The Last of Us 2: Naughty Dog stößt mit hartem Crunch auf Kritik

PS4
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22. März 2020 - 12:54 — vor 1 Woche zuletzt aktualisiert
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Der bekannte Autor und Spielejournalist Jason Schreier hat auf Kotaku einen umfangreichen Artikel veröffentlicht, in dem er angibt, Kontakt zu 13 ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern von Naughty Dog gehabt zu haben und sie zu den Arbeitsbedingungen im Allgemeinen und der Situation im Hinblick auf die Entwicklung von The Last of Us - Part 2 (im Angeschaut-Artikel) im Speziellen befragt zu haben.

Die veröffentlichten Aussagen, die auf Wunsch der Mitarbeiter des Studios anonymisiert wurden, werfen kein gutes Licht auf den Entwickler aus Santa Monica. Die Maßnahmen zur Geheimhaltung der Quellen sind laut Kotaku notwendig, da den Studiomitarbeitern untersagt ist, über Interna dieser Art zu sprechen.

So wird laut Schreier in der Endphase der Entwicklung – das Spiel soll Ende Mai dieses Jahres erscheinen – eine ziemlich harte, monatelange Crunch-Phase gefahren, die mit regelmäßigen 12-Stunden-Tagen, Nachtarbeit und Wochenenden im Büro, wenig bis gar nicht sozialverträglich umgesetzt werde. Auch wenn es durchaus vorkäme, dass vereinzelte Mitarbeiter einen solchen Crunch zur Umsetzung des selbstauferlegten Qualitätsstandards befürworten würden und einzelne Entwickler-Veteranen es auch schafften, einen "normalen" Arbeitstag zu realisieren, berichten alle 13 Befragten von deutlich negativen Auswirkungen dieser arbeitsintensiven Phasen, zumal sie regelmäßig bei den Produktionen des Studios praktiziert würden. 

Crunch-Phasen sind in der Branche bedauerlicherweise nichts Neues und Naughty Dog bildet da auch keine Ausnahme. Die Vorwürfe in diesem Fall scheinen sich aber zu mehren und auf ein strukturelles Fehlmanagement hinzudeuten und werfen bei den Mitarbeitern immer mehr die Frage auf, "ob es das wert ist".

Der Bericht auf Kotaku zeigt auf, dass die Verantwortlichen bereits bei den Einstellungsgesprächen keinen Hehl daraus machen, welche "Attitude" sie von den Angestellten erwarten. Es werden Perfektionisten gesucht, die bereit seien, für ein gutes Spiel Opfer zu bringen. Man würde sich zwar auch um die Mitarbeiter kümmern, indem man sie mit Essen und Getränken versorge und ihnen Pausen einräume, der Ton sei aber eindeutig: "Mach deinen Job, koste es, was es wolle."

Die intensive Arbeit an den Titeln würde sich laut einiger Aussagen zwar positiv auf die hohe Qualität der Spiele auswirken, die negativen Konsequenzen auf das Privatleben, den physischen und psychischen Zustand der Entwickler und auf das allgemeine soziale Gefüge sowie die Stimmung im Unternehmen stünden in keinem Verhältnis. Angeblich sollen 14 von 20 in den Credits von Uncharted 4 - A Thief's End (im Test mit Wertung 9.5) genannten Mitarbeitern, die nicht zur Führungsebene gehörten, wegen der katastrophal empfundenen Bedingungen das Unternehmen verlassen haben. Auch unter langjährigen Veteranen wird Kritik laut, die aufgrund ihres Alters diese Schlagzahl nicht mehr mitgehen könnten oder wollten.

Für einige sei die Arbeit bei Naughty Dog ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite würde man fantastische Spiele produzieren, mit den Besten der Branche zusammenarbeiten, sehr gut bezahlt werden und nach Produktionsende könne man sich längere Zeit freinehmen, nur müsste man dafür sehr viel opfern, einen der Arbeit angepassten Lebensstil führen oder sein Privatleben den Anforderungen unterordnen und sähe keine Perspektive auf Besserung. Es gehe laut Schreier sogar so weit, dass manche Mitarbeiter sich insgeheim wünschten, The Last of Us - Part 2 würde ein Flop, damit die Studioleitung endlich gezwungen wäre, Grundlegendes zu ändern.

Sven Gellersen 22 AAA-Gamer - - 34382 - 22. März 2020 - 6:39 #

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Umdenken stattfinden wird. Die schlechte Publicity bezüglich Crunch mehrt sich ja gefühlt seit einiger Zeit.

Sokar 18 Doppel-Voter - P - 12034 - 22. März 2020 - 10:14 #

Bei Naughty Dog gabs diese Berichte schon länger, sie sind bekannt dafür, selbst für die Spieleindustrie sehr harte Crunchphasen zu haben. Da frage ich mich schon, wie sie es noch schaffe, neue Mitarbeiter zu bekommen. Aber solange die Führungskräfte es nicht da merken, wo es wirklich weh tut (also ihrer Geldbörse), dürfte sich da nichts ändern.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 22. März 2020 - 13:17 #

Weil sich garantiert genug Leute ein Bein ausreißen würden um bei Naughty Dog zu arbeiten. Das ist der Plattenvertrag der Spielebranche ...

Cupcake Knight 18 Doppel-Voter - P - 9513 - 22. März 2020 - 18:20 #

Die wollen nicht mehr.

Blacksun84 18 Doppel-Voter - - 11290 - 23. März 2020 - 11:44 #

Gerade jüngere Entwickler sind wohl zu hartem Crunch auch eher bereit.

schwertmeister2000 16 Übertalent - - 4378 - 24. März 2020 - 11:14 #

ja und das in Kombination mit jenen, die aus dem Ausland kommen und auf eine dauerhafte Arbeitserlaubnis / Staatsbürgerschaft hinarbeiten... habe sowas selber schon in Großraumbüros erlebt, solche Menschen haben eine andere Eigenmotivation und "reißen" natürlich die angestammten Arbeitnehmerrechte zusätzlich in den Keller, da sie selber viel mehr bereit sind zu opfern und auch mal Regeln zu beugen.

ChuckBROOZeG 20 Gold-Gamer - 20992 - 22. März 2020 - 10:58 #

Nur weil ganz wenige sich das zu Herzen nehmen werden das nicht alle tun.

Sorry ich sehe nur 2 Wege wie das großflächig nicht mehr vorkommt.

