Wochenend-Lesetipps 06/2021: Barrierefreiheit, Sklaverei und Wertungen
Teil der Exklusiv-Serie Lesetipps fürs Wochenende

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Johannes 52625 EXP - 24 Trolljäger,R10,S8,A8,J10
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5. Juni 2021 - 6:00 — vor 8 Wochen zuletzt aktualisiert
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Sollten euch die Temperatur und Luftfeuchtigkeit dazu verleiten, die Außenwelt nach Kräften zu umgehen, könnt ihr euch ja ein paar der nachstehenden Lesetipps zu Gemüte führen. Die Einleitung übers Wetter musste sein;  sonnige Grüße gehen raus an Benjamin Braun!

In der heutigen Folge der Lesetipps fürs Wochenende geht es um Barrierefreiheit in Spielen und um die Darstellung von Sklaverei und Kolonialismus in Anno 1800. Weitere Artikel beschäftigen sich mit der Länge von Spielen und der Frage, wie zeitgemäß ein klassischer Spieletest mit Wertung noch ist – oder schon 2009 noch war.

„Anno 1800 und die Sklaverei: Ein Feature, das sich nicht durchsetzen konnte“
okcool.space am 18. Mai, von Dom Schott

Bereits vor einigen Jahren hinterfragte Dom Schott in einen Blogpost, wieso in Anno 1800 bei der Simulation der Besiedlung der „neuen Welt“ die Sklaverei größtenteils ausgeblendet wurde. Als Reaktion darauf erhielt er jetzt eine Stellungnahme eines namentlich nicht genannten Ubisoft-Mitarbeiters, die er auf seinem Blog veröffentlichte:

Größere Teams führen dabei keineswegs zu breiterer Meinungsvielfalt, im Gegenteil: Je mehr Menschen sich verständigen sollen, desto geringer müssen Widerstände ausfallen. Eine Idee wird ausgebrütet, den eigenen Vorgesetzten schmackhaft gemacht, in der Abteilung diskutiert, teils da schon mit 20 und mehr Personen.

„Damit alle spielen können“
faz.net am 20. Mai, von Melanie Eilert

Während einzelne Titel wie etwa The Last of Us 2 Barrierefreiheit bereits „hervorragende Ansätze“ im Bereich Barrierefreiheit zeigten, herrsche in der Branche allgemein noch ein fehlendes Bewusstsein für das Thema, schreibt Melanie Eilert auf faz.net. Sie beschreibt in ihrem Artikel unter anderem Kennzeichnungsmöglichkeiten für barrierefreie Spiele auf Plattformen wie Steam:

Fehlendes Bewusstsein ist ein Problem, das angepackt werden muss. Dafür sind viele Ansätze denkbar. Die Sichtbarkeit auf Verkaufsplattformen ist nur einer davon. Auch seitens der Politik könnte mehr Aufmerksamkeit geschaffen werden. So könnte zum Beispiel die staatliche Games-Förderung ein Programm für Entwickelnde anbieten, die ihr Spiel im besonderen Maße barrierefrei gestalten möchten.

„Zocken per Mundsteuerung“
deutschlandfunkkultur.de am 20. Mai, von Max Oppel

Passend zum vorigen Lesetipp kommt hier noch ein Hörtipp aus dem Deutschlandfunk: Dennis Winkens, Botschafter von Gaming ohne Grenzen, berichtet in diesem Interview über seine eigenen Erfahrungen. Er verwendet zum Spielen einen Mund-Controller mit Saug-/Blas-Eingabe. Winkens erzählt, damit sei grundsätzlich alles möglich was mit herkömmlichen Eingabegeräten auch funktioniert. Die Paradedisziplin Egoshooter stelle ihn allerdings manchmal noch vor Herausforderungen.

