Spiele-Check von Vampiro

Spiele-Check: Jagged Alliance 3 - Söldnerfreuden auf Konsole
Teil der Exklusiv-Serie Spiele-Check

PC XOne Xbox X PS4 PS5
Bild von Vampiro
Vampiro 121595 EXP - Freier Redakteur,R10,S10,A7,J10
Dieser User hat uns an Weihnachten 2019 mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2020 mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 10 Jahren bei GG.de registriertAlter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertGold-Jäger: Hat Stufe 11 der Jäger-Klasse erreichtDieser User hat uns bei der Battle-Brothers Aktion mit 5 Euro (oder mehr) unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2017 mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertDebattierer: Hat 5000 EXP durch Comments erhaltenIdol der Massen: Hat mindestens 10.000 Kudos bekommenDieser User hat uns an Weihnachten 2015 mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Loyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabei

23. November 2023 - 11:43
Dieser Inhalt wäre ohne die Premium-User nicht finanzierbar. Doch wir brauchen dringend mehr Unterstützer: Hilf auch du mit!
Jagged Alliance 3 ab 38,83 € bei Amazon.de kaufen.
Söldnerführer Langer hatte mit Jagged Alliance 3 (im Test) viel Spaß, auch wenn diverse Aspekte, wie das Inventarmanagement oder gewisse nicht sonderlich intelligente Eigenarten der KI, dem Titel von Haemimont Games noch höhere Weihen verwehrten. Jetzt beginnt das Söldnerleben auf den Konsolen. Ich habe mich auf der Xbox Series X am 65-Zoll-4K-TV ins fiktive, afrikanische Land Grand Chien gewagt und verrate euch in diesem Port-Check, ob interessierte Konsoleros sorgenfrei zugreifen können.
Alle UI-Elemente sind gut lesbar und es gibt stets Symbole für den richtigen Knopfdruck.
Spielprinzip
Als Söldnerführer ist es eure Aufgabe, den entführten Präsidenten von Grand Chien zu befreien. Ihr legt auf einer kleinen "Tutorial-Insel" los, auf die sich dessen Tochter geflüchtet hat. Dann geht es sektorenweise auch auf dem Kontinent weiter. Gestartet bin ich mit meinen Favoriten: Also mir selbst (warum gibt es so wenige Portaits?), Barry, Wolf und natürlich Fox. Vielfalt und Inhalt der Sprachausgabe sind klasse, in Einzelfällen aber auch mal ein bisschen anstrengend (Livewire...). In spannenden und knackigen Rundentaktik-Kämpfen schaltet ihr fiese Schurken aus, lernt Einheimische kennen und übernehmt viele Nebenaufträge. Oft habt ihr die Wahl zwischen verschiedenen Vorgehensweisen und eure Entscheidungen haben Konsequenzen. Auf der strategischen Ebene plant ihr eure Vorgehen, etwa um Diamantenminen zu erobern, rekrutiert Nachschub, repariert und verbessert Ausrüstung, verarztet eure Söldner und bildet Milizen aus. Also alles wie auf dem PC.
Mit dem LS steuert ihr oft den "Mauszeiger".
UI und Steuerung
Das UI ist vom Start weg auf Anschlag skaliert. Damit waren Dialoge, eingeblendeter Text und auch das HUD gut lesbar. Eine Reduzierung der Skalierung habe ich nicht in Betracht gezogen. Jagged Alliance 3 ist ein komplexes Spiel. Entsprechend viele Befehle müssen auf wenig Knöpfen untergebracht werden. Auf den taktischen Karten habt ihr standardmäßig eine "bewegungsorientierte" Belegung. Mit LT schaltet ihr die Belegung um und habt dann Zugriff auf "friedliche" Optionen, beispielsweise das Inventar oder den Wechsel von Höhenebenen. Mit RT wechselt ihr auf die "kriegerische" Belegung um zum Beispiel die Söldner in den Schleichmodus zu versetzen, die Haltung zu ändern oder Overwatch zu aktivieren, ohne den Weg in die Aktionsleiste eines Söldners zu gehen. Da kommt ihr mit Digipad-Rechts rein, wählt dann Attacken (alternativ könnt ihr auch das Ziel direkt auswählen), Granaten oder Heilfähigkeiten. Wichtig ist auch das Durchschalten der Söldner und Ziele mit LB/RB.

Es sind wirklich viele Aktionsmöglichkeiten und ich habe schonmal meinen Trupp ins Verderben geschickt, als ich eigentlich nur meinen Sniper in Position bringen wollte. Nach wenigen Stunden hatte ich die Steuerung aber drauf und sie ging mir ab da schnell von der Hand. Mit Maus und Tastatur könnte ich trotzdem vermutlich schneller und auch präziser agieren. Etwas nervig finde ich, dass ihr nur einzelne Söldner oder ein ganzen Squad anwählen könnt. Um in einem Kampf mit zwei Gruppen sinnvoll agieren können, müsst ihr den kleinen Umweg über ein zusätzliches Squad gehen. Das Inventar solltet ihr nicht zumüllen, da das sichtbare Sektor-Inventar schnell voll ist und ihr dann scrollen müsst. Und das Scrollen ist etwas langsam. Im Inventar, beim Söldner-Rekrutieren oder auch auf der Karte müsst ihr den linken Stick nutzen, um den Mauszeiger zu bewegen. Das geht ganz gut. In den Kämpfen hätte ich mir gewünscht, dass der Cursor beim Positionieren der Söldner in eine mögliche Position snapped. Nach dem ersten "Klick" bekommt ihr aber ein Vorschaubild einschließlich der Sichtlinien von der Wunschposition. Insgesamt ist die Controller-Steuerung, gerade für so ein komplexes Spiel, aber gut gelungen.
Im Pausenmenü seht ihr Elemente der Belegung.