Entweder der empörte Anteil der Konsumenten kauft nicht ungeachtet ihrer Empörung oder die Mitarbeiter rebellieren so das solche Firmen bald keinen Nachschub mehr bekommen.
Und beides sehe ich nicht kommen.

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 20334 - 22. März 2020 - 17:16 #

Wieviele der Gamer kriegen denn davon was mit? Wir leben hier doch auf ner kleinen Insel der Information, weil wir die Supernerds sind. Den Ottonormalspieler interessiert Crunchtime nicht.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 23. März 2020 - 18:51 #

Das stimmt, aber man kann auch beobachten, dass in der Branche der Druck steigt. Viele junge Entwickler sind nicht mehr ganz so naiv wie früher, und es gibt viele Veteranen, die davor warnen, sich verbrennen zu lassen. Auch erkennen immer mehr Unternehmen den Wert von Mitarbeitern, die lange Jahre bleiben, ohne unter Burnout zu leiden. Das wird mittelfristig sicher zu einem Wettbewerbsvorteil um gute Leute.

JensJuchzer 20 Gold-Gamer - P - 21378 - 22. März 2020 - 19:09 #

Die Antwort kann nur von den Kunden kommen die solche Spiele prinzipbedingt meiden sollten. Aber dazu ist halt mal keiner bereit, wie das halt immer so ist.
Zu diesem speziellen Beispiel: Wenn man gerade die ganzen PS5 Diskussionen erzählt kauft man das Teil ja nur wegen Exklusivtiteln (was in sich schon hirnrissig ist) und unterstützt das Vorgehen noch zusätzlich...

Sven Gellersen 22 AAA-Gamer - - 34382 - 22. März 2020 - 23:22 #

Wieso sollte es nur in den Händen der Spieler liegen, ob sich da was ändert? Ich mag mich täuschen, aber es häuft sich meinem Eindruck nach, dass es die Angestellten sind, die auf die Missstände hinweisen. Noch ist es natürlich längst nicht soweit, aber der erste Schritt dahingehend, dass sich die Arbeitnehmer zusammen tun und gegen das Crunch-System aktiv kämpfen, scheint gemacht zu sein. Wenn es dann erst einmal soweit ist, dass den Studios die qualifizierten Entwickler abhanden kommen, wird auch dann ein Umdenken stattfinden, wenn die Einnahmen (noch) stimmen.
Ich sage ja nicht, dass es in absehbarer Zeit so kommen wird, zumal es ja auch motivierende Aspekte gibt, wie der Artikel ja auch deutlich macht. Aber ich bin mir relativ sicher, dass dennoch ein Umdenken stattfinden wird.

Trax 15 Kenner - 2890 - 22. März 2020 - 9:01 #

Gerade letzte Woche gab es dazu einen passenden Podcast von auf ein Bier in dem es unter anderem um das Thema Crunch ging.
Schade, das es Naughty Dog noch nicht begriffen hat und auf Crunch setzt.

Grumpy 17 Shapeshifter - 6878 - 22. März 2020 - 9:44 #

JEDER aaa entwickler mit publisher cruncht

thhko 15 Kenner - P - 3356 - 22. März 2020 - 9:55 #

Nicht nur die. "Richtig" ist es trotzdem nicht.

Sokar 18 Doppel-Voter - P - 12034 - 22. März 2020 - 10:25 #

Crunch ist nicht nur auf die Spieleindustrie beschränkt, ich habe das auch schon gemacht, und ich habe bei einem Automobilzulieferer mit Betriebsrat und Gewerkschaft im Hintergrund gearbeitet.
Wobei Spieleentwickler da deutlich anfälliger sind, zum einen weil es so Institutionen wie Gewerkschaften, die evtl. die Finger drauf hätte schlicht nicht gibt, zum anderen weil viel von Leidenschaft getrieben ist, da geht man schneller über seine eigenen Grenzen hinausgeht, weil man so für ein Thema brennt.
Und wenn du etwas weiter schaust: Jörg wird auch keine 40h Woche haben. Mit GamersGlobal (und vor allem der Arbeit, die man als Geschäftsführer im Hintergrund macht), Dokus und Retro Gamer wird er auch deutlich mehr arbeiten als gut für ihn.
Ich will das damit nicht klein reden: Crunch ist schlecht, weil es mittel- und langfristig die Leute verbrennt. Und ich glaube auch nicht, dass es flächendeckend in der Spieleindustrie so schnell ein Umdenken geben wird, dafür gabs die Geschichten einfach zu häufig, ohne dass sich was getan hat. Es gibt Entwickler, die das ernst nehmen, aber die dürften deutlich in der Unterzahl sein.

ChuckBROOZeG 20 Gold-Gamer - 20992 - 22. März 2020 - 10:59 #

Ich hab erst einen Crunch hinter mir. Zum Glück nur 40 Überstunden in 3 Wochen.
Wenn ein Audit ansteht muss alles bereit sein ansonsten ist die Firma ganz schnell weg vom Fenster und damit der Arbeitsplatz.

Die Frage ist halt immer wie sehr ist es standard und kommt wie oft vor? Und zieht sich wie lange hin.

Von Krankenhausärzten hört man ja auch schlimmes zB. Also auch in der Pre Corona Zeit.

Pitzilla 19 Megatalent - P - 19363 - 22. März 2020 - 9:29 #

In den Credits von Uncharted 4 werden nur 20 Mitarbeiter genannt? Das glaube ich nicht!
So, eben nachgeschaut: Natürlich werden da hunderte genannt. Wie ist die Aussage oben gemeint?

Sokar 18 Doppel-Voter - P - 12034 - 22. März 2020 - 10:27 #

"[...]Of the 20 non-lead designers in the credits of 2016’s Uncharted 4, a whopping 14—70 percent—are no longer at the studio[...]"
Das Designteam waren 20 Leute, und 13 davon, die keine leitenden Rolle hatten, sind nicht mehr bei Naughty Dog.

euph 27 Spiele-Experte - P - 86703 - 22. März 2020 - 10:59 #

Sollte man eigentlich nicht unterstützen, solche Praktiken.

ChuckBROOZeG 20 Gold-Gamer - 20992 - 22. März 2020 - 11:00 #

Sollte und eigentlich genau die Worte die ich datzu erwarte ^^.

Hoelscher33 13 Koop-Gamer - - 1578 - 23. März 2020 - 13:13 #

:-) Dachte ich auch.

Golmo 17 Shapeshifter - 7977 - 22. März 2020 - 12:34 #

Selbstständige haben 24/7 Crunch.

