Coin Master: Laut BPjM „keine rechtliche Grundlage für die Indizierung“

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5. März 2020 - 19:49 — vor 1 Jahr zuletzt aktualisiert
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Im Oktober des vergangenen Jahres informierten wir euch über einen Beitrag des Neo Magazin Royale, in dem Jan Böhmermann sich in der von ihm gewohnten Art und Weise des Mobil-Titels Coin Master annimmt. In der Beschreibung zum 20 Minuten langen Video, das derzeit über knapp zwei Millionen Aufrufe verfügt, heißt es unter anderem:

Eine niedliche kleine App mit süßen Tierchen in einer possierlichen Fantasiewelt, bei dessen Anblick viereckige Kinderaugen funkeln [...]. Aber was hat ein virtueller Spielautomat in einem vermeintlichen Kinderspiel verloren?

Im Clip thematisiert Böhmermann beispielsweise die Abzock-Mechanismen und die sogenannten „Prominenten“, die dieses (Glücks-)Spiel bewerben, bei dem auch Echtgeld eingesetzt werden kann und dessen Zielgruppe vor allem junge Spielerinnen und Spieler sind. Zudem war der Beitrag der Auslöser für eine Prüfung des Titels durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), deren Ergebnis nun vorliegt.

In der entsprechenden Pressemitteilung schreibt die Behörde, dass sowohl Coin-Master als auch die vergleichbaren Spiele-Apps Coin Trip und Coin Kingdom „keine jugendgefährdende Wirkung im Sinne des Jugendschutzgesetzes [haben]“. Zwar ist die „Verharmlosung von Glücksspiel sozial-ethisch desorientierend“, laut dem Gremium der Bundesprüfstelle erfüllen die genannten Titel diesen Tatbestand jedoch nicht.

In der ausführlichen Begründung verweist die BPjM darauf, dass derzeit keine rechtlichen Grundlagen für die Indizierung dieser und ähnlicher Spiele(-Apps) existieren. Im Wortlaut heißt es dazu:

Medien, die die Entwicklung und Erziehung von Kindern oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit gefährden, gelten als sozial-ethisch desorientierend und sind zu indizieren. Der staatliche Schutzauftrag zielt vor diesem Hintergrund unter anderem darauf ab, Medieninhalte von Minderjährigen fernzuhalten, die die bloße Konsumbereitschaft bezogen auf ein Konsummittel mit Suchtgefährdungspotential fördern. [...] Simuliertes Glücksspiel, wie es sich in den verfahrensgegenständlichen Apps in simulierten Spielautomaten findet, war bislang nicht Gegenstand der Spruchpraxis der Bundesprüfstelle.

Folglich ist eine Erweiterung der Rechtssprechung in Bezug auf entsprechende Produkte erforderlich, um mögliche jugendgefährdende Auswirkungen feststellen zu können:

Zur Erfassung [der] jugendgefährdenden Wirkung bedarf es [...] einer grundsätzlichen Erweiterung der gefestigten und durch Rechtsprechung bestätigten Spruchpraxis der Bundesprüfstelle zu Konsummitteln mit Suchtgefährdungspotential um den Tatbestand der Verherrlichung beziehungsweise Verharmlosung von Glücksspiel.

Dieser Tatbestand war nach Einschätzung des Gremiums in den verfahrensgegenständlichen Verfahren zu den Spiele-Apps Coin Master, Coin Trip und Coin Kingdom auf Grundlage der genannten derzeitigen rein medieninhaltlichen Ausrichtung des Jugendschutzgesetzes nicht erfüllt. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Visualisierung der Spielautomaten auch von echten Spielautomaten abweichende Elemente aufweist, der Spielfluss immer wieder durch andere Spielhandlungen unterbrochen wird und neben dem Gewinn von Coins weitere für das Spiel relevante Alternativen gewonnen werden können. Von einem hierdurch getriggerten realweltlichen Verhalten kann nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit ausgegangen werden.

Q-Bert 21 Motivator - - 27019 - 5. März 2020 - 19:54 #

Wie sich die Zeiten doch ändern...