Technik
Auf der Series X habe ich mich für den Qualitäts-Modus erschienen. Da alles flüssig lief, weiß ich nicht, was mir der Performance-Modus bringen sollte. Der reduziert wohl die Auflösung, bietet dafür aber 60 FPS. Einmal ließen sich nicht mehr alle Söldner auf einmal mittels X anwählen, Neuladen half. Einmal crashte ich beim Laden eines Sektors aufs Dashboard. Das war nicht so schlimm, da der Autosave schon angelegt war. Bei einem Absturz im Kampf rettete mich der Runden-Autosave. Nichtsdestotrotz: Allein schon aufgrund der bereits auf normal immer wieder fordernden Schwierigkeit solltet ihr ohnehin öfter Mal speichern, die Autosaves reichen nicht. Achtet unbedingt darauf, nach der Eingabe des File-Namens und der Bestätigung auch nochmal X zu drücken, das steht am unteren Bildschirmrand. Erst dann wird gespeichert. Die Xbox One und Series S Konsolen müssen mit niedrigerer Auflösung und weniger FPS auszkommen, hier könnt aber wohl auch auf der mehr als 10 Jahre alten One mit immerhin 900p und rund 30 FPS spielen.
Der letzte Gegner in Fleatown Market wird gemessert. Beim ersten Versuch der Säuberung gab es einen Händler-Kollateralschaden *hust*.
Fazit: Nur noch ein Sektor
Eigentlich wollte ich ein paar Stunden in Jagged Alliance 3 reinspielen. Das sollte doch für eine Beurteilung von Lesbarkeit und Steuerung reichen? Aber schon die erste Nacht habe ich mir Sektor um Sektor um die Ohren geschlagen. Jagged Alliance 3 ist (auch) als Konsolen-Port fesselnd und weiß zu gefallen! Die Lesbarkeit ist bei meinem Setup sehr gut, die Gamepad-Steuerung im Detail ein bisschen hakelig. Übung macht hier aber den Meister. Denn die vielen Befehle wurden clever auf die überschaubare Anzahl Knöpfe verteilt, wobei ihr auch per LT/RT weitere Befehle aufruft. Sobald das in Fleisch und Blut übergegangen war, lief es für mich deutlich besser und flüssiger. An Präzision und Geschwindigkeit einer Maus- und Tastatursteuerung kommt die Controller-Steuerung aber erwartbar nicht ganz heran. Auf Mods müsst ihr verzichten. Spiel und Umsetzung sind aber (trotz momentan noch auftretender, seltener Fehler) so gut, dass ihr bedenkenlos das Kommando auf der Konsole übernehmen könnt – und als passionierte Taktiker ohne PC auch solltet!
  • Rundentaktik mit Strategie-Layer
  • Einzelspieler, Online Koop.
  • Für Einsteiger bis Profis
  • 59,99 Euro für Xbox Series X|S, Xbox One, PS5, PS4
  • In einem Satz: Sehr gelungene Konsolen-Umsetzung eines sehr guten Spiels, mit der ihr trotz kleiner Nachteile gegenüber der PC-Version sorgenfrei mit einer AK im Handgepäck den Afrika-Urlaub buchen könnt.

Video:

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 23. November 2023 - 11:53 #

Viel Spaß beim Lesen!

Deklest 13 Koop-Gamer - 1538 - 25. November 2023 - 16:32 #

Danke, den hatte ich. Ich lese deine Checks echt gerne, auch wenn mich das Spiel dazu überhaupt nicht interessiert.

Lencer 19 Megatalent - P - 14541 - 23. November 2023 - 13:12 #

Würde ich mit Gamepad nicht anfassen, aber macht mir auch nach 70h+ noch Spaß am PC. Nicht alles, aber einige der Kämpfe und Schauplätze waren episch. Bin aber auch noch nicht ganz durch.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 23. November 2023 - 16:33 #

Das kann ich verstehen. Aber, ich finde mittlerweile die sehr gut adaptierten "PC-Spiele" wie CK3, JA3 allerdings mittlerweile sogar besser, als vom Gameplay hardcore auf die Konsolenerfahrung bzw Controller getrimmte Totel (Xcom) - und zwar sowohl auf PC als auch auf Konsole. Ich finde, man merkt jetzt so richtig, merkte man natürlich damals schon, wie alles für Controller entwickelt wurde. Dadurch hat es imho etwas an Tiefe und Micromamagement verloren (was man matürlich auch gerade gut finden kann).

euph 30 Pro-Gamer - P - 130053 - 23. November 2023 - 18:31 #

Auch ein Spiel wie Desperados 3 oder Shadow Tactics ist super auf Controller angepasst, da braucht man keine Vorurteile mehr zu haben.

