Spiele Check: What Happened – Wie konnte das geschehen?
Teil der Exklusiv-Serie Spiele-Check

PC
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SupArai 28974 EXP - 21 Motivator,R9,S7,C6,A10,J10
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12. August 2020 - 10:11 — vor 10 Wochen zuletzt aktualisiert
Nach rund sechs Stunden habe ich What Happened mit dem „schlechten Ende“ abgeschlossen. Einem Finale irgendeiner Art fieberte ich zu diesem Zeitpunkt schon lange entgegen. Aber dass mir zum Abschluss mitgeteilt wird, ich hätte den Protagonisten retten können, wenn er mir nicht so egal gewesen wäre, frustrierte und ich fragte mich: Hat mich der Titel wirklich Entscheidungen treffen lassen?
Um das Spiel zu starten, müsst ihr im ausgelagerten Starthub an der Klospülung ziehen.

Ausgangssituation
In What Happened spielt ihr den Teenager Stiles. Der befindet sich, gelinde gesagt, in einer Multiproblemsituation: Seine Freundin Maya hat ihn verlassen und ist nun mit seinem besten Freund Ben zusammen. In der Schule wird er gemobbt und von einem Typen verprügelt. Zudem belastet ihn ein schwerer Schicksalsschlag und er leidet an einer psychischen Erkrankung, die sich in regelmäßigen Zwiegesprächen mit seinen destruktiven Gedanken und einer verzerrten Wahrnehmung der Realität widerspiegelt. Außerdem konsumiert er Drogen. Mit der Einnahme eines LSD-Trips auf dem High-School-Klo beginnt die Odyssee für Stiles – und für mich.
Ein Blick in den Spiegel und ihr seht euer Antlitz. Ich gehe davon aus, dass die Darstellung der Haare ein Bug ist – sicher bin ich mir aber nicht.

Seichtes Gameplay
Ihr steuert Stiles mit Gamepad oder Maus und Tastatur durch die Spielwelt, Hauptschauplätze sind die High School oder seine Gedankenwelt. Neben offeneren Arealen findet das Geschehen auch in abgeschlossenen Räumen statt. Die Grundmechanik bleibt jedoch gleich: Ihr sucht nach relevanten Orten um ein Ereignis zu triggern, damit es weitergeht, ihr müsst ein Objekt finden oder mit einem Gegenstand interagieren. Um richtige Rätsel handelt es sich nicht, vielmehr nutzt ihr Zugschalter von Lampen, macht euch auf die Suche nach Glühbirnen und schraubt sie in eine Fassung, durchsucht Schubladen nach Schlüsseln oder Briefen. Zudem gilt es Fluchtsequenzen zu bestehen und labyrinthartige Gebilde zu durchqueren. Da mir in vielen Abschnitten nicht klar war, was ich zu tun hatte, irrte ich ziellos herum - bei der Spielerführung bekleckert sich der Titel nicht mit Ruhm. Außerdem erwarten euch im Spielverlauf unzählige Korridore und Gänge, die euch mit psychedelischen und verzerrenden Effekten penetrieren.
Hier gilt es die Glühbirne und die Tür farblich korrekt zuzuordnen. Es ist die einzige Handlung, die ich als „leichtes Rätsel“ durchgehen lasse.

Psychedelische Visuelle
In What Happened seht ihr die Welt aus Stiles Augen, mit einem von Ängsten, negativen Erinnerungen und depressiven Gedanken geprägten Blick auf Vergangenheit und Gegenwart. Zudem haben sich seine Gedanken bereits als sichtbares und bestimmendes Gegenüber manifestiert, das nahezu durchgängig auf euch einredet. Stiles ereilen zudem Flashbacks, und die Umgebung verändert sich ständig, ganze Areale stehen dann unter Wasser oder sind vereist. Visuelle Licht- und Blitzeffekte tauchen die Spielwelt in andere Farben, der Bildschirm wabert, wackelt oder dreht sich. Da What Happened keinen unverzerrten Blick in die „Normalität“ gibt, haben sich diese Effekte für mich schnell abgenutzt - ich gehe von einem Gewöhnungseffekt aus, und viele der Inszenierungen empfand ich als derart billig, dass sie mich zum Schmunzeln gebracht haben. Emotional erreicht oder gegruselt hat mich dieses Spiel nie, lediglich in den letzten Abschnitten hat mich das Gezeigte angeekelt.
Der Angriff der Schmetterlinge, gepaart mit einem visuellen Effekt an den Bildrändern.

