In die Krise, aus der Krise

Entwickler in der Corona-Krise: Fragen an Jan Klose von Deck13

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Benjamin Braun 420671 EXP - Freier Redakteur,R10,S10,C10,A10,J10
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13. Juni 2020 - 9:00 — vor 1 Jahr zuletzt aktualisiert

Teaser

Die Corona-Krise hat auch Spieleentwickler vor eine völlig neue Situation gestellt. Im Kurzinterview verrät Studioleiter Jan Klose, wie die Pandemie die Arbeit bei Deck13 beeinflusst.
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Bezogen auf meinen Beruf hat sich für mich als Freelancer in der Corona-Krise nur wenig verändert. Lediglich die seit Ende Februar reihenweise abgesagten Anspielevents zeigten deutlich, dass andere Zeiten angebrochen waren. Gerade für Festangestellte, die ansonsten täglich ins Büro fahren, oder auch Berufstätige mit Kindern änderte sich erheblich mehr. Und auch Firmen mussten schnell und angemessen reagieren, darunter etliche Spielestudios in Deutschland.

Ich habe kürzlich die Gelegenheit genutzt, mit drei davon über die Auswirkungen des Covid-19-Virus auf ihre Arbeit zu sprechen und sie auch nach den möglichen Langzeitkonsequenzen der Corona-Krise zu befragen. Konkret konnte ich mit Vertretern von Deck13, King Art und RockFishGames sprechen. Diesmal steht Jan Klose, Studioleiter und Creative Director von Deck13 aus Frankfurt am Main im Zentrum.

Benjamin Braun: Die Covid-19-Pandemie hat Lebensalltag und Arbeit aller verändert. Wie haben sich die Einschränkungen auf eure Arbeit als Spielstudio ausgewirkt? Welche zwingende Umstellung war dabei die größte Herausforderung und weshalb?

Jan Klose: Ich glaube, der stärkste Moment war der, wo uns klar geworden war, dass wir jetzt nicht mehr so weiterarbeiten konnten wie gewohnt und sofort strenge Maßnahmen ergreifen mussten. Wir haben recht früh gehandelt und alle Mitarbeiter ins Home Office geschickt. Dabei haben wir allen geholfen, die technischen Voraussetzungen für die Arbeit von zu Hause zu schaffen und haben mehrere Taxis losgeschickt, um allen Mitarbeitern ihr Equipment vorbeizuschicken. Unser Hardware-Experte Felix hat außerdem einige „Hausbesuche“ gemacht und unter Einhaltung der (zu der Zeit noch neuen) Hygienerichtlinien Leuten geholfen, ihre Systeme zum Laufen zu bringen. Zudem mussten wir dafür sorgen, dass unsere Leute mit den Konsolen-Entwicklerkits arbeiten konnten, die vertraglich nur im Büro stehen dürfen. Zum Glück sind uns einerseits die Plattformhersteller entgegengekommen, und andererseits konnten wir technische Wege finden, wie unsere Mitarbeiter mit der Hardware arbeiten konnten, ohne dass wir die Verträge verletzen.

Benjamin Braun: Inwieweit erschwert die flächendeckende Arbeit im Homeoffice eure Arbeit? Kann man aus der Not gar eine Tugend machen und in der neuen Situation bestimmte, sonst eher langwierige Prozesse sogar irgendwie effizienter gestalten? Was ist zum Beispiel mit Team-Besprechungen, sind die via Discord, Skype oder sonst was weniger ergiebig oder gar fruchtbarer als sonst?

Jan Klose: Wir hatten ein wenig Glück mit der Entwicklungsphase, in welcher sich unser neues Spiel befindet. Anfangs sitzt man ja viel in Brainstorming-Runden zusammen, tauscht sich aus und entwickelt die ganzen Leitlinien für das neue Projekt. Das hatten wir gerade mehr oder weniger hinter uns und konnten uns auf die Produktion konzentrieren, wo wir nicht so viele Meetings wie in der vorherigen Phase benötigen. Trotzdem müssen wir andauernd im Austausch sein, was wir natürlich von da an über Online-Meetings gemacht haben. Glücklicherweise waren wir darin auch vorher schon recht geübt, denn unser Publisher, Focus Home Interactive, sitzt in Frankreich, und mit denen stimmen wir uns regelmäßig online ab. Außerdem haben wir Outsourcing-Partner, die Spielobjekte und Animationen für uns erstellen, die teilweise in China und Indien sitzen, und auch mit denen läuft die meiste Zusammenarbeit online.

