Gute Sprache, gutes Spiel?

GC19: Cyberpunk 2077 angehört – Johnny spricht Deutsch

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Dennis Hilla 87616 EXP - Redakteur,R10,S10,C10,A10,J10
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21. August 2019 - 11:17 — vor 12 Wochen zuletzt aktualisiert
Auf der Kölner Messe hat CD Projekt Red erstmals die deutsch lokalisierte Version des futuristischen Rollenspiels hören lassen. Dennis hat gelauscht und formuliert Gedanken zu Stimmen und Spiel.
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Die Spielepresse überschlägt sich seit Monaten, genau gesagt seit der E3 2018, und ist sich weitestgehend einig: Cyberpunk 2077 von CD Project Red, den Machern von The Witcher 3 - Wild Hunt, wird nicht nur ein sehr gutes Spiel, es wird ein Meisterwerk, ein Meilenstein, die Regeln für moderne Rollenspiele neu definieren. Nach dem, was ich in den gut 45 Minuten auf der Gamescom 2019  von dem Titel sehen konnte, bin ich mir nicht sicher, ob die ganzen Superlative wirklich schon angebracht sind – dafür aber sehr wohl, dass die deutsche Sprachfassung mindestens sehr gut wird. Das nicht komplett enthusiastische Fazit von Benjamin in seiner Preview von der ziemlich ähnlich aufgebauten E3-Demo kann ich jedenfalls nachvollziehen.
Die Weitsicht während der Präsentation war sehr beeindruckend, Night City wirkte lebendig aber nur etwas bedrohlich.

Keine echte Bedrohung
Versteht mich nicht falsch, Cyberpunk 2077 sieht gut aus, sehr gut sogar. Der ehemals als Super-Viertel geplante Distrikt Pazifica, in dem nun Armut und Kriminalität herrschen, wirkt glaubhaft umgesetzt, ein Großteil seiner Bevölkerung besteht aus Haitianern. Die Gang an der Macht, die Voodoo Boys, benötigt V, der Held des Spiels, um mehr über einen Chip herauszufinden, der ihm implantiert wurde. Aber in Night City gilt die Devise „eine Hand wäscht die andere“ und so schlendert die spielende Präsentatorin gemeinsam mit einem hohen Tier der Bande, Placide, durch die Straßen zur Missionsbesprechung.

Doch auch wenn für mich die Bedrohung und Gewalt in dem Stadtteil während dieses Abschnitts gut zu erkennen war, stelle ich mir ein Viertel, in dem komplette Anarchie herrscht, doch noch gefährlicher vor. Zwar gibt es Szenen, in denen ein Polizei-Hubschrauber versucht zu landen und von den Bewohnern direkt unter Beschuss genommen wird, aber richtig in Gefahr schien V zu keinem Zeitpunkt zu sein. Das mag jetzt an seinem Begleiter Placide gelegen haben, ich hätte aber doch mit mehr offenen Anfeindungen durch die Bewohner gerechnet.

Gelungene deutsche Sprecher
Was meine Stimmung keinesfalls negativ beeinträchtigt hat, war die deutsche Synchronisation. Wie bereits bekannt, wird Johnny Silverhands, der von Keanu Reeves gespielt wird, von Benjamin Völz vertont, der den seit Matrix und neuerdings wieder dank John Wick beliebten Schauspieler bereits seit über 25 Jahren synchronisiert. Aber auch die anderen Sprecher können sich hören lassen. Seien es sowohl die männliche als auch die weibliche Hauptfigur V, die eine leichte Arroganz und doch Härte in ihrer Stimme hören lässt oder die Haitianer in Pazifica, die mit einem leichten französischen Akzent sprechen. Alles wirkt stimmig, seltsame Betonungen oder gar albernes Overacting ist mir nicht aufgefallen.

