Indie-Szene in Aufruhr: Unity-Gebühr hängt bald an Zahl der Installationen

Bild von Hagen Gehritz
Hagen Gehritz 182176 EXP - Redakteur,R9,S10,A9,J10
Dieser User hat uns bei der Lords of the Fallen Aktion mit 100 Euro (oder mehr) unterstützt.Dieser User hat uns bei der Ishin Aktion mit 100 Euro (oder mehr) unterstützt.Meister-Tester: Hat 10 Spiele-/Technik-Tests veröffentlichtIdol der Massen: Hat mindestens 10.000 Kudos bekommenTop-News-Veteran: Hat mindestens 50 Top-News geschriebenVielspieler: Hat 250 Spiele in seine Sammlung eingetragenDieser User hat uns zur Japan-Doku-2018 Aktion mit 10 Euro (oder mehr) unterstützt.Dieser User hat uns zur TGS 2017 Aktion mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Dieser User hat uns zur TGS 2016 Aktion mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 10 Jahren bei GG.de registriertAlter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertAlter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriert

13. September 2023 - 9:51 — vor 40 Wochen zuletzt aktualisiert
Dieser Inhalt wäre ohne die Premium-User nicht finanzierbar. Doch wir brauchen dringend mehr Unterstützer: Hilf auch du mit!

Von Indie bis AAA: Die Unity Engine ist in der Branche weit verbreitet. Entsprechend groß fiel das Echo aus, als der Konzern Unity Technologies gestern bekannt gab, sein Gebührenmodell umzustellen. Ab 2024 stellt Unity demnach Entwicklern für jede Installation eines Spiels auf Basis der Engine (bei der auch die Unity Runtime installiert wird) eine Gebühr in Rechnung.

Die Gebühren sollen je nach Version von Unity ab 200.000 US-Doller Umsatz in den letzten 12 Monaten und insgesamt 200.000 Installationen seit Release (Unity Personal und Pro) oder 1 Millionen US-Dollar in den letzten 12 Monaten und 1 Millionen Installationen seit Erscheinen erhoben werden. Der von Unity Technologies geforderte Betrag pro Installation kann zwischen 0,02 und 0,20 US-Dollar betragen. Für Free2Play-Titel wird dabei eine eigene Regelung angewandt.

Das besagte Echo von Indie-Entwicklern in den sozialen Medien fiel höchst negativ aus. Grundsätzlich wird heftige Kritik daran geübt, das Geschäftsmodell in so relativ kurzer Zeit (gemessen an Entwicklungszyklen) und derart stark umzustellen. Der BAFTA-Nominierte Solo-Entwickler Tomas Sala (Falconeer, Bulwark) beklagte unter anderem, dass sein aktuelles Projekt in einem so fortgeschrittenem Stadium ist, dass er gar keine andere Wahl sieht, als die Änderung mitzutragen.

Wie Unity die Installationszahlen erheben will, geht aus dem Blogeintrag nicht hervor und auch auf erste Nachfragen wurden Antworten von Unity Technologies nicht spezifischer. Auch in dieser Hinsicht gibt es Grund für Kritik, wie unter anderem der Entwicklungs-Berater Rami Ismail ausführt: So müssten sich Indies aktuell fragen, ob sie mit der Veröffentlichung von Demos ein finanzielles Risiko eingehen, wenn die auch als "Installation" erfasst würden. Ebenso würde das vorgestellte Modell dem Umstand  nicht Rechnung tragen, dass Indie-Titel häufig in Charity-Bundles vertreten sind – aus Installationen in diesem Kontext beziehen die Entwickler keinen Gewinn, wird das eingenommene Geld doch für wohltätige Zwecke investiert. Abgesehen davon gibt es wenig Liebe für die aktuelle Linie von Unity, laut der tatsächlich auch mehrfache Installationen des selben Käufers einberechnet werden sollen.

Aus der deutschen Indie-Szene meldete sich beispielsweise Jörg Friedrich von Paintbucket Games (Through the Darkest of Times, The Darkest Files) unter anderem mit den ironischen Worten: "Ich wollte eh endlich mal ein Brettspiel machen."

