Mit mutigem Humor zum Erfolg?

Goodbye Deponia Preview

Mit dem letzten Teil seiner Adventure-Trilogie könnte sich Jan Müller-Michaelis endgültig ein Denkmal im Genre setzen. Das Finale soll noch einmal einen draufsetzen, gewohnt unterhaltsam und spielerisch clever sein. Wir haben den Titel ausführlich angespielt und verneigen unser Haupt vor noch verrückteren Ideen und mutigem Humor.
Benjamin Braun 5. September 2013 - 15:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Unter "alle drei zusammen" versteht wahrscheinlich jeder etwas anderes. Im dritten und letzten Teil der Deponia-Reihe könnte dieses Satzfragment auch auf Hauptfigur Rufus angewendet werden. Der ist im Begriff, Deponia endgültig Goodbye zu sagen, merkt aber schnell, dass das so ganz allein nicht funktionieren wird. Da trifft es sich nur zu gut, dass der stinkfaule Sprücheklopfer plötzlich gleich dreifach vorhanden ist. Und es warten viele Aufgaben auf ihn: Goal hat sich wieder in einen Säugling verwandelt, der Widerstand hat Rufus als Anführer abgesetzt und, ach ja, der Organon und Rufus' böser Doppelgänger Cletus wollen immer noch Deponia zerstören. Viel besser geht es auch Captain Bozo nicht, nachdem Rufus dessen Frachter (natürlich ganz unabsichtlich) zerstört hat. Der verfällt anschließend in eine tiefe Depression, wobei das auch damit zu tun haben könnte, dass er wieder bei seinen Eltern einziehen musste. Nun ja, vielleicht hat es sein Gutes: Denn irgendwie scheint Bozos Mutter nicht nur auf den Postboten abzufahren, sondern auch auf Rufus...

Mutiger HumorHumor war schon immer eine der wichtigsten Zutaten des Erfolgsrezepts von Deponia – auch wenn die Charaktere gleichzeitig weit mehr Tiefgang zu bieten hatten als in anderen Spielen, die sich vor allem Kalauer als zentrales Merkmal auf die Fahne schreiben. Deponia-Schöpfer Jan Müller-Michaelis gehört aber gewiss nicht zu den Adventure-Autoren, die sich im Kreis drehen, sondern zu jenen, die sich immer wieder neu erfinden wollen. In Goodbye Deponia hat sich die grundlegende Formel zwar nicht verändert, die Art von weiten Teilen des Humors aber schon. Schon allein Charaktere wie Bozos verruchte Mutter, die Rufus eindeutige Angebote macht, belegt den neuen Ansatz. Genauso wie die Tatsache, dass alles im Haus von Bozos Familie wie eine Sitcom inklusive eingespielter Lacher abläuft. Großen Mut beweist Müller-Michaelis aber an anderer Stelle: Wir wollen euch nicht zu viel verraten, aber es geht um einen "netten Herrn", der die Kinder mit sanfter Stimme zur Besichtigung des Streichelzoos in seinem Häuschen in der Kanalisation einlädt. Rufus drängelt sich natürlich vor und macht auch noch einen Tintenabdruck von einem der "Tiere". Klingt äußerst gewagt, ist aber so clever verpackt, dass vieles der Fantasie des Spielers überlassen bleibt. Wir finden das richtig klasse und sind (nicht nur) an dieser Stelle kaum mehr aus dem Lachen herausgekommen. Sorgen, dass Goodbye Deponia wie einst Edna bricht aus im Kinderregal der Spielehändler landet, muss sich Daedalic diesmal wohl auch keine machen.

Ansonsten ist Rufus natürlich immer noch so, wie wir ihn kennen. Wirklich richtig macht er eigentlich selten etwas, aber irgendwie bekommt er es dann doch hin. Seine Selbstbezogenheit und Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen spielt dabei fast immer eine wichtige Rolle. Aber Rufus ist kein Unsympath. Wenn er beim Psychotherapeuten über seine Ängste, Sorgen und Verfehlungen spricht, zeigt er, dass er eigentlich kein schlechter Kerl ist. Nur eben einer, dessen Ego eine Spur zu groß geraten ist. "Hat Bozo dir denn gar nichts erzählt", wird Rufus gefragt. Der erwidert nur: "Ich weiß nicht, es ist so unglaublich ermüdend, ihm zuzuhören." Aber auch vor kleinen Seitenhieben auf die Konkurrenz schreckt Daedalic in Goodbye Deponia nicht zurück. In einem stockdunklen Raum kann Rufus Objekte nur ertasten. Er entdeckt einen trockenen, langen und dünnen Gegenstand. "Keine Frage", meint Rufus, "das ist der Plot von Geheimakte Tunguska – oder ein niedriger hängender Ast."

Skurrile BegegnungenDie Handlung von Goodbye Deponia beginnt einmal mehr auf dem namensgebenden Müllplaneten. Wie eingangs erwähnt, wird Rufus sich später dreiteilen, wobei wir noch nicht wissen, wie es dazu kommt. Die Preview-Version, die rund ein Drittel des Spiels umfassen soll, spart nämlich einen Teil aus und entlässt uns nach der spielbaren Intro-Sequenz direkt an den frischen Schauplatz Porta Fisco. Dort befindet sich das neue Lager der Rebellen, aber auch ein Stützpunkt des Organon, wo die Sprengung von Deponia vorbereitet wird. Alle Schauplätze, die wir uns bislang erspielen konnten, sind komplett neu – wiederverwendete Szenen konnten wir also noch keine ausmachen.

Auffällig ist sowohl an der Kanalisation, in der einer der drei Ausgaben von Rufus unterwegs ist, als auch beim Rufus i
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n der Stadt, dass es dort quasi in jedem Raum Charaktere gibt, mit denen ausführlichere Dialoge möglich sind. Das war in den Vorgängern nicht in jedem Bildschirm der Fall. Die Begegnungen sind gewohnt schräg, unter anderem bekommt ihr es mit einem Fan von Rufus zu tun, der den Tollpatsch tatsächlich als Idol verehrt. Gut gefallen haben uns zum Beispiel der Türsteher einer Bar, der, wie Rufus anmerkt, nur eine Sprache verstehe: Irisch! Oder auch ein Typ an einer Drehorgel, der verdächtig nach einem Schellen-Äffchen aussieht. Der ständig grinsende Strick-Verkäufer, der seine Waren als preisgünstige Alternative zur Psychotherapie anpreist, hat ebenfalls einiges zu erzählen. Gelabert wird deshalb aber eigentlich kaum, denn trotz der Dialoglänge fühlten wir uns in der Preview-Version durchgehend gut unterhalten.

Spielerisch bietet Goodbye Deponia erneut klassisches Point-and-Click. Durch Rufus' Dreiteilung inklusive des Austauschs von Inventarobjekten gewinnen die Rätsel an Komplexität, forderten uns bislang aber noch nicht allzu stark. Immerhin scheinen die Aufgaben wieder ziemlich gut in die Handlung integriert und logisch nachvollziehbar zu werden.
Beim Humor betritt Daedalic in Goodbye Deponia gewagte Pfade – mit Erfolg!
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