Ebenfalls sehr positiv aufgefallen ist mir die Lippensynchronität. Wo sich ein Wolfenstein 2 sehr schwer tut und fast schon wirkt, als hätten die Sprecher die zu vertonenden Szenen nie gesehen. Da ist ein Cyberpunk 2077 in der deutschen Version perfekt abgestimmt. Auch die Bildschirmtexte, die ich während der Präsentation lesen konnte, machten einen guten Eindruck, Übersetzungsfehler habe ich keine entdeckt. Allerdings gab es noch ein paar unrunde Phrasen, die störten aber nur bedingt, zumal laut CD Projekt die Übersetzung noch lange nicht final war. Dafür waren die Sprüche der NPCs richtig schön derbe und perfekt passend zum Setting. "Die Voodoo Boys haben dich gef*ckt!" hätte Johnny sicherlich schöner ausdrücken können, die Ausdrucksweise passt aber wie A*sch auf Eimer. Pardon.

Skript-Ereignisse & sinnvolle Menüs
So ganz ohne Skript-Ereignisse kommt auch Cyberpunk 2077 nicht aus. Mit fällt das besonders auf, als V für Placide ein Einkaufszentrum von den „Animals“, einer der bedrohlichsten Gangs des Stadtteils, säubern soll. Zwei Späher der Voodoo Boys hatten der Präsentatorin vor dem Gebäude geraten sich über die Tiefgarage einzuschleichen. Dort angekommen belauschte sie zwei Gangster, die sich natürlich erst just bei Vs Ankunft über die zwei verdächtigen Gestalten unterhielten und sich anschließend aufmachten, um sie zu erledigen. Allerdings fand ich das nicht störend, so funktionieren Spiele nun mal.

Die Menüs, wie den Skilltree und das Inventar, die ich sehen konnte, sind passend im Neonstil oder auch wie Schaltkreise aufgebaut und fügen sich nahtlos in den düsteren, mit grellen Elementen versehenen Stil von Cyberpunk 2077 ein. Auch kleinere stimmige HUD-Details wie das Tacho des Motorrads von V, das in der First Person direkt auf dem Bike selbst zu sehen ist, in der Third Person dann aber am unteren Bildschirmrand eingeblendet wird, tragen zur Glaubhaftigkeit des Titels bei.

Sehr schön sind auch die verschiedenen Lösungsansätze in den Missionen, basierend auf den Skills des Charakters. So wurde uns einmal ein auf Hacking spezialisierter V gezeigt, der sich in das System des Kaufhauses hackt und so Kameras deaktivieren oder einen Trainings-Roboter dazu bringen kann, ein Mitglied der Animals K.O. zu boxen und so für eine Ablenkung zu sorgen. Die gezeigte weibliche V mit einer Vergangenheit als Straßenkämpferin hingegen kann verschlossene Türen aufstemmen oder ein stationäres Geschütz kaputtschlagen und es als Maschinengewehr nutzen.
Was es wohl mit der Regierungsorganisation Netwatch auf sich hat?

Aufgemotzte Gegner
Die Feinde haben natürlich auch diverse Nanoverbesserungen, so bewegt sich einer schnell wie der Flash durch die Räume und wird so ein schwer zu schlagendes Ziel. Besonders cool fand ich die Nutzung eines Malware-Chips, den sich die Präsentatorin auf dem Markt gekauft hatte, der dafür sorgte, dass ein Gegner die Waffe gegen sich selbst richtet und sich einen Kopf kürzer macht.

Nicht vollständig überzeugt hat mich hingegen der Bosskampf gegen Sasquatch, die Anführerin der Animals. Diese hat einen großen Tank mit Juice auf dem Rücken, einer Substanz, die nicht unbedingt gesund ist, ihr aber übernatürliche Kräfte verleiht – Bane von Batman lässt grüßen. Im Prinzip galt es, ihren Attacken auszuweichen und das Behältnis zu zerstören, keine große Neuigkeit also. Schlecht machte das den Kampf nicht, aber auch nicht zu etwas Besonderem. Allerdings hatte die Präsentatorin hier auch wieder auf die Straßenkämpfer-V gewechselt und nicht gezeigt, wie die Situation beispielsweise mit den Quickhacks des Netrunner-Hackers gelöst werden konnte.
Placide hat kein Problem damit, über eine Minute auf die Beantwortung seiner Frage zu warten. Kein Beinbruch, aber doch nicht ganz glaubhaft.

