Neuer Schauplatz, alter Spaß?

Far Cry 4 Preview

Auf Elefanten reiten, Feldlager befreien, Tiere jagen, mit dem Gleiter durch die Lüfte segeln – und fast schon nebenbei das Regime eines fiesen Herrschers bekämpfen: Langeweile ist in den ersten drei Stunden des neuen Far Cry ein Fremdwort. Doch bietet das Spiel genügend Neuerungen oder wird es bloß ein Aufguss des Vorgängers?
Christoph Vent 14. Oktober 2014 - 18:04 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Zwei Jahre sind vergangen, seit wir uns in Far Cry 3 (GG-Test: 8.5; Stunde der Kritiker) auf einer tropischen Inselgruppe mit dem durchgeknallten Schurken Vaas angelegt haben. Nun braucht uns Ubisoft abermals als Helden: In Far Cry 4 schlüpfen wir in die Haut des Nepalesen Ajay, der nach vielen Jahren aus den USA in die fiktive Region Kyrat zurückkehrt. Seine Mutter ist verstorben, ihre Asche will er in der alten Heimat verstreuen. Dort unterjocht allerdings der selbsternannte König Pagan Min die Einwohner des Landes, die sich das nicht mehr gefallen lassen wollen. Es herrscht offener Bürgerkrieg. Kaum angekommen, geraten wir natürlich gleich zwischen die Fronten.

Elefant im PorzellanladenUnsere erste Aufgabe kommt uns bekannt vor: Wir sollen ein Lager des Regimes befreien. Der Eingang wird von einem Eisengitter versperrt. Wir könnten nun nach Schlupflöchern suchen, uns still und heimlich einen Weg in die Anlage bahnen und die Wachen eine nach der anderen lautlos auslöschen. So oder so ähnlich hätten wir es jedenfalls in Far Cry 3 gemacht. In Far Cry 4 gibt es aber eine ganz neue Möglichkeit, Lager buchstäblich aufzuräumen: Elefanten! Was für ein Glück, dass einer der Dickhäuter in bester Computerspiel-Tutorial-Manier auf uns wartet. Per Knopfdruck hüpfen wir auf seinen Rücken und reiten los – mitten durch das Tor.

In Nepal (oder war es D'dorf?) spielten wir Far Cry 4 drei Stunden lang auf PS4.
Die Steuerung des Elefanten ist intuitiv, wenn auch naturgemäß schwergängiger als die unseres Protagonisten. Mit einem Druck auf den linken Stick nehmen wir kurz Tempo auf, mit dem rechten Stick hingegen schwingen wir den Rüssel und schleudern unsere Feinde in hohen Bögen durch die Gegend. Kleine Holzstände oder herumstehende Fässer im Lager stellen für unseren Koloss kein Hindernis dar, ganz im Gegenteil. Sie sorgen stattdessen sogar für noch mehr Verwirrung und Chaos unter den verdutzten Wachleuten, die uns mit Waffengewalt von unserem Reittier zu trennen versuchen. Ihr Widerstand ist zwecklos: Schon kurze Zeit später ist das Lager von  Fieslingen befreit und die Aufständischen übernehmen die Kontrolle.

Die Qual der WahlIm Storyverlauf von Far Cry 4 werden wir ständig vor die Wahl gestellt. Unsere Hauptauftraggeber sind die Eingeborene Amita sowie ihr Bekannter Sabal, die beide der aufständischen Organisation "Goldener Pfad" angehören. Jedoch sind sich die beiden nur selten einig, sodass wir uns immer wieder für einen von ihnen entscheiden müssen, also genauer gesagt für die entsprechende Mission.