Die Bundesprüfstelle anno 1985 zum C64-Spiel 'Beach Head':
"Bei Jugendlichen führe das Spiel zu physischer Verkrampfung, Ärger, Aggressivität, Fahrigkeit im Denken, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen und anderem." => Indiziert!

euph 28 Endgamer - P - 104326 - 5. März 2020 - 20:33 #

Um das rauszufinden, brauchten wir aber Coinmaster nicht ;-)

soulflasher 14 Komm-Experte - P - 2501 - 5. März 2020 - 20:36 #

Kann ich absolut nachvollziehen.
Siehe meine Kommentare auf Gamers Global.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 195033 - 5. März 2020 - 21:07 #

Hm, wieso eigentlich nochmal?

soulflasher 14 Komm-Experte - P - 2501 - 5. März 2020 - 21:17 #

Genau.
*remember*
*denk noch mal nach*
OMFG

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 195033 - 6. März 2020 - 0:20 #

Ach du bist das...

Hermann Nasenweier 20 Gold-Gamer - P - 20012 - 6. März 2020 - 1:34 #

Und wir armen Schweine durften damals nichtmal an Arcadeautomaten weil die ja auch schon jugendgefährdet waren.

Baumkuchen 17 Shapeshifter - 8591 - 6. März 2020 - 11:01 #

Zugegeben hätten die Dinger mein Taschengeld verschluckt wie nichts gutes. Stattdessen habe ich mir dann jeden Tag ne Lakritzschnecke oder dergleichen auf dem Nach-Hause-Weg geholt und wurde immer dicker. Schönen Dank auch!

euph 28 Endgamer - P - 104326 - 6. März 2020 - 12:10 #

Ich hab einige Markstücke in Flipper und einen Phoenix-Arcade-Tisch investiert. Ich frag mich mittlerweile immer, ob das damals noch legal war und erst später verboten oder ob dass die Betreiber des Freibades dort einfach nicht gekümmert hat.

Hermann Nasenweier 20 Gold-Gamer - P - 20012 - 6. März 2020 - 13:08 #

Ich kenne es nur aus dem Schwimmbad hier, da gab es im Untergeschoss eine kleine Spilehölle mit 5 Automaten. Da stand schon ab 18 drauf, hat aber oft niemanden interessiert. Wenn wir zu lange drin waren oder zuviele Kinder, wurden wir aber rausgeschickt.

Q-Bert 21 Motivator - - 27019 - 6. März 2020 - 19:17 #

Wurde wohl 1985 für Jugendliche verboten.

https://www.videospielgeschichten.de/das-verschwinden-der-videospielautomaten-in-deutschland/

euph 28 Endgamer - P - 104326 - 6. März 2020 - 19:55 #

Dann war es vorher.

Green Yoshi 21 Motivator - P - 30816 - 5. März 2020 - 20:50 #

Die Prüfer haben erst einmal alles richtig gemacht, der Gesetzgeber ist jetzt in der Pflicht. Hoffentlich lässt sich der Bundestag dafür nicht so viel Zeit wie bei der Wahlrechtsreform.

Elfant 24 Trolljäger - P - 55077 - 5. März 2020 - 22:21 #

Ein frommer Wunsch. Dafür müsste erst einmal die Glücksspieldefinition erweitert werden und dafür braucht der Bund die Zustimmung der Bundesländer.

Punisher 21 Motivator - - 26122 - 5. März 2020 - 23:05 #

Ich fürchte auch, der Gesetzgeber hat im Moment andere Sorgen als Kinder, die vielleicht von einem Glücksspiel-Automaten in einem Handygame negativ beeinflusst werden könnten. Insofern könnte ich sogar verstehen, wenn das nicht SO hoch auf der Prioliste landet.

Green Yoshi 21 Motivator - P - 30816 - 6. März 2020 - 10:51 #

Das Wohl von Kindern hat leider in der Tat keinen sonderlich hohen Stellenwert bei Politikern in Deutschland:

