Stell dir vor, es ist 3. Weltkrieg...

Spiele-Check: Regiments - Echtzeittaktik im Juni 1989
Teil der Exklusiv-Serie Spiele-Check

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Vampiro 76072 EXP - 27 Spiele-Experte,R10,S10,A7,J10
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23. August 2022 - 18:57 — vor 4 Wochen zuletzt aktualisiert

Teaser

Ein Indie-Entwickler schickt euch in Echtzeit in den 3. Weltkrieg – denn auf seinem Höhepunkt wird der Kalte Krieg nicht zur "Wende", sondern zu einem heißen Krieg. Führt eure Regimenter zum Sieg...
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Mit Regiments hat Indie-Entwickler Bird’s Eye Games, unterstützt von Publisher Microprose – der nichts mit der ursprünglichen ruhmreichen Firma zu tun hat – sein Erstlingswerk veröffentlicht. Regiments ist ein Solo-RTS, das euch in den Juni des Jahres 1989 versetzt. Die Volksaufstände in der DDR führen nicht zur friedlichen Wende, sondern münden in bewaffnete Konflikte. Den heißen Juni spielt ihr in mehreren, thematisch verknüpften Operationen nach. Oder ihr stürzt euch in einen der drei Skirmish-Modi. In diesem Check verrate ich euch, warum ihr euch als Fans detaillierter Echtzeit-Taktik Regiments nicht entgehen lassen solltet.

In dieser Perspektive erlebt ihr einen Großteil von Regiments.
Das Spielprinzip

In Regiments agiert ihr mit vorgegebenen Regimentern, an die ihr Task Forces angliedern und sie so individualisieren könnt. Die meisten Einheiten sind in Squads gegliedert. So treten beispielsweise Panzer im Viererpack auf. Zu Schlachtbeginn nutzt ihr eure Deployment-Punkte, um eure Starteinheiten zu wählen. Meist reichen die Punkte nicht aus, um alle Einheiten gleichzeitig einzusetzen.

Im Laufe einer Schlacht sammeln die Einheiten Erfahrung, steigen im Rang auf und kämpfen besser. Verluste werden durch Rookies ersetzt. Also müsst solltet ihr die Einheiten  rechtzeitig aufmunitionieren oder zum “Heilen” zurückziehen. Ihr könnt sie dann nach einigen Sekunden wieder in die Schlacht rufen. Wird die Einheit jedoch vernichet, ist der Cooldown deutlich länger. Gutes Einheitemanagement ist daher sehr wichtig. Die Deployment-Punkte von zurückgezogenen oder verlorenen Einheiten kommen in einen
separaten Pool und wandern langsam wieder in den Deployment-Pool.

Die überschaubare Einheitenzahl sowie das moderate (und änderbare) Spieltempo sorgen für eine hohe Zugänglichkeit. Das heißt aber nicht, dass Regiments leicht wäre! Schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad war ich gut gefordert. In der Aufstellungsphase platzierte Einheiten haben, je nach Spielmodus, eine befestigte Stellung. Infanterie gräbt sich auch während der Schlacht in zwei Stufen ein, die anderen Landeinheiten zumindest in einer. Das erhöht den Verteidigungswert.

Der Frontalangriff auf solche befestigte Stellungen ist meist zum Scheitern verurteilt. Ausreichend Feuerkraft sowie Flankenangriffe und kombinierte Waffen (Artillerie und Luftschläge, um den Feind niederzuhalten) sind für den Angreifer wichtig. Auch die unterschiedliche Sichtweite und die Sichtfähigkeit bei Nacht gilt es zu berücksichtigen.

Neben mitgebrachter Artillerie habt ihr taktische Punkte, mit denen ihr unter anderem Flugzeuge und schwere Artillerie anfordern könnt. Was möglich ist, hängt von eurem Regiment und euren Task Forces ab. Nach einigen Sekunden profitiert ihr von der mit einem Cooldown versehene Unterstützung. Mittels Artillerie könnt ihr nachts das Schlachtfeld beleuchten, mit Rauch den Rückzug sichern oder einer feindlichen Stellung die Sicht nehmen, um eure Infanterie in Kampfreichweite zu bringen. Das macht übrigens auch die gut spielende KI! Cooler Kniff: Die Infanterie ist mit ihren Transportfahrzeugen “verheiratet”. Aufgesessen ist der Trupp schnell unterwegs. Aber nur im abgesessenen Zustand kann Infanterie kämpfen.

Die Steuerung ist rundum gelungen. Für alle wichtigen Aktionen gibt es Hotkeys. Ihr reiht mit der Shift-Taste Befehle aneinander, und könnt zum Beispiel eure mechanisierte Infanterie an Punkt X schicken, dort absitzen lassen und dann in eine bestimmte Richtung blicken lassen. Sicht- und Wirkreichweiten lassen sich jederzeit einblenden; Gebäude und Wald geben natürlich Deckung.

Mit taktischen Punkten ruft ihr Luftunterstützung. Die Nacht wirkt sich auf Sichtweiten aus.


