermotor unterwegs bin. Diese Events haben eine weitere Besonderheit. An einem bestimmten Punkt der Strecke gibt es nämlich spezielle Tore, mit denen ich einen Boost aufladen kann, die jedoch leicht abseits der Ideallinie liegen.

In einem Rennen mit Renntrucks wiederum befinden sich einige Sprungschanzen auf der Piste, die wohl das Geschehen auf dem Asphalt etwas spektakulärer machen sollen. Letzteres funktioniert durchaus, wenn auch begrenzt. Trotzdem ist es eine willkommene Modifikation, durch die sich die Events auch in der finalen Version abwechslungsreicher anfühlen könnten. Gelungen ist auch der Streckeneditor, obwohl ich ihn per Gamepad recht umständlich zu bedienen finde. Dort könnt ihr kinderleicht Modus, Strecke, Wetter, Rundenzahl, Fahrzeuge und Autoklassen beziehungsweise Modifikatoren wie die Schanzen nach Wunsch festlegen und die Rennen sofort gegen die KI oder auch online mit anderen fahren. Natürlich könnt ihr die Events in einzelnen Slots speichern.

Online wird es noch weitere Besonderheiten geben, auch über die besagte Crossplay-Funktion hinaus – selbst spielen konnte ich den Multiplayer in der Preview-Fassung jedoch nicht. So existiert ein sogenanntes Hop-in-System, bei dem ihr entsprechend einem laufenden Rennen beitreten und ein KI-Fahrzeug übernehmen könnt. Ich finde das spannend, allerdings wird erst ein Praxis-Test sowohl als Einsteigender als auch als Teilnehmer eines Rennens, in dem plötzlich ein echter Spieler einen KI-Fahrer übernimmt, zeigen können, ob das System funktioniert, einen Mehrwert bietet oder womöglich sogar nervt.
In Grid Legends gibt es mehr als 130 Fahrzeuge aus 48 Klassen und neun Kategorien. Kleine Sprungschanzen wie hier kommen vor allem in den Rennen mit Trucks zum Einsatz, als "Modifikator" können sie aber im Event-Editor praktisch überall hinzugefügt werden.


Die Geschichte von Driver 22

Der Versuch, in Rennspielen eine echte Story zu erzählen, ist nicht neu. Spontan kommt mir dabei immer Need for Speed - Most Wanted (das alte von 2005!) in den Sinn. So trashig die Geschichte auch gewesen sein mag, war sie durchaus ein wichtiger Baustein, weshalb der Titel bis heute mein liebster Serienteil ist. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Codemasters in DTM Race Driver (aus dem letztlich die Grid-Reihe entstehen sollte) versucht, eine Geschichte zu erzählen. Mit Grid Legends probieren die Briten es erneut und versprechen ähnlich wie beim Storymodus in F1 2021 ein ähnlich packendes Erlebnis wie in Motorsport-Dokus auf Netflix.

In "Driven to Glory", wie der Modus heißt, gibt es namhafte Rivalen, die in cineastisch inszenierten Cutscenes von echten Schauspielern verkörpert werden. Schmierige Manager, die nur den eigenen Vorteil sehen und sicherlich auch verschiedene geskriptete Events, bei denen unser Fahrer mit einem Motorplatzer ausscheidet oder innerhalb weniger Runden noch irgendwie aufs Treppchen fahren muss. Die Preview-Version sparte den Story-Modus allerdings noch aus. Klar ist, dass ihr in Legends den Part von "Driver 22" übernehmt, den ihr anders als Aiden Jackson in F1 2021 selbst definiert, dafür wird die Figur selbst nie den Mund aufmachen. Driver 22 kann Frau oder Mann sein und wohl auch in einem Editor "gebaut" werden. Obwohl ich aber die Qualität noch nicht einschätzen kann, bin ich bezüglich Driven to Glory optimistisch. Denn mir hat der Storymodus in F1 2021 wirklich gut gefallen, auch wenn es sicherlich noch Luft nach oben gab. Die Story jedenfalls könnte den Rennen, obgleich sie auch so insgesamt etwas spannender zu werden scheinen, einen zusätzlichen Kick geben.

Autor: Benjamin Braun, Redaktion: Hagen Gehritz (GamersGlobal)

 
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Meinung: Benjamin Braun

Mir gefällt Grid Legends bislang besser als der direkte Vorgänger. Das zu schaffen, war nach dem enttäuschenden letzten Teil allerdings auch nicht allzu schwierig. Die Rennen sind vielfältiger, verlaufen den bisherigen Eindrücken nach spannender und technisch gibt es, abgesehen vom schwachen visuellen Schadensmodell, wenig zu meckern. An Fahrmodell und Steuerung muss Codemasters aber noch feilen, da es sich bei manchen Karren für mich schlicht nicht gut anfühlt.

