Cyberpunk 2077 Preview+

Komplexes RPG in fantastischer Welt

Jörg Langer / 25. Juni 2020 - 19:51 — vor 3 Tagen aktualisiert
Steckbrief
PCPS4PS5XOneXbox X
Open-World-RPG
CD Projekt
19.11.2020
Link
Amazon (€): 69,99 (), 68,23 (PlayStation 4), 58,48 (PC), 68,23 (Xbox One)

Teaser

Cyberpunk 2077 existiert, man kann frei darin agieren, Neben- und Hauptmissionen spielen, das Braindance-Feature nutzen und viel Spaß haben. Wieso also hat sich der Release auf 19.11.2020 verschoben?
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Das ewige Warten hat ein Ende. Allerdings, wenn man nicht privilegierter Computerspiele-Redakteur oder gar INFLUENCER ist, erst am 19.11.2020. Dann nämlich soll, nach zwei größeren Verschiebungen, Cyberpunk 2077 erscheinen, die neue Marke von CD Projekt (The Witcher 3, im Test: Note 9.0).

Eine wirklich neue Marke ist Cyberpunk 2077 insofern nicht, als es auf dem Papier-Rollenspiel Cyberpunk 2020 aufsetzt. Doch es hat viele eigene Ideen und ist vor allem eines der ganz wenigen (im weitesten Sinne) Science-Fiction-RPGs. Zudem traut sich CD Projekt, vom gewohnten Third-Person-Ansatz mit Kombo-Kampfsystem zur Egosicht und aktivem Schießen, Schwertschwingen und Zuschlagen zu wechseln, und dies durchaus (vor allem im Nahkampf) komplexer als bei "Immer feste druff"-Action-Rollenspielen wie Bethesdas The Elder Scrolls: Skyrim.

Mir war es vergönnt, Cyberpunk 2077 gute vier Stunden lang auszuprobieren und frei in Night City herumzulaufen und zu -fahren. Danach schaute ich noch ein halbes Stündlein dem Senior Level Designer Miles Tost über die Schulter, der zwei Kolleginnen und mir noch einige weitere Abschnitte zeigte sowie die deutsche Synchronisation vorführte (ich spielte auf Englisch).
 

Wieso die Release-Verspätung von Cyberpunk?

Diese Lokalisierung sei einer der Aspekte, die noch nicht fertig seien, Corona-Pandemie-bedingt, wurde mir gesagt. Dafür hätten die deutschen Synchrontexte-Schreiber und -Sprecher nun den großen Vorteil, dass das eigentliche Spiel schon sehr weit fortgeschritten sei, man also nicht nur aufgrund von Regieanweisungen im Text lokalisieren müsse, was am Ende Zeit sparen könne (weil in Unkenntnis der tatsächlichen Stimmung in einer Szene beispielsweise die Betonung nicht stimmte und eine Aufnahme deswegen wiederholt werden muss).

Es sind unter anderem Balance- und Code-Optimierungen, die CD Projekt noch bis November beschäftigen werden. Zwar ist "meine" Version (von mir gespielt auf einem hochgezüchteten PC inklusive Geforce RTX und mit Gamepad) nicht abgestürzt, aber es waren schon ab und an mal grafische Glitches zu sehen, oder die Sprachausgabe klang blechern (und zwar nicht, weil sie von einem Cyborg kam...).

Auch mit dem Interface ist man noch nicht restlos glücklich. Dieses muss gewaltige Aufgaben bewältigen, schließlich spielt man einen Netrunner mit diversen Augmentierungen, doch aktuell wirkt es stellenweise noch überladen, sodass unscheinbare Anzeigen (etwa welche Taste des Digipads ich für eine bestimmte Funktion drücken muss) erst mal untergehen. Das Interface demonstriert aber auch sofort: Cyberpunk 2077 ist kein Pausensnack, den man mit abgeschaltetem Großhirn mal kurz eben durchballert.
 