Starker Ansatz
Nach der Präsentation bin ich mir sicher, dass Cyberpunk 2077 auch in der deutschen Sprachausgabe ein mindestens sehr gutes Rollenspiel wird. Die Spielwelt ist mit Abstrichen glaubhaft und sieht fantastisch aus, besonders die Licht-und-Schatten-Effekte in Kombination mit den Neonelementen sind richtige Eyecatcher. Auch die Charaktermodelle sind schön realistisch und die deutsche Vertonung ist lippensynchron. Wenn der Blick über Night City schweifen gelassen wurde, konnte zudem ein beeindruckende Weitsicht gesehen werden.

Die Lösungsansätze durch die Skillung, die ich im Ansatz gesehen habe, machen einen sehr spannenden Eindruck, hier stellt sich mir aber die Frage, ob man sich auch komplett verskillen kann und so keinen richtigen Spielstil verfolgen kann, sondern sich mit Hängen und Würgen durchschlagen muss. Gespannt bin ich darauf, wie sich die Dialogoptionen tatsächlich auf den Spielverlauf auswirken, das war bei der Präsentation zwar teilweise ersichtlich, im fertigen Spiel schauen solche Elemente aber oftmals anders aus, als im Vornherein versprochen. Etwas schade fand ich, dass bei dem Fokus auf ein realistisches Erlebnis in einer Szene, in der Placide auf eine Antwort von der Spielerin wartete, ihm nicht einfach irgendwann der Kragen platzte, sondern er sie einfach über eine Minute immer wieder darauf hinwies, jetzt doch endlich zu sagen, was Sache sei. Das ist Meckern auf hohem Niveau, bei dem Hype-Level um das Spiel und dem Grad an Realismus, den es verspricht, sticht mir so etwas dann aber doch ins Auge.

Nichtsdestotrotz bin ich aber nach der Präsentation richtig gespannt auf den April nächsten Jahres und auf das fertige Cyberpunk 2077. Ich bin mir sicher, dass ich eher in Richtung Hacker gehen werde. Gegner Granaten in ihrem Gürtel zünden lassen oder Hantelbanken, an denen sie trainieren, dazu zu bringen, die Gewichte einfach auf sie heruntersausen zu lassen, sieht schon sehr spaßig aus. Völlig an Bord des Hypetrains bin ich aber noch nicht.
TheLastToKnow 17 Shapeshifter - P - 7275 - 21. August 2019 - 12:07 #

Klingt doch alles schon einmal nicht schlecht, eigentlich müsste das ein Spiel für mich sein (so als alter Shadowrun Zocker).

De Vloek 15 Kenner - 3156 - 21. August 2019 - 12:40 #

"Die Gang an der Macht"
"Komplette Anarchie"
Finde den Fehler.

TSH-Lightning 22 AAA-Gamer - P - 31190 - 21. August 2019 - 12:53 #

Mich spricht das Szenario, das Artdesign und das ganze als RPG einfach extrem an. Bisher hab ich auch noch nichts gelesen was mich abschrecken würde. Deshalb bin ich auch schon länger als Heizer auf der E-Lok des Hypetrain :) So fehlt nur noch eins... *DennisanBordzieh* nächster Halt: Night City!

doom-o-matic 17 Shapeshifter - P - 6754 - 21. August 2019 - 13:09 #

Excellent, das bleibt auf der Wunschliste.

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 136677 - 21. August 2019 - 13:28 #

Natürlich erhoffe ich mir auch ein tolles Spiel, aber langsam habe ich Angst, dass das Spiel nicht allen Erwartungen gerecht wird...

paschalis 20 Gold-Gamer - - 23226 - 21. August 2019 - 17:46 #

Solange es deinen Erwartungen gerecht wird...

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 136677 - 21. August 2019 - 19:59 #

Da hast Du wohl recht. Befürchte nur, dass es eventuell hinterher zerrissen wird obwohl es ein gutes Spiel ist. Siehe Dragon Age - Inquisition oder Mass Effect - Andromeda.