Kampagnen namens Operationen
Die Operationen sind sozusagen die Kampagne von Regiments. Sie hängen thematisch zusammen, spielen im heißen Juni und ihr kommt auf allen Seiten zum Einsatz. Die Story wird auch ein wenig in der Übersicht der mehr als 100 Einheiten, mit Zitaten fiktiver Soldaten, erzählt. In den dynamischen Operationen ist euch ein Regiment vorgegeben. Mit Operationspunkten könnt ihr bis zu drei Taskforces angliedern, Verluste ausgleichen (während einer Phase hat jede Einheit eine beschränkte Anzahl “Leben”), mehr Deployment-Punkte oder Munition kaufen oder mehr taktische Punkte für Luft- und Artillerieunterstützung erhalten. Je besser ihr spielt, desto mehr Vorteile könnt ihr also erwerben.

Für jede Phase müsst ihr eine Karte ausspielen. Die bringen nicht immer Vorteile.

Manche der Operationen gliedern sich in mehrere Etappen, die wiederum aus verschiedenen Phasen bestehen. Nach jeder Phase setzt ihr eure neu gewonnenen Operationspunkte ein. Jede Etappe hat eine maximale Anzahl an Phasen, innerhalb derer ihr den Auftrag erfüllen müsst. Ihr könnt aber auch schneller sein! Regiments speichert nach allen Phasen. Solltet ihr scheitern, könnt ihr also jederzeit wieder einsteigen. Neben den mehrstufigen Operationen gibt es auch solche, die nur mehrphasig sind. Dabei bleibt natürlich weniger Zeit für die Individualisierung eures Regiments. Die Story wird in Form von Logbüchern fortgeschrieben. Wenn ihr, trotz anpassbarer Schwierigkeit, partout nicht weiterkommt, könnt ihr eine Operation auch überspringen.

Die Missionen sind sehr abwechslungsreich. Mal müsst ihr
bei Nacht den Feind aufklären und möglichst vernichten, mal eine Stellung halten, mal strategisch wichtige Punkte, teils unterstützt von Alliierten, erobern. Oer auch den Rückzug verbündeter Trupppen sichern. Die Dynamik der Operationen, die Abwechslung und das hohe Niveau der Spielmechanik sorgen für mächtig Spielspaß! Ich wollte außerdem stets mehr über die Ereignisse im Juni 1989 erfahren.

Zwischen den Phasen einer Operation ersetzt ihr Verluste und individualisiert euer Regiment.


Skirmish
Drei Skirmish-Modi reichen von 1v1 bis 2v2 mit der KI auf 19 Karten. Dazu stehen euch 21 Regimenter zur Verfügung, die ihr während einer Schlacht mit Task Forces aufpeppt. Im “Meeting Engagement” kämpft ihr mit euren Gegnern um Zonen, die euch Siegpunkte bringen. Doch nichts ist so beständig wie die Lageänderung. Der Clou ist nämlich, dass die Zonen immer mal (vorhersehbar) die Position wechseln. Das sorgt für ordentlich Bewegung. Ihr könnt hier also nicht einfach einmal Zonen erobern und euch eingraben. In “Mobile Defense” stehen euch Lkw zur Verfügung. Mit diesen müsst ihr nach und nach Zivilisten aus verschiedenen Zonen evakuieren. Euer Gegner versucht das zu verhindern und greift stetig an. Im Spielmodus “Attack” erobert ihr Zonen des Gegners. Im Skirmish bekommt ihr, anders als in der Kampagne, langsam aber stetig neue Deploymen-Punkte, und die Einheiten haben unbegrenzt “Leben”.

Aufgrund der Vielzahl an Karten, den Regimentern mit ihren Task Forces, den drei Spielarten und den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, gepaart mit sehr solider KI, sorgt der Skirmish-Modus für reichhaltig Spielspaß.

 

Regiments hinterlässt auch optisch einen guten Eindruck.


Fazit
Regiments ist ein sehr gelungenes Debüt, das Zugänglichkeit und Komplexität gekonnt miteinander kombiniert. Grafisch ist es sehr hübsch anzusehen (Helikopter wirbeln sogar Wasser auf), auch wenn es keine Kollisionsabfrage gibt. Die Einheiten sind liebevoll modelliert und das Schlachtfeld verändert sein Aussehen. Dazu gelingt dem Programm aus meiner Sicht der Spagat zwischen Spielspaß und Realismus: Trotz der taktischen Komplexität solltet ihr euch auch als Genre-Einsteiger austoben können, wenn ihr etwas Geduld investiert.

Der Soundtrack passt
zum Jahr 1989. Die Story im alternativ verlaufenden Juni 1989 ist spannend und die dynamischen Operationen sind packend und fordernd. So ist bereits für viele Stunden Einzelspieler-Spielspaß gesorgt. Und auf so manche Details konnte ich noch nichtmal eingehen. Der Skirmish mit seinen drei Modi rundet das Gesamtpaket ab. Wenn ihr ein Interesse an Echtzeittaktik habt, solltet ihr euch Regiments auf keinen Fall entgehen lassen.