Andere Berufsfelder haben zwar keinen Crunch, kriegen dafür aber auch nur den halben oder noch weniger Stundenlohn als ein Naughty Dog Entwickler.

Was dagegen hilft?
Aufhören zu weinen.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 166579 - 22. März 2020 - 13:44 #

Ach so, der Zweck heiligt die Mittel...Klingt ziemlich asozial. :/

Golmo 17 Shapeshifter - 7977 - 22. März 2020 - 13:52 #

Keine Ahnung, ich halte nichts von Sprichwörtern und Bauern Weisheiten.

Ich seh es simpel: In der Industrie sollte das bekannt sein, wenn du dann trotzdem deine Bewerbung dort hin schickst, gibts später auch keinen Grund zu flennen. Die Bezahlung ist dafür überdurchschnittlich gut und wenn du an so einem Game mitgearbeitet hast, stehen dir danach viele neue Türen offen.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 166579 - 22. März 2020 - 15:16 #

Das alles ist schon klar, trotzdem darf man die grundsätzliche Frage stellen ob es das alles Wert ist.

Golmo 17 Shapeshifter - 7977 - 22. März 2020 - 15:25 #

Wir reden hier von nem Bürojob, die fliegen nicht in einer Rakete zum Jupiter.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 166579 - 22. März 2020 - 17:21 #

Oh mein Gott! #facepalm

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 80024 - 22. März 2020 - 17:29 #

Hast du ernsthaft gedacht von Golmo was vernünftiges zu lesen? :D

rammmses 19 Megatalent - P - 19549 - 23. März 2020 - 20:56 #

Du hast überhaupt keine Ahnung, wovon du redest, kann das sein?

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 23. März 2020 - 13:03 #

Naja die Frage wäre wie es im Allgemeinen dazu steht. Bei den US - Amis denke ich da an Nebenanstellungen als Zweit oder Drittverdienst. Hier auf der Insel sind im Gastro sowie im Hotelbereich dreistellige bis vierstellige Überstunden im Jahr Usus, welche einfach verfallen und beides wird ebenso erwartet wie die Arbeitslosigkeit außerhalb der Saison.

Es ist relativ einfach das Ganze zu verteufeln oder zu verharmlosen, aber letztlich dürften die Meisten ihre Erfahrungen damit haben und blenden die Grautöne aus.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 23. März 2020 - 18:58 #

Hast du von Golmo etwas anderes erwartet?

AlexCartman 19 Megatalent - - 14497 - 22. März 2020 - 13:23 #

Ich würde sagen, die Abgänge haben mit den Füßen abgestimmt. Und wer da anfängt, weiß mutmaßlich, worauf er sich einlässt. Von daher ist mein Mitleid begrenzt. Naughty Dog sollte andererseits respektieren, dass man ab einem gewissen Alter sowas nicht mehr unbegrenzt mitgehen kann und entsprechende Alternativen bieten.

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 23164 - 22. März 2020 - 15:50 #

Und genau deswegen werde ich nie ein Spiel von Naughty Dog...ach verdammt :(

ChuckBROOZeG 20 Gold-Gamer - 20992 - 22. März 2020 - 17:23 #

Fällt mir nicht schwer. Ich spiele keine Konsolenexclusives. Und selbst wenn also Last of Us das Setting finde ich so öde das ich eh keine Lust drauf habe und ich weiss auch nicht eh ich Uncharte spiele mache ich lieber ne Tee Time ^^ mit Puppen(!).

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 23164 - 23. März 2020 - 12:30 #

Ich habe Last of Us und Uncharted 1 halt mal gespielt. Deswegen kann ich das „nie“ so nicht stehen lassen. ;)

ChuckBROOZeG 20 Gold-Gamer - 20992 - 23. März 2020 - 14:45 #

Es sei dir verziehen!
Nur meinen Arbeitskollegen werde ich auf ewig mit den immer gleichen Sony Spielen aufziehen :-D.

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 23164 - 23. März 2020 - 15:18 #

Danke :)

v3to 16 Übertalent - P - 4793 - 22. März 2020 - 16:43 #

Für mein Empfinden ist es an sich überfällig, dass über Crunch in der Spielebranche im Detail berichtet wird - insbesondere, wenn es den Charakter von Unternehmenskultur hat. Das Thema ist so alt wie die Branche selbst und mMn eine Form organisiertem Missmanagements.

Die Diskussion darum ist mir etwas sehr schwarz und weiß. Das große Ding ist in jedem Fall, dass Crunch permanent stresst und krank machen kann. Habe ich im Freundeskreis ein paar mal erlebt. Was meine Zeit in der Branche betrifft, waren es keine 12-Stunden-Schichten ohne Wochenende, da ging es mehr um 18 bis 24 Stunden - im Extremfall über 30 Stunden. Da merkt man schon nach wenigen Tagen, dass der Körper nicht mehr recht mitspielt und die Leistungsfähigkeit ebenfalls rapide abnimmt. Dazu kommt noch, dass für Ausgleich oder gesunden Lebenswandel an sich keine Zeit mehr bleibt.

Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich mir bis heute in der Freizeit ein- oder zweimal im Jahr bewusst Crunch auferlege. Zwischendurch zwei-drei Tage auf Anschlag durchzuziehen geht schon in Richtung Rausch und wenn das Projekt dann noch ein gutes Ende nimmt, hat das manchmal orgasmische Züge. Das ist auch der Punkt, warum ich durchaus nachvollziehen kann, warum sich manche Manager in der Spielebranche euphorisch darüber äußern, wenn zb reihenweise 100-Stunden-Wochen gerissen wurden.

So lange es selbstbestimmt ist, lässt sich auch wenig dagegen sagen, nur sobald es mit der Gesundheit in Konflikt gerät und für die Belegschaft vorausgesetzt wird, gehört das kritisch hinterfragt, bzw mMn nach sogar reguliert.

joker0222 28 Endgamer - P - 110408 - 22. März 2020 - 17:24 #

Das wird immer so dargestellt, als wären das arme Mindestlöhner, die zur Sklavenarbeit getrieben werden. Wenn sie sehr gut bezahlt werden, wie es ja in der News heißt, dann ist das und der Fame in den Credits von Uncharted und TLOU genannt zu werden halt der Ausgleich dafür.
Und ob es einem das wert ist muss jeder von denen selbst entscheiden oder woanders hingehen. Man ist auch ein bisschen für sich selbst verantwortlich.