Lencer 19 Megatalent - P - 14541 - 23. November 2023 - 19:41 #

Oh, ich will Euch das gar nicht madig machen. Meins ist es einfach nicht. Trotzdem spiele ich wiederum einige Actionvertreter gern mit Gamepad am PC.

euph 30 Pro-Gamer - P - 130053 - 23. November 2023 - 16:32 #

Schöner Check, danke

paschalis 31 Gamer-Veteran - P - 444675 - 23. November 2023 - 16:38 #

Freut mich, dass Konsoleros offensichtlich auch ihren Spaß mit Jagged Alliance 3 haben können.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 7:11 #

Habe gerade eben auf tagesschau.de einen Bericht über den Krieg im Sudan gelesen. Danach vergeht einem jegliche Lust an dem Spiel.
Dom Schott trifft mit seiner Kritik an dem Spiel den Nagel auf den Kopf.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 8:47 #

Ist die Kritik frei lesbar? Für Dom scheitert das Spiel, wenn ich mich an den Podcast richtig erinnere, sogar schon am "Humor". Glaube, ihm hatte der "Warnhinweis" nicht gereicht. ;)

Ich finde, wenn man so einen Maßstab (reale Konflikte) anlegt, wären viele Spiele nicht mehr spielbar (zB so ziemlich alle Shooter außer Splatoon und Fortnite, alle Wargames). Zum Sudan gibt es außerdem doch zwei sofort auffällige (vielleicht mit Absicht) Unterschiede: Grand Chien ist christlich (nicht islamisch) und war wohl ehemals eine französische Kolonie (nicht britische Kolonie).

Lencer 19 Megatalent - P - 14541 - 24. November 2023 - 9:00 #

Solche "Kritik" nehm ich gar nicht für voll. Der Typ pickt sich irgendein Spiel raus und legt dann die moralische Messlatte an. Klingt für mich immer verdächtig nach einem Kontrapunkt setzen. Sein Beitrag zum Thema soll halt auffallen ... egal, ich weiß, wie ich mit der Thematik umgehen muss.

Kritisch finde ich hingegen, dass man im Spiel manchmal gezwungen wird, "Alle" umzubringen, um bspw. bestimmte Achievements zu erreichen oder bestimmte Gegenstände, die schön funkeln. Da wird dann sinnlose Gewalt zelebriert. Gottseidank kam das bisher nur 2-3 mal vor. Um sowas kritisieren zu können, muss man allerdings das Spiel länger spielen als 10h und sich auch mal mit alternativen Lösungswegen beschäftigen.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 9:44 #

"Zum Sudan gibt es außerdem doch zwei sofort auffällige (vielleicht mit Absicht) Unterschiede: Grand Chien ist christlich (nicht islamisch) und war wohl ehemals eine französische Kolonie (nicht britische Kolonie)."
Was ja rein gar nichts an der Kritik ändert oder diese gar entkräften würde.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 10:19 #

Was ist denn die Kritik?

Edit: Sehe den Kommentar unten, schreibe da später.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 83873 - 24. November 2023 - 10:37 #

Ich verstehe allerdings auch nicht, warum so ein Warnhinweis jede Kritk am Humor ungültig machen soll. Ändert ja nichts am Inhalt.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 11:02 #

Darum die "" und der ;) Von mir aus hätte der Hinweis wegbleiben können.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 83873 - 24. November 2023 - 11:24 #

Ja, aber ich habe auch schon andere Kommentare der Marke "warum die Aufregung, es gibt doch einen Hinweis" gelesen. Das finde ich nicht so ganz schlüssig.

euph 30 Pro-Gamer - P - 130053 - 24. November 2023 - 8:54 #

Was hat Dom dazu gesagt? Und ohne das Spiel selbst gespielt zu haben - es ist ein Spiel und wenn man aktuelle Konflikte damit in Verbindung bringt, hätte man viele Spiele in den letzten Jahrzehnten wohl weder veröffentlichen noch spielen sollen.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 10:45 #

Dom stört sich daran, dass man als externe "Macht" einen (afrikanischen) Dritte-Welt-Staat "befreit" und das erste was man nach der Befreiung macht, ist das Looten der Anwohnerbehausungen und das Besetzen und Ausbeuten der Goldminen. Sehr verkürzt von mir wiedergegeben. Ich muss Dom da zustimmen, ich finde das, wenn ich so drüber nachdenke, auch eher schräg. Und da hilft es auch nix zu sagen, das sei ja nur Spaß oder alles nur ein Spiel.
Und in Somlia kämpfen Milizien, Rebellengruppen, teils von Drittländern finanziert, und auch die Wagner-Söldner gegeneinander und gegen die Bevölkerung. Unter anderem geht es um zahlreiche somalische Goldminen. Außerdem finden dort ethnische "Säuberungen" im großen Stil statt. Und plötzlich finde ich JA3 noch befremdlicher.
https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/sudan-fluechtlinge-humanitare-katastrophe-tschad-un-100.html

Aber auch ohne das aktuelle Beispiel Somalia, stimme ich Doms Kritik an dem Konzept zu. Und ja, ich finde darf schon so einige vergangene Veröffentlichugen hinterfragen und kritisch beleuchten. Wird ja auch gemacht.

euph 30 Pro-Gamer - P - 130053 - 24. November 2023 - 10:56 #

Danke für die Erläuterung. Ich persönlich sehe das nicht so kritisch, auch wenn der Grundsatz schon sehr gut nachvollziehbar ist. Für mich bleibt es dann doch nur ein Spiel, das ein fiktives Szenario darstellt.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 11:24 #

Ich finde, das ist ein vollkommen legitimer Standpunkt. Ich hatte mir auch überlegt das Spiel zu kaufen. Aber Doms Kritik hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mich letztendlich dagegen entschieden. Als ich heute Morgen den Artikel las, hat mich das in meiner Entscheidung bestärkt.

onli 18 Doppel-Voter - P - 12245 - 24. November 2023 - 13:45 #

Das ist eine sehr deutsche Art der Kritik. Weil in einem Spiel etwas drin ist, was in der Realität schlimm ist, ist dernach das Spiel schlimm. Spinnt man das weiter sind in Spielen Waffen und man erschießt Leute, daher sind Spiele schlimm -> und schwupps sind wir wieder in den 90ern und zensieren Half-Life. Und genau dieser Schritt entlarvt das doch als völlig beknackt: Es ist keine valide Kritik, ein Spiel für Realitätsbezüge schlecht zu finden. Wenn man sich wirklich wirklich wirklich persönlich daran stört, dann gut, soll man es eben nicht spielen, aber mehr draus machen zu wollen - und als Journalist eine publizierte Spielekritik draus zu stricken - ist ziemlich gaga.