  • Echtzeittaktik
  • Einzelspieler
  • Einsteiger bis Profis
  • Preis: 24,99 Euro
  • In einem Satz: Relativ zugängliche und gleichzeitig komplexe Echtzeit-Taktik.

Video:

Jörg Langer Chefredakteur - P - 445528 - 23. August 2022 - 18:57 #

Viel Spaß beim Lesen!

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 23. August 2022 - 19:37 #

Den wünsche ich auch! Und im Anschluss vielleicht ja auch beim Spielen :) Danke auch an Jörg für die Extralänge und das schnelle Redigieren!

Juuunior 14 Komm-Experte - - 2372 - 23. August 2022 - 19:35 #

Auf Vampiro ist Verlass. Danke dir!

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 23. August 2022 - 21:23 #

Sehr gerne! Und natürlich vielen Dank :)

Q-Bert 23 Langzeituser - - 41252 - 24. August 2022 - 0:10 #

Ich bin der Meinung, die Checker haben einen Meinungskasten, eine Wertung und eine Eingliederung in der Test-Rubrik verdient. Nicht nur, weil einige jammern, auf GG gäbe es zu wenig Tests. Sondern weil sie es einfach wert sind! :)

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 24. August 2022 - 14:21 #

Vielen Dank für dein sehr positives Feedback zu unseren Checks :) Bin mir sicher, alle Checker und Redigierer freuen sich :)

Max_Power 12 Trollwächter - P - 829 - 24. August 2022 - 17:10 #

Danke für den Check - das klingt wie das Spiel, dass ich in "Wargame: European Escalation" gesucht, aber nicht gefunden habe. Letzteres war mir nämlich zu kompliziert, hektisch und Multiplayer-lastig. "Regiments" kommt auf jeden Fall auf die Wunschliste.

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 24. August 2022 - 19:55 #

Sehr gerne :) Ich würde sagen: Ja! Spiele seit EE Eugen-Spiele, da ist schon auch ein Fokus auf MP (nicht nur, 80 Prozent spielen nur SP! Und zB SD 2 hat aktuell ein sehr gutes Balancing, dazu Koop Kampagne usw). Eugen Spiele sind auch tendenziell schneller, mit mehr Einheiten, dazu das Deckbuilding.

Für puren, zugänglichen, aber auch komplexen, Singleplayer-Spaß ist Regiments imho genau richtig :) Auch und gerade wenn man als Genre-Interessierter bislang von den (imho sehr guten) Eugen-Spielen gebounced ist.

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 24. August 2022 - 21:22 #

Ich habe jetzt mal noch gegoogled (hatte ich schonmal, aber vergessen), wer jetzt eigentlich MicroProse macht. Es ist David Lagettie, ehemals Entwickler bei Bohemia Interactive und Fan der ganzen Klassiker. Der hat (laut Wiki) seit 2005 recherchiert und sich dann auch um Rechtekäufe bemüht und letztlich den Namen MicroProse erwerben können. Ziemlich cool. Stealey ist dann auch mal so ein bisschen inoffiziell beratend tätig geworden, sehr interessanter Artikel (auch aus der Wiki): https://www.gamesindustry.biz/the-resurrection-of-microprose-and-return-of-wild-bill-stealey

Bei Stayforever (kostenlos) gibt es übrigens eine Besprechung zum Sid Meier Buch. Das Buch habe ich aber nicht. Sid Meier und Stealey hatten, für die noch ;) Jüngeren unter uns, MicroProse ursprünglich gegründet.

Sokar 20 Gold-Gamer - - 22088 - 26. August 2022 - 14:56 #

Ich hab die Memoiren von Sid Meier gelesen, Bill Stealey taucht da natürlich auf, weil er ein wichtiger Wegbereiter war. Aber das Buch komplett aus Meiers' Sicht geschrieben und entsprechend persönlich, spätestens als er von MicroProse weg ist hört man davon nichts mehr. Man darf auch keinen Einblick in seinen Design-Prozess erwarten, er hat hier seine persönlichen Erinnerungen aufgeschrieben - Memoiren eben. Aber das nur am Rande.

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 27. August 2022 - 13:52 #

Ja, das war auch mein Eindruck nach dem Podcast. Hat sich das Leseb denn gelohnt?

paschalis 31 Gamer-Veteran - - 260066 - 13. September 2022 - 13:51 #

Als Microprose aus der Gruft geholt und reanimiert wurde haben ja viele gelästert und befürchtet, dass mit der Marke Schindluder betrieben wird wie bei Atari. Ich hatte allerdings schnell den Eindruck, dass Lagettie dem Namen gerecht werden wollte und, wenn auch mit bescheideneren Mitteln, Spiele in das Portfolio genommen hat, die auch zum alten Microprose gepasst hätten.

Vampiro 27 Spiele-Experte - - 76072 - 14. September 2022 - 14:27 #

Ja, das unterschreibe ich. Man denkt ja erstmal oh je, aber der haut da alles rein, so gut es geht. Der erfüllt sich glaube ich so ein bisschen seinen Traum mit der Wiederbelebung der Marke :)