Bei entsprechenden Anreizen würde ich auch 12h/Tag arbeiten. So anstregend ist es im Büro nicht.
Mein Vater hat früher 12h-Tage auf dem Bau gearbeitet, 6 Tage die Woche. Nannte sich Akkord und alle waren ganz scharf auf die Zuschläge und niemand hat sich beschwert.

revo 16 Übertalent - - 4791 - 22. März 2020 - 18:24 #

Also mimimi weil:
„ Auf der einen Seite würde man fantastische Spiele produzieren, mit den Besten der Branche zusammenarbeiten, sehr gut bezahlt werden und nach Produktionsende könne man sich längere Zeit freinehmen, nur müsste man dafür sehr viel opfern, einen der Arbeit angepassten Lebensstil führen oder sein Privatleben den Anforderungen unterordnen und sähe keine Perspektive auf Besserung.“

Die erwähnten Leistungen machen den Crunch in meinen Augen wett. Man hat ja die Wahl und wird nicht gezwungen dort zu arbeiten. Will man etwas fantastisches produzieren und das mit einem Riesen Team, wie soll es ohne crunch gehen? Man bekommt dafür ein sehr gutes Gehalt und nach dem crunch kann man sich länger am Stück freinehmen. Wo sonst gibt es diese Art der Kompensation?
Gucken wir mal ans andere Ende der Berufskette: z.B. Einzelhandel im Elektronikmarkt. Wenig Gehalt. Crunchtime von Mitte November bis Mitte Januar. In dieser Zeit Urlaubssperre. Und meist kann man nichts langer als 2 Wochen am Stück Urlaub nehmen.
Ja, der Vergleich hinkt natürlich, weil die Jobs so unterschiedlich sind. Aber im Kern passts

Player One 14 Komm-Experte - P - 2593 - 22. März 2020 - 18:55 #

In meiner Branche stehen wir aktuell auch in einer solchen Phase und ich bin mittendrin. In den Meetings verliert täglich mindestens einer der Beteiligten die Nerven und der Druck ist ständig zu spüren. Auf der einen Seite die Kollegen aus dem indirekten Bereich und die Manager, auf der anderen Seite meine Kollegen und ich im direkten Bereich. Ist die Arbeit mal erledigt, tauchen regelmässig neue Probleme auf, man fängt wieder von vorn an und alles muss am besten gestern fertig sein. Am späten Freitagnachmittag habe ich mir mal den Hinweis erlaubt, dass wir an diesem Wochenende mal nicht arbeiten, weil niemand mehr dazu bereit ist, da war die Aufregung aber mal richtig groß und prompt kamen die Drohanrufe der Führungsriege. Irgendwann hab ich dann mein Handy ausgeschaltet und jetzt freue ich mich schon auf morgen Früh, da geht der Spaß von vorne los. Das ganze macht mir doch langsam sehr zu schaffen und ich kann die Leute bei Naughty Dog verstehen.

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 80024 - 22. März 2020 - 19:13 #

Sag ihnen dass jetzt nicht mehr als 2 Leute zusammenkommen dürfen....

Player One 14 Komm-Experte - P - 2593 - 22. März 2020 - 22:23 #

Was das angeht sind wir schon lange per Skype unterwegs, das macht die gereizte Stimmung aber nicht besser. Schlechte Stimmung, ständige Vorwürfe und unangemessene Forderungen sind in einer TeKo genau so unangenehm, wie in einem realen Meeting. Zum Glück bin ich momentan im Home Office und muss nicht noch vor den Kollegen in Deckung gehen. Wir haben leider viele Ignoranten in unserer Abteilung, die sich noch darüber kaputt lachen, wenn man in diesen Zeiten etwas auf Abstand geht. Letzten Montag kam tatsächlich noch jemand aus dem Skiurlaub, aus südlichen Gefilden zurück und hat sich auf der Arbeit getummelt. Ab Dienstag musste er dann zuhause bleiben.

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 80024 - 23. März 2020 - 4:44 #

Wem sagst du das. Ich arbeite in einem Betrieb mit 3000 Mitarbeitern. Kein Plan wie unser Boss die 2 Mann Regel einhalten will.

Cat Toaster 10 Kommunikator - - 527 - 22. März 2020 - 20:54 #

Gäbe es nur eine Möglichkeit sich als Arbeitnehmer da irgendwie zu organisieren.

Extrapanzer 16 Übertalent - P - 5921 - 23. März 2020 - 1:04 #

Laut Originalartikel:
1) Festangestellte bekommen Überstunden nicht bezahlt, aber Erfolgsboni.
2) Schwammig: "Gute Gehälter" (wie gut?) und "Freistellung nach dem Crunch" ( bezahlt oder unbezahlt?).
3) Externe werden stundenweise nach Regelungen bezahlt, die ich so ähnlich von hier kenne: normale Überstunden mit 150%, erweiterte Überstunden mit 200%. (amerikanische Gehälter, oder Niedriglohngrafiker in Asien?).

Unterm Strich scheint das bei Naughty Dog für die Mitarbeiter besser zu sein, als ein normales Langzeitkonto, wo Überstunden nur mit einfachem Satz (100%) gutgeschrieben werden. Offenbar liegt es in der Eigenverantwortung der Mitarbeiter, das Guthaben aus Geld und Zeit dann auch vernünftig zu verwalten, in den richtigen Momenten eine Auszeit zu nehmen, z.B. während der Prägephase der eigenen Kinder.
Das ändert natürlich nix daran, dass Crunch für Programmierer Gift ist, weil sie in den Überstunden mehr Fehler machen, als sie am Tag drauf wieder ausbauen können und dass halt nicht jeder Mensch mit der Eigenverantwortung klar kommt - viele Menschen fühlen sich in einem starren 8-bis-5-Korsett einfach wohler, das gibt dem Tag Struktur.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 403115 - 24. März 2020 - 12:14 #

"Freistellung" ist normalerweise unbezahlt. Mit Sicherheit in den USA, wo "Krankheitstage" bedeutet, dass man eine gewisse Anzahl von Tagen unbezahlt zuhause bleiben darf.

T_Prime 14 Komm-Experte - 1801 - 23. März 2020 - 1:34 #

Finde ich nicht gut. Höre auch zum ersten mal davon. Klar kann es immer mal vorkommen, dass Überstunden nötig sind. Das sollte aber generell kein Dauerzustand und in dem Maße sein.

Green Yoshi 21 Motivator - P - 29024 - 23. März 2020 - 11:42 #

Offenbar haben viele der Angestellten davor in der Filmbranche gearbeitet und nicht die notwendige Erfahrung mit Videospielproduktionen. Bei der hohen Fluktuation ist es kein Wunder, dass man irgendwann auf Fachkräfte aus anderen Branchen zurückgreifen muss.

