Karsten Scholz 1. Februar 2014 - 18:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Unser Heldenquartett bahnt sich wohlgemut seinen Weg durch den Wald, als es auf einer Lichtung einen Hund entdeckt. Unsere Zauberin beherrscht die Sprache der Tiere und ruft nach ihm, doch der Vierbeiner antwortet nicht. Das riecht nach Ärger! Als wir uns ihm nähern, erkennen wir, dass bereits die Haut von dem Tier abblättert, der Hund ist untot. Eine Falle: Aus dem Boden brechen plötzlich Ghule und Nekromanten. Einer von ihnen verseucht mit einem Giftstrahl den Boden unter den Füßen unserer überraschten Streiter, ein weiterer wirft einen Feuerball auf unseren Krieger und hinterlässt eine schmerzende Feuerwunde, die sich immer tiefer in seinen Körper brennt. Die Zauberin reagiert als erste und beschwört einen Wolkenbruch über dem Kampfareal. Der Regenschauer durchnässt Freund und Feind gleichermaßen, bekämpft die Feuersbrunst und reinigt die toxische Erde. Netter Nebeneffekt: Das Wasser erhöht auch die Anfälligkeit für Blitzangriffe, weswegen der zweite Zauberkundige unseres Quartetts sofort ein Gewitter entfesselt. Danach lässt er einen Eisdrachen auf seine Feinde los, um mit seinem Frosthauch den nassen Boden im Bruchteil einer Sekunde einfrieren zu lassen. Die Untoten sind nur noch schockgefrostetes Eis am Stiel und zerschellen unter den Schlägen der Nahkämpfer. Als die Zauberin grinsend die Beutetaschen der Nekromanten durchsuchen möchte, rutscht sie auf der glitschigen Eisfläche aus und landet schmerzhaft auf ihrem Hosenboden.

Nein, das war kein Erlebnisbericht aus dem Redaktionsalltag eines Gamersglobal-Schreibers und auch keine Szene aus dem letzten Fantasy-Kinoblockbuster. Genau so liefen in den letzten Tagen die Kämpfe in Divinity - Original Sin ab. Das nachträglich durch Kickstarter finanzierte Rollenspiel-Projekt der Larian Studios befindet sich aktuell in einer Alpha-Testphase – und wir hatten die Gelegenheit, nach unserer letzten Stippvisite vor eineinhalb Jahren (GG-Angetestet) ein weiteres Mal für mehrere Stunden nach Cyseal zu reisen, um Orks und Untoten, aber auch einem rachsüchtigen Elf auf den Zahn zu fühlen.

Helden mit Potenzial
Vor Beginn des Spiels erstellt ihr euch gleich zwei Helden, die ihr alleine oder kooperativ mit einem Freund steuert.
Bevor wir ins Land Rivellon reisen, kämpfen wir uns erst durch den obligatorischen Heldengenerator. Das Wort "kämpfen" wählen wir in diesem Zusammenhang übrigens bewusst, aktuell treffen wir noch auf scheinbar endlose Ladebildschirme und sperrige Menüs. Aber gut, uns liegt ja auch eine Alpha-Version vor. An anderer Stelle zeigt Divinity - Original Sin nämlich schon jetzt, zu welch tollem Rollenspiel es werden könnte. So erschaffen wir gleich zwei Helden, die wir wahlweise allein oder gemeinsam mit einem Mitspieler durch das Spiel steuern. Die Klassen Krieger, Zauberer sowie Ranger geben nur die Start-Attribute vor, auf Wunsch können wir aber auch diese auf die Ausgangsposition setzen und uns völlig frei entfalten. Doch selbst wenn wir die Standardeinstellung behalten, besitzen wir genügend Freiheiten: Ein Luft-Elementalist mit Hang zur schweren Rüstung und besonderen Fertigkeiten beim Taschendiebstahl, der seinen Gesprächspartnern Honig ums Maul schmiert, liegt jedenfalls im Bereich des Möglichen.

Spannend finden wir die lange Liste an zusätzlichen Talenten, von denen wir anfangs drei und weitere nach Level-Aufstiegen auswählen. Als Nahkämpfer setzen wir beispielsweise auf die Gladiator- und Warlord-Talente, mit denen wir unseren Schaden und unsere Trefferchance erhöhen. Zauberer verbessern sinnvollerweise eine der Magieschulen, für den "Regenmann" gewinnen zum Beispiel sämtliche Wasserzauber an Stärke. Unsere Wahl fällt unter anderem auf das Talent "Tierfreund", durch das unsere Zauberin mit Tieren sprechen kann. Ohne diese Fähigkeit hätten wir beispielsweise nie von einem Bullen unsere Zukunft erfahren...
Der Angriff Phönix Dash ist unglaublich stark, sieht schick aus und macht das Knacken von Türschlössern überflüssig.

Der Beginn einer langen Reise
Nachdem wir unser Helden-Duo erschaffen haben, landen wir an einem einsamen Strand. Ein Pergament in den Taschen klärt uns auf: Wir sind Source-Hunter und sollen in der Stadt Cyseal den Mord an Ratsmitglied Jake aufklären, der offenbar durch verbotene Magie ermordet wurde. Schnell merken wir, da
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ss in der Siedlung noch einiges mehr im Argen liegt: Von der Strandseite bedrohen Orks den Frieden der Stadt, der Waldbereich im Norden und Osten wird wiederum von Untoten heimgesucht. Als gäbe es nicht schon genug zu tun, sammeln wir innerhalb kürzester Zeit einen ganzen Batzen weitere Einträge im Quest-Journal an. So bittet uns ein streunender Kater, herauszufinden, warum die Liebe seines Lebens nicht an ihm interessiert ist. An anderer Stelle sollen wir das Geheimnis der sprechenden Statuen klären, die bereits für unzählige Todesopfer verantwortlich sind. Wie eine Statue gestandene Männer erledigen kann? Indem sie ihnen erst einflüstert, dass sie fliegen können und sie daraufhin zur nächsten Klippe schickt.

Es gibt auch Aufgaben, die zunächst weniger Spannung versprechen: Ein Bauer vermisst sein Schaf, eine Frau ihren Mann... Doch auch diese Aufträge sind meist mit anderen Ereignissen in der Stadt verwoben. Lebendig werden die Geschichten und Figuren durch die toll geschriebenen Dialoge, die uns nicht nur gut unterhalten, sondern auch mehrfach zum Lachen gebracht haben. Eine Sprachausgabe hätte den vielen Textzeilen jedoch die Krone aufgesetzt.
Während wir die drei Gegner im Vordergrund erledigen, blockiert die Eiswand die Nachhut des Feindes.
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