„Sind zehn Stunden zu kurz?“
spiegel.de am 24. Mai, von Rainer Sigl

Man mag mir an dieser Stelle einen gewissen Hang zum Größenwahn unterstellen, aber ich für meinen Teil kann nur sagen, ich begrüße es, dass nun auch der Spiegel einsieht, dass ich Recht habe. Rainer Sigl schreibt in seiner Kolumne, dass Spiele, die 100 Stunden Spielspaß versprechen, dadurch nicht besser sein müssen als kürzere Titel:

Das liegt unter anderem daran, dass Entwicklerstudios den Längenfetisch oft mit Wiederholung, Streckung und Füllmaterial zu befriedigen versuchen, was einigen die Lust am Durchspielen nimmt.

Aus dem GG-Archiv: „Auslaufmodell Spieletest?“
gamersglobal.de am 28. Dezember 2009, von Roland Austinat

Ende 2009 gab es eine Debatte über die Notwendigkeit von Wertungen am Ende von Spieletests. Boris Schneider-Johne schlug damals vor, diese einfach wegzulassen und sich damit auch von Wertungsdiskussionen mit Herstellern unabhängig zu machen. Petra Fröhlich konterte plakativ mit der Überschrift: „Keine Wertung, keine Eier!“. GG-Kolumnist Roland Austinat hielt dem entgegen:

Aber beweist nicht jemand, der auf die Wertung verzichtet, viel mehr Mut? Ich glaube schon. [...] Ich für meinen Teil könnte jedenfalls prima ohne herkömmliche Spieletests mit einer abschließenden Wertung leben, die ein so komplexes Gebilde nur höchst unzulänglich beschreibt. Stattdessen würde ich mich über einen knackigen Text freuen, in dem der Autor darauf eingeht, wie er sich beim Spielen gefühlt hat.

Im Video: Whatever happened to nice Pixel art?

Pixelgrafik ist insbesondere durch ihre Verwendung in Indiespielen beliebt wie seit den 90ern nicht mehr. Jedoch lässt die Qualität der Grafiken im Vergleich zu damals oft deutlich zu wünschen übrig, bemängelt Niche Gaming.

Besonders freuen können sich Q-Bert, Johannes, Jürgen und Necromanus über eure Lesetipps und Videos für die nächste Ausgabe. Einfach eine Nachricht an uns und ihr lest euch das nächste Mal in der Danksagung. Dieses Mal bedanken wir uns bei Robokopp und beim Kollegen Q-Bert!

Video:

Player One 15 Kenner - P - 3899 - 5. Juni 2021 - 7:08 #

Vielen Dank für die Tipps. Und zum Thema Wertung bei Spielen, von mir aus weglassen, mit dem Prinzip von Eurogamer komme ich z.B. gut klar. Diese Wertungsshitstorms will doch niemand mehr.

vgamer85 20 Gold-Gamer - - 25787 - 5. Juni 2021 - 8:07 #

Sehr schön. Wertungen müssen sein um Entwicklern den TÜV Stempel oder Qualitätssiegel zu verpassen. Sonst kommt nur Mist

blobblond 20 Gold-Gamer - P - 23263 - 5. Juni 2021 - 13:55 #

Auch mit TÜV-Stempel kommt nur Mist…
Was war 2019 in Brasilien mit TÜV und einen Staudamm?
https://m.dw.com/de/der-damm-der-nicht-durch-den-t%C3%BCv-fiel/a-52419900

Auf dem deutschen Markt über 1.000 verschiedene Qualitätssiegel, der größte Teil davon ist Mist, es gibt keine gesetzlichen Regulierungen dafür. Jeder Dorfverein könnte sein eigenes Qualitätssiegel rausbringen, mit mehr oder weniger transparenten und strengen Standards. Selbst Publisher könnten eins rausbringen und dadurch Greenwashing betreiben.

vgamer85 20 Gold-Gamer - - 25787 - 5. Juni 2021 - 14:58 #

Besser TÜV als irgendein finanziertes Influencer Urteil :-)

Harry67 19 Megatalent - - 19924 - 5. Juni 2021 - 8:18 #

Sehr schöne Zusammenstellung. Danke! Die gut formulierte Entwicklerentgegnung auf Dom Schotts Sklavereithema bringt Vieles gut auf einen verständlichen Punkt.

