Spiele-Check: Mutropolis – Point-and-Click im Jahr 5000
Teil der Exklusiv-Serie Spiele-Check

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9. März 2021 - 13:05
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Das Adventure Mutropolis ist das Erstlingswerk des spanischen Zwei-Personen-Studios Pirita. Die kreativen Köpfe Beatriz Gascón and Juan Pablo González wählten dafür den klassischen Point-and-Click-Ansatz, siedelten ihre Handlung aber im Jahr 5000 der Menschheitsgeschichte an und erkoren ein Team von Archäologen zu ihren Hauptcharakteren. Durch diesen Kniff wird die Geschichtsforschung in unsere Gegenwart verlegt, sodass statt alter Tonkrüge der Walkman in den Fokus der Gelehrten rückt. Ob dieser interessanten Exposition auch ein interessantes Spiel folgt, lest ich ihr im heutigen Spiele-Check.

Wieder ein Kataklysmus
Wir schreiben das Jahr 5000 und unser geliebter blauer Planet hat es mal wieder nicht geschafft. Eine Katastrophe biblischen Ausmaßes hat die Menschheit ins interstellare Rettungsboot gen Mars getrieben. Das Wissen um die alte Heimat verblasste mit der Zeit, sodass es heute an den Gelehrten ist, die Lücken in den Geschichtsbüchern zu füllen. Zu diesem Zwecke buddelt der dezent schrullige Protagonist Dijon auf einer Expedition in den Ruinen der uns bekannten Zivilisation. Graffitis sind die Höhlenmalereien der Zukunft und eine antiquierte Maurerkelle, das liebste Arbeitsgerät unseres Helden, sorgt immer wieder für kollegiales Gelächter. Das Lachen bleibt dem Team jedoch im Halse stecken, als Professor Totel, der Leiter der Ausgrabung, entführt wird. Ob dessen Obsession für die sagenumwobene Stadt Mutropolis mit dem Verschwinden zu tun hat?

Die Suche nach dem alten Mann gestaltet sich als klassisches Point-and-Click-Adventure. Wir führen englisch vertonte (aber deutsch lokalisierte) Dialoge, stibitzen jeden Gegenstand der nicht niet- und nagelfest ist und probieren und kombinieren was das Zeug hält. Die Rätsel sind durchaus logisch konstruiert, zumindest im Nachhinein, geizen aber auch nicht mit Fallstricken. Da wäre zum Beispiel der Verzicht der Entwickler auf eine Hotspot-Anzeige oder andere Spielhilfen, sodass wir mitunter den Bildschirm Pixel für Pixel nach einer etwaigen Tür oder einem notwendigen Gegenstand absuchen mussten. Dies zum Teil auch mehrfach, weil manches Objekt erst durch einen Dialog „aktiviert“ wird.
Im Büro von Professor Totel nehmen wir die Spur des Vermissten auf.
Rätsel-Déjà-vu
Eher untypisch für das Genre verwendet das Spiel die Lösungen einiger Rätsel in abgeänderter Form wieder. So mussten wir etwa zweimal im Spiel die Temperatur von Gegenständen mit Hilfe der gleichen wissenschaftlichen Apparatur verändern. Im ersten Anlauf benötigten wir hierfür lediglich eine Vergleichsprobe, beim nächsten Mal gleich einen ganzen Sack voll davon. Dieses Design-Recycling geht natürlich zu Lasten der Abwechslung und sorgt bisweilen für Frust, weil man für eine aktuelle Problemstellung nicht unbedingt die bereits bekannten Lösungen in Betracht zieht. Gleiches gilt für Gegenstände, die an mehreren Stellen im Spiel zum Einsatz kommen.

