Check von Vampiro

Spiele-Check: Across the Obelisk – Motivierender Roguelite-Deckbuilder
Teil der Exklusiv-Serie Spiele-Check

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Vampiro 76072 EXP - 27 Spiele-Experte,R10,S10,A7,J10
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7. September 2022 - 10:37 — vor 2 Wochen zuletzt aktualisiert
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Nach gut einem Jahr hat das charakterbasierte Deckbuilding-Roguelite Across the Obelisk des spanischen Indie-Entwicklers Dreamsite Games den Early Access verlassen. Nach meiner Spielzeit für diesen Check kann ich sagen: Es ist eure Zeit wert!
Auf den brettspielartigen Karten seht ihr, welche Orte ihr noch erreichen könnt.

Story, Deckbuilding und Kämpfe

Der 16. Geburtstag sollte ein Anlass zur Freude sein. Doch für die Prinzessin wird es der Tag ihres Verschwindens. Ein Obelisk hat wohl etwas damit zu tun und euer aus vier Helden bestehender Trupp macht sich auf die Suche. Ihr bewegt euch über die verschiedenen Pfade der brettspielartigen Karte, erlebt Events, begebt euch auf "Unterkarten", handelt und kämpft. Der Obelisk entpuppt sich als Teil eines Transportsystems und die Obelisken führen zu den insgesamt vier Biomen. Bossgegner warten dabei nicht nur an den Obelisken.

Across the Obelisk bietet komplexes Deckbuilding: Jeder eurer Helden, insgesamt gibt es 16 in vier Klassen (Warrior, Scout, Mage, Healer), startet mit 15 Karten. Als Währung dienen Kristalle und Gold. Mit Kristallen kauft ihr neue Karten, verbessert sie in eine von zwei Upgrade-Varianten oder wandelt bereits verbesserte Karten in die andere Variante. Die Frage ist dabei meist, ob ihr die Karte billiger ausspielen wollt oder ob sie teurer und wirkungsvoller sein soll. Mit Gold kauft ihr Items oder legt ungewollte Karten ab. Mit jedem Held könnt ihr diverse Builds ausprobieren und abspeichern. Mehr Karten und Ausrüstung sammelt ihr während des Abenteuers.

In den Kämpfen steht ihr bis zu vier Gegnern gegenüber und agiert in einer Zugreihenfolge. Karten werden mit Energie ausgespielt, wobei jeder Held standardmäßig pro Runde drei Energie auflädt. Fünf Karten kommen auf die Hand, gespielte Karten werden abgelegt und schließlich wieder in den Stapel gemischt. Mit den Karten greift ihr an, bufft oder heilt eure Helden, werdet Debuffs los oder debufft Feinde. Es gibt verschiedene Schadensarten und stapelbare Stati wie Bluten oder Gift, die der Figur am Anfang beziehungsweise Ende ihrer Runde Schaden zufügen. Per Block könnt ihr Schaden verhindern. Auch die Ausrüstung der Helden spielt mit rein. Elemente wie Feuer oder Blitz sind Schadensarten und es gibt viele Synergieeffekte. Wenn eine Figur nassgeregnet ist, nimmt sie mehr Blitzschaden. Passend dazu gibt es unterschiedliche Resistenzen. Gewinnt ihr einen verlustreichen Kampf, wandert eine Debuff-Karte ins Deck des "gefallenen" Helden und es geht weiter.

Das komplexe System sprengt den Rahmen völlig. Kurz gesagt: Ihr habt unglaublich viele Möglichkeiten, wie ihr eure Helden ausgestaltet, Decks baut und sie bestmöglich aufeinander abstimmt. Diese Tüftelarbeit und das Entdecken von Synergieeffekten machen für mich einen Großteil des hohen Spielspaßes aus.
Eure Decks werden in den Kämpfen auf harte Proben gestellt.

Progressionssystem
Von 16 Helden stehen euch im Adventure Mode zunächst nur vier zur Verfügung. Die anderen müsst ihr, teils mit Biom-übergreifenden Quests, freispielen. Genauso wie die insgesamt über 500 Karten und Items, die ihr mit dem ersten Auffinden, zum Beispiel als Belohnung nach Kämpfen, für spätere Runs freischaltet. Das Startdeck der Helden könnt ihr nicht anpassen, aber bei Levelaufstieg Perks verteilen. Auch mächtige Spezialkarten schaltet ihr frei, wobei ihr immer zwischen zwei wählen müsst. Ein weiteres Progressionssystem ist der Ausbau der Stadt, so dass ihr beispielsweise billiger Karten upgraden könnt. Bis zu drei "Schatztruhen", also Kristalle und Gold aus vorherigen Runs, könnt ihr zu Beginn eines Runs verbrauchen, um eure Chancen zu erhöhen.
Bosskämpfe sind besonders hart.


