Cersei an die Front!

Jörgspielt: Game of Thrones The Board Game – Digital Edition
Teil der Exklusiv-Serie Jörgspielt

PC MacOS
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Jörg Langer 414755 EXP - Chefredakteur,R10,S10,C10,A10,J9
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7. Oktober 2020 - 17:30 — vor 3 Wochen zuletzt aktualisiert

Teaser

Das wunderschöne, Diplomacy-inspirierte Brettspiel wurde von Asmodee in der 2nd-Edition-Variante plus Vasallen-Regelung auf Windows und Mac umgesetzt. Jörg berichtet von seiner ersten Niederlage.
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Seit 2005 oder so, zuletzt leider kaum noch, spiele ich das 2003 erschienene Der Eiserne Thron – so lautet der deutsche Name von Game of Thrones  - The Board Game aus dem Hause Fantasy Flight Games. Ein halbes Jahr später kam bei  mir noch die Expansion Die Thronkriege (A Clash of Kings) dazu. Der für maximal sechs Kontrahenten ausgelegte Eroberungsreigen ist einer meiner Lieblingsbrettspiele, da es simple Regelmechanik mit großer Spieltiefe verbindet.

Die gestern erschienene Digital Edition von Asmodee bildet die 2011 erschienene 2nd Edition ab, die neben etlichen Regelklärungen auch die beiden Expansionen des Erstlings eingearbeitet hat (also auch noch Sturm der Schwerter) – und damit unter anderem Häfen, Wildlingskarten sowie Belagerungsgeräte. Sogar das Vasallen-System (nicht aber die Essos-Zusatzkarte sowie Daeneris Targaryen als Fraktion) aus der Expansion A Mother of Dragons ist enthalten.

Diese Einleitung war für Kenner des Brettspiels, und in fortgesetzter Verkennung jeglicher Artikelstrukturkonventionen folgt jetzt die Begrüßung zum ersten Jörgspielt nach längerer Pause (Hallo!) und die Erklärung, was Game of Thrones - The Board Game eigentlich ist und wieso ich es liebe. Danach erfahrt ihr tatsächlich was zu der vor 24 Stunden erschienenen Umsetzung.
 
Zoomt man maximal raus, sieht man abstrakt ganz Westereos auf einen Blick. Wundert euch nicht über die Auflösung, ich spielte auf einem 4K-Mac.

Das ist Game of Thrones als Brettspiel
Game of Thrones - The Board Game ist im Prinzip ein komplexeres Derivat von Diplomacy. Ihr wisst schon, jenes Brettspiel, bei dem europäische Kriege dadurch geführt werden, dass die Spieler reihum Bewegungsbefehle für ihre Armeen und Flotten auf kleine Zettelchen schreiben ("Frankreich -S- Spanien"), die dann aufgedeckt werden und bestimmen, wer wen aus welchem Gebiet vertreibt oder gar auflöst.

Vor allem zwei Dinge erinnern beim Game of Thrones Brettspiel daran: Das verdeckte Legen von Befehlen, die erst danach für alle Spieler in verschiedenen Phasen ausgeführt werden. Zweitens gibt es wie dort einen "Support"-Befehl, mit dem angrenzende Armeen andere unterstützen können. Auch das besiegte Feinde in der Regel erst mal zum Rückzug gezwungen statt vernichtet werden, kenne ich so noch aus Diplomacy.

Trotz der relativen Kompaktheit der Regeln kann ich die hier nicht umfassend wiedergeben, aber ich versuche einen Überblick: Zu Beginn einer Runde werden erst mal drei Westeros-Karten ausgespielt. Das sind Ereigniskarten, die großen Einfluss auf die kommende Runde haben: Welche Art von Befehlen wird verboten, darf mal wieder rekrutiert werden, wird auf die Einflussleisten geboten. Letztere bestimmen den Inhaber des Eisernen Throns (entscheidet alle Patts außerhalb von Schlachten, wie er möchte), den obersten Lehensherrn (der gewinnt alle Schlachten-Patts) und den Besitzer des Schwarzen Raben (dieser darf, nachdem alle Befehle aufgedeckt wurden, einen eigenen Befehl ändern oder die oberste Wildling-Karte untersuchen).