Eigentlich schade, dass die offizellen Marketingkanäle nicht ebenso transparent agieren, aber vermutlich interessiert das auch nicht allzuviele Spieler.

viamala 15 Kenner - 3057 - 5. Juni 2021 - 8:47 #

Heutzutage wird doch alles bewertet und in China sogar die Menschen. Also Bewertungen werden nicht mehr weggehen. Ich mag dieses dauernde glotzen auf Bewertungen nicht so in der realen Welt. Wie oft die auch daneben liegen. User-Bewertungen können dabei am primitivsten sein. Denke Bewertungen von Spieleseiten oder Blogs sind eigentlich schon wieder in der Mode. Und die Diskussionen ob Bewertungen bei Spielen Sinn macht ist eigentlich schon veraltet und wird seit 20 Jahren geführt. Denn wie gesagt heutzutage wird jeder Apfel bewertet und eingeordnet. Ist doch gar nicht so verkehrt das es einen Gegengewicht zur User Bewertung gibt und umgekehrt. Meiner Meinung nach.

Harry67 19 Megatalent - - 19924 - 5. Juni 2021 - 8:59 #

Wenn mit einer Bewertung eine gute nachvollziehbare Begründung einhergeht, stellt sie für mich eher eine Art Begeisterungsskala dar, aber nichts darüber hinaus.
Wenn jemand zu weit von meiner eigenen Begeisterungsfähigkeit entfernt ist, ist er halt nicht mein Typ. Oder im allerbesten Fall selber so begeisternd, dass ich dann doch mal meine Wertung überdenke.
Letztlich also eine Kommunikationsform ;)

viamala 15 Kenner - 3057 - 5. Juni 2021 - 9:14 #

Stimme zu :)

Unregistrierbar 18 Doppel-Voter - 9825 - 5. Juni 2021 - 9:08 #

Ohne jetzt den Artikel gelesen zu haben ein erster Gedanke zu Anno 1800:
welchen Sinn macht es, in einem Aufbauspiel sämtliche historischen Aspekte realistisch darzustellen?
Anno ist doch einfach nur ein Game und kein Geschichtsunterricht.

Harry67 19 Megatalent - - 19924 - 5. Juni 2021 - 9:11 #

Ich fand die Diskussion, die damals angezettelt wurde, auch albern.

euph 28 Endgamer - P - 105861 - 5. Juni 2021 - 16:44 #

Ich fand diesen anderen Blickwinkel zumindest mal interessant. Auf die Idee, das so zu sehen, wäre ich von alleine nie gekommen :-)

Harry67 19 Megatalent - - 19924 - 6. Juni 2021 - 6:58 #

Noch nie eine PETA Pressemitteilung zum Landwirtschaftssimulator gelesen? ;)

euph 28 Endgamer - P - 105861 - 6. Juni 2021 - 9:37 #

Ach klar, die PETA-Dinger, wer hat noch nicht darüber gelacht.

viamala 15 Kenner - 3057 - 5. Juni 2021 - 9:15 #

In diesem Fall sind das für mich akademische Scheindebatten.

euph 28 Endgamer - P - 105861 - 5. Juni 2021 - 16:43 #

Passt ja, dass Dom Schott Akademiker ist :-)

Selo 11 Forenversteher - 711 - 7. Juni 2021 - 9:44 #

Er hat sein Studium allerdings abgebrochen. Ist also Ungelernter. Aber das trifft ja auf viele Spielejournalisten zu.

euph 28 Endgamer - P - 105861 - 8. Juni 2021 - 7:28 #

Okay, das wusste ich nicht. Hatte irgendwie im Kopf, dass er einer der wenigen wäre, die das mal durchgezogen hätten, bevor sie im Spielejournalismus gelandet sind :-)

Vampiro 25 Platin-Gamer - P - 62025 - 8. Juni 2021 - 12:08 #

Das dachte ich auch. Gibt es evtl. eine Quelle? Er sagt ja z.B.:

"Ich habe Kulturwissenschaften, Psychologie und Archäologie an den Universitäten Heidelberg und Rom studiert."