Nischenliebhaber 18 Doppel-Voter - 10923 - 13. September 2023 - 10:11 #

Übel. Richtig übel. Geld für Installationen abzuknüpfen ist einfach mehr als dreist. Das sind ja häufig keine Service Games die einfach auf der Platte bleiben. Sondern man installiert sie, löscht sie und installiert irgendwann wieder und spielt mit nem Savestate aus der Cloud weiter.

Das ist so, als ob Adobe Geld dafür haben wollen würde für das Ansehen von Bildern die mit Photoshop erstellt wurden.

andima 16 Übertalent - P - 5297 - 13. September 2023 - 10:12 #

OK, verstehe ich das richtig: Wenn ich mich kurz hinsetze, und eine kleine Routine einrichte, die auf einigen schnell gemieteten Azure-Servern jede Minute dasselbe Spiel eines mir verhassten Entwicklers installiert, deinstalliert, installiert,... kann ich damit den Entwickler relativ einfach finanziell ruinieren?

Vampiro Freier Redakteur - - 126228 - 13. September 2023 - 10:18 #

So liest es sich. Zumindest sobald auch die Revenue-Schwellen genommen worden sind.

Sind ja lifetime installs und nicht installierte Basis laut dieser Tabelle.

Gorkon 21 AAA-Gamer - - 30398 - 13. September 2023 - 10:28 #

Das funktioniert doch aber nur dann, wenn eine SW mit installiert wird, die meldet, dass das Programm installiert wurde. Das heisst, in Zukunft wird jedes Spiel mit der Unity Engie mit Spyware ausgeliefert. Oder verstehe ich das falsch.

Bruno Lawrie 22 Motivator - - 33708 - 13. September 2023 - 10:37 #

Es wäre eher exotisch, wenn ein Spiel heute gar kein Tracking verwenden würde.

Was meinst du, was ständige Mini-Updates eines älteren Singleplayer-Spiels updaten...

Gorkon 21 AAA-Gamer - - 30398 - 13. September 2023 - 10:40 #

Ich kenne mich dar nicht wirklich mit aus, daher die Frage.

Bruno Lawrie 22 Motivator - - 33708 - 13. September 2023 - 10:49 #

Lies einfach mal die Datenschutzerklärung durch, die man bei den meisten größeren Titel heutzutage abnicken muss, um das Spiel zu starten.

Oder lass beim Spielen mal sowas wie Wireshark im Hintergrund laufen und schaue, wohin überall connected wird.

Wobei ich das nicht generell verteufeln würde, eine Telemetrie, die das Spieleverhalten analysiert, ist ja an sich nicht verkehrt, weil Entwickler damit besser verstehen, was funktioniert und was nicht. Von daher darf man das nicht mit dem Tracking von Vermarktern und Datensammlern à la Google gleichsetzen. Wobei so einige Spiele auch Google Analytics dafür nehmen.

Vampiro Freier Redakteur - - 126228 - 13. September 2023 - 10:46 #

Was wird dann z.B. mit GOG-Spielen, die ich auf offline-Rechnern installiere? Also theoretisch. Denkt sich Unity dann: Ist mir egal, da nicht die Masse. ODER werden Unity-Spiele zwingend bei der Installation eine Internetverbindung voraussetzen?

Bruno Lawrie 22 Motivator - - 33708 - 13. September 2023 - 10:52 #

Keine Ahnung. Aber Trackingsysteme für lokale Apps können durchaus auch die Daten eine Weile zwischenspeichern und dann kombiniert hochladen, wenn sie online sind. Dass ein Spiel nicht startet, weil es kein Tracking absenden konnte, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Erzeugt nur unnötige Supportanfragen, ist also ein Kostenfaktor.

Was den neuen Unity-Blödsinn angeht, wird man das abwarten müssen. Da das Szenario Offline-PC heutzutage aber völlig exotisch ist, wird man das vermutlich einfach ignorieren, weil es in Summe einfach irrelevant ist.

Vampiro Freier Redakteur - - 126228 - 13. September 2023 - 10:45 #

Ja, zumindest bei jeder Installation (also Installationsvorgang/Abschluss) muss einmal nach Hause gefunkt werden. Danach nicht mehr, weil ja scheinbar die Zahl der Installationen und nicht die Installationsbasis entscheidend ist.

Aladan 25 Platin-Gamer - 57121 - 13. September 2023 - 10:35 #

Das ist viel zu schwammig, so lässt sich das niemals durchführen.

