Jörg Langer 6. Juni 2014 - 18:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Wir haben mittlerweile ein umfangreiches Preview-Update zur Beta-Version von Elite Dangerous veröffentlicht.

Wer noch nie von Elite gehört hat, kann sicher trotzdem irgendwie ein glückliches Leben führen. Doch er hat etwas verpasst. Und zwar einen der ersten 3D-Titel, einen der ersten Weltraum-Titel und einen der ersten Open-World-Titel der Spielegeschichte. Und einen der meistkonvertierten obendrein, was für eine gewisse Beliebtheit spricht. Aufgrund des lächerlich geringen Speicherplatzes damaliger Homecomputer und Konsolen wurde fast alles im Spiel prozedural generiert, durch ausgeklügelte Formen und einen festgelegten Anfangs-Seed-Wert entstanden acht Galaxien mit über 4.000 Planeten; jeder davon hatte feststehende Details wie politisches System, Ökonomie, Handelspreise und sogar eine oft lustige Textbeschreibung. Speichern durfte man nur auf Coriolis-Weltraumstationen (die Planeten selbst besuchte man nie), und auf einer solchen zu landen, war ohne Docking-Computer eine ziemliche Kunst. Es dürfte etliche Spieler geben, die es nie geschafft und das Spiel frustriert in die nächste Tonne geworfen haben. Statt wie die beinharten echten Männer und Frauen das einzige Spielziel zu erreichen: 4.096 andere Schiffe abzuschießen und dadurch den "Elite"-Rang zu erreichen. Abwechslung? Für was denn, und immerhin gab es eine Handvoll Spezialmissionen, so alle 30 Spielstunden mal eine.
 
So war das damals, 1984 und in den Folgejahren – doch kann man heutzutage noch Spielefans mit dem alten Prinzip hinterm Ofen hervorlocken? Also mehr als die geschätzt 20.000 beinharten Fans, die es als Backer bereits spielen? Oder ist Elite Dangerous ein ganz anderes Spiel? Das haben wir mit mehreren Runden in allen Alphas sowie der neuen Beta (bei der alle Accounts resettet wurden) zu ergründen versucht, wobei natürlich diverse Elemente noch nicht enthalten sind.
 
Aller Anfang ist sehr, sehr schwerIm fertigen Spiel wird es wohl anders sein, doch in der Beta beginnt ihr mitten im Weltraum (im Original startete man wenigstens schon gelandet!) vor einer Coriolis-Station, die über dem Planeten Azeban im Eranin-System behäbig rotiert. Obwohl Frontier Developments nicht weniger als unsere ganze Galaxie abbilden möchte, sind in der aktuellen Beta gerade mal fünf Sternensysteme enthalten. Anders als im Original bestehen diese aber jeweils aus ihrer Sonne und mehreren Planeten, oder auch mal Asteroidengürteln, wobei es aktuell pro System nur genau eine Coriolis-Station gibt. Die Galaxiekarte ist bereits aufrufbar, sie hat eine Suchfunktion und bestimmte Filter, um beispielsweise nur Systeme mit einer bestimmten Mindestbevölkerung anzuzeigen. Solche Details, wozu auch politisches System und vorherrschender Wirtschaftszweig gehören, sind wichtig: Wer etwa mit Kontrabanden handeln möchte, fährt damit in einem Anarchie-System grundsätzlich besser, gleichzeitig sollte er dort nicht auf Polizeischutz hoffen, wenn er angegriffen wird. Zudem hängen die Marktpreise (und was sich überhaupt kaufen oder verkaufen lässt) davon ab; arme Industriewelten produzieren andere Dinge als reiche, und wer klug zwischen Agrar- und Förder- und Industriewelten pendelt, kann sein Vermögen langsam mehren, ohne einen Schuss abzugeben.
 
So weit die Theorie! In der Praxis aber fällt das Geldverdienen auf friedlichem Wege in der Beta sehr, sehr schwer. Ihr startet zwar mit 1.000 statt einst 100 Credits, doch auch die Preise für Handelsgüter haben angezogen. Außerdem habt ihr nicht mehr das sehr gute Allround-Schiff Cobra Mk 3 (das ihr allerdings im Ur-Elite niemals wechseln durftet), sondern sitzt in einer Sidewinder. Die ist zwar schnell und wendig, in der Basisversion aber miserabel bewaffnet und mit gerade mal vier Tonnen Laderaum ausgestattet. Zum Vergleich: Die rund 110.000 Credits teure Cobra Mk 3 kommt auf 36, die ebenso waffenstarrende wie große Anaconda auf gut 200 und das aktuell größte Schiff in der Beta, der Lakon Type 9 Light Freighter, gar auf 400 Tonnen Laderaum. Letzterer kostet dann aber auch über eine Million Credits, wofür ihr also euer Startkapital mehr als vertausendfachen müsst. Aufgrund der kleinen Gewinnspanne mit den meisten Gütern dauert es sehr viele Stunden, bevor ihr euch überhaupt mal ein neues Schiff leisten könnt: für gut 40.000 Credits gibt's den auf Kampf spezialisierten Eagle (der hat aber auch nur vier Tonnen Laderaum). Typische Gewinne mit anfänglich finanzierbaren Handelsgütern sind so 150 bis 300 Credits pro (klug gewähltem) Handelsflug, der Zeitaufwand dafür beträgt etwa 10 Minuten, wenn man genau weiß, was man tut. Später lässt sich die Gewinnspanne dann mit teureren Gütern erhöhen, doch mehr als etwa 1.000 Credits könnt ihr selbst mit den teuersten Gütern (außer Gold) mit einem Flug nicht verdienen – ihr habt eben nur vier Tonnen Laderaum. Immerhin: Anders als im Original kostet zumindest in der Beta der Treibstoff nichts.
 