Alles in allem haben wir nicht das Gefühl, dass wir viel Effizienz verloren haben. Beim einen oder anderen läuft die Arbeit vielleicht sogar ein wenig geregelter und effektiver ab – ich kann da auch von mir selbst sprechen. Wenn mein Tag teilweise im Halbstundentakt aus vorher verabredeten Meetings besteht, dann muss man recht effektiv arbeiten, um das alles zu schaffen.

Benjamin Braun: Wieviele Mitarbeiter hat Deck13 aktuell ungefähr beziehungsweise wie groß ist der Anteil derer, die aus dem Homeoffice heraus arbeiten? Und wie groß war der Anteil mit Homeoffice vor Corona?

Jan Klose: Wir haben circa 60 Mitarbeiter und eine Zeitlang waren 95 Prozent davon im Home Office. Aktuell sind vielleicht maximal 10 Personen zurück im Büro, das werden wir langsam steigern.

Benjamin Braun: Es gab in Corona-Zeiten zwar ein paar meist kürzere Verschiebungen von Spielen, aber nur selten gingen welche mehr als eine Woche später als geplant an den Start. Sind Spielestudios quasi immun oder werden wir die wahren Dimensionen der Krise erst in Richtung Weihnachtsgeschäft erleben?

Jan Klose: Ich denke, dass die Arbeiten, die wir in der Spielebranche tun, recht gut mit Heimarbeit kompatibel sind. Im Grunde sitzen die meisten Leute vor einem PC, einige mit einem Grafiktablett oder Touchscreen, andere mit mehreren Monitoren voller Codezeilen, und wieder andere verwenden unseren Editor. Das geht alles recht individuell vonstatten, und sofern das Netzwerk mitspielt, ist es da teilweise ganz egal, wo wir sitzen. Wie gesagt hängt es ein wenig von der Entwicklungsphase ab, aber generell haben wir sehr digitale Arbeitsplätze, da mussten wir gar nicht viel umstellen.

Benjamin Braun: An was auch immer ihr aktuell konkret arbeitet, rechnest du damit, dass das Projekt durch Corona erst später kommen wird, als ihr vor der Pandemie erwartet hättet?

Jan Klose: Ich denke nicht, dass wir durch Corona nennenswerte Verspätungen haben werden, aber es ist zu früh, um das abschließend zu sagen. Schließlich sitzen unsere Outsourcing-Partner, die uns mit Spiel-Objekten unterstützen, teilweise im Ausland, z.B. in China und Indien, und auch in diesen Ländern gab und gibt es Lockdowns und Lieferverzögerungen, die dann aufgefangen werden müssen. Zurzeit ist das aber alles noch im Rahmen.

Benjamin Braun: Was haben bei euch die Corona-Lockerungen bewirkt? Ist inzwischen wieder mehr oder weniger alles beim Alten?

Jan Klose: Die meisten von uns arbeiten noch immer im Home Office, und wir werden das Stück für Stück wieder ändern. Aber im Moment ist uns am wichtigsten, dass sich unsere Mitarbeiter wohlfühlen und sicher und gesund sind. Die nächsten Schritte ergreifen wir so, dass es auch so bleibt, und reagieren dabei weiter auf das, was in Deutschland vorgeschrieben oder empfohlen wird.

Benjamin Braun: Ist die Corona-Krise aus deiner Sicht eher für kleinere oder eher für die größeren Spieleschmieden eine größere Herausforderung? Oder anders gefragt, können kleinere Teams flexibler auf die neuen Gegebenheiten reagieren oder bedeutet es für alle Studios mehr oder unabhängig von der Größe eine ähnlich große Umstellung?

Jan Klose: Ich denke, dass wir das erst in naher Zukunft herausfinden werden. Vor allem, wenn ein Team einen Folgeauftrag erhalten muss, weil das aktuelle Projekt fertig ist und keine Finanzierung mehr vorliegt. Kriegen dann eher die großen Studios neue Aufträge, weil sie für Qualität stehen und ihre Partner über lange Zeit mit ihnen zusammenarbeiten? Oder sind kleine Studios im Vorteil, weil die Geldgeber eher günstiger einkaufen wollen? Das wird auch davon abhängen, inwieweit eine Rezession eintritt bzw. wie stark diese sein wird und auf welche Branchen das den größten Effekt haben wird. Das ist aktuell sehr schwer vorherzusagen. Aber ich denke nicht, dass es in den nächsten Jahren leicht sein wird, auch wenn die Spielebranche bis jetzt gut durch die Krise gekommen ist.