Bruno Lawrie 22 Motivator - - 33708 - 13. September 2023 - 10:44 #

Klar können sie das durchführen, für Unity sind die Schwammigkeiten ja kein Problem, sie bringen ihnen eher mehr Geld.

Die Frage ist jetzt eher, wie viele Entwickler von Unity weggehen. Wenn du viele Jahre an Knowhow mit dieser Engine aufgebaut hast oder gerade mitten in der Entwicklung eines Unity-Spiels bist, hast du erst mal wenig Wahl. Und wenn man schon einige Unity-Spiele in diversen Stores hat, wird man die ja auch nicht mal eben alle auf eine andere Engine portieren können.

Und natürlich fallen einem bei sowas zuerst absolute Schreckensszenarien ein, aber die werden in der Praxis eher selten relevant sein. Es ist eher ein weiterer Kostenpunkt für Entwickler und man wird als solcher dann abwägen, ob die Zusatzkosten oder der Wechsel auf eine andere Engine das kleinere Übel ist.

Ich denke, dass Unity als Good-Will-Zeichen bei ein paar Punkten leicht zurückrudert, aber die werden sich diesen Schritt schon gut überlegt haben und ihn vermutlich auch nötig haben. Immerhin macht er die Kostenkalkulation für Entwickler durch die ganzen Unbekannten riskanter als bei anderen Engines, das ist schon ein nennenswerter Nachteil. Ein neuer Engineanbieter würde damit niemals an den Start gehen, aber bei Unity gibt es einfach extrem viele Abhängigkeiten.

onli 18 Doppel-Voter - P - 12881 - 13. September 2023 - 11:38 #

Im Unternehmensbereich gibt es solche schwammigen Modelle öfter. Wenn dann bei einer Softwareinstallation ein Entwickler was entsprechendes ankreuzt, "professionelle Nutzung" z.B., oder sich aus dem Unternehmens-IP-Bereich die Software mehrmals meldet, werden die Anwälte losgeschickt und Geld abgepresst - äh, ich meine, ein Lizenzmodell ausgehandelt. Mit einem kleinen Rabatt oder einer Strafzahlung, je nach Anwaltsstärke der Gegenseite.

Ist halt sympathisch wie Oracle sowas. Kann Unity knicken. Zeit für Godot.

Bruno Lawrie 22 Motivator - - 33708 - 13. September 2023 - 12:01 #

Generell geht es in Firmen am Ende halt einfach nur um Geld. Ich hab beruflich auch mit einer Firma zu tun, die sich unmöglich verhält und immer versucht überall Geld rauszupressen und teil erpresserische Methoden an den Tag legt. Aber alle Alternativen von dieser Drecksfirma wegzukommen, sind immer finanziell das größere Übel, also nehmen wir das hin.

Genauso wird es bei Unity laufen. Es gibt so unendlich viele Abhängigkeiten von denen, dass ein Großteil der Entwickler sich zwar lautstark beschwert, aber es am Ende schlucken wird. Was hier viele auch nicht sehen, ist der Mobile-Bereich, wo Unity auch noch sehr stark ist.

Aus meiner Berufserfahrung heraus würde ich generell empfehlen, US-Firmen zu meiden, wenn es eine gute europäische Alternative gibt, selbst wenn die ein bisschen teurer ist. Ist heutzutage alleine wegen Datenschutz schon simpler, aber generell ist meine Erfahrung, dass in US-Firmen einfach nur Geld und sonst nichts zählt, während man in europäischen Firmen durchaus auch noch einen gewissen Wert auf Firmenkultur, Produktkultur und gutes Miteinander legt. Mit europäischen Firmen hatte ich noch nie ein nennenswertes Problem, aber über US-Firmen könnte ich ein Buch schreiben.

dotperinch 16 Übertalent - P - 4388 - 13. September 2023 - 18:11 #

Die Erfahrung habe ich tatsächlich mit Unity gemacht, ein übereifriger Sales-Mensch wollte mir klarmachen ich sei eine Firma und müsse daher ein anderes Lizenzmodell benutzen. Gelacht, Unity runtergekratzt und seitdem glücklicher bei Godot. Das schaut zwar alles gleich etwas rumpeliger aus aber man haut sich nicht gleich GBs an bestimmt überflüssigen Daten auf die Platte und da GDScript an Python orientiert ist kommt man da gut in den Flow. Godot fehlt imho nur noch so ein wenig mehr an Einsteigerfreundlichkeit, also das übliche Ökosystem mit Dokus, Tutorials usw schön verpackt wie bei den "Großen".