Perfektes Beispiel für dieses unsägliche deutsche Moralisieren.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 14:22 #

Nein. Ziemlich gaga ist es zu meinen, man hätte die Deutungshoheit darüber, was Spielejournalismus/Medienkritik dürfe oder nicht dürfe.

onli 18 Doppel-Voter - P - 12245 - 24. November 2023 - 18:32 #

Ich habe die absolute Deutungshoheit darüber, was ich für gute oder für minderwertige Kritik bzw Journalismus halte. Dürfen, darüber redet keiner.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 20:54 #

Fair enough.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 83873 - 24. November 2023 - 13:56 #

Ich finde, so etwa darf und sollte jeder für sich entscheiden und diese Entscheidung ist dann auch von anderen zu akzeptieren. So ein Artikel wie der von Dom ist ja immer eine persönliche Meinung, der kann man folgen oder auch nicht, es wird ja niemand gezwungen, es genauso zu sehen.

Faerwynn 20 Gold-Gamer - P - 20264 - 24. November 2023 - 15:28 #

Ich finde Artikel wie den von Dom ziemlich anmaßend und auch etwas scheinheilig. Wenn man den Gedanken zu Ende spinnt, dann dürfte Fiktion keinerlei Gewalt enthalten und die vielen Krimis, zumindest mit Morden, müsste man sich auch sparen, aus Respekt vor den Opfern.

Final ist es den Leuten vor Ort vermutlich ziemlich egal, ob jemand in Deutschland ein an ihre Situation angelehntes Spiel spiel. Die möchten vor allem erst einmal, dass sich die Situation bessert.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 15:37 #

In der Konsequenz sehe ich das, was andere Spiele oder Filme (oder auch Bücher!) angeht genauso.

Finde es aber gut, dass Dom seine Sicht der Dinge präsentieren kann, zumal das ja auch für manche kaufentscheidend sein kann. Mindestens genauso gut finde ich es aber, dass ein Spiel wie JA3 noch rauskommt.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 15:39 #

Ich habe seine Kritik übrigens in einem Podcast aufgeschnappt, nicht in einem Artikel. Nur der Form halber.

duchess 09 Triple-Talent - 349 - 25. November 2023 - 12:06 #

Mit Medienprodukten muss sich unbedingt inhaltlich kritisch auseinander gesetzt werden, gerne aus so vielen Perspektiven wie möglich. Ein gesunder Diskurs bringt das Medium voran. Ob du dich daran beteiligen möchtest, ja, das ist dir überlassen.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 16:26 #

Ich finde es erstmal gut, dass Dom seine Kritik äußern kann und da eine ihm wichtige Nische besetzen kann, mit entsprechender Publicity. Vor allem hilft es ja auch Kunden, die Dinge so sehen wie er. Also zum Beispiel dir. Top! Mindestens ebenso (mindestens, weil mir das persönlich wichtiger ist) gut finde ich, dass ein Spiel wie JA genau so trotzdem noch erscheint.

Die Kritik an JA3 finde ich allerdings sehr singulär und auch ein wenig konstruiert. Mit dem gleichen Maßstab müsste man dann noch viel mehr Spiele links liegen lassen. Eigentlich (aufgrund der Brutalität) sogar sein mehr oder minder Lieblingsspiel For Honor.

Das mit dem Looten ist (leider!) Spiele-Standard und hat meines Erachtens gar nichts mit dem Setting zu tun. Die Diamantenminen werden auch nicht ausgebeutet, sondern befreit. Man bekommt dann auch nur einen Teil der Einnahmen, als Sold eben. Hilfe wird oft extern geholt. Und Afrika als Krisenherd bietet sich natürlich an. Theoretisch könnte man in dem Setting auch eine Art regierungstreuen Widerstandskämpfe spielen. Nur wie heuert der dann Leute an? Auch mit $? Oder gibt der dann deren Familien essen? Da würde man schnell dazu kommen KÖNNEN zu sagen, die Kämpfen nur für ihre Freiheit, weil sie dafür bezahlt werden. Dafür ist die Söldnertruppe total divers! Man kann auch selbst eine POC spielen. Daher ist meine Konklusion, egal wie man es dreht und wendet, sobald ein Setting auch nur halbwegs realitätsnahe Ansätze hat, wird sich jemand an irgendwas anstoßen können. Und tut das auch. Selbst sowas wie Splatoon (Gewaltverherrlichung, Sachbeschädigung) oder Rocket League (Umwelt, außer es sind alles E-Autos, aber ist der Strom dann auch grün?) sind davon nicht ganz frei. Daher erst recht nicht ein Söldner-Spiel. Wen das stört, muss es nicht spielen, wen es nicht stört, kann es zum Glück spielen.

