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Valorant angespielt: Counter-Strike-Gefühl mit einem Schuss Overwatch

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linus Z 292 EXP - Redaktions-Praktikant,R6,S6
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28. Mai 2021 - 16:20 — vor 26 Wochen zuletzt aktualisiert

Teaser

Unser Schülerpraktikant Linus hat sich als Neuling an Valorant gewagt, das ihn schon länger reizte. Im Angespielt verrät er, warum er gerne Runde um Runde im Multiplayer-Shooter gestartet hat.
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Der Punktezähler zeigt 12:12. Beiden Teams fehlt nur noch ein Punkt zum Sieg. Wir sind in der Rolle der Angreifer. Schnell steht unser Plan fest: Wir werden zusammen auf Punkt B gehen. 3, 2, 1 und los! Hinter der ersten Ecke vermute ich bereits Gefahr und nutze die Fähigkeit meines Helden, ich kann die Feinde blenden. Wir gehen weiter und ein Kollege erledigt den überraschten Gegner, während ein anderer einen Überwachungsdart auf Punkt B abfeuert. Wir wissen nun genau, wo die anderen sind und rennen zum Ziel. Zwei weitere Gegner werden von uns erledigt. Ich platziere die Bombe, währenddessen stellen sich meine Teamkameraden so auf, dass sie alle möglichen Wege im Blick haben. Wir warten auf den letzten Angriff der übrigen beiden Gegner, doch der Countdown des Sprengstoffs läuft ab – wir haben gewonnen.

Ich erlebte einige spannende Matches dieser Art in Valorant, dem Online-Taktik-Shooter von League of Legends-Entwickler Riot Games, der am 2.Juni 2020 veröffentlicht wurde. Valorant ist im Kern wie Counter-Strike - Global Offensive. Zwei Teams von jeweils fünf Spielern kämpfen gegeneinander. Die Angreifer müssen den Spike (eine Bombe) an einer von zwei bis drei möglichen Stelle auf der Karte platzieren. Die Verteidiger müssen sie daran hindern, indem sie das andere Team ausschalten oder den aktivierten Spike rechtzeitig entschärfen.

Angriff durch Wände – ganz ohne Wallhack
Jeder Spieler hat ein Leben pro Runde und das Team, das zuerst 13 Runden für sich entscheidet, gewinnt das Match. Eine komplettes Match dauert in der Regel zwischen 30 und 60 Minuten. Valorant ist also kein Spiel für zwischendurch. Was den Riot-Shooter von Counter-Strike unterscheidet: Ihr wählt zu Beginn des Matches einen Agenten aus und euch stehen neben euren Waffen noch die spezifischen Heldenfähigkeiten des Agenten zur Verfügung. Die Kräfte funktionieren zum Großteil wie Granaten mit extra Funktionen. Zum Beispiel kann Reyna Flashbangs in Form eines schwebenden Auges durch Wände werfen.

Außerdem gibt es mächtige Ultimate-Skills, die sich durch Kills oder das Aufsammeln besonderer Pick-Ups aufladen. So kann Sage sogar ein totes Teammitglied wiederbeleben. Diese Fähigkeiten helfen, gleichen aber nicht fehlenden Skill aus. Ähnlich wie bei Counter-Strike sind Karten-Kenntnisse und guter Aim essentiell.

Beim erstmaligen Spielen werdet ihr durch ein Tutorial bestehend aus Parcours und Schießübungen mit Bots in die Steuerung des Spiels eingeführt. Das Tutorial gibt euch auch die Möglichkeit, die Maus-Sensitivität auf das für euch optimale Niveau einzustellen. Anschließend werdet ihr auf den Hauptbildschirm geführt, den ich sehr übersichtlich und verständlich finde.

Die ersten Schritte
Bevor ihr eine Runde im Rang-Modus spielen könnt, müsst ihr 13 Siege in öffentlichen Spielen einfahren. Das ist nicht so gut gelöst, da es mit schweigsamen Teammates (wovon es in öffentlichen Spielen sehr viele gibt) schwierig sein kann, zu gewinnen. Kommunikation und Zusammenarbeit sind essentiell in Taktik-Shootern und das gilt auch für Valorant. Ihr startet außerdem nur mit ein paar Agenten. Die restlichen könnt ihr erspielen oder mit Gutscheinen aus dem kostenlosen Battlepass freischalten.  

Wie schon erwähnt ähnelt Valorant in vielen Punkten Counter-Strike. Doch nicht nur das grundlegende Gameplay orientiert sich an Valves Klassiker: Vor jeder Runde gibt es eine Kaufphase, in der sich Spieler mit Ausrüstung und Waffen bestücken. Je besser ihr spielt und je mehr Runden ihr gewinnt, desto höher fallen eure Credits aus, mit denen ihr die gewünschten Gegenstände für die nächste Runde bezahlt. Beim Einkaufen müsst ihr auch eure Fähigkeiten aufstocken, von denen ihr nur eine Handvoll pro Runde habt.