Tr1nity 28 Endgamer - P - 105403 - 23. März 2020 - 14:30 #

Gestern Entwickler ABC, heute Entwickler 123, morgen Entwickler XYZ. Ist ja nicht so, daß man zum ersten mal davon hört. Und solange sich in den Köpfen der Entwicklerstudios und vor allem der Publisher, somit Geldgeber, und den "Zeitplänen" diesbezüglich nichts tut, wird sich auch nichts ändern.

rammmses 19 Megatalent - P - 19549 - 23. März 2020 - 20:59 #

Sie haben es ja schon mehrmals verschoben, denke da ist auch ein gewisser Perfektionismus, der bis zum Letzten so viel daran arbeiten lässt. Wahrscheinlich wird offiziell keiner gezwungen, aber wenn die Firmenkultur Überstunden normalisiert, ist das alles nicht so einfach als erster nach Hause zu gehen. Als Außenstehender ist das schwer zu beurteilen.

Tr1nity 28 Endgamer - P - 105403 - 24. März 2020 - 13:12 #

Wenn man von vorn herein Release-Termine bzw. Deadlines zu eng setzt, zieht das natürlich einen Rattenschwanz mit sich, wenn man den ersten nicht einhalten kann. Da können sie noch so an Perfektionismus arbeiten wie sie wollen, wenn die Zeit letztendlich nicht reicht, wenn der Publisher spätestens an Tag X das Ding im Laden stehen haben will. Und wir alle wissen, wie mehr oder weniger "unfertig" die Spiele letztendlich dennoch auf den Markt kommen.

rammmses 19 Megatalent - P - 19549 - 24. März 2020 - 13:31 #

Sony setzt seine Studios aber eher nicht unter Druck, das war jetzt seit mind. 5 Jahren in Entwicklung.

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 24. März 2020 - 14:35 #

Dem wäre vorausgesetzt, daß alles auch planbar wäre und ja in vielen Bereichen einer Entwicklung ist es das auch, aber dann fällt einem irgendetwas auf die Füße: Das Gameplay macht keinen Spaß, ein neues Feature funktioniert wie gedacht und so weiter. Plötzlich ist der gesamte Plan am Arsch. Traditionell hat man sich auch noch eingeredet, das es am Ende der Alpha / Anfang der Beta schon alles wie gedacht funktioniert wird.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 24. März 2020 - 14:53 #

Es ist natürlich nicht alles planbar. Aber Crunch ist trotzdem *immer* in der Verantwortung des Managements. Denn einerseits gilt es natürlich, solche unplanbaren Ereignisse von Anfang an einzuplanen, weil man sich sicher sein kann, dass sie irgendwo auftreten werden. Und wenn das Maß dieser Ereignisse dann auch diese Pufferzeit überschreitet, gilt es:
- das Projekt zu verschieben oder
- Features / Content zu streichen.

Das ist auch nichts Besonderes, sowas passiert in der Spiele-Entwicklung überall, meistens ohne dass die Öffentlichkeit davon überhaupt was mitbekommt. Crunch entsteht nur, wenn sich das Management *aktiv* dazu entscheidet, das eigene Versagen auf dem Rücken der Mitarbeiter abzuladen. Kann man aus einer Machtposition heraus machen, ist aber asozial.

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 24. März 2020 - 15:26 #

Ich würde beim "eigenen Versagen" des "Management" vorsichtiger sein. Wir brauchen nicht darüber reden, daß "Crunch" scheiße ist und gänzlich unabhängig davon, ob er in einem kurzem oder längeren Zeitraum. Dies heißt nicht, daß er immer automatisch vermeidbar ist, wenn "das Managment" es nur möchte. Es bleibt allerdings dabei in der Verantwortung.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 24. März 2020 - 18:14 #

Ich habe die Sternchen extra deshalb gesetzt, um auszudrücken, dass ich es für absolut unangebracht halte, bei dem Thema vorsichtiger zu sein :P

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 25. März 2020 - 12:43 #

Dies dachte ich mir und bin dazu in Opposition. Es ist halt nicht möglich nach belieben Funktionen zu streichen und Fristen zu verlängern. Bei einer ordentlichen Entwicklung werden die notwendigen Aufgaben möglichst vor der "Nett zu haben" Liste abgearbeitet. Etwas aus diesem Kern herauszuschneiden, ist immer mit Schmerzen für alle verbunden, weil es tiefe Änderungen im Spiel bedeuten.

Eine Verzögerung bedeutet eben so Einschnitte, weil die Konkurrenz ebenso nicht schläft und die Messlatte höher setzen. Dies führt dann zu weiteren Arbeiten in der Engine mit der Gefahr, daß einem wieder alles aus einander fliegt und zu einer Endlosspirale werden. Hier nicht auf der Höhe der Zeit zu liegen kann wiederum den Ruf von Naughty Dogs nachhaltig schädigen.

In diesem Fall können wir noch dazu davon ausgehen, daß der Termin um das Erscheinen der PS5 liegen soll und Sony auch diesen Termin unbedingt halten möchte und zwar auch noch innerhalb der Spezifikationen. Sagen wir einmal das Dev - Kit von Naughty Dog entspricht zwar weitgehend der Endversion, hat aber kleine Abweichungen bei gleicher Leistung. Bei einem optimiert Code können diese kleinen, "irrelevanten" Abweichungen schon für ordentlich Ärger sorgen.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 25. März 2020 - 22:19 #

Man muss doch aber nicht einfach so aus heiterem Himmel was aus dem Kern wegschneiden. Wenn man einige Kommentare hier so liest, wirk es, als wäre Spiele-Entwicklung reines Rätselraten, bei dem Projektmanagement unmöglich ist. Das ist aber nicht so.

Wenn man plötzlich aus dem Kern was rausschneiden müsste, schon vorher in der Planung was falsch gelaufen. Das ist in der Regel frühzeitig abzuschätzen, sodass man Termine verschieben kann. Das muss man dann eben, inklusive mehr Geld, tun, wenn man ein gutes Produkt will. Oder man will eben kein gutes Produkt, dann hält man den Kostenrahmen, und streicht was.

Die Alternative ist doch nicht "Ich will aber das beste aus beiden Welten", wenn die heißt, dass man das auf dem Rücken der Arbeitnehmer realisiert.