Was ich mich in dem Zusammenhang Frage: Anno 1800 hat er ja für das gamifizierte Rausschneiden der Realität (--> Sklaven) kritisiert und hätte sie (die Sklaverei) gerne kritisch beleuchtet dringehabt (wenn ich mich richtig entsinne). Wäre es dann nicht konsequent, JA3 nicht für das Setting (Söldner kämpfen in Afrika; das mit Minen ausbeuten ist imho schlicht falsch), sondern wenn überhaupt die Art und Weise der Umsetzung (also mehr als das spieleübliche Häuser looten)? Bislang machen Story und Nebenquests meiner Meinung nach eher einen sehr differenzierten Eindruck und sind ganz weit weg von schwarz-weiß-Denke, sondern regen in vielen Storyelementen zum Nachdenken an.

Auch wenn Dom praktisch immer eine komplett andere Meinung hat als ich, ist es super, dass er diese scheinbar viele Leute bewegenden Themen hochbringt (Kommentarsektion hier ist explodiert!) und so eine etwas andere Kauf- bzw. Spielberatung anbietet. Solange Spiele nicht (wie viele Filme und Serien) dadurch total auf "Dom-Linie" gestreamlined werden, begrüße ich das sehr.

goldetter 16 Übertalent - P - 5784 - 24. November 2023 - 16:59 #

"Splatoon (Gewaltverherrlichung, Sachbeschädigung)"

Willst Du damit andeuten, dass die Klima-Aktivisten das Brandenburger Tor nur beschmiert haben, weil sie davor Splatoon gespielt haben?

Zum Glück nicht Worms. :)

Spaß beiseite, gerade bei Anno wird ja der Dreieckshandel als Wirtschaftsmodell simuliert, ohne dass der von dir angesprochene Sklavenhandel auftaucht.

Ubisoft wird sich schon Gedanken gemacht haben warum.

Da kann man bei dieser Debatte und zurecht heiklem Thema nur verlieren. Nimmt man den Sklavenhandel rein, ist das für ein Spiel, dass auf den Massenmarkt zielt ein großes Risiko. Wenn man das thematisiert und dabei falsch anpackt, kannst Du als Entscheider gleich den Hut nehmen.

Als anderes Setting, also Assassine befreit Sklaven, die wehren sich gegen Unterdrückung bin ich wieder dabei.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 17:55 #

Haha, stimmt, an die kriminelle Vereinigung habe ich gar nicht gedacht. Sondern nur an Graffiti generell.

Ich finde die Entscheidung gar nicht so dumm. Wer das jetzt kritisiertt, wäre glaube ich allenfalls mit ahistorischen Gameplay-Elementen glücklich. Denn die Sklaverei war ja für die verkaufenden (meist) Afrikaner und die Handelnden und die Arbeitskraft nutzenden (meist) Europäer eine wirtschaftlich gute Sache. Allenfalls hätte man da Sklavenaufstände oder so als Risiko einbauen können. Aber wie oft gab es die? Sicher nicht oft genug für ein Umdenken.

Abseits von dem von dir geschilderten Szenario gibt es Sklaverei zB in Römerspielen oder Stellaris. Da ist sie den Kritikern vermutlich lang genug her (und die Römer waren doch auch sonst so fortschrittlich lol ;) ) oder fiktiv genug.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 18:01 #

Dom hat Anno aufgrund der Romantisierung einer Epoche und praktiken kritisiert, die für viele Menschen so gar nichts romantisches hatte, im Gegenteil, die zu den schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte gehören. Und den unreflektierten Umgang mit dieser Romantisierung.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 18:10 #

Vor meinem Kommentar habe ich extra nochmal seine Berichterstattung dazu überflogen. Er kritisiert das Auslassen der Sklaverei. Er hätte sie lieber drin gehabt und eine kritische Auseinandersetzung damit.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 18:17 #

Das meinte ich eigentlich mit Romantisierung.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 18:02 #

"Die Kritik an JA3 finde ich allerdings sehr singulär und auch ein wenig konstruiert. Mit dem gleichen Maßstab müsste man dann noch viel mehr Spiele links liegen lassen. Eigentlich (aufgrund der Brutalität) sogar sein mehr oder minder Lieblingsspiel For Honor."

Äußere ich mich später dazu.

"Das mit dem Looten ist (leider!) Spiele-Standard und hat meines Erachtens gar nichts mit dem Setting zu tun. "
Ja, das ist Standard und desswegen im Spiel. Die Loot-Mechanik ist bestimmt aufgrund des Settings implementiert, das wäre ja fast schon obszön. Ich habe Doms Kritik aus dem Podcast ja nur sehr verkürzt wiedergegeben. Er kritisiert unter anderem, dass solche Mechaniken TROTZ des Settings eingebaut werden und scheinbar niemand (insbesondere nicht die Berichterstattung) darüber nachdenkt, welche Aussagen damit dann impliziert werden.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 18:17 #

Weil es Spielestandard ist, wird denke ich niemand den Rückschluss "haha cool, die dummen Schwarzen zahlen mich, um diesen Bananenrepublikpräsidenten zu retten, und ich kann die trotzdem ausnehmen hahaha" ziehen. Darum muss man da meiner Meinung nach auch nicht drüber aufklären. Die Mechanik ist per se (immer, in allen Spielen) dämlich (finde ich). Wenn man aber ein Problem finden möchte, kann man es an dieser Stelle natürlich finden.

Ich finde die grundsätzliche Mechanik, alles mitzunehmen was nicht niet- und nagelfest ist wie gesagt eh dämlich und freue mich über Spiele mit wenig Loot und/oder mit "Klau-System".