Technische Umsetzung
Auch wenn euch in What Happened einige wirklich schöne Bilder erwarten, die Präsentation des Spiels in seiner Gesamtheit ist schwach. Dank grafischer Fehler, liebloser Texturen und wenig ambitionierten Charaktermodellen und -bewegungen verdient sich der Titel eine Höchstnote in der Trashwertung. Viele der Zwischensequenzen wirken derart grotesk, dass sie mich unfreiwillig amüsierten. Dazu kommt, dass auf „Kleinigkeiten“ wie Lippensynchronität und realistische Gestik oder Mimik großzügig verzichtet wurde. Gut gefallen hat mir hingegen die Soundkulisse, insbesondere die Sprachausgabe ist gelungen. Da die Tastaturbelegung nicht frei konfigurierbar ist und eine Steuerung mit WASD für mich als Linkshänder äußerst unkomfortabel ist, habe ich mit dem Gamepad gespielt. Das funktioniert gut. Die Steuerungsoptionen beschränken sich jedoch auch auf das Nötigste. Warum ich allerdings erst umständlich in den Starthub wechseln muss, um ins Optionsmenü zu gelangen, ist mir nicht erklärlich.

Fazit
Ohne Checkzusage hätte ich What Happened kurzerhand wieder deinstalliert und obwohl sich der Titel an einem oder zwei Tagen durchspielen ließe, habe ich es nie länger als eine Stunde am Stück „Ingame“ ausgehalten. What Happened hat mich durchgehend gelangweilt und genervt. Technisch ist hier einiges im Argen, aber darüber könnte ich hinwegsehen, wenn mir spielerisch oder beim Storytelling etwas Gehaltvolleres geboten worden wäre. Das ist meiner Meinung nach aber nicht der Fall. Wenig Interaktion mit der Umwelt, keine Rätsel, lediglich stupides Suchen nach Gegenständen oder Auslösen von Triggern. Die Story ist ein klischeehafter Ritt durch ernste Themen: Psychische Erkrankung, Drogenkonsum, Mobbing und Suizidalität. Wenn diese Themen inhaltlich behandelt werden, dann bitte mit der notwendigen Seriosität und nicht wie eine Zirkusattraktion. Dass sich dieser unterdurchschnittliche Titel am Ende tatsächlich erdreistet, mir die Schuld für das "schlechte Ende" in die Schuhe zu schieben, setzt dem ganzen nur die Krone auf.
  • Psychologisches Horrorspiel für PC
  • Einzelspieler
  • Für Einsteiger
  • Preis: 20,99 Euro (Steam)
  • In einem Satz: Spielerisch und technisch einfältiger Titel, der ernsthafte Themen behandeln möchte, sich aber in Klischees und Effekten verheddert und auf ganzer Linie scheitert.

Video:

euph 27 Spiele-Experte - P - 93110 - 12. August 2020 - 10:18 #

Die Grundidee klingt gut, das von dir geschilderte leider nicht. Danke für den Check.

Admiral Anger 26 Spiele-Kenner - P - 71145 - 12. August 2020 - 10:25 #

Danke für den Check, ich hatte schon nach dem Trailer keine großen Erwartungen.

Ganon 24 Trolljäger - P - 60398 - 12. August 2020 - 11:24 #

Die Sache mit der verzerrten Wahrnehmung klingt eigentlich ganz interessant. Aber sonst scheint da nichts zu stimmen, schade.
Danke für den toll geschriebenen Check.