In Phase 2 werden die Befehle als runde Pappmarker gelegt: Jedes Gebiet mit einer Armee darf einen Befehl bekommen (maximal kann man 15 Befehle geben) – wobei die Versorgungslage bestimmt, wie viele Armeen oder Flotten größer als eine Figur ich besitzen darf. Versorgung, Siegpunkte und Co. sind an die Territorien gekoppelt. Die Befehle, die man hier legt, sind erstmal nur die Grundkategorie (Bewegen/Angreifen, Unterstützen, Plündern, Verteidigen oder Einfluss ausweiten) – im Detail ausgeführt werden sie erst in der dritten Phase.

Nachdem alle Befehle aufgedeckt sind, beginnt vor dem echten Spielbrett bereits das Fluchen oder Jubilieren, denn Kenner können daraus schon vieles ablesen. Nach bestimmten Regeln werden nun die Befehle abgearbeitet (zuerst kommen Plünderungen, dann die Bewegungen usw.), und zwar abwechselnd reihum. Hat ein Spieler noch Befehle einer Kategorie übrig und die anderen nicht mehr, spielt er diese am Stück aus. Erst in Phase 3 entscheidet man sich, ob und wie man die gelegten Marker ausspielt: Was als Vormarschbefehl geplant war, kann zum Beispiel immer noch eine Bewegung nach hinten werden, wenn der Feind eine Schlacht gewonnen hat. Beliebt ist es auch, Befehle nur zur Täuschung zu legen, obwohl man sie gar nicht auszuführen gedenkt. Oder durch spätes Ausführen eines Bewegungsbefehls den Gegner davon abzuhalten, vorher seinerseits eine riskante Aktion durchzuführen.
Was für eine knappe – und folgenschwere – Niederlage... Mein Fraktionsführer (keine Angst, in der Runde drauf hat man die Karte wieder) verliert gegen Tywin Lannister.

Die Kämpfe beim Reinziehen in ein feindliches Gebiet werden sofort, nach einfachen Prinzipien und ohne jedes Würfeln ausgetragen: Fußsoldaten und Schiffe haben Stärke 1, Ritter Stärke 2, Belagerungswaffen gegen Festungen Stärke 4 (die Zahl der Kampfeinheiten pro Fraktion ist begrenzt, u.a. sind es maximal fünf Ritter und zwei Belagerungsgeräte). Diverse Modifikatoren (durch Bewegungsbefehl "+1" z.B.), Verteidigungsbefehle und Unterstützungen können die Stärke beider Seiten noch verändern, aber ansonsten gewinnt der, die höhere Stärkesumme hat (beim Patt entscheidet, wer auf der Lehensherr-Rangstufe höher ist). Halt! Hier kommt dann doch noch das eine Unsicherheitselement ins Spiel... die Hauskarten.

Während sich nämlich die Truppentypen (es gibt eh nur vier) der sechs enthaltenen Häuser Stark, Baratheon, Lannister, Greyjoy, Martell und Tyrell nicht unterscheiden, ist das bei den "Hauskarten" ganz anders: jede Fraktion hat sieben bekannte Game-of-Thrones-Persönlichkeiten als Karte, die pro Runde einmal ausgespielt werden können. Und zwar im Kampf. Sie addieren aber nicht nur ihre Stärke zur Armee, sondern teils noch Schwert- (verursachen einen Verlust) und/oder Mauernsymbole (verhindern einen Verlust). Oft bringen sie auch noch eine Spezialregel mit sich ("Wenn du gewinnst, wandele einen Fußsoldaten in einen Ritter um" oder "der Gegner muss seine Hauskarte ablegen und eine andere ziehen"). Da beide Kontrahenten ihre Karte verdeckt aussuchen, weiß man erst beim Aufdecken, wie der Kampf wirklich laufen wird – außer, der Feind hat schon die meisten verwendet in dieser Runde.