Alain 24 Trolljäger - P - 49918 - 13. September 2023 - 10:47 #

Also da sie momentan (verstänlicherweise) kräftig Gegenwind bekommen ändert sich gerade so einiges:

https://twitter.com/stephentotilo/status/1701767079697740115

- Nur erste Installation zählt.
- Demos sind ausgenommen
- GamePass "ausgenommen"/ bekommt Sonderregel?

TheRaffer 23 Langzeituser - P - 40512 - 13. September 2023 - 10:56 #

Mit den Konkretisierungen klingt es schon "besser".

Bruno Lawrie 22 Motivator - - 33708 - 13. September 2023 - 18:34 #

Es klingt nicht mehr komplett wahnsinnig, ist aber noch immer eine empfindliche Preiserhöhung. Bisher zahlte man nur eine Abogebühr für die Software, jetzt zusätzliche noch eine Gebühr pro verkauftem Spiel, wenn ich das richtig verstanden habe.

Kein Entwickler wird gerade "ah, okay, jetzt klingt es gut" denken. Neben den zusätzlichen Kosten für Unity erzeugt das ja alles auch noch mehr Aufwände mit für den Entwickler unnützer Arbeit.

Vampiro Freier Redakteur - - 126228 - 13. September 2023 - 10:58 #

Achtung, da steht in dem Tweet: Demos mostly won't trigger fees --> heißt, manche Demos triggern.

Der Xeet basiert auf dieser News: https://www.axios.com/2023/09/13/unity-runtime-fee-policy-marc-whitten

Hagen Gehritz Redakteur - P - 182176 - 13. September 2023 - 12:26 #

Es ist zumindest schon in puncto Kommunikation seitens Unity schlecht vorbereitet, weil der Support bei der absehbaren ersten Flut von Anfragen gerade bei dem Thema "Zählen mehrfache Installationen" eben nicht einhellig antwortete:"Nein, nur die erste", sondern teils das Gegenteil.

Edit: Nichtmal Kommunikation ist das Problem, da ja offenbar laut Axios eine "Regroup"-Sitzung stattfinden musste, um vom Punkt "jede Installation zählt" abzurücken.

Aladan 25 Platin-Gamer - 57121 - 13. September 2023 - 12:35 #

Da wird noch so einiges spezifiziert werden (müssen), mal schauen was noch dazu kommt.

Olipool 19 Megatalent - P - 13564 - 13. September 2023 - 16:05 #

Lässt sich finde ich alles gar nicht sauber tracken. Kommt der Key aus nem Bundle oder aus nem Shop? Hab ich nen Zweitrechner, auf dem ich das Spiel auch installiere?

Unity kanns egal sein, sie ermitteln laut eigener Aussage die Downloads und den Umsatz in eigenem Ermessen!

Ich hoffe sehr, dass Godot den Blender Weg beschreiten wird, alle Unity Devs dort nen Job bekommen und die Führungsriege im Regen steht. Aber dort hat man sicher ein paar Schäfchen im Trockenen.

Funatic 20 Gold-Gamer - - 24691 - 13. September 2023 - 11:07 #

Es zählt nur die erste Installation. Von daher finde ich es jetzt nicht sonderlich dreist, wenn eine Gebühr von 0,02 - 0,20 Cent erhoben wird.
Vor allem, da bis dahin ja eine Gewissen Schwelle an Verkäufen/Installationen überschritten werden muss.

Faerwynn 20 Gold-Gamer - P - 20378 - 13. September 2023 - 14:34 #

Sie wollen aber nicht verraten, wie sie das feststellen. Honi soit qui mal y pense.

Funatic 20 Gold-Gamer - - 24691 - 13. September 2023 - 15:22 #

Ist doch kein Problem: Jedes Spiel hat doch heute schon ein virtuelles Wasserzeichen/Key.