Klar kann einem irgendwo was auseinanderfliegen, wenn man in einer unglücklichenn Situation im Markt ist. Aber wenn das dazu führt, dass man Aufträge annimmt, von denen man weiß, dass man sie nicht ohne Crunch erfüllen wird, heißt das: Das Management trifft diese Entscheidung.

Entweder ist also das Management einfach doof, weil es keine Ahnung hat, wie sowas zu planen ist, um zu wissen, dass man gerade für 6+ Monate Crunch unterschrieben hat, mit dem man garantiert einen Teil der Mitarbeiter in den Burnout, und einen noch größeren aus der Branche treibt – oder sie machen das bewusst. Beides ist in meinen Augen Versagen. Ersteres direkt in der Aufgabe, die sie haben, letzteres bezogen auf die Verantwortung, die sie gegenüber den Mitarbeitern haben.

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 26. März 2020 - 0:36 #

Es ist bei weitem kein Rätselraten, aber wenn man nicht immer wieder im Kern dasselbe produziert, gibt es immer Wagnisse. Wenn einem dann etwas um die Ohren fliegt, ist meist ordentlich und oft in Bereichen bei denen Parallelisierung eher schwierig möglich ist.
Sie können versuchen dutzendweise fähige Programmierer anzuheuern (meines Wissens ein eher rares Gut auf dem Markt), diese über Monate in die Firmenstruktur und das Projekt einarbeiten und dann hoffen, daß einer von ihnen den genialen Gedanken hat und ihn umsetzt, um sie anschließend wieder zu feuern beziehungsweise die befristeten Arbeitsverträge auslaufen zu lassen.

Daß ein Problem zu spät erkannt wird, ist aber auch menschlich bedingt. Natürlich glaubt ein Designer daran, daß seine Idee funktioniert und "Spaß macht". Dazu noch etwas Hybris, Vertrauen der Ausführer und der kapitalistische Gedanke, daß man alles schaffen kann. Am Ende der Alpha ist dann die Kriese groß. Klar dies wäre vermeidbar, aber wir wissen beide, daß Menschen nicht so sind.

Ich denke allerdings nicht, daß Naughty Dog hier einen Vertrag unterschrieben, bei dem in vorneherein "Crunch" absehbar war. Aber sicherlich gingen sie damit auch ein Risiko ein.
Hier passt aber etwas der Meldung beim Nachlesen nicht in meine durchaus bescheidenden Kenntnisse der modernen Spielentwicklung und Planung: Crunch in der monatelanger in der Endphase. Eigentlich steht das Spiel schon und ist seit dem Ende der Alpha komplett. In der Betaphase geht es (salopp gesagt) mehr um die Texturierung, Balancing und Polierung. Motion Capture und Ko sollte auch schon fertig sein. Selbst dann sind dies eigentlich alles Dinge, welche durchaus parallelisierbar sind. Also was hat ihnen das Spiel so abgeschossen?

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 166579 - 26. März 2020 - 1:14 #

Zahlreiche Entwickler heutzutage sehen das Phänomen Crunch als Symptom für das Versagens des Managements. https://www.spiegel.de/netzwelt/games/cyberpunk-2077-und-co-das-crunch-problem-der-gamesbranche-a-1272152.html #DerSpiegel

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 26. März 2020 - 1:40 #

Dies geht zumindest beim Überfliegen der Artikels nicht hervor. Genauer wird dort sogar ein Großteil des Crunch alleine auf die QA abgeschoben.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 166579 - 26. März 2020 - 1:56 #

*Zitat: "...Spieleentwicklungen seien weniger planbar als Filmproduktionen, sagt Iwinski - ein Punkt, dem viele Entwickler, die Crunch als Symptom für Versagen im Projektmanagement sehen, widersprechen würden..."

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 26. März 2020 - 10:51 #

Ich lese da, daß die Teilmenge einer Teilmenge dieser Meinung ist. Also von den Entwicklern, welche Crunch für das Versagen des Projektmanagement sehen, würden viele widersprechen.
Mein Hauptproblem am Artikel ist, daß er Fakten meidet wie die Pest: Ich wüsste nicht, daß Marcin Iwinski Ahnung von der Filmproduktion hätte. Die Gegenstimmen sind immer "viele" oder "zahlreiche" - keine Namen oder Zahlen oder anonymisierte Erhebungen.

PS:
Vielleicht wäre dieser Zeit - Artikel eine bessere Basis? https://www.zeit.de/karriere/beruf/2017-05/games-branche-videospiel-entwickler-traumjob-arbeitsbedinungen

euph 27 Spiele-Experte - P - 86703 - 26. März 2020 - 7:46 #

Nach der Diskussion hier bin ich noch gespannter darauf, was im Podcast #258 von Auf ein Bier dazu gesagt wird, in dem es um die Frage "Warum verspäten sich Spiele" geht. Hab erst damit angefangen, aber auch hier wurde Crunch schon angerissen, eine weitere Erläuterung aber auf später verschoben.

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 26. März 2020 - 10:36 #

Ich fand die Ausführungen durchaus interessant.

euph 27 Spiele-Experte - P - 86703 - 26. März 2020 - 10:50 #

Auf dem Heimweg höre ich weiter :-)

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 23164 - 26. März 2020 - 13:15 #

Ich bin auch gerade erst auf die Folge gestoßen. Bin gespannt :)

euph 27 Spiele-Experte - P - 86703 - 27. März 2020 - 7:40 #

Der Part mit dem Crunch fing gerade erst an, als ich auf der Arbeit angekommen bin. Jetzt muss ich auf die Heimfahrt warten :-(

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 23164 - 27. März 2020 - 11:24 #

Na, das ist ja in 1.5 Stunden ;)

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 27. März 2020 - 14:01 #

Ich dachte Du sitzt alleine im Bureau.

euph 27 Spiele-Experte - P - 86703 - 30. März 2020 - 7:26 #

Ja, das stimmt. Muss aber trotzdem was arbeiten und (interessante) Podcasts kann ich nicht nebenbei hören.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 24. März 2020 - 15:40 #

Wenn jeder Geldgeber/Publisher da großzügig mit den eingeplanten Unplanbarkeiten wäre, würden das sicher auch mehr Leute tun.

Ich finde es schon für etwas salopp, so von ganz oben zu sagen: Dann müssen die halt ihr Projekt verschieben oder Features streichen. Die sind doch nicht doof. Die wissen alle, dass ihr Erfolg auf harter Arbeit basiert und ihnen nichts geschenkt wird.