Gut, studieren kann man auch 1 Semester. Das wäre auf jeden Fall gutes Selbstmarketing, überall was zur Geschichte zu sagen, weil man Archäologie (1 Überbrückungssemester ;) ) studiert hat :D Das würde ich jetzt gerne wissen :D

Elfant 24 Trolljäger - P - 56009 - 8. Juni 2021 - 18:27 #

Ich habe jetzt nicht den Folgennamen im Kopf und "kürzlich" umfasst in meiner Erinnung mehrere Jahre, aber er hat erzählt, daß er sein fortgeschrittenes Studium der Archäologie geschmissen hat, weil sein Professor eine Arbeit über Motive von altgriechische Vasen mit einer alternativen Deutung abgelehnt hat, weil sie, laut Dom, nicht seiner beziehungsweise der Lehrmeinung entsprach.
Ich meine, es ging darum, warum Menschen dort so dargestellt werden, wie sie dargestellt werden.

Vampiro 25 Platin-Gamer - P - 62025 - 8. Juni 2021 - 21:27 #

Danke!

Das klingt nach Dom :D

So spät das Studium schmeißen, weil man als Student nicht die Lehrmeinung in einer Uniarbeit umschmeiße darf, ist aber etwas hardcore.

Elfant 24 Trolljäger - P - 56009 - 8. Juni 2021 - 23:41 #

Ich kann ihn da schon verstehen. Laut ihm wurde die Arbeit nicht fachlich auseinander genommen und deswegen abgelehnt, sondern wegen persönlicher Präferenz abgelehnt und gar nicht angenommen worden. Das geht halt gar nicht.
Er hätte durchaus Alternativen gehabt und meinte auch, daß das Hinschmeißen nicht die beste Wahl war.

Danywilde 24 Trolljäger - - 116313 - 10. Juni 2021 - 9:52 #

Auseinandersetzungen mit Lehrern, Professoren oder Vorgesetzten sind ja nicht selten. Es ist immer schade, wenn es dann nicht mehr um Inhalte, sondern um persönliches geht. Deswegen sein gesamtes Studium zu schmeißen ist natürlich auch wirklich hart und kann auch mal weniger positiv ausgehen.

Danywilde 24 Trolljäger - - 116313 - 10. Juni 2021 - 9:48 #

An, dann ist er also kein Akademiker. ;)

Danywilde 24 Trolljäger - - 116313 - 5. Juni 2021 - 10:23 #

Das finde ich auch. Ich möchte z.B. in einem Hearts of Iron 4 auch nicht den Holocaust oder Stalins Säuberungen „nachspielen“. Ein Spiel ist immer eine Abstraktion der Realität und soll diese nicht 1:1 abbilden, dafür gibt es die Geschichtsbücher.

Unregistrierbar 18 Doppel-Voter - 9825 - 5. Juni 2021 - 10:36 #

Für mich wäre da eine Grenze. Den Zweiten Weltkrieg aus deutscher Sicht ohne Holocaust darzustellen (in der Story, nicht als Spielelement!), geht für mich nicht klar. Von anderer Seite ist das möglicherweise noch einigermaßen ok, es aufs Militärische zu beschränken.
In dem zusammenhang fände ich es interessant zu hören, was Afro-Amerikaner zum Thema Sklaverei sagen würden.