Elite MercilessDie Entwickler feilen eigenen Angaben nach noch am Handel und gerade auch am Einstieg, doch aktuell müssen wir euch dringend davon abraten, über den Handel an nennenswert Geld kommen zu wollen. Das liegt auch an der klitzekleinen Eigenheit von Elite Dangerous, dass es ein "Permadeath-Spiel mit Lebensversicherung" ist: Werdet ihr abgeschossen, ist alles, was ihr bei euch hattet und natürlich auch das Schiff selbst mit seinen Ausbauten futsch. Nun wird euch zwar angeboten, kostenlos eine neue Basis-Sidewinder zu erhalten, doch übernehmt ihr dann nur eure Kills und nicht ausgegebene Credits. Oder aber, ihr zahlt etwa 5% des Neuwerts eures Schiffs, dann erhaltet ihr dieses samt Ausrüstung (aber ebenfalls ohne Fracht) zurück. Wer also keine Credits mehr hat oder nicht genug, um den Eigenanteil der Versicherung zu zahlen, kann also auch als geübter, weit fortgeschrittener Spieler ganz böse auf die Nase fallen. Gerade aber Anfangs-Händler werden, schon um weitere Stunden Lebenszeit zu sparen, meist so viel ihres wenigen Kapitals wie möglich in die Handelsgüter stecken. Wer dann unaufmerksam ist und beim Ablegen die Coriolis-Innenwand schrammt, wer unterwegs abgefangen und ausgeschaltet oder wer einfach von einem böswilligen Spieler noch im Hangar gerammt oder abgeschossen wird, der ist ruiniert und kann ganz von vorn anfangen.
 
Aktuell denkt Frontier darüber nach, zumindest sagte uns das David Braben bei der gemeinsamen Aufnahme des hier verlinkten Montagmorgen-Podcasts, auch eine Versicherung für Handelsgüter anzubieten. Das könnte helfen, und ebenso Missionen, die einerseits als Tutorial und andererseits als alternative, friedliche Geldquelle dienen könnten.

Solo oder Multiplayer?Elite und seine beiden weitgehend missratenen Nachfolger Frontier und First Encounters waren reine Solospiele. Elite Dangerous hingegen ist ein Multiplayer-Spiel, das auch solo erlebbar ist. Ähnlich wie in MMO-Gruppeninstanzen werdet ihr bei jedem Betreten eines Sonnensystems (vermutlich auch beim Erreichen "jeden Schauplatzes" in einem Sonnensystem) in eine so genannte "Insel" gesteckt, zusammen mit einigen wenigen Dutzend anderen Spielern. Das mag Performance-Gründe haben, sicherlich aber auch spielerische: So realistisch es wäre, dass 500 Pil
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oten gleichzeitig in einer Coriolis-Station andocken wollen, so unspaßig wäre das auch. In den Kampfgebieten sind aber immer dutzende Schiffe gleichzeitig unterwegs, das genaue Limit pro "Insel" kennen wir nicht.
 
Mit wem ihr in einer "Insel" landet oder nicht landet, sollt ihr im fertigen Spiel selbst stark beeinflussen können. So dürft ihr etwa Leute auf eine Blacklist setzen oder von vornherein ausschließlich mit Freunden spielen. Innerhalb dieser Vorauswahl werdet ihr auch einer Allianz beitreten können, die dann gemeinsam Abschuss-Credits verdient, aber auch gemeinsam mit Kopfgeldern bestraft wird (wiederum nach bestimmten Regeln, die hier zu weit führen). Doch selbst wer sich für ein reines Solospiel entscheidet, ohne einen einzigen anderen Spieler, fliegt nicht allein durchs All: Dann simuliert komplett die KI die anderen Piloten. Und auch die Handelspreise, die sich dynamisch nach Angebot und Nachfrage entwickeln, erhält der Solist aus der Gemeinschaft sämtlicher Elite-Dangerous-Spieler. Das gewährleistet auch, dass Händler nicht Glück oder Pech haben können, in welcher Instanz sie gerade landen; das Wirtschaftssystem ist immer global.
Elite - Dangerous könnt ihr sowohl als Solist als auch im Mehrspieler-Modus erleben.

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