Vor den meisten Missionen müssen wir uns zwischen unseren Auftraggebern Amita und Sabal entscheiden.
Wie uns Creative Producer Alex Hutchinson im Gespräch erklärt, habe man sich bewusst für klassische "Entweder oder"-Missionen entschieden. Zum einen wolle man die Spieler damit zu einer Entscheidung zwingen, zum anderen aber auch den Wiederspielwert für einen weiteren Durchgang erhöhen. Trotzdem dürfen wir mittendrin nach Lust und Laune die Seite zwischen Amita und Sabal wechseln, auch um eventuell unliebsame Entscheidungen korrigieren zu können. Der Pfad, den wir durch das Spiel wählen, soll letztlich über den Ausgang der Geschichte entscheiden. Wie viele alternative Enden es geben wird und wie stark sich diese voneinander unterscheiden, wollte uns Hutchinson aber nicht verraten. Wir erwarten da mal nichts Großes...

Spielwelt mit HindernissenWie schon in den drei Vorgängern (Blood Dragon wollen wir jetzt nicht wirklich mitzählen...) sind wir auch in Nepal in einer offenen, frei begehbaren Spielwelt unterwegs. Ob grüne Wälder, die von vereinzelten Schotterpisten unterbrochen werden, große Weiden, Berge oder die Lager – monoton sieht anders aus. Laut Hutchinson soll Kyrat in etwa die Größe der Tropeninseln aus Far Cry 3 erreichen. Zumindest die über das Menü für uns bereits aufrufbare, wenn auch noch größtenteils verdeckte Karte gibt uns keinen Anlass, an seiner Aussage zu zweifeln.

Allerdings scheint es in Teil 4 häufiger als zuvor Barrieren zu geben. Als wir beispielsweise die erste Mission von Amita annehmen, führt uns der Missionsmarker in ein Camp, das per Luftlinie nur wenige hundert Meter entfernt, wenn auch hinter einem großen Berg versteckt liegt. Anstatt nun mit dem Auto um einen größeren See herumzukurven und die Wegstrecke dabei geschätzt zu verfünffachen, setzen wir uns in einen gerade am Wegrand geparkten kleinen Helikopter. Unser Vorhaben: Auf direktem Weg über die Felsformation fliegen. Doch dann müssen wir unter lauten Warnsignalen feststellen, dass unser Fluggerät nicht unbegrenzt hoch fliegen kann und sich bei Missachtung schnell in seine Einzelteile zerlegt. Aber auch das Überqueren des Bergs zu Fuß ist nicht möglich. Aufgehalten werden wir aber nicht etwa von unüberwindbaren Felswänden, sondern von einer schnöden Texttafel, die uns zum Umkehren auffordert. Das mag am Tutorial-Charakter des Spielbeginns liegen und war so ähnlich auch schon in Far Cry so. Aber es hat uns doch gestört.

Beim Umstieg auf eines der vielen Autos dann die nächste
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Verwunderung: Ubisoft hat die Fahrzeugsteuerung überarbeitet. Gas gegeben und gebremst wird nun nicht mehr über die Trigger des Controllers, sondern über den Stick. Daran gewöhnt man sich mit der Zeit zwar, präzises Lenken und Beschleunigen ist auf diese Weise aber aus unserer Sicht nicht mehr möglich. So blieben wir zum Beispiel regelmäßig an Brückengeländern hängen oder kamen unfreiwillig von der Straße ab. Über die freigewordenen Trigger dürfen wir von nun an auch während der Fahrt Gegner anvisieren und das Feuer auf sie eröffnen. Aber auch das funktioniert im Auto mehr schlecht als recht, zumal wir nach dem Einsteigen intuitiv den rechten Trigger drücken – in ungefähr 1.000 anderen Konsolenspielen inklusive Genreprimus GTA 5 geben wir so Gas – in Far Cry 4 hingegen geben wir so der nächsten Autowerkstatt Anlass zur Freude, weil wir nämlich die Windschutzscheibe zerschießen. Einfacher wird das Feuern aus fahrendem Vehikel erst, wenn wir den (ebenfalls neuen) Autopiloten einschalten, der uns in Echtzeit sicher zum markierten Wegpunkt bringt. Nur: Dann hätte man auch die Fahrzeugsteuerung auf den bewährten Triggern lassen können!
Berittene Elefanten sorgen für pures Chaos und sind ein gutes Mittel, die Lager dem Regime abzuluchsen.
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