Phönix aus der Asche

Elite - Dangerous Preview

Dass Elite das erste richtige Weltraumspiel war, interessiert heute nur noch erinnerungsverklärte Alt-Fans. Was aber hat Elite Dangerous zu bieten, um Spieler jenseits der eingeschworenen Kickstarter- und Backer-Gemeinde anzulocken? Unsere Preview beschreibt die Open-World-Aspekte sowie das Kampfsystem auf Stand von Alpha 2.0.
Benjamin Braun 5. März 2014 - 13:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Soweit nicht anders bezeichnet, stammen alle Screenshots von GamersGlobal

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2014 und umkreisen in unserem Raumschiff die Erde. Gut, eigentlich heißt der Planet Zelada, aber er sieht immerhin blau aus. Und wir sitzen in keiner Enterprise, sondern im Einmann-Handels-Kampfschiff Cobra Mk III. Anders als bei Captain Kirk gibt es neben uns keinen Scotty, der sich um die Energieverteilung kümmert, das müssen wir schon selbst tun. Zum Glück liegt neben uns eine Bedienungsanleitung. Rolle ausführen: Check! Seitwärts bewegen: Check! Schub geben. Check! Blöd nur, dass nun auf einmal dieser miese Typ vor uns auftaucht und direkt das Feuer auf uns eröffnet. Seine Laserkanonen zwingen unseren Schild innerhalb von Sekunden in die Knie. Höchste Zeit, die Energie umzuleiten, damit sich unser elektronischer Schutzwall möglichst schnell wieder auflädt.

Doch zu spät! Schon haben wir ein dickes Loch in unserer Frontscheibe und nur noch zwei Minuten, um unseren Gegner auszuschalten, bevor die Mission scheitert. Nachdem der Mistkerl seinen ersten Angriff frontal ausführte, heftet er sich nun an unsere Fersen. Aber was der kann, können wir schon lange! Wir fliegen einen Looping und reduzieren gleichzeitig die Geschwindigkeit, um den Spieß im Nu umzudrehen. Seine "Kondensstreifen" zeigen uns die Flugbahn der letzten paar hundert Meter an. Unser Sauerstoff hält noch 90 Sekunden. Endlich ist er vor uns, und durch geschickte Wendemanöver verhindern wir, dass er uns wieder entschwinden kann. Wir markieren den Gegner, damit unsere Laserkanonen besser ins Ziel treffen. Doch wir übertreiben es, sodass unsere Hauptwaffe überhitzt. Die linke zeigt eine Fehlfunktion, wodurch sie ohne unser Zutun alle paar Sekunden einen Schuss abfeuert. Der Sauerstoff reicht noch für 45 Sekunden, als wir zumindest den Schild unseres Gegners negieren...

Er fliegt eine Kurve, sodass wir ihn kurzzeitig aus den Augen verlieren. Über das Radar finden wir ihn schnell wieder, doch schon ist sein Schild wieder aufgeladen. Noch 30 Sekunden. Wir feuern aus vollen Rohren, zerlegen erst erneut den Schild und sehen kurz darauf einen Brand am feindlichen Raumschiff. Allerdings bleiben uns nur noch 10 Sekunden, bis unser Sauerstoff endgültig zur Neige geht. Ein letztes Mal müht sich unsere bereits knallrot leuchtende Laserkanone einen Schuss ab und lässt unseren Feind in einem großen Feuerball aufgehen. Willkommen zu Elite - Dangerous.

Multiplayer ohne Angst vor PvPAnders als das wegweisende Elite aus dem Jahr 1984 oder die komplett missratenen Nachfolger Frontier - Elite 2 von 1993 und Frontier - First Encounters von 1995 richtet sich Elite - Dangerous nicht nur an Solisten. Vielmehr konzipiert der damalige Co-Schöpfer und heutige Frontier-Firmenchef David Braben, wie auch in unserem Interview nachzulesen, ein Multiplayer-Open-World-Spiel, das auch für Solospieler funktionieren soll. Selbstverständlich könnt ihr euch mit anderen Spielern bekriegen, doch soll das nicht so weit gehen, dass ihr befürchten müsst, ständig abgeschossen zu werden. Störenfrieden, die nur aus Spaß PvP betreiben, will Braben mit bestimmten Spielregeln einen Riegel vorschieben. Die vielleicht wichtigste davon ist, dass niemand aus dem Abschuss eines anderen Spielers Kredit schlagen kann. Es gibt also kein Geld dafür, und Ressourcendiebstahl ist ebenfalls nicht möglich. Ob dies und Funktionen wie die Brandmarkung aggressiver Spieler als "ungewollt" ausreichen werden, bleibt allerdings abzuwarten. Vielleicht reicht auch einfach der Sog des konstruktiven Miteinanders, um gemeinsam Missionen zu lösen.