Ungewöhnlich ist auch der grobe, flächige Zeichenstil des Spiels, der jedoch eine willkommene Abwechslung zum gewohnten Comic- und Retro-Look der meisten Genrevertreter darstellt. Auch was das Erzähltempo anbelangt, geht das Spiel „eigene“ Wege. Einerseits führt das Spiel interessante Charaktere wie die sinistere Cobra oder eine mysteriöse Frau im Vogelkostüm ein, anderseits kommt die Handlung um die Figuren und die titelgebende Stadt nur langsam in Fahrt. Beim Szenario wurde ebenfalls viel Potential verschenkt. Zu keinen Zeitpunkt wirkt die Reise in das Jahr 5000 glaubhaft, alleine was die dargestellte Architektur und Technologie anbelangt. Zudem wird der Kniff, das hier und jetzt zur archäologischen Antike der Zukunft zu transformieren, abseits einiger popkultureller Referenzen und Witze kaum genutzt. Hier wäre mehr möglich gewesen.
Wer ist die Frau im Vogelkostüm?
Fazit
Mutropolis kombiniert handwerklich solide die Zutaten der klassischen Adventure-Küche und garniert das Ergebnis mit einer interessanten Ausgangsposition, indem es das 21. Jahrhundert zum archäologischen Forschungsgegenstand der Zukunft macht. Abseits der Darstellung von Wonder Woman als Heldin dieser Neo-Antike und anderen zeitgenössischen Anspielungen verpufft das Potenzial dieser tollen Idee leider stark. Auch die Geschichte um Atlantis, Z, Shangri-La oder wie auch immer Mutropolis in der Abenteuerliteratur bereits genannt wurde, kommt für meinen Geschmack zu langsam ins Rollen. Am Ende bleibt ein solides Point-and-Click-Adventure, dem der rechte Biss fehlt.
  • Solospiel für PC
  • Point-and-Click-Adventure
  • Für Einsteiger und Fortgeschrittene
  • Erhältlich seit 18.2.2021 für 19,99 Euro
  • In einem Satz: Solides Adventure mit angezogener Handbremse.

Video:

euph 28 Endgamer - P - 105216 - 9. März 2021 - 13:08 #

Erinnert mich irgendwie an Broken Age.

xan 18 Doppel-Voter - P - 11179 - 9. März 2021 - 13:28 #

Schade eigentlich. Ich finde das Szenario hat viel Potential und die Optik stimmt für mich auch, aber wenn das spielerische und noch viel schlimmere die Geschichte einen nicht mitnimmt, reicht es damit nicht.

TheronInc 13 Koop-Gamer - P - 1720 - 9. März 2021 - 13:42 #

Erinnert mich irgendwie an Tangle Tower.

ZockerVater 23 Langzeituser - - 38702 - 9. März 2021 - 13:47 #

Danke für den Check. Wie ist denn so die Spielzeit?

mrkhfloppy 22 AAA-Gamer - 34774 - 9. März 2021 - 13:57 #

Steam sagt mir, dass ich etwa 14 Stunden gespielt habe. Ich nehme an, das ist eine Art Netto-Wert und ich bin auch noch nicht durch. 10 bis 15 Stunden ist auf der Steam-Seite selbst als Abgabe zu finden, das klingt realistisch.

Noodles 24 Trolljäger - P - 64720 - 9. März 2021 - 15:35 #

Klingt ja nicht so super, auf anderen Seiten kommt das Spiel besser weg. Ich lass es mal auf meiner Wunschliste. ;) Muss sagen, dass ich es gut finde, dass Application Systems Heidelberg die Adventure-Fahne so hochhält, sie haben in den letzten Jahren einige Adventures veröffentlicht und es sind auch schon weitere angekündigt. :)

Old Lion 27 Spiele-Experte - 77650 - 9. März 2021 - 17:48 #

Instabuy.

Ganon 24 Trolljäger - P - 64266 - 10. März 2021 - 12:01 #

Man komt ja kaum hinterher mit den Checks. :-)
Adventures sind immer gern gesehen und die Idee klingt ja nett, aber wenn es bei der Umsetzung so hapert, werde ich wohl verzichten.

TheRaffer 21 Motivator - - 29314 - 10. März 2021 - 14:34 #

Point & Click muss unterstützt werden, auch wenn es nicht jedes Mal ein neues DotT sein kann. Kommt auf die Wishlist :)

Danke fürs Checken!

schlammonster 30 Pro-Gamer - P - 220270 - 14. März 2021 - 9:39 #

Klingt, als bräuchte man eine gehörige Portion der vielgerühmten "Suspension of disbelief". Einerseits auf dem Weg zum Mars, andererseits buddelt man doch auf der Erde - was denn nun? Und ".. den Bildschirm Pixel für Pixel ... absuchen" geht mMn heutzutage gar nicht mehr und klingt nach künstlicher Spielzeitstreckung. Da ich noch Beyond a Steel Sky auf dem MoJ hab, schafft es dieses Spiel wohl nicht auf selbigen. Danke für den Check :)