Hagen Gehritz Redakteur - P - 182176 - 13. September 2023 - 15:40 #

Der Gloomwood-Entwickler Dillon Rogers hat es aus seiner Sicht so beschrieben (da war noch die Variante, dass jede Installation zählt und wie Manipulationsversuche erkannt werden sollen): Die Erhebung dieser Daten findet durch Unity Technologies statt, für die es wirtschaftlich von Vorteil wäre, die Zahlen aufzublähen und wie ich ihn verstehe, besteht wohl auch keine Absicht, für die Lizenznehmer Transparenz in Sachen Erhebung der Daten zu schaffen.

Funatic 20 Gold-Gamer - - 24691 - 13. September 2023 - 16:35 #

DAS wäre natürlich ein Problem. Aber denke nicht, dass das rechtlich möglich wäre.

Olipool 19 Megatalent - P - 13564 - 13. September 2023 - 16:01 #

Doch, das ist ganz schön dreist. Vor allem zeugt es von totaler Inkompetenz, wenn Unity sich sowas ausdenkt und scheinbar die Realität im Mobile-Markt nicht kennt, obwohl sie dort ein sehr großes Standbein haben.

Folgendes Beispiel basiert auf realen Zahlen:

100 Millionen Downloads
1 Million Umsatz / Jahr
=> die zu entrichtenden Gebühren übersteigen den gesamten Umsatz.
Nicht zu vergessen, dass anschließend vom Umsatz noch 30% an den Store gehen, Steuern wollen auch noch bezahlt werden.

Auch äußerte Unity zwischenzeitlich, man solle sich mit dem GamePass keine Sorgen machen, weil die Gebühren ja von Microsoft als "Herausgeber" zu bezahlen sei. Als ob Microsoft in ihrem Abo-Model eine Gebühr je Download entrichten würde... eher schmeißen sie alle Unity-Spiele aus dem Pass.

Unity ist seit dem Börsengang schlicht anderen Interessen unterworfen, als für EntwicklerInnen Dienstleister zu sein.

Sokar 24 Trolljäger - - 53735 - 13. September 2023 - 18:30 #

Das ist schon sehr dreist. Hier wird etwas, dass vorher nichts kostete und Unity auch keine Kosten verursachte (das Downloaden und Installieren geht über andere Plattformen wie Steam, XBN, PSN und eShop), künstlich monetarisiert. Und das rein zum Vorteil von Unity. Nicht nur, dass der Entwickler nichts davon hat, es ist auch noch zu ihrem Nachteil. Ist auch nicht das erste mal, dass sie Unity mit sowas in der Szene unbeliebt macht, aber nie genug, dass es ihnen wirklich weh tat.

Alter Hase 18 Doppel-Voter - - 9141 - 13. September 2023 - 12:22 #

Aus Unity wird Noity.

Corlagon 17 Shapeshifter - 6991 - 13. September 2023 - 12:28 #

Wow. Da frage ich mich, ob Freeware/Amateur-Titel ebenfalls betroffen sein werden. Es ist doch dieses Jahr ein RPG Maker auf Unity-Basis erschienen.

Hagen Gehritz Redakteur - P - 182176 - 13. September 2023 - 12:35 #

Die werden durch die Mindesthürden von Umsatz X in 12 Monaten, ehe Lizenzgebühren anfallen, schon abgefangen.

SupArai 25 Platin-Gamer - - 62547 - 13. September 2023 - 18:34 #

SKID ROW, please help!

Vampiro Freier Redakteur - - 126228 - 13. September 2023 - 22:30 #

Aber bitte immer auch mit cooler ASCII-Art.

Baumkuchen 18 Doppel-Voter - 11470 - 13. September 2023 - 19:43 #

Die Installationen tracken zu wollen lässt mich an ganz üble DRM-Zeiten erinnern. Wie auch immer sie das anstellen wollen, letzten Endes wird sich das mindestens doch auf die Performance auswirken.

Und sollte irgendjemand mal bisschen mit Spieleentwicklungs-Tools herum spielen wollen, womöglich dann sogar irgendwann ein Spiel herausgeben wollen, so wird diese Person nun sicherlich viel eher zur Unreal Engine greifen, oder nicht?