In meiner aktiven Zeit als Musiker, war ein 12-14h Tag völlig normal ... sowohl ohne als auch mit Management. Als Freelancer in der Spielentwicklung waren bei einigen Projekten 18h durchaus häufig der Fall. Da hat mir das Homeoffice dann auch nicht mehr viel gebracht. Ein paar dumme Fehler aus Unwissenheit und du hängst deinem Zeitplan eine Woche oder 2 hinterher. Bestimmte Sachen schafft man einfach nur mit besonderem Einsatz. Mittelmaß wird ja auch von keinem Spieler honoriert.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 24. März 2020 - 18:25 #

Das hat doch nichts mit "von ganz oben" zu tun. Wir reden von einer Firma, die Angestellte hat, mit einer täglichen Arbeitszeit von in der Regel 8 Stunden, vertraglich vereinbart. Damit muss ich als Firma klarkommen, und zwar ohne über Monate die Arbeitszeit auf 12 Stunden täglich plus Nacht- oder Wochenendarbeit auszudehnen.

Es gibt auch viele Firmen, denen das sehr gut gelingt. Da gibt es vielleicht mal 1-2 Wochen moderate Überstunden vor wichtigen Terminen, die direkt danach wieder abgebaut werden können. Man muss jetzt nicht so tun, als wäre das alles so ein absolut unkontrollierbares, magisches Hexenwerk, schon gar nicht bei einer erfahrenen Firma wie Naughty Dog, bei denen die grobe Struktur der Spiele immer die gleiche ist (Einzelspieler, Story, keine open World).

Also, nein, das ist überhaupt nicht salopp, das sind die Optionen, die ich habe, wenn ich die Lebenszeit meiner Mitarbeiter achten und wertschätzen will, und die, siehe oben, absolut normale Ereignisse in der Spiele-Industrie sind. Oder ich scheiß' halt drauf, dann kann ich auch machen was Naughty Dog macht. Ob das nun vom Management des Entwicklers oder des Publishers ausgeht, beides ist heute in immer mehr Fällen ohnehin identisch, ist da natürlich völlig egal. Zum Glück protestieren zunehmend mehr Menschen gegen dieses Vorgehen.

Was der Hinweis, dass es dir auch mal so scheiße erging, nun dabei helfen soll, ist mir nicht klar. Das kann doch keine Rechtfertigung sein.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 24. März 2020 - 18:35 #

Dass es mir dabei scheiße ging habe ich nicht gesagt, wolltest du aber wohl so deuten ;)

Mir ist klar, dass viele Leute nicht den geringsten Hauch einer Idee davon haben, was es heißt, gemeinsam etwas zu stemmen, damit eine Vision Wirklichkeit wird. Alleine schon den Qualitätsanspruch zu bagatellisieren, wie du es tust (immer das gleiche) finde ich reichlich von oben herab.

Wenn Leute hart zusammenarbeiten wollen, darf das schon in Ordnung sein. Alle anderen können sich doch gerne andere Arbeitgeber suchen.
Ich würde heute im Gegensatz zu den 80ern und 90ern auch nicht mehr so reinhauen wollen. Dafür habe ich mein Setting heute auch entsprechend gestaltet.

Falls bei Naughty Dog nicht leistungsgerecht bezahlt wird, kann man den Betroffenen allerdings nur raten sich anderweitig zu orientieren. Wenn die persönliche Kosten/Nutzenrechnung nicht stimmt muss man handeln. Dafür ist man allerdings selbst verantwortlich.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 24. März 2020 - 22:49 #

erging != ging

Das mit dem bagatellisierten Qualitätsanspruch wolltest dann wohl du so deuten?

Der Rest deines Beitrags ist eine schändliche Verharmlosung systematischen Ausbeutertums. Allein dass sich heutzutage überhaupt noch jemand traut, das "sucht euch halt eine andere Arbeit"-Argument zu bringen, wenn es um Arbeitnehmerschutz geht. Das Problem ist gerade, dass es in der Regel junge und unerfahrene Menschen trifft, die weder einschätzen können, was "normal" ist, noch sich leisten können, einfach irgendwo anders hin zu gehen, geschweige denn die mentale Stärke haben, für ihre Bedürfnisse einzutreten in einem Umfeld, das sie kaum kennen, und in dem sie gegenüber einem kalkuliert-berechnend handelnden Management klar unterlegen sind.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 25. März 2020 - 8:57 #

Ist auch mit "erging" nicht richtig.

Wenn ich als Programmierer einen "Job" möchte, dann bewerbe ich mich bei SAP, Siemens oder ähnlichem. Wenn ich Spiele entwickeln möchte, dann schaue ich bei welchen Firmen ich am meisten lernen kann, und wenn ich ein richtig guter Profi bin und AAA Top Spiele auf Naughty Dog Niveau machen möchte gehe ich zu Naughty Dog. Du redest von schwachen Lohnangestellten, ich rede von Topprofis, die wissen was sie einbringen wollen.

Es gibt nun mal Berufe, die kann man eigentlich niemandem empfehlen. Schauspieler, Musiker, Maler, Spieleentwickler, Sportler ... da kommen einfach nur die Harten in den Garten. Ob unterm Strich die Kosten/Nutzen Rechnung stimmt muss man schon selber mit sich klarmachen. Wem das zu heftig ist geht vielleicht doch lieber in ruhigere Angestelltengefilde. Ist ja nicht so dass keine Programmierer gesucht würden ...

Cupcake Knight 18 Doppel-Voter - P - 9513 - 25. März 2020 - 9:51 #

„Ob Leute für mein Vergnügen sterben ist mir egal“ so klingt das bei dir.

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 25. März 2020 - 11:45 #

Eigentlich argumentiert Harry eher auf einer "Wer mit dem Feuer spielt, verbrennt sich" - weise.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 25. März 2020 - 22:36 #

Nur dass es absolut keinen Grund gibt, hinzunehmen, dass es hier ein Feuer gibt, weil das Feuer gesellschaftlich konstruiert und nicht immanent notwendig ist. Es ist also nur deshalb ein Feuer, weil es Menschen gibt, die wollen, dass es eins ist – und andere, die ihnen dabei helfen, das Märchen von diesem Feuer aufrecht zu erhalten.

Die scheinbar unausweichliche Logik dieser Sichtweise entsteht nur deshalb, weil eine Ausgangssituation als gegeben angenommen wird, die nicht gegeben ist.