So geht es reihum, bis nach zehn Spielrunden dasjenige Haus mit den meisten kontrollierten Königskronen-Symbolen gewinnt (oder bereits vorher, wenn es sieben Kronen am Ende einer Runde hat).

Was mich an Der Eiserne Thron so fasziniert, ist das tolle Verhältnis zwischen "wenigen Spielregeln" und "großer Komplexität", die immer wieder für spannende Situationen sorgt. Man muss prognostizieren, was der Gegner wohl an Befehlen legen wird, man muss selbst möglichst flexibel bleiben, und vor allem weiß man nie, ob ein Kurzzeit-Verbündeter noch eine weitere Runde lang treu bleibt oder einem schon diesmal in den Rücken fällt. Nichts auf dem Spielplan oder bei den Materialien ist unnütz, vieles hat eine doppelte Funktion. So dienen die EInflussmarker zum einen fürs Bieten auf die Rangleitern, zum anderen als Besatzungsmarker, den man legen kann, wenn man die letzte Figur aus einer Region herauszieht, um weiterhin die Kontrolle zu behalten.
 
Weil die vier Spieler (mich eingeschlossen) zu knausrig waren, verliert die Nachtwache gegen die Wildlinge. Das wird mit Degradierungen diverser Ritterfiguren bestraft...

Game of Thrones The Board Game – Digital Edition
Und damit zur Digital Edition. Die ist erst gestern um 18:00 Uhr erschienen, ich habe neben den drei freundlicherweise enthaltenen, guten interaktiven Tutorials (nach denen auch Einsteiger das Spiel zu etwa der Hälfte kapiert haben dürften, der Rest kommt dann halt durchs wirkliche Selberspielen) und einer von mehreren enthaltenen "Herausforderungen" – im Prinzip kleine Szenarios – erst eine Partie an- und eine durchgespielt. Letztere, hüstel, aber lassen wird das. Online gespielt habe ich nicht, aber das werde ich sicher bald mit einem alten Brettspiel-Kumpel.

Im "Geplänkel" genannten Modus tritt man also gegen die KI an. Man stellt ein, welche der sechs Spieler überhaupt mitmachen und welches Haus jeder spielt. Als Variante darf man auch ein oder mehrere Adelshäuser zu "Vasallen" machen. Dann darf immer der aktuelle Inhaber des Eisernen Throns bestimmen, welchen Vasallen er spielen will, danach kommt der zweite auf dieser Rangleiter zum Zug, et cetera. Die Vasallen können nur zwei (eingeschränkte) Befehle pro Runde bekommen, aber das reicht, um den echten Fraktionen Steine in den Weg zu legen. Ebenfalls einstellen lässt sich, ob mit den "Tides of Battle"-Karten gespielt werden soll, mit denen die Kämpfe unberechenbarer und oft verlusreicher werden. Jedem der KI-Kontrahenten kann man zudem eine von drei Fähigkeitsstufen geben.

Das Brettspiel ist aus meiner Sicht fast perfekt umgesetzt: Die vergleichsweise schöne Grafik mit ihrer zoomenden Westeros-Karte bleibt immer übersichtlich, die Bedienung ist idiotensicher, alle wichtigen Infos sind direkt oder nach einem Klick zu sehen. Nicht mehr ausführbare Befehlsmarker werden gelöscht, illegale Bewegungen verhindert. Nur wenn man zu viele Figuren in ein Feld zieht, lässt einen das Spiel erst mal machen, um dann nach dem Klick auf "Befehl bestätigen" zu monieren, dass etwas nicht geht, und den Befehl rückabzuwickeln. Komisch, aber nicht weiter störend und mit einem gewissen Lernerfolg verbunden. Man kann sich per Menü die Regeln ansehen, es gibt sinnvolle Mouse-Over-Texte. Viel besser kann man das nicht umsetzen.