Maverick 30 Pro-Gamer - - 558332 - 12. August 2020 - 11:34 #

Danke für den informativen Check (und die Warnung), SupArai. ;)

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 22503 - 12. August 2020 - 11:56 #

Die Leidensfähigkeit mancher Checker wird in letzter Zeit ganz schön auf die Probe gestellt. Und das bei der Hitze. Danke - und Beileid :]

Alain 19 Megatalent - P - 13298 - 12. August 2020 - 12:04 #

Danke für den check... Also nix für mich (Horrorspiele sind eh nicht so meins)

paschalis 28 Endgamer - - 121009 - 12. August 2020 - 12:13 #

Erst wurde dein Alter Ego bei bei Warhammer 2 dahingemeuchelt, dann musstest du auch noch dieses Spiel ertragen. Armer SupArai ;-)

SupArai 21 Motivator - P - 28974 - 12. August 2020 - 12:27 #

WIE??? Nein, ich glaube mein weibliches Ich ist in der anderen Armee! Oder?

Der edle Truffe hat sich für uns geopfert, glaube ich...

paschalis 28 Endgamer - - 121009 - 12. August 2020 - 13:22 #

Du hast Recht, denke ich. Dennoch mein Beileid ;-)

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 183833 - 12. August 2020 - 16:05 #

Schöner Verriss, danke für den check.

TheRaffer 21 Motivator - P - 26025 - 12. August 2020 - 16:58 #

Danke für die Warnung und das Durchquälen.

Elfant 24 Trolljäger - P - 49250 - 12. August 2020 - 18:19 #

Ich danke für den Check und daß Du schneller zu gegriffen, hast als ich.

SupArai 21 Motivator - P - 28974 - 12. August 2020 - 21:21 #

Sooo, wo ich dich hier gerade treffe.

Ich habe es probiert mit Sekiro, aber schon an General Naomori habe ich mir die Zähne ausgebissen und nach einer Stunde aufgegeben. Spiel ist deinstalliert und geht morgen zurück an den Kollegen.

Mit Sekiro werde ich nicht glücklich werden, das ist mir klar geworden. Dieses genaue kennenlernen der Angriffe eines Gegners und dann auch noch zu wissen, wie ich reagieren muss, ist mir zu anstrengend. War jetzt schon frustriert, wie soll das erst bei den richtigen Gegnern abgehen.

Elfant 24 Trolljäger - P - 49250 - 12. August 2020 - 22:06 #

Ok immerhin hast Du es probiert.

Ja General Naomori ist ein typischer "Hast Du die Grundzüge begriffen" - Miniboss. Da hing ich auch etwas bin ich es dann ausreichend verstanden hatte.

Slaytanic 24 Trolljäger - - 57135 - 12. August 2020 - 19:15 #

Schönen Dank für den Check.

ZockerVater 22 AAA-Gamer - - 33637 - 12. August 2020 - 19:58 #

Danke für denWarn-Check.

thatgui 15 Kenner - P - 3056 - 13. August 2020 - 6:44 #

Kann ich mich nur anschließen, bei einem günstigen Preis hätte ich allein nach dem Anschauen des Trailers eventuell noch zugegriffen, aber so...

SupArai 21 Motivator - P - 28974 - 15. August 2020 - 23:05 #

Vielleicht gibt's den Titel mal in einem Humble Bundle oder Steam Sale, wenn man sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte.

Ich habe keine Idee, wem ich dieses Spiel empfehlen würde. Als Horrorspiel funktioniert es nicht, weil der einzige Horror die Umsetzung ist. Wenn das Ziel ist, den Spieler zu erschrecken, böten sich Jumpscares an, so etwas in der Art gibt's auch, aber so platt umgesetzt, das ich mich eher gefragt habe "Häh, was soll das denn sein?". Und eine atmosphärische Dichte wie ein Amnesia (mir fallen gerade keine anderen Horrorspiele ein, die ich gesehen habe) erreicht What Happened einfach nicht und nie.

Wie soll das auch funktionieren, wenn ich permanent mit allerlei visuellen Effekten bombardiert werde, die die Psychedelic-Toolbox hergibt? Ständig verzerrt sich der Bildschirm, wabert, dreht sich, Farbwechsel - eine spielerische Hommage an Ummagumma?