"Nur acht Prozent der Kindertagesstätten in Deutschland hatten 2019 durchgehend eine auskömmliche Personalausstattung zur Verfügung. Jede vierte Kita gab dagegen an, sogar in über 40 Prozent der Betreuungszeit mit zu wenig Personal gearbeitet zu haben. Im Vergleich zum Vorjahr sei das eine Steigerung entsprechender Rückmeldungen durch Kita-Leitungen um acht Prozent, kritisierte der Vorsitzende der Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Der Zustand sei „flächendeckend dramatisch“ und das Versagen der Politik „schockierend und verantwortungslos“.
...
94 Prozent der Kitas haben nach Angaben der befragten Leitungskräfte im Bereich der unter dreijährigen Kinder eine Fachkraft-Kind-Relation, die hinter der wissenschaftlichen Empfehlung von 1:3 zurückbleibt. Bei den über Dreijährigen verfehlen demnach 76 Prozent den statistischen Betreuungsschlüssel von 1:7,5....
...
Viele Kitas müssten „regelmäßig und über so lange Zeiträume mit so wenig Personal auskommen, dass nicht einmal mehr eine ordnungsgemäße Aufsichtsführung möglich ist“, kritisieren die Autoren der Studie, die unter wissenschaftlicher Begleitung des Koblenzer Professors für Sozialmanagement, Ralf Haderlein, entstanden ist.
...
Noch immer sind etwa 93 Prozent der Erzieher in Deutschland weiblich.
...
Immerhin empfänden 69 Prozent der Befragten ihre Arbeitsbelastung als akut gesundheitsgefährdend."

https://www.welt.de/regionales/nrw/article206339909/Udo-Beckmann-stellt-Ergebnisse-einer-Befragung-deutscher-Kita-Leiter-vor.html

reen 14 Komm-Experte - P - 2397 - 5. März 2020 - 22:16 #

Hier muss defenitiv etwas getan werden, ich halte diese App für mehr als pretenzös.

invincible warrior 14 Komm-Experte - 2132 - 6. März 2020 - 3:44 #

Wie wäre es dann mit der elterlichen Aufsichtspflicht? Eltern müssen ja nicht alles überprüfen, aber wenn das Kind regelmäßig wegen irgendwelcher Coins bettelt, würde ich da doch mal reinschauen. Und falls du jetzt damit kommst, dass das Kind ja sein Taschengeld investiert... möglich, aber wozu die Kinder ungefähr ihr Taschengeld ausgeben, gehört auch zur Aufsichtspflicht.

Sowas gehört imo nicht indiziert, aber ein (mindestens) verpflichtender USK16 Sticker sollte schon drauf kleben. Aber dafür müssen halt Gesetze geändert werden und dafür müssen die erstmal an den Glücksspiellobbyisten dran vorbei.

Ganon 24 Trolljäger - P - 63614 - 6. März 2020 - 13:42 #

Coin Master hat eine USK-16-Einstufung.

ERRORrothe 13 Koop-Gamer - 1324 - 6. März 2020 - 10:15 #

Prinzipiell bin ich da bei dir. Aber eine Indizierung würde ja wenigstens schon ein Werbeverbot mit sich ziehen (selbst ein ab 18 Siegel würde helfen, da erst nach 22 Uhr beworben werden darf) und ich verstehe einfach nicht, warum hier nach wie vor ein Unterschied zwischen Zigaretten, Alkohol, Casino und anders definiertem Glücksspiel (ala Coin Master) gemacht wird.

Solange die Coin-Master (& Co) Werbung tagsüber im TV läuft, kann ich mich auch wieder hinstellen und die Alkohol- und Zigarettenwerbung auf den Rallyautos zurückverlangen.

Hermann Nasenweier 20 Gold-Gamer - P - 20012 - 6. März 2020 - 13:04 #

Oder in den Spielezeitschriften. Der Malboro Mann reitet halt mit Kippe und Gameboy durch die Prärie ;)

Novachen 19 Megatalent - 14746 - 6. März 2020 - 13:00 #

Warum alles auf den Staat abwälzen?

Bindende USK-Vorschriften gehen schon aus meiner Sicht zu weit. Das sollten aus meiner Sicht auch nur Empfehlungen sein. Die letzte Instanz sollten aber immer die Eltern und nicht der Staat sein.

Natürlich dürfen Kinder auch sowas spielen, wenn die Eltern damit einverstanden sind. Auch dürfen die Kinder auch das Taschengeld dafür investieren, überhaupt kein Problem.
Nur liegt das halt auch an den Eltern den Kindern beizubringen, hauszuhalten.

Der Staat kann und soll keine Kinder erziehen, sondern die Eltern sollen das machen. Und wer dazu nicht bereit ist, sollte sich lieber überlegen ihr Kind in bessere Hände zu geben. Gibt viele Menschen die gerne eins hätten um es zu erziehen und es aus unterschiedlichen Gründen nicht können.