Vampiro 25 Platin-Gamer - P - 62025 - 5. Juni 2021 - 11:20 #

Ich fände das völlig ok. Zumal ein Frontsoldat im Zweifel wenig bis nichts von den Vernichtungslagern mitbekommen haben dürfte. Das muss man nicht künstlich in eine Story quetschen. Wenn man mit den Amis spielt, quetscht man ja auch keine Atombomben auf Zivilisten rein oder (v.a. bei den Briten) "moral bombing". Imho sind das alles hochkritische Themen, die dann behandelt werden müssten. Imho nicht zwingend im Spiel selbst, aber im Rahmen des Spiels, zB Einbau einer Info-Wiki, Videos oder ähnliches.

An Spielen aus deutscher Sicht ohne Holocaust fallen mir spontan die HoI-Reihe, Steel Division 2 (mit Kampagnen!), SD Normandy und Battle for Britain ein. Außerdem natürlich diverse weitere Strategiespiele, Taktikspiele, Wargames wie Unity of Command.

Beim Thema Sklaverei sollte man auch nicht vergessen, dass die Sklaven aus Afrika regelmäßig in Afrika von "Afrikanern" versklavt wurden und dann an die Europäer verkauft wurden. Es ist nicht so, dass Sklaverei nur von den bösen Europäern betrieben wurde. Und zwischen dem 16. Und 19. Jhd. Haben Afrikaner und Ottomanen von Nordafrika aus über 1 Mio Europäer versklavt (entführt und in Afrika verkauft).

Bluff Eversmoking 16 Übertalent - P - 5970 - 5. Juni 2021 - 13:13 #

Bitte jetzt keine bundesdeutsche Moralexzeßdiskussion. Der Stärkere setzt sich durch, und deswegen ist jeder gut beraten, sich im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte nicht nur mit Baströckchen und Gesichtstatauierungen, sondern auch mit Schwarzpulver, Schußwaffen, Nuklearwaffen zu beschäftigen. Denn letztlich hält nur das den Nachbarn (oder eben den Sklaveneinsammler) von ungebetenen Besuchen ab ;-)

Pomme 17 Shapeshifter - P - 8041 - 5. Juni 2021 - 13:22 #

Es geht darum, was ein Spiel will. Will es historisch wirken und irgendwie authentisch, sollte es auch die unangenehmen Themen aufgreifen. Sonst droht am Ende eine Verklärung. So im Stil von "Die Nazis waren die Bösen, hatten aber auch die geilsten Panzer".

Vampiro 25 Platin-Gamer - P - 62025 - 5. Juni 2021 - 14:10 #

Wenn es passt, auf jeden Fall. Aber mal, theoretisches Beispiel, was, wenn du das Leid eines deutschen Soldaten (als 3rd Person Story Shooter) zum Thema machst. Wird nie passieren, aber wie soll man da KZs einbauen?

Oder ein historisch möglichst authentisches Wargame wie War in the East 2 hat auch keine KZs (glaube ich). Und einen viel größeren Anspruch an historisch akkurat haben denke ich wenige Spiele.

Eines der imho coolsten Spiele hinsichtlich Krieg, leid, harte Entscheidungen ist imho This War of Mine, werfe ich jetzt einfach mal ein :)

Elfant 24 Trolljäger - P - 56009 - 5. Juni 2021 - 17:11 #

This war of mine ist ja eher der typische Problemfall: Der Spieler baut nur seine Destillenfestung auf, während er Zigaretten rollt und wartet alle 3 Tage auf den Händler um einzukaufen. Alles was seinen "Erfolg" gefährden könnte, passiert immer nur Andern wie die Bombe, welche auf ein Haus in Nachbarschaft stürzt. Prinzipiell wird auch jede gute Tat immer belohnt.

Ein meiner Meinung nach besseres Beispiel wäre das alte The Oregon Trail, wo schlicht der Zufall die "perfekte" Handlung des Spielers scheitern lässt.

Elfant 24 Trolljäger - P - 56009 - 5. Juni 2021 - 14:24 #

Ich würde da zuerst den Artikel empfehlen.