Man könnte auch überlegen, ob What Happened als "Walking-Simulator" durchgehen könnte. Mein Highlight in diesem Genre ist Edith Finch und es wäre nicht fair, andere Spiele an dessen Genialität zu messen. What Happened versucht, den Spieler quasi in die Handlung einzubinden: Türen öffnet man zum Beispiel mit einer Bewegung des rechten Analogsticks und diese kleinen Elemente gefallen mir sehr gut. In What Happened beschränkt sich das auf das Öffnen von Türen und Schubladen sowie dem Anschalten von Lampen. (Ich hoffe, ich habe kein Element vergessen...) In der Spielwelt finden sich auch Briefe und Fotos, diese waren für mich allesamt aber alle richtig langweilig und uninspiriert. Ähnlich die Sammelobjekte: Es gibt wenige, vielleicht habe ich auch nur wenige gefunden, aber sie erzählen viel zu wenig Geschichten (zum Beispiel in einer Art Tagebuch, wo alles gesammelt wird).

Nehme ich noch mal Edith Finch beim Punkt der Spielerführung: In What Happened irrte ich in sehr vielen Arealen schlicht dämlich herum und habe mich gefragt, was ich tun soll, wie es weitergeht - ich möchte nicht ausschließen, dass ich mich auch dämlich angestellt habe, weil in der Regel liegt die Lösung aufgrund der sehr einfältigen Spielmechanik auf der Hand: Finde die Glühbirne in einer Schublade. Edith Finch lässt mich auch mal links und rechts schauen, nimmt mich aber im Endeffekt doch sehr an die Hand, und führt mich sehr komprimiert durch das Spiel. Diesen Ansatz hätte What Happened meiner Meinung konsequent verfolgen müssen! Weil alles abseitige schlecht umgesetzt und sogar irrelevant ist.

SupArai 21 Motivator - P - 28974 - 13. August 2020 - 9:21 #

Zu guter letzt noch ein Punkt: Die Darstellung psychischer Erkrankung in Videospielen. Mir fällt gerade nur ein Videospiel ein, dass dies versucht (!) hat, und zwar Hellblade - Senuas Sacrifice. Spielerisch hat mich dieser Titel nicht gut unterhalten, die Darstellung der psychotischen Erkrankung fand ich anfangs auch gelungen, allerdings musste im letzten Drittel immer noch einer draufgesetzt werden im Sinne der Dramaturgie, nicht mehr im Sinne der Krankheit, und das Ende lässt dann jegliche Ernsthaftigkeit und Seriösität vermissen.

What Happened haut gleich einfach mal alles rein. Traumatischer Verlust eines Elternteils, Mobbing und Gewalterfahrung, psychische Erkrankung, den Drogenkonsum,Teenagerliebe und Enttäuschung über den besten Freund. All das kumuliert im Worst Case, der finalsten aller Enden, dem Suizid. Sorry, aber das ist mir thematisch too much, um es in einem Videospiel zu verwursten. Mir fehlt dazu ganz klar eine inhaltliche Einordnung der Krisen in lebensnahe Kontexte - hätte man zum Beispiel über spielbare Rückblenden hinkriegen können, meines Erachtens sogar müssen, wenn man es ernst meint und es nicht nur um die Darstellung eines klischeehaften Abstiegs in die Hölle geht. Aber eine solche Sensibilität, oder Fähigkeit, zeigt der Entwickler in vielen anderen Bereichen auch nicht.

Na ja, schlechte Videospiele gab es immer und wird es immer wieder geben. Nur gelingt es mir meistens, einen Bogen drum zu machen... ;-)

schlammonster 30 Pro-Gamer - P - 203041 - 13. August 2020 - 6:31 #

Danke für die Warnung, werde einen großen Bogen um dieses ... Spiel ... machen.

TheLastToKnow 21 Motivator - P - 30316 - 13. August 2020 - 7:31 #

Scheint ja ein ziemlich großer Haufen Mist zu sein.