Ganon 24 Trolljäger - P - 63614 - 6. März 2020 - 13:44 #

Ist doch faktisch so. Du darfst deinem Kind ein Spiel mit hoher USK-Einstufung kaufen und es das spielen lassen. Die rechtliche Verbindlichkeit besagt nur, dass sie es nicht direkt selbst kaufen dürfen, also quasi ohne Aufsicht der Eltern. Damit die wissen und darüber entscheiden können, was ihr Kind spielt.

Novachen 19 Megatalent - 14746 - 6. März 2020 - 15:00 #

Nee, eigentlich dürfen die das ja nicht einmal spielen.

Das ist ja die Krux an der aktuellen Gesetzteslage.
Macht sich halt nur niemand die Mühe sie ganzen Fortnite-Kinder anzuzeigen. Das Gesetz wäre aber auf deren Seite :D

euph 28 Endgamer - P - 104326 - 6. März 2020 - 15:36 #

Bist du dir da sicher? Die Altersfreigabe regelt IMO nur, ab welchem Alter das betroffene Spiel einem Kind oder Jugendlichen ÖFFENTLICH zugänglich gemacht werden darf.

DIE BAG dazu:

Für Eltern: Grundsätzlich regelt der Staat mit seinen Al- terskennzeichen nicht, wie und welche Medieninhalte Eltern ihren Kindern zu Hause zugänglich machen. El- tern sollten ihren Kindern jedoch nur solche Spiele ge- ben bzw. erlauben zu spielen, die eine entsprechende Altersfreigabe haben.
Der Jugendmedienschutz bezüglich der Computer- und Videospiele, die nicht auf einem Datenträger erhält- lich sind, sondern ausschließlich online angeboten werden, wird rechtlich nicht durch das Jugendschutz- gesetz geregelt, sondern durch den Jugendmedien- schutz-Staatsvertrag (JMStV).

https://www.bag-jugendschutz.de/PDF/Dossier_Computerspiele-Neuauflage.pdf

Ganon 24 Trolljäger - P - 63614 - 6. März 2020 - 16:59 #

Bin mir auch ziemlich sicher, dass Novachen falsch liegt. Ich darf ja z.B. auch beschlagnahmte Spiele besitzen und spielen, nur nicht kaufen...
Ist hier im Grunde ähnlich. Strafbar macht sich der Verkäufer, der einem Kind ein USK-18-Spiel verkauft. Aber nicht die Mutter, die es das zu Hause spielen lässt.

Elfant 24 Trolljäger - P - 55077 - 6. März 2020 - 17:14 #

Beides hat ein Jein als Antwort. Die Alterskennzeichnung ist allgemein verbindlich, aber Eltern genießen nach Artikel 6 des Grundgesetzes Privilegien in der Erziehung und können sich (im Rahmen) darüber hinwegsetzen. Aber die Eltern müssten auch verhindern, daß das Kind einem anderem fremdem Kind den Zugang ermöglicht und da sieht es dann Essig aus.

Green Yoshi 21 Motivator - P - 30816 - 6. März 2020 - 14:33 #

Der Staat hat die Aufgabe Kinder von verantwortungslosen Eltern zu schützen. Leider haben die anderen Eltern daran kein Interesse, weil sie diese Kinder als spätere Konkurrenz für ihre Kinder um Studienplätze, Jobs, Wohnungen etc. betrachten.

TheRaffer 21 Motivator - - 28435 - 7. März 2020 - 21:58 #

Interessant, einer der wenigen Fälle, wo sich alle wundern, wenn die BPjM mal nicht liefert...

Elfant 24 Trolljäger - P - 55077 - 8. März 2020 - 0:06 #

Zumindest wundern sich nicht alle.

TheRaffer 21 Motivator - - 28435 - 8. März 2020 - 19:14 #

Na okay, aber doch viele.

Elfant 24 Trolljäger - P - 55077 - 9. März 2020 - 4:44 #

Die dachten sich Schröder und Seehofer sicherlich auch damals, als die BPjM nicht ihrem Wort gehorchte.

TheRaffer 21 Motivator - - 28435 - 9. März 2020 - 8:46 #

Was ich einen der wenigen coolen Züge dieser Institution fand. ;)

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