Slaytanic 24 Trolljäger - - 58972 - 5. Juni 2021 - 9:57 #

Vielen Dank für die Wochenend-Lesetipps. So kann ein Wochenende starten und jetzt folgen natürlich die Global Brothers. ;)

Tasmanius 20 Gold-Gamer - - 26482 - 5. Juni 2021 - 10:13 #

Sehr guter Text zu Anno 1800 :-).

Danywilde 24 Trolljäger - - 116313 - 5. Juni 2021 - 10:24 #

Wieder einmal vielen Dank für die Zusammenstellung der Interessenten Lesetipps!

TheRaffer 21 Motivator - - 29692 - 5. Juni 2021 - 11:04 #

Oh schön, die Lesetipps. Danke :)

Das Video war etwas anders, als ich es erwartet hätte. Dachte es kommen mehr Vergleiche. Oder ich habe es in der Geschwindigkeit auf Englisch nicht kapiert ;)

StefanH 21 Motivator - - 25023 - 5. Juni 2021 - 11:16 #

Da sind wieder ein paar echt interessante Artikel dabei. Vielen Dank für die Zusammenstellung schönes Wochenende allerseits!

Bluff Eversmoking 16 Übertalent - P - 5970 - 5. Juni 2021 - 13:07 #

Habe mich über sprachlich hölzerne Konstrukte wie "Entwickelnde" gewundert, und siehe da - das Binnen-I-Be-Gone-Browserplugin hat ja eine entsprechende Funktion, die man nur einschalten muß.

Da haben die Entwickelnden ja an die Benutzenden gedacht!

Necromanus 19 Megatalent - - 14256 - 5. Juni 2021 - 13:38 #

Wirklich sehr schöne Lesetipps. Habe ich mit großer Freude gelesen :-)

Telefon-Desinfizierer 11 Forenversteher - 805 - 5. Juni 2021 - 19:24 #

Was Spieledauer angeht, bin ich über jedes Spiel erfreut, das sich zu Ende spielen lässt, mir das Gefühl gibt, etwas geschafft zu haben, und meine investierte Zeit nicht entwertet durch sinnloses Strecken. Gestern habe ich Subnautica durch und das Gefühl hat sich eingestellt. Danke!

Q-Bert 21 Motivator - - 28586 - 6. Juni 2021 - 2:14 #

Der Insider-Text zu Anno 1800 ist wirklich interessant. Ich persönlich brauche in einem Aufbauspiel aber keine akurate, geschichtliche Aufarbeitung, es sei denn, genau das wäre der Kern des Spiels. Sklaven in Anno brauche ich daher genauso wenig wie Christenverfolgung in Total War: Rome oder Hexenverbrennungen in Stronghold.

Wo ich aber überhaupt nichts dagegen hätte, wären Spiele, die sich mit den genannten Themen explizit auseinandersetzen - indem sie die Perspektive umdrehen und eine Story bringen aus der Sicht eines Sklaven um 1800, eines Christen im römischen Reich oder einer rothaarigen Frau im Mittelalter.

