Rom stürzen, Regionen einäschern

Attila - Total War Preview

Mehr als ein Rome-2-Addon will Attila nicht nur preislich sein: Viele neue Mechaniken halten Einzug, die Engine wurde sachte verbessert und beliebte Alt-Features wiederbelebt. Vor allem gibt es mit Attilas Hunnen einen gefährlichen Feind für die Großmächte Westrom und Ostrom – die ihr wie diverse andere Fraktionen alle spielen dürft.
Jörg Langer 5. Januar 2015 - 19:58 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Die Hilferufe des weströmischen Verbündeten werden zunehmend verzweifelter. Die Germanen überqueren scharenweise den Rhein, in Hispanien tobt ein Aufstand, Britannien ist bereits gefallen. Wir würden ja gerne helfen. Allerdings sehen wir uns als Herrscher des oströmischen Reiches selbst mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Unter dem Druck der nachrückenden Hunnen marschieren West- und Ostgoten durch unsere Provinzen, plündern und zerstören Städte. Nahrungsversorgung und Handelswege brechen zusammen. Einnahmen gehen verloren. Dadurch fehlen uns die Geldmittel, um entscheidend gegenzusteuern, obwohl wir eigentlich nach Westrom die mächtigste Entität der uns bekannten Welt sind. Die öffentliche Ordnung nimmt rapide ab. In immer mehr Provinzen brechen bewaffnete Aufstände aus. Ist das das Ende der Zivilisation?

Auf den Spuren von
Barbarian Invasion
Total War: Attila wandelt – als Vollpreisspiel – auf den Spuren von Barbarian Invasion, der 2005 veröffentlichten Erweiterung zu Rome: Total War. Erneut versetzt uns Entwickler Creative Assembly in die Spätantike. Genauer gesagt: ins Jahr 395. Nach dem Tod des römischen Kaisers Theodosius wird das Riesenreich unter seinen Söhnen Honorius und Arcadius in eine West- und eine Osthälfte aufgeteilt. Zwar hat es auch schon in der Vergangenheit, beispielsweise unter Kaiser Diokletian, Machtaufteilungen gegeben, um den Herausforderungen des riesigen Imperium Romanum gerecht zu werden. Dieses Mal ist die Lage jedoch ungleich kritischer. Innere und äußere Faktoren wie soziale und religiöse Umbrüche sowie die Bedrohung der Grenzen durch Germanen und Hunnen stellen das Fortbestehen des Römischen Reiches in Frage.

Viel übersichtlicher dank sortierbaren Fraktionen: Diplomatie.
Das ist die Ausgangslage, in der wir die Kontrolle über eine spätantike Fraktion übernehmen. Franken, Sachsen, Vandalen, West- und Ostgoten, Alanen, Hunnen, West- und Ostrom sowie Sassaniden. In die Rolle von Attila durften wir in der Preview-Version noch nicht schlüpfen, dafür aber als Sachsen, Sassaniden, Ostrom und Ostgoten unser Glück versuchen. Während erstere drei jeweils einem eigenen Fraktionentyp angehören und sich in Kampfeinheiten, Gebäudetypen und so weiter deutlich unterscheiden, spielen sie sich prinzipiell ähnlich: Es sind an Territorium interessierte König- oder eben Kaiserreiche. Ganz anders die Ostgoten, die zu Beginn nicht-sesshaft sind und quasi ihr ganzes Hab und Gut mit ihren Armeen herumschleppen. Auch später dürfen sie jederzeit wieder auf Wanderschaft gehen, wann immer sie nur noch eine richtige Siedlung kontrollieren. Die Hunnen sollen als einzige Nomadenfraktion sogar nie sesshaft werden dürfen – und geradezu zur Siegbedingung haben, andere Reiche zu zerstören und ihre Regionen zu verbrennen.