Trotz der Neuerungen dürft ihr indes keine Revolution erwarten. Wenn euch das letzte Grid keinen Spaß gemacht hat, werdet ihr nicht plötzlich total auf Grid Legends abfahren. Wie gut der neue Serienteil aber letztlich insgesamt ist, hängt auch von der Güte der Umsetzung von Story-Modus, Upgrade-Optionen und Multiplayer ab. Deshalb ist Zurückhaltung bei der Ersteinschätzung angebracht. Grid Legends hinterlässt zwar den Eindruck, dass Codemasters nach dem mittelmäßigen Vorgänger unterm Strich eine deutliche Steigerung gelingen könnte, aufgrund der Schwächen beim Fahrgefühl und der offenen Fragen zu den restlichen Features bin ich aber eher vorsichtig optimistisch.
Grid Legends
Vorläufiges Pro & Contra
  • Storymodus könnte echter Mehrwert sein...
  • Jedes Fahrzeug mit individuellem Handling...
  • Riesiger Fuhrpark und großes Streckenangebot
  • Detaillierte, effektreiche Grafik
  • Offenbar gut ausbalancierter Schwierigkeitsgrad mit vielen Anpassungsoptionen
  • ... ist aktuell aber noch nicht einschätzbar
  • ... Fahrmodell bei manchen Modellen aber schwach
  • Verbesserungswürdiges visuelles Schadensmodell
  • Ungünstige Kombi aus aggressiver KI und suboptimalem Kollissionsverhalten
Aktuelle Einschätzung
Ich bin zuversichtlich, dass Codemasters nach dem mittelmäßigen Vorgänger eine Steigerung gelingt. Ob diese aber eher klein ausfällt oder sehr deutlich, hängt nicht zuletzt auch vom Story-Modus ab und ob das bei einzelnen Fahrzeugen in der Preview fragwürdige Handling eine Randerscheinung oder ein regelmäßig anzutreffendes Ärgernis ist.
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Benjamin Braun 6. Dezember 2021 - 17:25 — vor 2 Wochen aktualisiert
Benjamin Braun Freier Redakteur - 423451 - 30. November 2021 - 16:47 #

Viel Spaß mit der Preview!

Flammuss 21 AAA-Gamer - - 25402 - 6. Dezember 2021 - 18:05 #

Das sieht ja gar nicht mal so gut aus. Die Autos wirken für mich immer noch viel zu steif und liegen eher wie ein Ziegelstein auf der Straße. Das hat mich schon im Vorgänger gestört.
Viel schlimmer war da aber die nicht komplett abschaltbare Lenkhilfe. Die Autos haben beim Bremsen immer in Richtung der Kurve gezogen, obwohl alle Fahrhilfen ausgestellt waren. Auch das Gummiband hat ziemlich genervt.
Zum Glück habe ich es nicht gekauft, sondern über den GamePass gespielt.

Noodles 26 Spiele-Kenner - P - 67504 - 6. Dezember 2021 - 19:40 #

Gute Preview. Bei mir und den Codemasters-Rennspielen ist es so, dass ich sie gern im Sale oder nem Bundle mitnehme und dann Spaß beim Durchspielen hab, aber so richtig umhauen tun sie mich nie, wird bei Grid Legends sicher nicht anders sein. Total heiß drauf bin ich auf jeden Fall schonmal nicht, sieht schon sehr stark wie der Vorgänger aus.

Und der Games-as-a-Service-Ansatz mit den wöchentlichen und monatlichen Events klingt so, als würden sie jetzt ein bisschen einen auf Forza Horizon machen wollen. Aber in der Hinsicht reicht mir FH5, da brauch ich kein weiteres Rennspiel, das mich über einen langen Zeitraum beschäftigen soll. ;)

The Real Maulwurfn 17 Shapeshifter - P - 6530 - 7. Dezember 2021 - 0:51 #

Derzeit ziemlich überflüssig

Maverick 32 User-Veteran - - 721148 - 7. Dezember 2021 - 16:51 #

Japp, bin auch gut versorgt derzeit mit FH5. ;)

Danywilde 29 Meinungsführer - - 122381 - 7. Dezember 2021 - 8:07 #

Ich warte dann auf Gran Tourismo 7.

Sven Gellersen 23 Langzeituser - - 41009 - 9. Dezember 2021 - 8:16 #

Ich auch.

Maverick 32 User-Veteran - - 721148 - 7. Dezember 2021 - 16:51 #

Jo, Legends schaut ganz nett aus in der Preview, mal abwarten was die "Story" bieten wird. Vielleicht mal mitnehmen, wenn es im Test überzeugt (und die beiden kommenden Erweiterungen von FH5 abgegrast sind). ;)

Herschfeldt 08 Versteher - 156 - 15. Dezember 2021 - 0:34 #

Hab Grid 2019 vor kurzem installiert, kurz gespielt und flott deinstalliert. Momentan bin ich NFS Heat am Spielen! Spricht mich heute mehr an. Gute Nacht.

Sir MacRand 10 Kommunikator - - 504 - 25. Dezember 2021 - 12:13 #

Ich warte schon länger auf ein gutes AAA-Rennspiel welchem wieder ein erfolgreicher Spagat zwischen realistischer Darstellung und Arcadegameplay gelingt.
Vielleicht auf dieses.