Doch ist gegen die KI auch ein ganz wichtiger Aspekt enthalten, nämlich Diplomatie und Verrat? Jein. Wenn man in einer KI-Partie auf den Chat-Reiter geht, hat man dort drei Möglichkeiten: Alle Fraktionen vor einem Spieler oder bezüglich einer Region zu "warnen", um Unterstützung zu bitten oder eine Allianz einzugehen". Das funktioniert schon ganz gut (natürlich halten sich die Computergegner nicht an Abmachungen oder nicht sehr lange, das muss so sein!) – aber die besondere Perfidie und das "Metagame" des Verhandelns und Betrügens unter Menschen kann das nicht einmal ansatzweise ersetzen. Dafür gehen KI-Partien schön flott von der Hand und sind in ein bis zwei Stunden (statt auf dem Brett mit Menschen auch mal fünf bis sieben Stunden) beendet.
Diplomatie mit KI-Fraktionen ist rudimentär (siehe Leiste links), aber immerhin vorhanden.

Mir reichten übrigens drei mittelschwere KIs (bei zwei Vasallen, von denen ich in jeder Runde einen steuerte!) aus, um mich bei der ersten vollen Partie in die Niederlage zu treiben... Lacht nicht. Es war nicht der Pfeil im Knie oder dass die 2nd Edition (die ich nicht besitze) einige Regeländerungen hat. Auch nicht das für mich neue Vasallensystem oder die Tide-of-Battle-Karten. Sondern schlicht Selbstüberschäzung. Nachdem ich als Haus Baratheon (die auf der Dracheninsel im Osten von Westeros starten) frühe Erfolge gegen Haus Lannister erzielte, zumal ich Haus Tyrell (südlich von Lannister) kontrollierte, fiel mir bald mein "Verbündeter", das Haus Martell (aus der Wüste im Südosten) in den Rücken. Haus Stark schoss mir eine Flotte ab und drängelte sich in meine Gebiete, und ich durchstieg nicht ganz die bei fortgeschrittener Partie gerne hochkomplexen Unterstützungs-Modifikatoren bei meinen mutigen Angriffen. Kurzum, binnen von zwei Runden hatten mich drei Kontrahenten vom Status der mächtigsten Einzelmacht zurück in die, nun ja, Steinzeit gebombt.

Aber wisst ihr was? Das hat mich nur angestachelt. Und ich habe ja noch die Spielstärke "Stark" zur Auswahl, falls ich es bei der nächsten Partie besser mache. Ich muss auch mal sehen, wie groß die (Karten-) Änderungen zwischen der 2nd Edition und meiner 1st Edition inklusive Clash of Kings sind – denn ich glaube, ich hätte Lust, mir eine Partie auf dem wunderschönen Brett aufzubauen, mit ihren feinen Holzmarkern (bei der 2nd Edition sind es Plastikfiguren) – und dann die Digital Edition quasi nur als "Schachcomputer" zu benutzen...

Sollte ich euch Lust auf das Brett- oder Digitalspiel gemacht haben: Letzteres gibt es auf Steam für zur Zeit noch vergünstigte rund 15 Euro (Windows und MacOS), wann die angekündigte iOS-Fasung erscheint, konnte mir Asmodee heute auf Nachfrage noch nicht sagen. Und sollte es euch nach dem Brettspiel gelüsten, hier zwei GG-Partnerlinks:

Eiserner Thron (2nd Edition), aktuell 54,90 Euro
Eiserner Thron: Mutter der Drachen, aktuell 39,95 Euro

Bis zur nächsten Folge von Jörgspielt!
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