Elfant 24 Trolljäger - P - 56009 - 6. Juni 2021 - 8:48 #

Die Aufarbeitung war ja auch weniger gefordert als die Adressierung. Wenn ich es recht gelesen habe, ist Anno 1800 das erste Anno, bei dem die Bevölkerung ohne DLC bei Unzufriedenheit aufbegehrt und streikt. Passt natürlich zum Thema der Industrialisierung. Bei 1503 war es das DLC und die Bevölkerung wurde zu Piraten und bei 1404 und 1701 waren es Sabotageaktionen, wobei in letzterem Revoluzzer eingesetzt wurde. Historisch Akkurat sieht anders aus, aber sie passen als Metaphern in ihre Zeit.
Jetzt ist Anno natürlich Kitsch, aber es setzt, soweit ich als Nichtspieler nachvollziehen kann, sowohl im Spiel als auch in der Werbung stark auf dem Imperalismus sowie die Industrialisierung. Der Arbeiterkampf oder die symbolträchtige Eisenbahn taucht auf, mir war es jetzt nicht möglich die Aspekte des Imperialismus im Spiel nachzuvollziehen. Zeitlich passt es natürlich.
Dons Kritik ist also zweischneidig, denn zeitlich nähren wir uns dem Ende dessen was wahrscheinlich die meisten mit den Bild der Sklaverei verbinden: Verbot des transatlantischen Sklavenhandel auf dem Wiener Kongress (Die Briten waren da echte Vorreiter um den USA eine auszuwischen), Verbote Sklaven zu halten und Sie freizulassen in den europäischen Kolonien (schon länger in den Mutterländern), Sklavenaufstände und letztlich der amerikanische Bürgerkrieg. Dieses Bild der Sklaverei hat also mehr mit der Zeit der Kolonialismus zu tun als mit dem Imperialismus, aber dies Erlaubt auch interessante Abwägungsentscheidungen zwischen dem "klassischen" und dem "modernen" Arbeitssklaven der Industrialisierung.

Harry67 19 Megatalent - - 19924 - 6. Juni 2021 - 9:14 #

Kolonialisierung ist ja eigentlich schon ein sehr direkt mit dem Imperialismus verbunden. Das würde ich nicht zu hart trennen.

Aber ich würde den Schwerpunkt bei Anno 1800 auch klar bei der Industrialisierung nach englischem Vorbild sehen.
Da wären maximal Gewerkschaften und Arbeiterrechte von mir aus auch Kinderarbeit noch eine vielleicht ganz spannende Note im Setting gewesen.

Elfant 24 Trolljäger - P - 56009 - 6. Juni 2021 - 10:14 #

Spontan kann ich Dir da nur über ein paar marxistischen Theorien folgen und auch da eher holprig. Jetzt einmal weg vom Urbegriff (Napoleon III. und Herrschergeschlecht) geht es im Imperalismus mehr darum die Kolonien nicht mehr als Enklaven zu behandeln, welche einem Geld bringen und sich Probleme wie Unerwünschtes abschieben lassen, sondern sie eng an sich zu binden. Beide sind sich zwar in vielen Punkten ähnlich, aber Kolonialismus kennt diese Machtbestrebung nicht und ist auch an stärker Abhängigkeiten zum Mutterland nicht interessiert. Überspitzt gesagt, gründet der Unabhängigkeitskrieg der USA in der Umstellung der Briten vom Kolonialismus zum Imperialismus.

Die Arbeitsrechte würde ich zumindest über die Streiks schon vertreten sehen.

Ganon 24 Trolljäger - P - 64935 - 6. Juni 2021 - 10:08 #

FAZ, Spiegel und Deutschlandfunk Kultur - interessant, wer inzwischen so alles über Spiele schreibt. Sind wohl doch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. ;-)

SupArai 23 Langzeituser - P - 41241 - 8. Juni 2021 - 10:32 #

Danke für eure Lesetipps, klasse aufbereitet und präsentiert! :-)

Gelesen habe ich den Artikel bei Ok, cool und finde den Einblick in die Spielewelt durchaus interessant - wenngleich er mich nicht überrascht. Ich muss mir nur meinen Arbeitsalltag anschauen und finde mich wieder - allerdings nicht auf der Seite der Entscheider... ;-)

Gewinnorientierte Unterhaltungsprodukte für den Mainstream/Massenmarkt müssen sich halt am kleinsten gemeinsamen Nenner orientieren. Und das gelingt Anno ausgesprochen gut, und sauerfolgreich ist es dazu. Ich gönne jedem seinen Spaß mit Triple-A Produkten und die vielen Fortsetzungen finanziell erfolgreicher Marken. Bin für mich mittlerweile (als ich jünger war, war das anders und vielleicht ändert sich diese Sichtweise auch wieder) aber einfach froh, dass es Alternativen zu den für mich ausgenudelten Formel-Formaten gibt.