Ihr könnt aber auch solo spielen und die ganze Arbeit allein machen. Welche Arbeit? Na zum Beispiel Ressourcen sammeln, Frachter kapern oder diverse Missionen erfüllen, um Geld in eure Kasse zu spülen. In die gefährlicheren Ecken des Alls solltet ihr euch aber erst wagen, nachdem ihr euer Schiff sowie dessen Ausrüstung und Bewaffnung verbessert habt. Denn wie vor 30 Jahren startet ihr mit einem Raumschiff in absoluter Mindestausstattung, euer einziger Laser ist eher dazu geeignet, therapeutische Wärmebehandlungen vorzunehmen, und auf dem Konto habt ihr lediglich 100 Credits, was gerade einmal dafür ausreicht, einige Tonnen eines billigen Rohstoffs zu kaufen, um ihn hoffentlich anderswo mit kleinem Gewinn wieder abzustoßen.

So ist es auch in Elite - Dangerous nicht unwahrscheinlich, dass ihr die ersten Spielstunden brav als Händler verbringt, der mit geschickt gewählten Routen zwischen unterschiedlich ausgeprägten Systemen erst mal etwas Kapital aufbaut: Wer zwischen einer reichen Industrie- und einer armen Agrarwelt pendelt, kann gute Gewinne abschöpfen, zumindest dann, wenn beide Systeme von sicheren Regierungsformen (wie Demokratie oder, sic, Kommunismus) profitieren. Doch keine Sorge: Sei es durch Missionen oder einfach den zunehmenden Wert eurer Fracht: Über kurz oder lang werdet ihr es mit feindlich gesinnten Fremdraumschiffen zu tun bekommen, oder auch mit der Polizei, falls ihr der Verlockung des Handelns mit Konterbande nicht widerstehen könnt.

Prozedural generierte Open WorldDas Besondere der Spielwelt von Elite - Dangerous ist, dass das All keinerlei Grenzen hat, sondern im wahrsten Sinne des Wortes unendlich ist. Da eine solche Spielwelt schlecht komplett von Hand designt werden könnte, muss natürlich ein Tool her, mit dem die Welt im Wesentlichen vom Computer generiert wird. Das war übrigens schon bei den Vorgängern der Fall, wobei durch eine feste Random-Seed-Number jeder Spieler dasselbe Weltall erleben konnte. Wen das im Detail interessiert, findet in unserem Kultklassiker-Re
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port zu Elite
weitere Infos. Dieses seitdem natürlich verfeinerte System, das Braben prozedurale Generierung nennt, soll im neuen Elite Umgebungen erschaffen, die glaubwürdig sind und Naturgesetze wie die Massenverteilung berücksichtigen.

Wie das im Detail funktioniert, konnten wir uns noch nicht näher anschauen. Braben sagt jedenfalls, dass dabei aus einer großen Menge an Daten zufällig Umgebungen erstellt werden, die möglichst einzigartig seien. Er selbst nennt das "Sandbox Big Bang" (also "Sandkasten-Urknall") und verspricht, dass diese Generierung pro System nur wenige Sekunden in Anspruch nehmen wird. So sollen Planeten entstehen, die vielleicht an den Mars erinnern, aber ein ganz anderes Klima oder unterschiedlich viele Monde besitzen. Das soll die Spieler dazu anreizen, die Winkel der Galaxie zu erforschen, ohne dass es dabei langweilig wird. Da es sich bei Elite - Dangerous aber um eine persistente Welt handelt, werden einmal entdeckte Systeme wohl für alle Spieler gleich sein -- denn es wäre kaum sinnvoll, wenn ein und dasselbe System bei Spieler A eine prosperierende Agrarwelt wäre und bei Spieler B ein toxisches Ödland ohne Raumstation.
Elite - Dangerous wird ein Open-World-Spiel, in dem ihr eine theoretisch unendlich große Spielwelt frei erkundet, zig Systeme bereist, Ressourcen abbaut, Handel betreibt oder in Konflikte verschiedener Fraktionen eingreift. (Herstellerbild)

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