Arcade-Check: We. The Revolution – Freiheit, Gleichheit, Guillotine
Teil der Exklusiv-Serie Spiele-Check

PC Switch XOne PS4 iOS Linux MacOS Android
Bild von mrkhfloppy
mrkhfloppy 33784 EXP - 22 AAA-Gamer,R10,S10,C4,A10,J10
News-Redaktion: Hat von der Redaktion weitere Rechte für das News-Redigieren erhaltenDieser User hat uns an Weihnachten 2018 mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertGold-Gamer: Hat den GamersGlobal-Rang 20 erreichtDieser User hat uns an Weihnachten 2017 mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertSilber-Jäger: Hat Stufe 10 der Jäger-Klasse erreichtGold-Jäger: Hat 75 Erfolge erreicht -- Wahnsinn!Silber-Archivar: Hat Stufe 10 der Archivar-Klasse erreichtDieser User hat uns an Weihnachten 2016 mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Silber-Schreiber: Hat Stufe 10 der Schreiber-Klasse erreichtSilber-Reporter: Hat Stufe 10 der Reporter-Klasse erreicht

24. Juli 2019 - 9:24 — vor 17 Wochen zuletzt aktualisiert
Der Entwickler Polyslash lässt in We. The Revolution die blutigen Zeiten der Französischen Revolution auferstehen und setzt den Fokus auf knifflige Entscheidungen und deren Konsequenzen.
We. The Revolution ab 19,99 € bei Green Man Gaming kaufen.
Die Stille auf dem Place de la Concorde ist erdrückend, als das Fallbeil mein Urteil vollstreckt. Dort wo eben noch das Geschrei der Massen mein Gewissen übertönte, nährt nun der Gedanke an die Endgültigkeit der blutigen Darbietung meine inneren Dämonen. In den Tagen der Revolution scheinen die Ideale der Justitia eine Mär der Vergangenheit. Längst schwebt die Zukunft Frankreichs als viel beschworenes Damoklesschwert über dem Justizpalast. Als vermeintlicher Würdenträger bin ich gezwungen, die Schuldfrage gegenüber den politischen Konsequenzen meiner Arbeit abzuwägen. Und sei es nur der eigenen Unversehrtheit wegen. Ob mir dies gelungen ist, erfahrt ihr im Arcade-Check des Story-Adventures We. The Revolution.
Das hohe Gericht tagt zu Zeiten der französischen Revolution.

Im Zweifel für die Balance
We. The Revolution kleidet euch in die Robe eines Richters zu Zeiten der Französischen Revolution. Im Gerichtssaal haltet ihr alle Stricke in der Hand und lenkt den Prozess in eine Richtung, die mit eurer Auffassung von Recht und Moral einher geht. Oder euch zumindest nicht den Kopf verlieren lässt. Ähnlich wie in Papers, Please können eure Entscheidungen ungeahnte Konsequenzen bedingen. Die Geschworenen beeinflusst ihr durch einseitige Fragestellung, aber die Meinung des einfachen Volkes ist oftmals ein Kind ihrer Zeit. Wer per Du mit dem Ancient Regime war oder schlimmer noch ist, gehört per se schuldig gesprochen – die Frage der tatsächlichen Schuld ist zweitrangig.

Eure Entscheidungen sind stets ein Balanceakt, um nicht die rote Linie einer Fraktion endgültig zu überschreiten. Droht euch auf Seiten der Regierung nur die Amtsenthebung, wird das gemeine Volk einen finalen Blutzoll für eure Taten verlangen. Auf diesem Konflikt fußt die Regelmechanik des Spiels, das nicht müde wird, dies mitzuteilen. Stets halten euch die Entwickler mit Fortschrittsbalken, Tooltips, eindeutiger Ikonographie, konkreten Zahlen und anderen Hinweisen akribisch genau die Auswirkungen eures Handelns vor Augen. Statt dem moralischen Dilemma hinter der Anklage rückt das Excel-Kalkül zu Lasten der Narration in den Vordergrund. Die textlastigen, unvertonten und steril inszenierten Verhandlungen – selbst für die Verhältnisse einer Visual Novel – leisten hierbei unfreiwillig Beihilfe. Wenn es den eigenen Kopf rettet, erleichtert ihr einen Unschuldigen um eben diesen – euer Urteil wiegt schwerer als die Beweise.
Die Konsequenzen eures Handelns sind mitunter blutig und endgültig.

Die Revolution gerät ins Stottern
Auch außerhalb des Gerichtssaals korrespondiert ihr mit politischen Hochwürden, stellt die Weichen für eure Zukunft sowie die der Nation und hadert mit dem Nachwuchs, der dem Paragraphentum nichts abgewinnen kann. Die Gespräche am heimischen Küchentisch sind paradoxerweise ebenfalls in das Punktesystem der Fraktionen integriert. Als ob ein Streit mit der Frau Gemahlin oder ein Konzertbesuch jedweden Einfluss auf den persönlichen politischen Status Quo innerhalb der Revolution hätte. Während ihr von Dialog zu Dialog getrieben werdet, lockern kurze Zwischensequenzen im Stile eines Comics den starren Alltag auf. Letztere sind meist vertont und kommen wie der Rest des Spiels in einem unverbrauchten und stimmigen Polygon-Look daher. Lediglich an einer musikalischen Untermalung fehlt es.