Drei Lebenspfade (Origin Stories)

Zu Beginn stelle ich mir erst mal meine Heldin (oder meinen Helden) im umfangreichen Editor zusammen. Eine beeindruckende Zahl von Stellschrauben erlaubt es mir, eine makellose Schönheit ohne Schambehaarung (sic) ebenso zu kreieren wie einen vernarbten, tätowierten Widerling mit grobporiger ungesunder Haut und kleinem Penis. Wieso genau primäre Geschlechtsorgane modelliert werden mussten, verstehe ich allerdings nicht, denn es wird ja wie gesagt die Egoperspektive verwendet, und selbst wenn ich meine Heldin mal von außen oder im Spiegel sehe, dann ist sie immer bekleidet. Naja, vielleicht gibt es ja einen "Ergötze dich an dir selbst"-Peepshow-Modus, den ich noch nicht finden konnte.

Man spielt immer "V" (zwischen "Wie" und "Vieh" ausgesprochen), entweder mit weiblicher oder männlicher Stimme. Doch man darf sich für einen von drei "Lebenspfaden" entscheiden, also wo der Held herkommt: Straßenkind, Nomade oder "Corp", also Angestellter eines Megakonzerns. Je nach eurer Wahl ist die erste halbe bis dreiviertel Stunde von Cyberpunk 2077 eine andere, bevor ihr jeweils dieselbe Kontaktperson, Jackie, trefft, und in den mehrstündigen Prolog übergeht. In diesem ist die Offene Welt bereits zugänglich (vermutlich aber noch nicht komplett) und ihr müsst erst mal beweisen, dass ihr zu den großen Jungs (oder Mädels) dazugehört.

Die Origin-Stories sollen aber im Spielverlauf immer wieder eine Rolle spielen, indem Charaktere anders auf euch reagieren. So will CD Projekt V zu einem zwar komplett frei entwickelbaren, aber eben auch beseelten Charakter machen.
 
Die Grafik wartet mit allerlei modernen Effekten auf, wirkt aber vor allem stilistisch schlüssig. Mir hat sie sehr gut gefallen.
 

Hacking und Braindance

Beim Hacking, das ich jederzeit im Kampf oder außerhalb davon einsetzen kann und sogar, siehe nächsten Absatz, innerhalb von Braindance-Erkundungen, lade ich per Minispiel (taktisch Reihen und Spalten mit Zahlencodes auswählen) "Programme" in Sicherheitssysteme oder Cyberware-tragende Gegner, um sie auszuschalten oder sonst zu meinen Gunsten einzusetzen. Beispielsweise lasse ich einen Wächter seltsam agieren, sodass ein zweiter hinzukommt, und ich durch Fernsprengung einer Granate am Gürtel des ersten Wächters beide ausschalte.

Braindance (BD) hingegen ist der ultimative feuchte Traum aller Influencer-Video-Abhängigen. Pornodarsteller oder sonstige Selbstverkäufer mit BD-Implantat zeichnen nicht nur Bild und Ton auf, sondern alles, was in ihrem Umkreis passiert, und auch ihre eigenen Gefühle wie Angst oder Lust. Während Influencer editierte Braindance-Aufnahmen veröffentlichen, verkauft sich in der Unterwelt vor allem "Rohmaterial" gut, also nicht editierte, möglichst krasse Sachen. Etwa eine BD-Aufnahme, in denen der Aufnehmende stirbt.

In meinen Stunden mit Cyberpunk 2077 konnte ich zwei Braindance-Edit-Abschnitte erleben: Indem ich mich in eine solche Aufzeichnung versetzen ließ, konnte ich sie vor- und zurückspulen, die Kamera darin bewegen, nach "Visuell", "Audio" und "Infrarot" filtern und so Hinweise entdecken, etwa auf den Mörder eines Räubers oder auf einen wichtigen versteckten Gegenstand in einem Appartement, das ich danach in der echten Welt aufsuchen konnte. Braindance ist also quasi ein Detektivmodus, und zwar ein sehr gelungener. Ihr könnt sogar innerhalb einer Braindance-Erfahrung hacken, um etwa darin das Bild einer Überwachungskamera zu begutachten!
 
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