Necromanus 18 Doppel-Voter - - 10057 - 21. August 2019 - 13:44 #

Als Shadowrunfan freue ich mich maßlos auf diesen Titel :-D

Tock3r 18 Doppel-Voter - P - 12185 - 21. August 2019 - 13:55 #

Ich freue mich total. Es hat, nach allem was ich bisher gesehen habe, auch erfreulich wenige Futureknicks :)

advfreak 16 Übertalent - - 5386 - 21. August 2019 - 14:32 #

Es könnte meinem Lieblings-Adventure "Blade Runner" fast noch den Rang ablaufen!!! HYPE HYPE HYPE!!!! ;)))

LRod 17 Shapeshifter - - 6608 - 21. August 2019 - 15:29 #

Ich schließe mich da vollumfänglich an!

Easy_Frag 15 Kenner - P - 2927 - 21. August 2019 - 16:52 #

Tuuuut tuuuut :D

Lostboy 13 Koop-Gamer - P - 1525 - 21. August 2019 - 19:49 #

Niemals vergesse ich das Weihnachtsfest als Blade Runner damals erschien und ich auf meinen 486er mit 16 MB RAM Blade Runner zum ersten Mal startete, hab das Game noch immer im Original ;)

Die Atmosphäre des Spiels stand der des Films in nichts nach, tolle Erinnerungen und zusammen mit meinem Faible für Synthwave/Retrowave Musik, schließt sich dann spieletechnisch mit Cyberpunk 2077 der Kreis :)

Freu mich drauf, auch wenn es nicht der erhoffte Welthit wird, allein diese Spielwelt und die schmutzige düstere 80‘s Neonzukunft sind es für mich wert da einzutauchen ;)

vgamer85 19 Megatalent - - 18405 - 21. August 2019 - 16:56 #

Sehr schön. Mein Gott bin ich nun gehyped...ķönnte bitte nächste Woche Release stattfinden?

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 20020 - 21. August 2019 - 20:44 #

Immer schön skeptisch bleiben. Gut gemacht :)

Maverick 30 Pro-Gamer - - 461969 - 21. August 2019 - 21:45 #

Klingt doch vielversprechend, Cyberpunk 2077 wird eins meiner Highlights des Jahres 2020. :)

cappujunkie (unregistriert) 21. August 2019 - 21:59 #

Ich weiss, das es inzwischen (leider) allgemeiner Sprachgebrauch ist, aber dennoch: Das Wort Anarchie ist in diesem Zusammenhang falsch, wie auch sonst immer in den Medien. Das gesuchte Wort ist "Anomie".

tailssnake 17 Shapeshifter - P - 6792 - 21. August 2019 - 22:54 #

Oh ein Sprachpfleger

cappujunkie (unregistriert) 23. August 2019 - 11:11 #

Deine schlechte Laune musst du nicht an anderen auslassen :)

Noodles 24 Trolljäger - P - 55790 - 22. August 2019 - 0:05 #

Also mir reicht schon, dass ich ne frei begehbare Cyberpunk-Stadt als Spielwelt hab, um es spielen zu wollen. Ich brauche und erwarte da gar kein Meisterwerk, ein sehr gutes Spiel reicht. ;) Bin mal gespannt, wie mir die deutsche Synchro gefällt und ob ich die dann gegenüber der englischen bevorzuge. Wenn wir schon bei Cyberpunk sind: Deus Ex Human Revolution z.B. hab ich lieber auf Deutsch gespielt. :)

BobaHotFett 13 Koop-Gamer - P - 1224 - 23. August 2019 - 9:15 #

Ich hasse Zeitlimits beim beantworten von Fragen.

Ganon 24 Trolljäger - P - 53313 - 27. August 2019 - 15:52 #

Ist eh ein lustiger Kritikpunkt (nicht als Kritik an Dennis gemeint). Bei den alten Point-&-Click-Adventures hat niemand hinterfragt, dass man ewig Zeit für die Wahl einer Antwort hatte. Aber nun, in so einem realistischen Look, wirkt es komisch.
Das sind halt so alte Spieldesign-Angewohnheiten, die man durchaus mal hinterfragen könnte. Bei Telltale-Spielen gibt es das ja durchaus. CD Projekt wollte es wohl nicht. ;-)

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