Mehr ÜberblickIm Kern spielt sich Attila - Total War wie das Hauptspiel Total War: Rome II. Auf der Strategiekarte, die Europa sowie Teile Nordafrikas und Westasiens umfasst, verwalten wir rundenweise unser Reich. Im Taktik-Modus hingegen schlagen wir Echtzeit-Schlachten, wenn wir sie nicht einfach auswürfeln lassen. So weit, so bekannt. Allerdings hat Total War: Attila einige grundlegende Gameplay-Änderungen im Gepäck. Hinzu kommen unzählige Detailverbesserungen.

Beim ersten Blick auf die Strategiekarte fällt uns das veränderte Interface auf. Das hat merklich an Übersichtlichkeit gewonnen. Am oberen Bildschirmrand sehen wir wichtige Infos wie Einkommen, Fraktionseigenschaften samt Auswirkungen sowie die aktuelle Jahreszeit (eine Runde simuliert drei Monate). Ereignismeldungen sind nach Kategorien geordnet. Im Diplomatie-Bildschirm können wir Fraktionen nach Name, Stärke, Regionenanzahl, Abkommen und Beziehungsstatus auflisten sowie diverse Filter auswählen. Dieser Bildschirm erscheint ebenfalls, wenn unser Verbündeter uns zu den Waffen ruft, so dass wir die Lage besser überblicken, bevor wir uns in einen möglichen militärischen Konflikt stürzen. Apropos Diplomatie: Marionettenfraktionen stehen nun automatisch im Krieg mit unseren Feinden. Neben der hinzugewonnenen Übersichtlichkeit sieht das Interface zudem besser aus. Die in Rome 2 eingeführten, nach "antiken Graffiti" aussehenden Einheiten- und Gebäudesymbole sowie die hässlichen 3D-Porträts wurden endlich beseitigt: In allen drei Fällen gibt's nun schöne Bildchen.

Überarbeitetes GameplaySolche Detailänderungen finden wir ebenfalls beim Gameplay. Die Gebäude und Verbesserungen wurden komplett überarbeitet. Neu ist der Fruchtbarkeitslevel einer Region. Dieser dient als Multiplikator für diverse landwirtschaftliche Verbesserungen. So bringt ein Weizenfeld beispielsweise einen geringeren Grundertrag an Nahrung, dafür ist der Multiplikator aber höher als etwa bei einer Schafherde, so dass sich Weizenfelder vor alle
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m in fruchtbaren Provinzen lohnen. Neben der Nahrung gilt neuerdings immer die Verschmutzung (Seuchen!), das Einkommen, die öffentliche Ordnung und nicht zuletzt die vorherrschende Religion im Auge zu behalten.

Natürlich können wir jetzt noch kein endgültiges Urteil darüber fällen, aber Balance und Spielspaß scheinen bei der Provinzenverwaltung zu stimmen und der aus Rome 2 überlegen zu sein. Neu ist auch, dass wir eine streng limitierte Zahl von Gouverneuren als Verwalter in unsere Provinzen schicken dürfen. Erst wenn ein Statthalter vor Ort ist, können wir ein Edikt erlassen. Dabei ist neuerdings unerheblich, ob sich nur eine Stadt oder die gesamte Provinz in unserem Besitz befindet. Die Anzahl der Statthalter ist, ähnlich wie die Zahl von Armeen, Flotten und Spezialagenten, von der Größe unseres Reichs abhängig. Ob wir einen Charakter als Gouverneur oder als General einsetzen, bleibt uns überlassen. Bemerkenswert ist der hohe Individualisierungsgrad durch Faktoren wie Skillsystem, Ehepartner, Charakterzüge, Haushalt sowie die Fähigkeiten Autorität, List und Eifer. Einige dieser Faktoren können wir direkt beeinflussen, andere hingegen nicht.
Nach der Eroberung einer Stadt stehen zahlreiche Optionen zur Wahl. Raze vernichtet übrigens die Stadt wirklich restlos.
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