Mit der Hinrichtung Ludwig XVI. auf euer Urteil hin nehmen die Ereignisse in Frankreich an Fahrt auf. Und euer Konterfei manifestiert sich im Geiste derer, die euch als Steigbügel nach oben gewinnen wollen, aber auch in den Köpfen eurer Widersacher. Nun gilt es auch außerhalb der Verhandlungen die Zügel aktiv in die Hand zu nehmen. Gleich einer Schachpartie platziert ihr Spione, Diplomaten und Schläger auf einer taktischen Karte von Paris. Gleichzeitig versucht ihr einflussreiche Persönlichkeiten von euch und euren Zielen zu überzeugen. Abhängig vom Punktekonto des Richters könnt ihr dabei zwischen mehreren Vorgehensweisen entscheiden. Just an dieser spannenden Stelle verhindert jedoch ein Spielfehler den Fortgang unserer Partie. Auch das Laden eines alten Speicherstands löste das Problem nicht.
Außerhalb des Gerichtssaals platziert ihr eure Spione um Einfluss und Macht zu gewinnen.
Fazit
We. The Revolution bietet eine spannende Perspektive auf die historischen Ereignisse der Französischen Revolution. Als Richter gerate ich zwischen die Räder der Akteure in diesen blutigen Tagen und bin gezwungen, jede Entscheidung sorgsam abzuwägen. So zumindest die Theorie. Die prominente Präsentation des Zahlenkalküls hinter den Machtspielen lässt mich die narrative Tragweite manches Urteils vergessen, Hauptsache am Ende des Tages stimmen die Zahlen. Die dröge Präsentation der Verhandlungen fördert mein Desinteresse zusätzlich. Zumindest bis ich mit den Konsequenzen meiner Taten konfrontiert werde und meine Neugier auf den Fortgang der Geschichte wieder entfacht ist.
  • Story-Adventure (auch für PC, PS4 und Switch)
  • Einzelspiel
  • Für Einsteiger und Fortgeschrittene
  • Erhältlich seit dem 25.6.2019 für 19,99 Euro
  • In einem Satz: Interessantes Gerichtsdrama vor historischer Kulisse.

Video:

FantasticNerd 18 Doppel-Voter - - 12812 - 24. Juli 2019 - 9:58 #

Hey, danke für den Check. Ich hatte das Spiel auch erst auf meiner Liste, nun aber nicht mehr so sehr. Diese kühle Zahlenausgleichen ist dann nicht so die Idee die ich erst von dem Spiel hatte.

Jürgen 24 Trolljäger - 49633 - 24. Juli 2019 - 21:02 #

Sehe ich ähnlich. Den Beginn des Textes fand ich spannend und hatte Hoffnung auf ein interessantes Spiel über eine spannende Epoche. Aber dann ging es an die Mechanik...

Danywilde 24 Trolljäger - - 57629 - 24. Juli 2019 - 10:05 #

Danke für den Check, das schaue ich mir im Video noch einmal genauer an!

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 136707 - 24. Juli 2019 - 10:11 #

Interessante Spielidee. Ich setze es mal auf die Wishlist. Danke für den Check!

Flammuss 19 Megatalent - - 15194 - 24. Juli 2019 - 10:57 #

Das klingt nicht schlecht. Danke für den Check!
Sind denn zumindest die Texte übersetzt?

mrkhfloppy 22 AAA-Gamer - 33784 - 24. Juli 2019 - 11:05 #

Nein, das Spiel ist komplett auf englisch.

Flammuss 19 Megatalent - - 15194 - 24. Juli 2019 - 12:24 #

Schade. Danke für die Info :)

Jürgen 24 Trolljäger - 49633 - 24. Juli 2019 - 21:03 #

Dann fehlt eine Sprachausgabe in Englisch mit aufgesetztem französischen Akzent :)

FantasticNerd 18 Doppel-Voter - - 12812 - 25. Juli 2019 - 7:08 #

Das wiederum fänd ich lustig.

Erdlöwe 11 Forenversteher - 767 - 24. Juli 2019 - 13:00 #

Danke für den toll geschriebenen Check!
Die Prämisse klingt zunächst sehr spannend, doch nach deinem Check wirkt das Ganze auf mich zu sehr auf Schwarz/Weiß getrimmt, zu steril, zu seelenlos. Warum kann ich nicht meinen eigenen Weg gehen? Warum muss ich entweder die Obrigkeiten oder den Pöbel zufriedenstellen, statt den Versuch wagen zu können, (m)eine eigene Gratwanderung zu wagen?