Gerade bei Diskussionen um prekäre Beschäftigungsverhältnisse kommt das oft vor: Das geht nicht anders, nur so ist es wirtschaftlich tragbar, die Leute müssen den Job ja nicht machen – Immer das gleiche, und meistens stellt sich später raus: Ups, stimmte ja gar nicht, diente nur der Wohlstandssicherung einer kleinen Gruppe.

Warum also sollte Spieleentwicklung ein Feuer sein? Weil es nicht anders geht? Blödsinn, es gibt haufenweise Entwickler, die uns heute schon zeigen, dass es anders geht. Nur weil einige Entwicklerstudios meinen, sich auf Basis ihrer Reputation anachronistische Verhältnisse erhalten zu können, wird daraus kein Feuer.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 166579 - 26. März 2020 - 1:18 #

Sehe ich ganz genauso. Viele Entwickler in letzter Zeit sind der Meinung, das Crunch ein Symptom für Managementversagen ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 26. März 2020 - 8:31 #

Es gibt einen klaren Indikator für die Zufriedenheit der Arbeitnehmer. Wie hoch ist die Fluktuation? Und darüber finde ich nichts.

Witzig am Rande: Wenn sich eine ältere Dame mit 65 mit ihren ähnlich alten Mitarbeitern in einen Crunch begeben muss um dieses Land zu führen, kümmert es keine Sau. Frau Merkel? Die soll mal etwas schneller arbeiten! :)

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 80024 - 26. März 2020 - 15:01 #

Nee, zum Dank soll sie aufgehängt, vergast etc werden. :(

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 26. März 2020 - 17:17 #

Irgendwie ist bei uns immer die aktuelle Bundesregierung schlechteste aller Zeiten und wehe jemand bleibt über mehrere Legislaturperioden im Amt.

AlexCartman 19 Megatalent - - 14497 - 26. März 2020 - 20:50 #

Diese Meinung wird nur von linken und rechten Spinnern jeweils ganz außen vertreten. Die Masse findet die aktuelle Regierung meist immer noch ok. Sonst hätten wir nicht nur drei Kanzler seit 1983 gehabt.

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 26. März 2020 - 21:31 #

Da hast Du die treue CDU - Wähler aber nicht seit der Wende über Kohl schimpfen hören.

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 80024 - 27. März 2020 - 0:41 #

Mein Vater ist weder links noch rechts, aber findet die Regierung seien komplett alles Verbrecher. Finde den Fehler.

Elfant 24 Trolljäger - P - 47075 - 26. März 2020 - 10:43 #

Also wenn schon sind viele niederrangige Angestellte der Meinung, daß notwendig Überstunden ein Symptom für Managementversagen ist.

Hendrik 27 Spiele-Experte - P - 80024 - 25. März 2020 - 19:20 #

So ein Unsinn, Harrys Argumentation ist logisch mit guten Argumenten unterfüttert. Es klingt eher nach "Ich will aber das letzte Wort haben" bei dir! ;)

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 25. März 2020 - 22:23 #

Glaube kaum, dass jemand, der gerade erst in eine Diskussion einsteigt, das tut, um das letzte Wort zu haben.
Die guten Argumente suche ich derweil noch, genauso wie nach Zeit und mentaler Gelassenheit, um angemessen eingehen zu können.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 26. März 2020 - 8:53 #

Wenn du schon Dinge in meinen Kommentar reinliest, die da nicht stehen, dann bleib wenigstens in der Perspektive: Ob ICH für das Vergnügen anderer sterben will, entscheide ich selbst.

Tr1nity 28 Endgamer - P - 105403 - 24. März 2020 - 14:53 #

Solche Probleme hast du evtl. am Anfang, nicht in der Endphase. Und ich behaupte mal, daß derartigen Probleme, und somit Verzögerungen, im allgemeinen Zeitplan auch in gewissem Maße einkalkuliert sind.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 24. März 2020 - 15:23 #

Eigentlich ist die kritische Phase, wenn nach längerer Entwicklungszeit die Module zusammen kommen und reibungslos miteinander funktionieren müss(t)en. Wird auch einkalkuliert kann aber trotzdem voller böser Überraschungen stecken.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 24. März 2020 - 18:17 #

Dass man lange unabhängig an irgendwelchen Modulen schraubt, und die erst ganz am Ende zusammensetzt, nur um dann zu sehen, dass alles wieder auseinanderexplodiert, ist heutzutage eher unüblich und würde auf Unerfahrenheit hindeuten. Man kennt solche Geschichten zwar aus vielen alten Making-Ofs, aber da geht's meistens um sehr alte Spiele.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 24. März 2020 - 18:55 #

Nein, ich meinte eher die Phase, wo z.B. Bugs in den einelnen Modulen bereinigt werden oder Features hinzukommen oder herausgenommen werden und dabei im Zusammenspiel andere Probleme entstehen.

Man kann den Effekt übrigens häufiger mal recht hautnah selber erleben, wenn Frontier ein neues Elite Dangerous Upgrade herausbringt. Da passieren wochenlang plötzlich die wildesten Dinge im Spiel.

Tr1nity 28 Endgamer - P - 105403 - 24. März 2020 - 20:44 #

Wenn ich jetzt mal ganz böse bin ^^...

"...wo z.B. Bugs in den einelnen Modulen bereinigt werden"

Nennt sich Day1 Patch und sonstige Patch-Updates relativ kurz nach Release.

"...oder Features hinzukommen oder herausgenommen werden und dabei im Zusammenspiel andere Probleme entstehen."

Nennt sich DLC, den man dann später für extra Kohle anpreist.

Man kann es also so oder so sehen :).

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 24. März 2020 - 22:20 #

Das ist jetzt aber schon sehr weit weitergedacht ;)
Aber gerade bei Elite Dangerous bin ich da auch öfter mal schwer verwundert, was da nach jedem Update für Probleme auftauchen.

Larnak 22 AAA-Gamer - P - 32757 - 25. März 2020 - 4:09 #

Das ist keine "Phase", das findet fortlaufend die ganze Zeit über statt – Tendenziell aber eher *weniger* am Ende, weil die wichtigsten Systeme dann fertig sind und es eher um Polishing und Contentproduktion geht. Also um die Dinge, die tendenziell besser planbar sind.

Harry67 18 Doppel-Voter - - 12635 - 25. März 2020 - 8:21 #

Dann würde es sicher wenige Day1 Patches geben.

Hier ein Link zum Thema, bei dem das aufgeführt wird, was ich meine:
https://www.eurogamer.net/articles/2019-10-15-the-writing-of-witcher-3