Und Unity ist groß. Aufgebläht. Weta Digital aufgekauft zu haben nützt ihnen aktuell vermutlich auch nicht so viel, wenn die US-Kinobranche gerade im Streik ist. Klingt fast wie eine Sommerloch-Idee. Und Ex-EA-Widerling John Riccitiello mal wieder mit den besten Ideen überhaupt. Aber so scheint wohl der Lauf der Dinge der meisten aufgeblähten Unternehmen zu sein. Erst mit guten Angeboten locken und eine Nutzerbasis aufbauen und genug Investoren an Land ziehen. Dann, wenn die Investoren langsam mal einen Return verlangen, kommen die zweifelhaften Geschäftsgebahren, weil sich eben nichts aus Luft und Liebe finanziert und es kommen Finanzierungsmodelle fernab der Vernunft für jeden Otto-Normal-Anwender. Facebook, X, Twitch, Unity... denke das könnte man noch lange weiter führen.

Bruno Lawrie 22 Motivator - - 33708 - 13. September 2023 - 20:45 #

Wenn das Spiel nach dem ersten Start einen Status an einen Server sendet und danach nie mehr wieder, wird sich das nicht auf die Performance auswirken - wie auch?

Du verwechselst das mit Kopierschutzmechanismen wie Securom, die die ganze Zeit irgendwelche Status checken und damit Resourcen verbraten, die das Spiel dann nicht mehr nutzen kann. Das ist für ein Tracking der Installationen aber ja nicht nötig.

Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist Unity jetzt an der Börse und muss Aktionäre glücklich machen. Also alles auf Umsatzmaximierung und Wachstum. Da es für Unity nicht generell viele Alternativen gibt (Unity kann auch 2D und ist im Mobile-Bereich groß, da ist z.B. Unreal keine echte Alternative) und aktuell sehr viele Abhängigkeiten bestehen, werden die meisten Entwickler die Kröte schlucken, weil es das kleinere Übel für sie ist. Mittelfristig verdient Unity also mehr Geld und das wollen sie ja.

Langfristig ist ein anderes Thema. Das hängt eher davon ab, was es effektiv für Entwickler bedeutet. Die ganzen Horrorszenarien, die gerade skizziert werden, werden so schon nicht eintreffen. Effektiv werden Entwickler jetzt weniger pro Spiel verdienen, aber wenn sie dafür Monate an Entwicklungsaufwand einsparen, den sie mit anderen Engines zusätzlich hätten, ist das egal.

Wenn man seit 10 Jahren mit Unity entwickelt, wechselt man auch nicht mal eben die Engine, weil man 10 Jahre Erfahrung auf den Müll werfen würde. Bis man die in anderen Engines aufgebaut hat, ist man erheblich ineffizienter. Wenn du als kleine Firma 15 Entwickler beschäftigst, die dann alle an einem Spiel deswegen vier Monate länger sitzen, hast du 60 Monatsgehälter mehr zu zahlen. Egal ob das Spiel gut laufen wird oder nicht. Da ist eine Abgabe pro Installation das kleinere Übel, denn wenn das Spiel ein Flop ist, gibt es dort ja auch nicht viel zu zahlen.

Die sind schon nicht blöd bei Unity. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sie extra alles so drakonisch begonnen haben, damit sie dann zurückrudern können und die massive Preiserhöhung nicht mehr so schlimm wirkt, da das zuerst skizzierte Szenario noch viel schlimmer war.

Baumkuchen 18 Doppel-Voter - 11470 - 13. September 2023 - 21:26 #

Naja gut, beruhige ich mich erst einmal, zähle bis 10. Konkrete Formulierungen werden dazu sicherlich noch kommen und langjährige Unity-Entwicklerstudios werden, mal abgesehen davon, dass sie sicher auch eigenständig ausgehandelte Verträge haben werden, auch nicht alle direkt auf andere Engines umsteigen ;)

Aber ist es auf den ersten Blick nicht dennoch übertrieben, Geld für jede Installation zu verlangen? Oder zumindest vorerst genau diese Angst zu schüren? Sowas kann ja auch missbraucht werden. Und mal angenommen ich installiere ein Programm aus der Launcher-Plattform meiner Wahl auf 3 Plattformen gleichzeitig, müsste der Entwickler dann nicht schon 3 Installationen auf der Rechnung stehen haben? Klingt alles etwas albern.

Bruno Lawrie 22 Motivator - - 33708 - 13. September 2023 - 21:59 #

Diese ganzen Spezialfälle wird niemand so richtig einschätzen können. Aber ich denke nicht, dass die so relevant sind. Es wird nicht jeder Käufer das Spiel mehrfach installieren. Und es wird auch genug Käufer geben, die es tatsächlich nie installieren, weil sie es nur mal in einem Sale mitgenommen haben und auf ihren Pile of Shame packen, die kompensieren dann wiederum Mehrfachinstallationen.