Man kann auch weitere Probleme finden. Zum Beispiel kann man Zivilisten töten. Ich spitze zu: In irgendeinem Keller bastelt sich jetzt vielleicht gerade jemand eine White Power Söldnertruppe und killt mit denen alle Einheimischen. Und das Spiel setzt sich mit dem Tod von Zivilisten nicht kritisch auseinander (macht eh praktisch kein Spiel, sofern Kollateralschäden spielmechanisch überhaupt ermöglicht werden). (mir ist im Kampf um Fleatown Market ein Zivilist draufgegangen, aber eher durch Gegnerbeschuss, habe den Kampf nochmal gemacht, weil sich rausstellte, da sind Händler und es hätte einer der Händler sein können, war es glaube ich auch; gewisse Konsequenzen kann es also geben).

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 20:36 #

Ich sehe gerade, da fehlt ein entscheidendes Wort in meinem Post:

Die Loot-Mechanik ist bestimmt NICHT aufgrund des Settings implementiert, das wäre ja fast schon obszön.

Sollte da eigentlich stehen.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 20:46 #

"Die Kritik an JA3 finde ich allerdings sehr singulär und auch ein wenig konstruiert. Mit dem gleichen Maßstab müsste man dann noch viel mehr Spiele links liegen lassen. Eigentlich (aufgrund der Brutalität) sogar sein mehr oder minder Lieblingsspiel For Honor."

Ich finde die Kritik in so fern singulär, dass es mWn wenige Spiele gibt, deren Metapher eine derartige Nähe zu realen humanitären Katastrophen in der Geschichte oder der Gegenwart spiegelt. DA muss man nicht viel konstruieren, mMn. For Honor ist da raus, da kämpfen Wikinger gegen Ritter und Samurai - das ist alberner Quatsch.

Aber ja, ich finde auch Wargames problematisch, insbesondere wenn man auf Seiten der Axenmächte spielt. Spiele wie WARNO, hm, schwierig, seit dem russischen Angriffskrieg sehe ich das auch skeptischer. Das Setting interessiert mich aber sehr, deswegen würde ich das vermutlich spielen. Schwieriges Thema, ich kann da nur für jeden Einzelfall eine Einschätzung für mich machen.

goldetter 16 Übertalent - P - 5784 - 24. November 2023 - 22:20 #

Ein Gedanke zu deinem Post ist mir gekommen.
Als Jugendlicher, mit 15 - 16 ist mir History Line von BluByte in die Hände gefallen. Dadurch habe ich mich, wegen die historischen Einblendungen mit dem Thema 1. Weltkrieg das erste mal intensiver beschäftigt.

Ich fand zwar auch BattleIsle stark, der historische Background machte History Line für mich interessanter.

Etwa zur gleichen Zeit habe ich mir aus der USA mit the Secret Wapons of the Luftwaffe ein bestimmt sehr kontroverses Spiel mitbringen lassen, dieses hatte ich als relativ kriegsverherrlichend in Erinnerung und wollte das als schlechtes Gegenbeispiel bringen. Zunächst habe ich, einfach weil ich noch ein Beispiel bringen wollte, das Handbuch rausgekramt und siehe da, von wegen. Das Buch zum Spiel ist voller historischen Materials inkl. eines mehrseitigen Interviews mit einem Luftfahrthistorikers.

Wird wohl nicht jeder gelesen haben (ich wohl damals nicht vollständig), aber was alleine das Handbuch angeht, ganz großer Sport. Das schaue ich mir am Wochenende durch.

Dank der Diskussion hier, bin ich also auf eine alten Schatz gestoßen.

Dank an alle.

goldetter 16 Übertalent - P - 5784 - 24. November 2023 - 13:23 #

Ich kenne das Spiel nur aus SDK und einigen Videos, aber ist das nicht als Satire zu sehen?

Mit überzeichneten Charakteren. Ähnlich wie FarCry, Tropico, Starship Troopers, RoboCop und Clockwork Orange.

Versteht nicht jeder, daher Einstufung über 18.

Findest es übrigens gut, dass sich dann - wenigstens ein Teil der Spieler - mit dem zynischen und unmenschlichen Zuständen in einigen realen Afrikanischen Ländern auseinander setzt.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 13:33 #

Mag sein, dass es als Satire gedacht ist. Aber deswegen muss ich es, A, trotzdem nicht gut finden, egal ob inkompatibler Geschmack oder Nicht-Verstehens meinerseits der Grund ist und, B, ist auch Satire nicht über jede Kritik erhaben.

goldetter 16 Übertalent - P - 5784 - 24. November 2023 - 14:19 #

Satire kann geschmacklos sein, dann ist es völlig legitim sein Geld nicht dort zu lassen und das zu kritisieren.
Da akzeptiere ich Dein Empfinden und kann Deiner Argumentation folgen, komme aber zu einem anderen Schluss.

Zum Beispiel haben mich die Charakter aus GTA V übel gestört.
Gespielt hab ich das Spiel trotzdem gern.

Würde mich JA3 als Genre und Spiel anmachen, würde ich gerne zugreifen.

Ich bin selbst halt relativ schmerzlos, was Szenarien usw. angeht, solange der Spielspaß stimmt.

Gibt es für mich eine Grenze des guten Geschmacks. Wer weiß?

Wenn explizit die Einstellung transportiert würde, dass koloniale Ausbeutung der Vorrang der europäischen Kolonialmächte ist oder ähnliches, dann wäre meine Grenze überschritten.
Meine Sicht muss aber niemand teilen.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 14:31 #

Ich glaube, dann sind wir einer Meinung.
Ich habe GTA V übrigens abgebrochen.

