Verfressene Viererbande

Gauntlet Preview

29 Jahre nach dem Spielhallendebüt erscheint eine Neuinterpretation des kooperativen Monstergemetzels der Magicka-Macher. Die hält sich nicht enger an die klassische Vorlage als unbedingt nötig: Gute Steuerung und clevere Kampffähigkeiten sorgen für kurzweilige Dungeon-Action.
Heinrich Lenhardt 15. September 2014 - 15:11 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Kennt ihr den? „Gehen ein Elf, ein Krieger, eine Walküre und ein Zauberer in ein Dungeon...“. Bei der Pointe handelt es sich nicht um einen schlechten Witz, sondern einen guten Spielautomaten. Kooperation im Quartett ist aktuell mächtig angesagt, von Evolve bis zum Multiplayer-Modus bei Dragon Age - Inquisition. Doch schon 1985 drängten sich bis zu vier Helden Schulter an Schulter vor den Gauntlet-Automaten, um riesige Monstermassen zu bekämpfen. Das Spiel war seinerzeit innovativ, technisch vom Feinsten und für Spielhallenbetreiber lukrativ: Wer nach Lebensverlust im aktuellen Dungeon weiter machen wollte, der musste nachmünzen.

Die Münze als Wiederbelebungsmittel ist eine diverser Kleinigkeiten, welche das Remake von Gauntlet augenzwinkernd aufgreift. Hier sind es freilich durch Gekämpfe verdiente virtuelle Münzen, welche eine Wiedergeburt an Ort und Stelle bescheren. Das neue Gauntlet des schwedischen Teams Arrowhead Games (Magicka) erweist dem Original mit vielen Details seine Referenz: Fressalien bringen Lebensenergie zurück (und können von unvorsichtigen Helden zerstört werden), gelegentlich klirrt ein antik klingender Soundeffekt aus dem Lautsprecher. Aber das 2014-Gauntlet ist unverkennbar ein neues Spiel, die von uns angetestete Preview-Version lässt auf ein spaßig-frisches Dungeon-Actionerlebnis schließen.

Alte Helden mit neuen Kampftricks
Viele Feinde auf engstem Raum, da verschanzt sich unser Zauberer erst mal hinter einem reflektierenden Magieschild.
Die Ausgangssituation ist ganz wie früher: Ein bis vier Spieler stürzen sich mit den Helden ihrer Wahl ins Dungeon, killen massig Monster und raffen Schätze, um eine möglichst gute Position auf der Highscore-Rangliste zu erreichen. Die Mitspieler werden bei dem vorerst Steam-exklusiven Titel übers Internet zugeschaltet, alternativ versammelt man sich zum lokalen Multiplayer vor einem Bildschirm. Wahlweise schließt ihr euch einer laufenden Partie an oder ladet gezielt Freunde ein. Es gibt drei Metzel-Erlebniswelten, die aus jeweils drei Dungeons mit drei Etagen bestehen, gefolgt von einem Bosskampf. Nach erfolgreicher Absolvierung eines kompletten Dungeons wird der nächste Bereich freigeschaltet. Dadurch ergeben sich Mittagspausen-kompatible Partien von überschaubarer Länge, bei denen man einen Dungeon-Komplex in rund einer halben Stunde meistern kann.

Elf, Krieger, Walküre und Zauberer: Vom Namen her sind die zur Wahl stehenden Charaktere bestens bekannt, doch dank zahlreicher neuer Manöver spielen sie sich beim 2014-Gauntlet anders. Die Entwickler empfehlen stark die Verwendung eines Gamepad-Controllers, denn die Steuerung ist auf zwei Analog-Sticks abgestimmt. Mit dem linken Stick bewegen wir unsere Spielfigur durch die Umgebung, mit dem rechten Stick wird unabhängig von der Laufrichtung angegriffen. So kann der Elf Questor gleichzeitig ausweichen und dabei seine dauerfeuernden Pfeile in eine andere Richtung zielen. Zudem besitzt er die nützliche Sonderfähigkeit, eine Bombe abzusetzen, die nach ein paar Sekunden explodiert: Tür öffnen, Gegnerhorde raus locken, bumm! Questor kann zudem mit einer Rolle ausweichen und gezielte Einzelschüsse abfeuern, um zum Beispiel im perfekten Moment die Lunte eines Sprengstoff-Fässchens zu entzünden.

Zauberhafte Spell-VielfaltSchon dieses Beispiel macht deutlich, dass der Gauntlet-Nachwuchs erheblich mehr Kampftricks drauf hat als dessen Spielhallen-Großeltern. Die größte Fülle an Kampftaktiken erlaubt die andere Fernkämpferklasse, der Zauberer Merlin. Bei ihm werden drei Controller-Buttons genutzt, um Tastendruck-Pärchen zu bilden, die auf einen von neun Spells umschalten. Zweimal die Y-Taste drücken b
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edeutet zum Beispiel Feuerball, BB wechselt zu einem magischen Schild, X+Y zum Teleportations-Spell – und so weiter. Schnelle Finger sind hier genauso gefragt wie schnelles Denken, denn von Angriffszaubern bis die Gruppe unterstützenden Effekten à la Gegner einfrieren ist die Bandbreite beachtlich.

Etwas bodenständiger geht es bei den Nahkämpfern zur Sache. Der Krieger hackt nicht nur rustikal mit seiner Axt, sondern kann auch einen Zielpunkt anvisieren, auf den er freudig zustürmt. Alles, was sich dabei im Weg befindet, wird munter zur Seite geschleudert. Besonders mächtig ist seine Wirbelwind-Attacke, bei der er einige Sekunden lang unverwundbar wird und derweil alles zu Hackfleisch verarbeitet, was sich in seiner näheren Umgebung befindet – perfekt um sich „Augen zu und durch“-mäßig ins dickste Getümmel zu stürzen. Die Walküre ist dagegen die Defensivexpertin, mit dem rechten Stick lassen sich alle Angriffe aus einer bestimmten Richtung abblocken. Im Nahkampf sticht sie herzhaft zu und für Distanzschaden wirft sie kurzerhand ihr Schild. Das wird quasi zum Killer-Bumerang, dessen Flugbahn idealerweise durch möglichst viele Monster führt.
Der Bosskampf ist dann eine Herzensangelegenheit: Durch Schalteraktivierung müssen wir dem Mumienkönig sein Zentralorgan entreißen, das im Gegensatz zu dessen untoter Hülle kaputtbar ist.

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