In Sachen Inszenierung dürfte das Ganze ruhig aufgeregter sein. Vielleicht nicht gerade ein überzeichnetes Phoenix Wright, aber doch mehr als die dargebotene Tristesse... Die Idee klingt wirklich spannend, doch die Umsetzung mag mir so gar nicht schmecken.

Slaytanic 24 Trolljäger - - 53559 - 24. Juli 2019 - 13:49 #

Schönen Dank für den Check, bin nach dem Lesen jetzt noch am Überlegen ob das was für mich ist.

paschalis 20 Gold-Gamer - - 23605 - 24. Juli 2019 - 14:20 #

Vielen Dank für den schönen Check. Das Spiel hatte ich schon wieder vergessen, obwohl ich milde interessiert gewesen bin. Trotz der Zahlenhuberei könnte es immer noch etwas für mich sein.

Kannst du noch etwas dazu sagen, wie abwechslungsreich sich We. The Revolution spielt? Sind beispielsweise die Verhandlungen einigermaßen variabel mit interessant geschrieben Texten und abwechslungsreichen Geschehnissen oder klickt man sich schnell nur noch durch, weil bestimmte immer gleiche Punkte sowieso ausschlaggebend sind? Wenn es trotz der technischen Probleme möglich ist würde mich auch eine Einschätzung zur Spieldauer interessieren und ob es ein sinnvolles Potential für mehrere Durchgänge gibt, in denen man verschiedene Wege ausprobieren kann.

mrkhfloppy 22 AAA-Gamer - 33784 - 24. Juli 2019 - 16:29 #

Die Fälle vor Gericht spielten sich soweit ich gekommen bin, eigentlich gleich. Zu Beginn der Verhandlung liest man die Fallakte, etwa zwei Seiten, und befragt dann den Angeklagten nach einem kleinen Mini-Spiel, in dem man Auszüge der Akte bestimmen Themen (Persönlichkeit des Angeklagten, mildernde Umstände, Tathergang etc. zuordnet). Manchmal gibt es noch einen Zeugen und dann geht es schon zum Urteil. Die Fälle selbst sind natürlich unterschiedlich, aber im Prinzip eine Sache von Minuten. Ich dächte, dass es 100+ Fälle gibt, finde die Quelle dessen aber nicht. Wendungen innerhalb der Fälle sind mir nicht untergekommen, man arbeitet eher die Akte ab. Die Entscheidungen außerhalb des Saals hatten deutliche Konsequenzen, etwa ob man der Armee den Schießbefehl gegenüber Demonstranten erteilt. Die Länge kann ich nicht einschätzen, aber howlongtobeat.com führt 13+ Stunden zu Buche.

paschalis 20 Gold-Gamer - - 23605 - 24. Juli 2019 - 20:08 #

Danke für die ergänzenden Infos.

Noodles 24 Trolljäger - P - 55825 - 24. Juli 2019 - 14:39 #

Wenn die Zahlenschieberei und nicht die Moral in den Vordergrund gerät, ist das bei so einem Spiel für mich ein KO-Kriterium. Und Gamebreaking-Bugs sowieso. ;)

Admiral Anger 26 Spiele-Kenner - P - 65181 - 24. Juli 2019 - 15:56 #

Hört sich eigentlich ganz interessant an. Vielleicht mal in irgendeinem Sale mitnehmen (obwohl 20 Euro jetzt auch nicht die Welt sind).

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 20046 - 24. Juli 2019 - 16:35 #

Vielen Dank für den Check. Ich muss mir das zwar nochmal genauer anschauen, aber ich bin definitiv interessiert :)

Akki 17 Shapeshifter - P - 6203 - 24. Juli 2019 - 16:47 #

Eher nicht, aber danke für den Check!

xan 18 Doppel-Voter - P - 9645 - 24. Juli 2019 - 16:51 #

Sehr schön geschrieben und Danke für die Warnung.

Evoli 17 Shapeshifter - 8547 - 24. Juli 2019 - 17:01 #

Das hat sicherlich einige interessante Aspekte, aber insgesamt ist es wohl nicht so mein Fall.

Jürgen 24 Trolljäger - 49633 - 24. Juli 2019 - 21:04 #

Toller Check, aber nach Deinen Zeilen ist das nichts für mich. Schade.

Alain 18 Doppel-Voter - P - 9086 - 25. Juli 2019 - 23:07 #

Das Thema hört sich interessant an - und Papers Please hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Kommt noch auf die Liste.

schlammonster 30 Pro-Gamer - P - 179506 - 27. Juli 2019 - 9:38 #

"Als ob ein Streit mit der Frau Gemahlin oder ein Konzertbesuch jedweden Einfluss auf den persönlichen politischen Status Quo innerhalb der Revolution hätte." ich befürchte, dass gerade so etwas öfter der Fall ist als sich Otto-Normalregierter vorstellen kann.
Die Mechanik klingt mir persönlich etwas zu spröde, trotzdem danke für den Check!