Levelsystem, Stadtausbau, Schatztruhen, Freischaltung von Karten und Items: Roguelite-typisch ist klar, dass ihr für den Spielfortschritt nicht nur Skill braucht, sondern schlicht auch Runs absolvieren müsst. Den ersten Obelisk erreichte ich in meinem dritten Run. Dieser gerade zu Beginn etwas langsam anmutende Fortschritt, zumal die Kämpfe nicht von der schnellen Sorte sind, hat einen Vorteil: Ich lerne langsam das Spiel und seine komplexen Systeme.

Und das tut auch Not, wie ich im Modus "Obelisk Challenge" schnell feststellte. Da habt ihr alle Charaktere zur Auswahl und verpasst ihnen je mehrere Kartenpakete. Im Anschluss macht ihr euch auf einer Zufallskarte auf den Weg zum Obelisken. Das ist für den Langzeitspielspaß super, als relativer Neuling konnte ich die ganzen Optionen aber gar nicht alle sinnvoll nutzen. Der dritte Modus ist auch klasse: In der Weekly Challenge spielt ihr mit vorgegebenen Helden auf fixen Karten und mit diversen Modifikatoren und messt euch mit anderen Spielern. Highscores gibt es aber für alle Modi. Als wäre das nicht genug, könnt ihr mit bis zu drei Freunden im Koop spielen, wobei dann jeder einen der Helden steuert.
Auf den Kampf folgt die Belohnung.

Fazit
Ich bin beeindruckt, was für ein audiovisuell gelungenes, komplexes, motivierendes und durchdachtes Spiel die nur drei Entwickler von Dreamsite Games geschaffen haben. Klar, genretypisch gibt es gerade in den ersten Spielstunden einen nervigen Grind-Faktor. Der verhindert aber gleichzeitig die Überforderung und der Wiederspielwert ist ausreichend hoch. Dazu punktet Across the Obelisk mit Komfortfunktionen wie dem Neustart von Kämpfen, der kostenlosen Reset-Möglichkeit für Perks oder Tooltips. Im Tome of Knowledge findet ihr zahlreiche Statistiken und könnt alle Karten anschauen. Wenn ihr euch ansatzweise für Deckbuilding und Roguelites interessiert, solltet ihr Across the Obelisk unbedingt ausprobieren. Achtung: Eine deutsche Übersetzung gibt es noch nicht.
  • Deckbuilding-Roguelite
  • Einzelspieler und Online-Koop
  • Einsteiger bis Profis
  • Preis: 19,99 Euro
  • In einem Satz: Komplexes und motivierendes Deckbuilding-Roguelite mit Suchtfaktor und Grinding-Neigung.

Video:

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 7. September 2022 - 10:49 #

Viel Spaß beim Lesen!

Funatic 19 Megatalent - - 16606 - 7. September 2022 - 11:51 #

Als Fan von Slay the Spire, Monster Train und genrell Cardgames macht mich der Artikel extrem an!
Vielen Dank für deine Eindrücke, werd mir das Spiel ich mir gleich heute Abend in die Steambibliothek schmeissen.

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 7. September 2022 - 12:01 #

Sehr gerne :) Dann bitte unbedingtberichten, wie es dir gefällt!

AlexCartman 19 Megatalent - P - 19354 - 7. September 2022 - 12:50 #

Schöner Check eines interessanten Spiels. Jetzt noch als Switch-Version, und ich schlage zu. So etwas schreit nach Handheld.

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 7. September 2022 - 14:33 #

Rein spielerisch würde es sicher gut auf der Switch funktionieren, wenn es technisch geht und mit der Textgröße passt.

Faerwynn 19 Megatalent - P - 16765 - 7. September 2022 - 13:42 #

Auf einer Skala von 1 bis Slay the Spire, wo würdest du das Spiel denn ansiedeln? ;)

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 7. September 2022 - 14:00 #

Sehr schwierige Frage! Habe Slay auch gerne gespielt, muss es aber auch mal mehr spielen.

Es gibt ein paar krasse Unterschiede. Across the Obelisk hat ein Progressionssystem (dadurch einen gewissen Grindfaktor, aber auch weniger Zufallsfaktor), vier Charaktere (also auf einmal, insgesamt 16 --> dadurch viel mehr Kombinationsmöglichkeiten) und längere Runs. Across the Obelisk hat imho auch die einen Tick charmantere Präsentation (ich meine damit z.B. die Spielbretter, die Geschichten, Events, die auch je nach mitgenommenen Charakteren Varianten haben, Quests).

Ich finde beide Spiele sehr gut, für mich ganz persönlich hat Across the Obelisk auf sehr hohem Niveau aktuell die Nasenspitze ein bisschen vorne (ja, das ist mal ne Ansage :D Und passt nicht ganz zur Frage :D Da wäre die richtige Antwort "Slay the Spire" :) ). Wenn man Progression nicht so mag oder lieber mehr, dafür kürzere Runs hat, dann hat Slay the Spire die Nase vorne.