Faerwynn 20 Gold-Gamer - P - 20264 - 24. November 2023 - 15:31 #

Kann man so und so sehen. Ich habe es weiter und fertig gespielt und finde es sehr beruhigend mal ausprobiert und gespürt zu haben, dass das gegen mein Moralempfinden in der Realität geht. Die Maske der Zivilisation ist dünn und sitzt locker, ab und zu schadet es gar nicht sich das mal bewusst zu machen. Wenn einem bewusst ist, dass der prollige Nachbar nur eine Machtposition davon entfernt ist Menschen zu quälen wird man nämlich eher aktiv um entsprechende Auswüchse zu verhindern.

onli 18 Doppel-Voter - P - 12245 - 24. November 2023 - 19:11 #

Ich übrigens auch. Die Folterszene war mir zu viel.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 20:22 #

Ja, war auch meine Endstation.

vgamer85 (unregistriert) 26. November 2023 - 12:03 #

Es war hart..da hab ich mich auch unwohl gefühlt...

aber habs dann doch weitergespielt und beendet. Insgesamt tolles GTA

vgamer85 (unregistriert) 26. November 2023 - 10:56 #

Ich denke wenn es danach geht..sollten wir mit dem Videospielen aufhören...Moral hier Moral da..Doppelmoral hier..Doppelmoral da

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 26. November 2023 - 11:07 #

Ich komme zu einem anderen Schluss. Und ich würde meine fehlende Widerspruchsfreiheit (welcher Mensch ist das schon?) nicht als Doppelmoral bezeichnen und auch nicht so verstanden wissen.

The Real Maulwurfn 17 Shapeshifter - 8092 - 26. November 2023 - 14:32 #

Widerspruchsfreiheit anzustreben ist schon einen hohes Ziel, so hoch, daß ich es für schwer, bis zu nicht erreichbar halte, aber es ständig zu versuchen und sich dem anzunähern ist doch genau das Gegenteil von Doppelmoral, eher die Selbsterkenntnis als Mensch, daß man eben an sich arbeiten muss.

ds1979 20 Gold-Gamer - P - 21355 - 24. November 2023 - 10:02 #

Gerade das Schott das Spiel kritisiert ist für mich ein weiterer Kaufgrund.:)

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 10:05 #

Das glaube ich dir auf's Wort! Und was für eine erwachsene Form der Meinungsbildung und Handlungsentscheidung!

ds1979 20 Gold-Gamer - P - 21355 - 24. November 2023 - 13:18 #

Gerade das Tasmanius \ Schott das Spiel kritisieren ist für mich ein weiterer Kaufgrund.:)

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 13:34 #

D'accord :)

Machine Head 10 Kommunikator - P - 391 - 24. November 2023 - 14:14 #

Gleich Vorweg, ich hab mir Doms Kritik nicht angesehen und bin etwa 10h im Spiel.
Ist es nicht so, dass die Konfliktparteien in Gran Chien "von sich aus" Krieg führen? Als Söldner komme ich dazu, um den Präsidenten zu retten, helfe der Zivilbevölkerung die Terroristen der Legion zu bekämpfen, helfe ihnen dabei Milizen auszubilden und sich selbst zu schützen und befreien die Sklavenarbeiter in den Minen, die dann wiederum ohne Zwang zwar weiterarbeiten, allerdings "frei" sind und wiederum mir helfen. Win-Win sozusagen. Da kommen zwar auch ein paar moralische Punkte dazu, zum Beispiel dass man Wilderern hilft...
Für mich funktioniert der Spagat von Karikatur und Ernsthaftigkeit im Wechsel. Hat mich sogar ab und an zum Nachdenken angeregt.
Da finde ich call of duty seit Jahren viel schlimmer. Das ist für mich Verherrlichung in Reinform.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 14:42 #

Sowas ungefähr wollte ich auch schreiben. Wenn ich es richtig im Kopf habe, bekommt man einen Anteil (!) der Mineneinnahmen. Und zwar als Sold. Man beutet da also niemanden aus. Außerdem ist der Söldnerhaufen doch ein extrem diverser Trupp.

Finde die Mischung auch gut. Zum Nachdenken finde ich bislang zB die Pierre-Story. Und oft weiß man auch erst nicht, wer was wie und warum gemacht hat und lernt so Motive aus verschiedenen Blickwinkeln kennen. Finde das sogar insgesamt sehr lobenswert gemacht.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 15:02 #

Auch wenn versucht wurde die Metapher abzuschwächen, finde ich sie immernoch problematisch. Denn die Grundstruktur bleibt ja erhalten: das afrikanische Land kann seine Probleme nicht selbst lösen, sondern benötigt eine externe Kraft dazu. Die sich dann an den Schätzen des Landes bereichert und defakto die mächtigste Kraft im Land ist. Und sich die Schätze auch einfach mit Gewalt holen könnten, wenn sie wollten. Die Wagner-Söldner sind auch auf Wunsch der Regierung in Mali. Ich finde, das macht es nicht unbedingt viel besser.