Zum selben Thema findet ihr ein Kurzinterview mit Michael Schade von RockFishGames bereits auf GamersGlobal. Ein weiteres Interview mit Jan Theysen von King Art Games folgt bereits morgen.
euph 28 Endgamer - P - 105175 - 13. Juni 2020 - 9:10 #

Merci für das Interview

Olphas 24 Trolljäger - - 61114 - 13. Juni 2020 - 10:02 #

Auch hier wieder danke für den Einblick :)

Danywilde 24 Trolljäger - - 113089 - 13. Juni 2020 - 10:21 #

Auch dieses Interview war wieder sehr interessant zu lesen. Ich meine, im letzten Interview wurde nur von festinstallierter Hardware im Büro gesprochen, hier da klar von den Devkits. Daran habe ich gar nicht gedacht, dass die fest im Büro des Entwicklers stehen müssen.

schwertmeister2000 16 Übertalent - - 5409 - 13. Juni 2020 - 10:22 #

Tolles Interview !

Cupcake Knight 18 Doppel-Voter - 10617 - 13. Juni 2020 - 10:25 #

Warum überhaupt (zwangsweise) zurück ins Büro wenn es auch von zu Hause klappt?

Faerwynn 19 Megatalent - - 14275 - 13. Juni 2020 - 10:41 #

Bei uns gibt es einige, die das unbedingt wollen. Manche davon haben das Gefühl, das sie Zuhause nicht die nötige Ruhe kriegen, andere wollen die räumliche Trennung von Arbeit und Zuhause.

Danywilde 24 Trolljäger - - 113089 - 13. Juni 2020 - 12:55 #

Menschliches Miteinander.

Faerwynn 19 Megatalent - - 14275 - 13. Juni 2020 - 16:17 #

Für mich ist das ein Grund mehr FÜR Homeoffice :)

Danywilde 24 Trolljäger - - 113089 - 13. Juni 2020 - 17:19 #

Das ist dann aber Menschliches Gegeneinander. :(

angelan 14 Komm-Experte - P - 2378 - 13. Juni 2020 - 11:28 #

sehr interessantes Interview! mehr davon!

Maverick 30 Pro-Gamer - - 611758 - 13. Juni 2020 - 13:02 #

Interessantes Interview. :)

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 197595 - 13. Juni 2020 - 15:02 #

Interessante Infos, habs so noch gar nicbt gewusst, z.B. das mit den DKs, dass die laut Vertrag nur im Büro genutzt werden dürfen. Danke fürs Interview.

Ganon 24 Trolljäger - P - 64220 - 13. Juni 2020 - 19:04 #

Das fand ich auch einen interessanten Einblick in die Branche, den ich noch nicht kannte. :-)

Benjamin Braun Freier Redakteur - 420671 - 13. Juni 2020 - 20:53 #

Übrigens noch vielen Dank an Fabian für den Einbau des Serienkastens! Nicht, dass ich die Kurzinterviews jetzt total super finde würde, aber ich denke, sie sind schon spannend genug, dass diese Verknüpfung angemessen ist.

Danywilde 24 Trolljäger - - 113089 - 13. Juni 2020 - 21:14 #

Dann freuen wir uns auf viele weitere Interviews, damit die Serie ihren Namen auch verdient. :)

Benjamin Braun Freier Redakteur - 420671 - 13. Juni 2020 - 21:17 #

Da kommt nur noch ein weiteres. Aber die Interviews zu verknüpfen ergibt aus meiner Sicht trotzdem Sinn.

Danywilde 24 Trolljäger - - 113089 - 13. Juni 2020 - 21:29 #

Ich meinte auch eher, dass Du gerne zukünftig noch weitere Interviews mit Entwicklern bringen kannst.

Slaytanic 24 Trolljäger - - 58778 - 14. Juni 2020 - 16:22 #

Vielen Dank für das Interview.

Hannes Herrmann Community-Moderator - P - 22137 - 15. Juni 2020 - 9:42 #

" Zum Glück sind uns einerseits die Plattformhersteller entgegengekommen, und andererseits konnten wir technische Wege finden, wie unsere Mitarbeiter mit der Hardware arbeiten konnten, ohne dass wir die Verträge verletzen."

Hier würden mich Einzelheiten interessieren. VPN zur PS5?

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