Mr. Tchijf 16 Übertalent - P - 5849 - 7. September 2022 - 15:06 #

Ich würde es neben Slay the Spire stellen. Es ist in der Tat sehr gut gelungen und die Early Access Phase wurde sehr gut von den Entwicklern genutzt, um auf das Feedback der Community einzugehen.

Das Spiel ist aus meiner Sicht tatsächlich ein Pflichtkauf, wenn man auf das Genre steht. Es hat Humor, es hat eine interessante Weiterentwicklungsmöglichkeit der Charaktere, die Gegner sind vielfältig, die Story(fetzen) sind interessant, das Deck-Building macht Spaß (zumal man dort auch nochmal unterschiedliche Ausprägungen beim Upgrade der Karten vornehmen kann) und, für mich einer der wesentlichen Punkte, es ist fair. Man fühlt sich in dem Spiel nicht ungerecht behandelt.

Ich war mega skeptisch, was dieses Spiel angeht und habe mich sehr geärgert, dass die Entwickler nicht Empire TV Tycoon 2 angegangen sind. Aber das Ergebnis lässt sich wirklich sehen. Zumal der Wiederspielwert auch echt hoch ist. Ach, ich hätte noch mehr positive Dinge zu berichten.

Für mich eines der sehr wenigen Spiele, für die ich bei Steam ein positives Feedback hinterlassen habe.

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 7. September 2022 - 15:13 #

Vielen Dank für deine ausführliche Einschätzung!

SupArai 24 Trolljäger - P - 52213 - 7. September 2022 - 17:41 #

Danke für den Check, Vampiro.

Ich lass Across the Obelisk mal auf der Vielleicht-mal-zocken-Liste stehen, wobei sich das Spiel schon zu überkomplex für meinen Geschmack liest.

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 7. September 2022 - 18:23 #

Sehr gerne :)

Die Komplexität kannst du ein bisschen steuern. Du musst ja nicht zwingend alle Sachen ausprobieren, sondern z.B. erstmal bei deinen bewährten Builds mit den ersten Charakteren bleiben und die "nur" finetunen. Die ersten (kürzeren) Runs sind auf jeden Fall bisschen grindig, wenn du dann aber Truhen einsetzen kannst (quasi ab dem 2. Run) wird es einfacher, so dass der "normale" Schwierigkeitsgrad irgendwann einfach wird (man kann das im Spiel auch über sozusagen Herausforderungen, für die es besondere Belohnungen gibt, erhöhen, habe ich je nach Schwierigkeit auch). Dass der Anfang bisschen schwer/langsam ist, ist zum Lernen der Basics aber denke ich auch genau richtig.

Was ich damit sagen will, du hast fürs gechillte spielen, keinen Zwang die volle Palette des Minmaxings auszuspielen oder alle Varianten die es gibt (geht auch in einem Run gar nicht sinnvoll) zu nutzen.

vermeer 14 Komm-Experte - 2476 - 8. September 2022 - 8:19 #

Na danke für nix :) :)
Hab' als Ü40 absolut keine Zeit mehr zum Zocken aber muss mir jetzt dank diesem Spiele-Check schon wieder ein Spiel kaufen...

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 8. September 2022 - 8:25 #

Haha, sehr cool :) Viel Spaß!

Ganon 26 Spiele-Kenner - - 72361 - 16. September 2022 - 11:25 #

Was hat das mit dem Alter zu tun? ;-)

Der Marian 21 AAA-Gamer - P - 27340 - 11. September 2022 - 17:02 #

Da schlag ich zu. Danke für den Check. Als begeisterter Spieler von Slay the Spire und Monster Train sollte das passe.

Edit: Hab es mal angespielt. Ist weniger Slay the Spire oder Monster Train sondern eher Gordian Quest und Darkest Dungeon.

AlexCartman 19 Megatalent - P - 19354 - 11. September 2022 - 22:25 #

Ist das gut oder schlecht? Die ersten beiden kenne ich, die beiden anderen nicht.

Der Marian 21 AAA-Gamer - P - 27340 - 11. September 2022 - 22:43 #

Schlecht ist das nicht, macht das Spiel dann aber mehr zu einem Gruppen-RPG mit Kartenmechanik als zu einem "reinen" Deck-Building. Aber das liest sich ja auch in Vampiros Check schon so.

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 11. September 2022 - 22:44 #

Anders. Siehe mein Kommentar weiter oben.

Across hat anders als Slay zB ein Progressionssystem und du hast vier statt einer Figur (entsprechend kannst du auch die Karten von 4 Leuten aufeinander abstimmen).

Beides gute Spiele. Es ist aber möglich, dass einem das eine besser als das andere gefällt.