Vampiro Freier Redakteur - - 121595 - 24. November 2023 - 18:37 #

Probleme werden (siehe mein einer anderer Kommentar) fast immer extern gelöst. Teilweise auch mit Unterstützung aus anderen Ländern. Meiner Meinung nach ist das Setting Afrika (beliebt ist bei sowas ja z.B. auch Lateinamerika), weil das schlicht ein glaubwürdigeres Setting ist, als wenn 1989 ein fiktives Land in der EU eine Söldnertruppe einfliegen lässt. Es gibt für sowas auch einen Fachbegriff, also nicht nur für Spiele (ich meine: it breaks the suspension of disbelief, sprich wenn etwas zu unglaubwürdig wird, stört es). Heißt nicht, dass es so Settings nicht gibt (z.B. Homefront, auch wenn das leider nicht sooooo erfolgreich war).

Die Söldner in JA3 bereichern sich nicht an den Schätzen sondern befreien die Minen und bekommen einen Anteil der Erträge als Sold für ihre Dienstleistung.

Der Spieler ist immer oder wird immer (ok, fast immer) die mächtigste Kraft in einem Spiel, der theoretisch kriegen kann was er will. JA3 ist dann ja sogar noch ein Spiel, in dem er die Macht nicht ausnutzt oder missbraucht, was in anderen Spielen, böse gesagt, Teil des Spielkonzepts sein kann (z.B. Civilization).

In Mali gibt es doch aktuell nichtmal eine demokratisch legitimierte Regierung. Das ist nochmal eine ganz andere Nummer. Immerhin sind die Söldner auf Wunsch der Regierung da, und die UN-Truppen (einschließlich Bundeswehr) wieder weg. Sehr selbstbestimmt werden die da für die Ziele der nicht legitimierten Regierung eingesetzt, mit vermutlich weniger "Rebellionsrisiken" als es bei Einheimischen Truppen der Fall wäre. Ich finde das zumindest grundsätzlich besser als das uneingeladene Eindringen in einen souveränen Staat, sei es durch Söldner oder auch reguläre Armeen.

Ich finde es aber gut, dass du für diese Themen so sensibilisiert bist und deine Grenzen einfach schon vorher ziehst. Wieso auch nicht!

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 20:35 #

Wie gesagt, ich halte die Metapher, die bei JA3 durch Wahl des Settings, Spielmechaniken etc. entsteht, für problematisch. Ich habe aber bestimmt auch kein Problem damit, wenn jemand Spaß mit dem Spiel hat! Ich lese Jack-Ryan-Romane, gottverdammt, dieser Schund propagiert alles, WOGEGEN ich politisch stehe xD!
Ansonsten: siehe meine Antwort auf Machine Head

Machine Head 10 Kommunikator - P - 391 - 24. November 2023 - 20:04 #

Und das du das so empfindest, finde ich absolut in Ordnung. Die moralische Betrachtung ist eben immer eine komplett Subjektive.

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 20:51 #

Ja, es soll einfach jeder für sich selber entscheiden, was er unterstützt oder was nicht.
Was mich an diesen Debatten oft sehr stört, insbesondere bei der von Dom losgetretenen Anno-Debatte, dass eine Seite vornehmlich versucht, den Akt des Kritisierens zu delegitimieren, von vorneherein ausschließt, dass die Kritik berechtigt sein könnte und alles daran setzt den Kritiker zu diskreditieren. Mich selbst stört das Auslassen der Sklaverei und die Romantisierung der Epoche kein bisschen, ich habe 400h in Anno versenkt und die meisten davon sehr genossen. Anno ist genau mein Spiel. Aber ich verstehe Doms Standpunkt, finde seine Kritik absolut legitim und die Debatte, die er damit losgetreten hat, sehr wichtig. Wie man leugnen kann, dass Dom da ein diskussionswürdiges Thema anspricht, kann ich nicht verstehen. Die Debatte hier zu JA3 ging anfangs ja in eine ähnliche Richtung, aber ich glaube wir haben die Kurve gekriegt :-).

Machine Head 10 Kommunikator - P - 391 - 24. November 2023 - 22:32 #

Für mich liegt das an Zweierlei Dingen. Zum einen glaube ich, hat das viel damit zu tun, mit wieviel Eifer und Emotionen in die jeweilige Richtung argumentiert wird. Wenn Emotionen im Spiel sind, ist Sachlichkeit nicht mehr oder nur noch kaum möglich.
Zum anderen denke ich, dass viele einfach nur in Ruhe ihrem Hobby fröhnen möchten, losgelöst von allen gesellschaftlichen, sozialen, moralischen, politischen etc. Diskussionen. Auch das wird dann gerne emotionalisiert...

Tasmanius 21 AAA-Gamer - - 28797 - 24. November 2023 - 22:50 #

Ohja, in die Emotions-Falle tappe ich regelmäßig :-)
Falls du es mit deinem zweiten Punkt nicht eh schon meintest, würde ich als dritten noch Ignoranz hinzufügen wollen.

Machine Head 10 Kommunikator - P - 391 - 25. November 2023 - 12:45 #

Meine Formulierung klingt dann doch netter. ;) Den Standpunkt "Lasst mich mit dem Scheiß in Ruhe, ich will einfach nur Zocken!" finde ich aber auch legitim. Leben und Leben lassen.

ds1979 20 Gold-Gamer - P - 21355 - 25. November 2023 - 16:31 #

Vor allem da mit der Meinung ungefähr 80 Prozent aller Spieler beschrieben sind.

Deklest 13 Koop-Gamer - 1538 - 25. November 2023 - 17:53 #

Wow, selten habe ich solch viele sachliche Kommentare zu solch einem schwierigen Thema gelesen. Vielen Dank dafür.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 83873 - 25. November 2023 - 19:06 #

Der angenehme Diskussionsstil ist mir hier auch besonders positiv aufgefallen. :-)

Mitarbeit