Letztendlich hat man jetzt eine Monatsgebühr pro Entwickler für die Nutzung von Unity wie bisher. Und neu on top eine Gebühr, die sehr abhängig von den Verkäufen ist.

Das kann am Ende immer noch günstiger als bei Unreal sein, wo Epic ab einem gewissen Level an allen Verkäufen beteiligt wird, auch an den Pile-of-Shame-Käufen die nie installiert werden und wo man bei Unity wiederum nichts zahlt.

Ich denke nicht, dass es für Entwickler ein so großes Problem ist, dass sie scharenweise auf andere Engines umsteigen. Man wird das nüchtern durchrechnen und das Ergebnis entscheidet dann. Letztendlich ist es aber erst mal eine Verteuerung und deswegen werden sich Entwickler noch eine Weile aufregen. Und die Zusatzkosten dann an die Käufer, also uns, weitergeben.

Olipool 19 Megatalent - P - 13564 - 13. September 2023 - 21:50 #

Das ist ein großer Knackpunkt. Erfahrung und ein Ökosystem und Tools, das hat alles Arbeit und Geld gekostet, da wechselt man nicht spontan. Grad mitten im Projekt. Aber für ein neues Projekt durchaus vorstellbar, vor allem, wenn Godot noch wächst. Ja, das ist erstmal teurer vielleicht, als Geld abzudrücken, aber mit einem solch unzuverlässigen Partner kann man nicht planbar arbeiten. Wer sagt, dass Unity mit 20 cent schon genug hat? Dass noch andere abenteuerliche Ideen ausgeklügelt werden? Es wird sicherlich angefangen, Erfahrung aufzubauen und da Godot ein ähnliches Prinzip wie Unity verfolgt und auch C# anbietet, wird der Umstieg nicht krass schwer, aber es wird noch etwas dauern.

Bruno Lawrie 22 Motivator - - 33708 - 13. September 2023 - 22:03 #

So Gedanken wird es sicher geben. Egal wie man es durchrechnet ist Unity jetzt ja spürbar teurer geworden.

Aber wenn man sein Spiel damit am Ende doppelt so schnell wie mit Godot & Co fertigstellt, fährt man immer noch günstiger damit.

Unity kann die Entwickler auch nicht beliebig auspressen, da sie kein Monopol haben. Die werden schon etwas ausloten, wo sie attraktiv bleiben. Im Moment nutzen sie schamlos die Abhängigkeit aus, aber können am Ende nicht deutlich unattraktiver als die Alternativen werden, weil sie das langfristig nicht überleben. So blöd sind sie schon nicht.

Labrador Nelson 31 Gamer-Veteran - P - 270705 - 16. September 2023 - 3:13 #

Jetzt kam raus, dass John Riccitiello genau eine Woche vor Bekanntgabe des neuen Bezahlmodells, eine vierstellige Menge seiner privaten Unity-Aktien noch schnell verkauft hat. Ein Schelm, der Böses dabei denkt... https://is.gd/mXZcIv

Jonas S. 21 AAA-Gamer - P - 25105 - 17. September 2023 - 12:21 #

Riccitiello ist sowieso ein spezieller. Fand ihn in seiner Zeit bei EA nicht gerade sympathisch.

toreyam 27 Spiele-Experte - P - 83700 - 14. September 2023 - 0:47 #

Die Kommunikation ist natürlich nicht toll und auch im nächsten Jahr das Modell umzustellen.
Wie machen das andere Engines im Vergleich?
Für mich als Laie würde ich den Kommentaren oben zustimmen, dass es um das Prüfen von Verträgen (=download von Unity Personal/Pro etc) gegen anonymisierte Statistik aus den Installationen geht. Realistisch ist es für laufende Projekte richtig schlecht...
aber da die Engine immer proprietär war und ist... treiben sie erstmal viele Entwickler zu Open Source. Wenn nicht heute, dann zum nächsten Projekt. Godot und Moai werden hoffentlich gut reagieren mit Support Optionen.

Mitarbeit
RidgerLabrador Nelson
News-Vorschlag: