Ein Grid für die Fans

Grid - Autosport Preview

Der letzte Serienteil war sehr solide, vielen Fans aber zu arcadelastig und cockpitlos. Im neuesten Teil nimmt sich Codemasters diese laute Kritik zu Herzen, verschiebt den Schwerpunkt wieder in Richtung Simulation und bietet Innenansichten bei sämtlichen Fahrzeugen. Wir sind den Boliden probegefahren.
Benjamin Braun 22. April 2014 - 13:19 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Es ist vielleicht das Grid, wie es sich die Spieler schon bei Grid 2 (GG-Test: 8.0) erhofft hatten. Gut ein Jahr lang hat Codemasters nun an Grid - Autosport gearbeitet, ohne dass allzu viel vom Spiel an die Öffentlichkeit gelangte. Dass der Entwickler den Titel nicht längst angekündigt hat, sondern damit auf das Line-Up-Event von Namco Bandai kurz vor Ostern wartete, verwundert: Erscheinen soll Grid - Autosport bereits am 27. Juni und nicht etwa erst im Weihnachtsgeschäft. Ist das Spiel also schnell produzierter Ramsch? Keineswegs, wie wir im Selbstversuch und im Interview mit den Entwicklern in Erfahrung bringen konnten.

Mehr Simulation als ArcadeGrid - Autosport basiert auf dem technischen Unterbau von Grid 2 und wird auch nicht darauf verzichten, Fahrzeugtexturen, Schadensmodelle und ähnliches aus dem Vorgänger zu übernehmen – anders wäre es dem in den letzten Jahren stark zusammengeschrumpften Team von Codemasters wohl auch nicht möglich gewesen, einen weiteren Vollpreistitel an den Start zu schicken. Noch mal dasselbe in Grün ist es deshalb aber noch lange nicht! Der wichtigste Unterschied ist der bedeutend stärkere Fokus auf die Simulationsaspekte. Man wird zwar auch außerhalb der regulären Driftwettbewerbe durch Kurven driften können, das wird aber zumindest immer einen Zeitverlust bedeuten und nicht etwa einen Vorteil, wie es noch in Grid 2 der Fall war. Laut den Entwicklern wurde das Fahrverhalten sämtlicher Boliden aber ohnehin von Grund auf neu erstellt. So ganz nehmen wir das Codemasters zwar nicht ab, unsere eigenen Fahreindrücke bestätigen aber zumindest, dass mehr als nur Nuancen verändert wurden.

Wahr ist in jedem Fall die Aussage, dass Grid - Autosport mit dem Handling der PS-Schleudern wieder deutlich näher am ersten Grid ist, was auch das oberste Ziel der Entwickler war. Genau wie dort bietet Grid - Autosport eine Mischung aus Simulation und Arcade-Racer, was sich nun vor allem durch das recht aggressive KI-Verhalten ausdrückt, die gerne mal auf Tuchfühlung geht. Uns stört das gerade in den Tourenwagen-Rennen kaum, da wird schließlich auch in der Wirklichkeit gerne mal ein wenig gerempelt.

Hardcore-Sim?Eine auf wenige Enthusiasten ausgerichtete Hardcore-Simulation ist Grid - Autosport deswegen aber noch lange nicht: Verschiedene Schwierigkeitsgrade, das Ausschalten von ABS respektive Traktionskontrolle oder die Aktivierung des vollen Schadensmodells samt Auswirkungen aufs Fahrverhalten sollen jeden auf seine Kosten kommen lassen. So weit wie in der Forza-Serie geht die Bandbreite aber nicht – in Forza ist bekanntlich vom Arcade-Racer bis zur ultrarealistischen Simulation alles abgedeckt. Codemasters will den höheren Arcade-Teil im Spiel nicht gänzlich außen vor lassen, da sie glauben, dass ihr Spiel auf diese Weise mehr Spaß macht.

Einen Grund, auf das erstmals im ersten Grid eingesetzten Rückspulfeature zu verzichten, gibt es also nicht. Konkurrenz machen wird Grid - Autosport dem Xbox-One-Exklusivtitel Forza 5 aber ohnehin nicht, da es lediglich auf PC, Xbox 360 und PlayStation 3 erscheinen wird. Grund dafür ist laut Produzent Toby Evan-Jones, dass man erst die Technologie für die neuen Konsolen entwickeln müsse. Codemasters will schließlich die Hardware effektiv ausreizen – und diese Zielsetzung könne man aktuell nur für PC und Currentgen, aber nicht für Xbox One und PS4 erfüllen.

Tunnelblick im Cockpit
Natürlich werdet ihr euch wieder in F1-Boliden setzen dürfen.
Probefahren konnten wir mit der PC-Version, die insgesamt sehr gut aussieht und gerade bei Spiegelungen und zumeist auch bei den Texturen glänzt. Der Asphalt schwebt visuell beispielsweise deutlich über dem Matsch, den Forza 5 zu bieten hat. Abseits der Strecke tun sich aber auch bei Grid - Motorsport kleinere Schwachpunkte auf, wie etwa beim Publikum auf den Tribünen. Unser größter Kritikpunkt ist der geringe optische Unterschied zum Vorgänger. Gut sieht es dennoch aus.

In Grid - Autosport gibt es mehrere Innenperspektiven in den Fahrzeugen. Letztere reichen von gewöhnlichen Serienfahrzeugen über Tourenwagen bis hin zu Formel-Rennwagen und decken somit alles Wesentliche ab. Eine davon zeigt eine "gewöhnliche" Cockpitperspektive, die einige Fans in Grid 2 kläglich vermisst haben. Ob sie mit der in Grid - Autosport gänzlich zufrieden sein werden? Wir fanden die wenig detaillierten und generell grob texturierten Cockpits der Wagen visuell wenig ansprechend. Game Designer James Nicholls widerspricht dieser Wahrnehmung nicht, glaubt jedoch, dass es den Spielern wichtiger sein wird, dass es die Cockpit-Ansichten wieder gibt. Nach dem Spielen müssen wir ihm zustimmen. Denn dass das Armaturenbrett grafisch nicht ganz so au
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fwendig ist wie in einem Forza 5, fällt schon nach wenigen Spielminuten kaum mehr ins Gewicht. Viel mehr überwiegt aus dieser Perspektive das bessere Fahrgefühl, bei dem wir uns fast in einem echten Rennwagen wähnen. Für die Fahrzeuge werden unter anderem Supersportwagen, GT-Wagen, Prototypen und Einsitzer aus dem Formel-Bereich versprochen.

Und es geht noch ein bisschen besser mit der zweiten Cockpitansicht. Sie simuliert, abhängig von der Geschwindigkeit, den oft von Rennfahrern beschriebenen "Tunnelblick". Während der in anderen Rennspielen zuvor eher kontraproduktiv war und das Renngeschehen störte, scheint uns der Effekt in Grid - Autosport gelungener zu sein. Auch er trägt zu einer erhöhten Authentizität bei. Im Zusammenhang damit befragten wir Toby Evan-Jones zu einer möglichen Unterstützung der VR-Brille Oculus Rift. Tatsächlich, so der Produzent, habe Codemasters damit herumexperimentiert, aber eher in Sachen mögliche VR-Features in künftigen Codemasters-Spielen. Offenbar haben den Entwicklern die Experimente ziemlich gut gefallen – und mit Sonys VR-Brille Project Morpheus könnten Playstation-Spieler eventuell irgendetwas davon haben.
Die Cockpit-Perspektive (rechts) dürfte trotz Sparoptik vielen Fans gefallen; der Shot stammt aus einem offiziellen Video.
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