Der Weg ist das Ziel

Destiny Preview

Das kommt dabei heraus, wenn der Geist von Halo auf dem Weg ins gelobte MMO-Land durch die Borderlands zieht: Bungie baute mit bodenständigen Shooter-Zutaten eine Online-Ballerspielwiese, die wenig grundsätzlich neu, aber vieles richtig macht. Wir ziehen ein Zwischenfazit der PS4-Beta-Version.
Heinrich Lenhardt 22. Juli 2014 - 14:35 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Ein wenig ziellos streifen wir durch die verschneiten Rostruinen des russischen Raketenbahnhofs. Zwischendurch holen wir uns eine der Zufallsmissionen ab, die in schier unendlicher Menge an blinkenden Terminals ausgeschenkt werden. Doch der wahre Reiz am Herumstöbern im "Erkunden"-Modus von Destiny liegt in den Zufallsbekanntschaften. Durch die stete Online-Anbindung besuchen auch andere Hüter diese reichlich runtergekommene Erde der Zukunft. Es sind nicht zu viele Mitspieler, so dass trotzdem ein gewisses Gefühl der Einsamkeit in einer von bösartigen Aliens besetzten Welt erhalten bleibt. Wer aber Anschluss sucht, kann ihn leicht finden, indem er den gelegentlichen Hinweisschildchen nachläuft: Schau her, da hinten ist ein anderer Mensch auf Stufe 8.

An die Gegnertypen und Schauplatzkomponenten gewöhnt man sich, aber die sporadischen Begegnungen mit Gleichgesinnten verleihen der Baller-Expedition Unberechenbarkeit und schöne Momente spontaner Kameradschaft. Wagen wir uns nicht gerade in die expliziten PvP-Schlachten des "Schmelztiegel"-Modus, dann sind diese Mitspieler Kollegen und Helfer, weder Friendly Fire noch Rumgetrolle trüben die Zufallsbegegnungen. Gemeinsam nehmen wir bei einem dynamischen Event einen Obergegner in die Zange oder düsen einfach durch die Gegend und erfreuen einander mit der Tanz-Animation, jenem obligatorischsten aller MMO-Features. Das Miteinander ist lässig und zwanglos, nach kurzem Feuerschutz-Beistand ist der Reisende schon wieder auf seinem Weg, seinem eigenen Quest-Marker folgend.

Spontanität und ZielstrebigkeitDie Freude daran, sich auch mal treiben zu lassen, ist vielleicht der bemerkenswerteste Aspekt in Destiny. Dabei mangelt es dem Spiel wahrlich nicht an konkreten Zielen und Rollenspiel-bewährten Motivationsanreizen. Natürlich hat jeder die Augen auf dem eigenen Level und der Ausrüstungsqualität, sammelt mit jedem Feuergefecht ein paar Erfahrungspunkte mehr und strebt einen immer besseren, individuelleren, cooleren Helden an. Aber selbst als uns die Beta-Version nach Erreichen von Stufe 8 weitere Level- und Story-Fortschritte verwehrt, können wir uns ganz gut damit amüsieren, auf gut Glück durch Alt-Russland zu patrouillieren.

Gewiss, Ego-Shooter mit Diablo-mäßiger Item-Sammellust gab's schon vorher, Stichwort: Borderlands 2 (GG-Test: 8.5). Die Qualität von Destiny besteht nicht darin, etwas grundlegend Neues zu erfinden, sondern Spielkomponenten aufzugreifen und zu einem großen Ganzen zusammenzufügen, das mehr Spaß bereitet als die Summe seiner Einzelteile. Damit befindet sich Bungies neuestes Spiel in guter Gesellschaft: Auch die Kollegen (und mittlerweile: Konzernbrüder und -schwestern) von Blizzard haben weder Online-Rollenspiele noch digitale Sammelkarten erfunden, aber ihre jeweiligen Genrebeiträge mit so viel Liebe zum Detail ausgestattet, dass sie damit größtmögliche Menschenmengen begeistern konnten.
Spontan machen wir bei einem dynamischen Event mit. Eine Zufallsbekanntschaft (links) hilft bei der Bewachung des abgestürzten Satelliten, motiviert durch die Aussicht auf Belohnungsbeute.

Hal(l)o – das spielt sich wie geschmiert
Destiny könnte man auch als gefühltes "World of Halo" bezeichnen, wenn die Markenrechte von Bungies damaliger Shooter-Serie nicht bei Microsoft verblieben wären. Aber auch so schimmert beim neuen Werk immer wieder ein Hauch von Master Chief durch. Die Steuerung entspricht den Genregewohnheiten: Zielen, Schießen und zwischen drei Waffenkategorien wechse
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ln, das gelingt alles geschwind und intuitiv. Die Schusssteuerung belohnt Zielgenauigkeit: Bei humanoiden Gegnern sorgen Headshots für kräftig Extraschaden, auch mechanische Feinde haben bestimmte Schwachstellen. Der stetig herabregnende Zahlensalat, der den angerichteten Schaden jedes einzelnen Treffers anzeigt, verdient durchaus Beachtung.

Größere Distanzen legen wir als Planetenerkunder mit einem Vehikel-Flitzer zurück, der sich außerhalb von Gebäuden spontan abrufen lässt. Die Fußgänger-Mobilität ist auch nicht ohne, durch zweimalige Betätigung der Sprungtaste machen wir einen kräftigen Düsentrieb-Hupfer. Mit etwas Übung gelingen so ganz erquickliche Flugmanöver, um auf Gebäuden zu landen oder Zugang zu einer kleinen Höhle zu erlangen. Unsere Hüter-Spielfigur ist mit einem Schutzschild ausgestattet, der sich nach einem Weilchen wieder vollständig regeneriert. Ein paar eingesteckte Treffer sind kein Weltuntergang, nach einigen Sekunden in der Deckung baut sich die Energiehülle wieder auf. Ganz so eben, wie es damals Halo für Konsolen-Shooter einführte. Ausrüstung und Charakterklasse haben zudem Auswirkungen auf die Regenerationsrate.
Nach Druck auf die Menütaste erscheint unser mechanischer Begleiter Geist mit Hinweisen zur aktuellen Mission. Wir können auch einen Gleiter abrufen oder in den Orbit zurückkehren.
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