Die Handhabung der Ökonomie des eigenen Teams ist eine der Anforderungen, vor der viele Shooter heutzutage zurückschrecken, aber Valorant macht es jedem Spieler einfach. Habt ihr zu Beginn der Runde einen Fehlkauf gemacht, könnt ihr (anders als in Counter-Strike) euer Equipment einfach abgeben und das ausgegebene Geld wieder reinholen. Eine kleine, aber clevere Änderung, die auch Neueinsteigern hilft.  
So sieht ein gelungener Rush aus: Die Gegner rechts werden abgeblockt und der noch Lebende hat nicht mehr lange zu leben.

Keine Innovations-Bombe
Gameplay und Waffenmechaniken erinnern ebenfalls an Counter-Strike. Map-Kenntnisse, das Ausrufen der Gegnerposition, Teamwork und Pre-Aiming sind ebenso wichtig wie euer pures Zielvermögen. Die niedrige Time-To-Kill kann für Anfänger jedoch sehr demotivierend sein, da ihr sehr schnell aus dem Spiel ausscheiden und als Zuschauer enden könnt. Doch jeder, der in seinem Leben schonmal für längere Zeit Counter-Strike gespielt hat, egal in welcher Version, fühlt sich gleich wie zu Hause.  

Die Grafik und Animation der Charaktere wirken aber oftmals fad und manchmal lieblos. Dies gilt ebenfalls für die Agenten des Spiels. Die Helden besitzen nicht ansatzweise den Charme der Charaktere aus Overwatch (im Test, Note 9.5). Zwar stechen ein bis zwei Charaktere hervor, aber das rettet den platten Gesamteindruck auch nicht. Der Mangel an Innovation fiel mir auch bei den Fähigkeiten auf. Manche sind fast eins zu eins aus dem Blizzard-Shooter kopiert. 

Fazit
Für mich ist Valorant ein sehr gelungener Taktik-Shooter, obwohl die Einflüsse von CS:GO und Overwatch so klar zu erkennen sind. Durch die wenig anspruchsvolle Grafik läuft Valorant auch auf nicht so leistungsstarken Rechnern flüssig, was zu den hohen Spielerzahlen und kurzen Wartezeiten beiträgt. Mit seiner steilen Lernkurve und dem Hardcore-Fokus merke ich Valorant aber auch an, dass Riot Games mit dem Multiplayer-Shooter in Richtung eSport gehen will. Das muss nichts Schlechtes sein, für Casual-Spieler wird so aber eine harte Einstiegshürde geschaffen.

Autor: Linus Z., Redaktion: Hagen Gehritz, Dennis Hilla (GamersGlobal)
Hagen Gehritz Redakteur - P - 77708 - 28. Mai 2021 - 16:32 #

Viel Spaß mit dem Angespielt-Bericht von Linus.

Jac 19 Megatalent - P - 14137 - 28. Mai 2021 - 21:50 #

Danke für diesen Artikel und deine Einschätzung. Ich glaube auch, dass man mit Valorant viel Spaß haben kann. Dann aber eher als feste Gruppe und da fehlen mir selbst Leute, die sich für FPP begeistern können. Wäre das anders, würde ich sicher reinschauen.

SupArai 24 Trolljäger - P - 47408 - 29. Mai 2021 - 10:43 #

Tja, solche Spiele haben in meinem Spielerdasein noch nie einen Platz gefunden.

Valorant habe ich mir, wie ich mich nun wieder erinnere, ein bisschen bei Stream angeschaut, als es gerade am Spielerhimmel aufstieg... Nun, den Reiz solcher Titel kann ich schon nachvollziehen. Sich gegenseitig abknallen, Bomben legen und zünden, Superkräfte einsetzen. Gut, daß diese Gelüste virtuell ausgelebt werden können. ;-)

Geronic89 14 Komm-Experte - 2146 - 29. Mai 2021 - 12:28 #

Leider wieder ein Multiplayertitel der reizt, welches aber durch die toxische Community mir allerdings sauer aufstößt. Damit ist der Titel nicht nur selbst gemeint, sondern Multiplayer-Titel allgemein. Selten findet man "ruhige" Spiele wo im Team gespielt wird. Von Ranked-Matches will ich gar nicht erst anfangen. Mit Freunden mach es sicherlich mehr Spaß. Die Einstiegshürde sehe ich nicht mal als negativen Punkt. Ich persönlich liebe es, mich in einen Titel hinein zu fuchsen. Aber wie gesagt... meistens ist die Community, solcher Titel, toxischer Natur.

Punisher 21 Motivator - - 29059 - 29. Mai 2021 - 15:43 #

Ich spiele inzwischen Multiplayer nur noch mit Leuten im Team, die ich kenne bzw. im eigenen Partychat. Die Ingame-Sprachlobbies der Spiele vermeide ich wo es geht weil ich mich dort abwechselnd für meine Mitmenschen gradaus schäme oder nen dicken Hals bekomme.

Jac 19 Megatalent - P - 14137 - 30. Mai 2021 - 21:20 #

Sollte mit einer Gruppe befreundeter Spieler kein Problem sein. Heute lässt sich ja praktisch überall der In-Game-Chat abschalten, dann ist Ruhe.

Mitarbeit
Action
Egoshooter
16
Riot Games
Riot Games
01.06.2020 (PC)
Link
7.5
PC