Ernüchternder Ersteindruck

E3 2019: Ghost Recon - Breakpoint angespielt

PC XOne PS4
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Benjamin Braun 425916 EXP - Freier Redakteur,R10,S10,A10,J10
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18. Juni 2019 - 17:59 — vor 2 Jahren zuletzt aktualisiert

Teaser

Der Vorgänger war ein Open-World-Actionfest, bei dem die Taktik gerade im Koop nicht zu kurz kam. Der Nachfolger setzt auf Zukunftswaffen der Gegner, könnte uns aber nicht nur damit ziemlich nerven.
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Cole Walker war einst selbst ein Ghost, Mitglied der gleichnamigen, fiktiven US-Spezialeinheit aus Ubisofts Ghost Recon-Reihe. Im neuesten Serienableger Ghost Recon - Breakpoint kehrt der seinen ehemaligen Verbündeten aber den Rücken, übernimmt mit seinen "Wolves" die Kontrolle über eine kleine Inselgruppe und damit auch über modernste Militärtechnik. Verschiedenste kleinere Drohnen zählen genauso dazu wie autonom agierende Kampfpanzer. Das können die ehemaligen Kumpanen des Ex-Ghost-Colonels natürlich nicht zulassen (ihr wisst schon, „America first“ und so), weshalb ihr euch mit eurem vierköpfigen Trupp mal eben einer ganzen High-Tech-Armee entgegenstellt. Ich habe verschiedene Missionen in Kampagne und Open-World auf der E3 angespielt und verrate euch, weshalb mich Breakpoint trotz meiner Liebe zum Vorgänger bislang nicht wirklich anmacht.

Zu Beginn der Mission stehe ich mit meiner Einheit, wobei jeder der vier spielbaren Helden quasi eine spezielle Klasse vom Scharfschützen bis zum vordersten Frontkämpfer darstellt (nicht, dass das in der Praxis einen großen Unterschied machen würde!) in einer erhöhten Position neben einer militärischen Forschungseinrichtung. Natürlich wollen wir die gemeinsam infiltrieren oder notfalls im offenen Gefecht von sämtlichen Gegnern befreien. Unser Ziel ist die Rettung einer Wissenschaftlerin, die zur Kooperation mit dem Feind gezwungen wurde. Einfach so ins Lager laufen wir nicht, obwohl das ohne Weiteres möglich wäre. Stattdessen fliegen wir mit unserer jederzeit verfügbaren Drohne über das Einsatzgebiet und markieren vor dem Start der Aktion erst mal alle sichtbaren Feinde.

Das umzäunte Gebiet würde gewiss auch andere Optionen beim Betreten bieten, aber beim Aufschweißen des Zauns werden dezent die unterschiedlichen Fähigkeiten unserer Squadmitglieder deutlich. Denn sollte nicht einer der offenkundig noch zahlreichen vorhandenen Bugs dafür verantwortlich sein, hätte unser, eher auf die Offensive ausgelegte Charakter, diese Aktion nicht ausführen können. Der Angriff mit den drei internationalen Kollegen beginnt heimlich, wobei ein vergleichbar großes Zeitfenster dafür sorgt, dass wir einen Alarm auch im Falle einer Entdeckung durch einen schnellen Abschuss noch verhindern können. Lange dauert es allerdings nicht, bis alle wissen, dass wir da sind.

Schaden richten die Gegner ganz ordentlich an, weshalb ich und die anderen uns immer wieder mal gegenseitig wiederbeleben müssen. Mit Cleverness hat das allerdings weniger zu tun, sondern eher damit, dass die Feinde teilweise wohl tatsächlich im Besitz von echtem Zielwasser sind. Denn so gut die teilweise zielen, stellen sie sich in anderen Situationen so dermaßen dumm an, dass die Aktionen von SPD und CDU in den letzten Jahren dagegen klug und wegweisend erscheinen. Zusammenarbeit ist allerdings durchaus gefragt. Wer nicht mehr oder minder an einem Strang zieht und mit den anderen kooperiert, liegt rasch am Boden. Ich vermute, dass das im Solomodus ein wenig anders aussehen würde.

Fahrzeuge haben wir beim Angriff auf die Basis indes nicht verwendet, hätten aber genauso wie im Vorgänger auch irgendwo einen Helikopter kapern und aus der Luft angreifen können. Sobald alle Gegner beseitigt sind, statten wir der Wissenschaftlerin einen Besuch ab. Eine Zwischensequenz wird abgespielt, in der immer unser eigener Spielcharakter zu sehen ist, auch wenn einer der anderen drei Helden den Dialog startet. Lustigerweise scheint die Audiospur allerdings immer zu dem Helden zu zählen, der das Gespräch beginnt, was ich aber auch mal der frühen Version zuschreibe. Ganz parallel läuft die Cutscene indes nicht ab, wie ein flüchtiger Blick auf die Bildschirme der Mitspieler zeigt. Aber bei unterschiedlichen Rechnerleistungen ist das im Onlinebetrieb sicherlich ein Normalfall.

Gefühlte fünf Minuten inhaltsloser Laberei später (Cutscenes kann man aber wohl auch skippen) treffen ich und die anderen drei mehrheitlich eine Entscheidung. Wir wollen natürlich alles zerstören und legen die Drohnenforschungsstation durch Platzierung von Sprengladungen schließlich in Schutt und Asche. Wie stark sich das auf die Story auswirkt? Keine Ahnung, aber wahrscheinlich eher kaum bis gar nicht. Bei unserer Entscheidung sehen wir immerhin eine schöne Explosion und flüchten anschließend mit der Wissenschaftlerin im Kampfhelikopter.

Da ich selbst nicht geflogen bin, sondern an einem der Geschütze Platz genommen habe, kann ich nicht sagen, wie sich das Ding steuert. Sollte es aber nur halbwegs so sein wie im Vorgänger, ist für mich alles in Ordnung. Die Steuerung wirkt auf mich ansonsten leicht überfrachtet und nicht immer sonderlich intuitiv. Für ein actionlastiges Spiel wie Breakpoint fallen die Rollenspielanleihen zudem etwas zu stark aus. Bandagen muss ich bei Verwundungen verwenden, was aufgrund noch vorhandener Bugs noch nicht ganz zuverlässig funktioniert und eine gefühlte Ewigkeit dauert. Verlorene Trefferpunkte wiederum heile ich mit Injektionen. Wäre das ein richtiger Taktik-Shooter, bitte. Hier wirkt das auf mich einfach nur übertrieben.

Nervig finde ich auch, dass Spezialwaffen nicht bei den normalen Waffen liegen (zwei Slots plus Pistole), sondern über die Itemfunktion genutzt werden, wo also auch Bandagen, Spritzen oder Splittergranaten liegen. Bis ich damit ein Ziel anvisiert habe, vergehen Sekunden, die in einem späteren Kampf gegen einen recht flinken Kampfpanzer einfach nur nerven. Das Ding, das mit dickem Geschütz und flächendeckendem Raketenbeschuss angreift, erledigt uns und die anderen im Falle eines Treffers jedenfalls ziemlich schnell. Nur wenn alle sterben, geht es zurück zum letzten Checkpoint, ansonsten hilft gegebenenfalls ein kurzzeitiger Rückzug, bis ausgeknockte und nicht rechtzeitig wiederbelebte Mitstreiter wieder an der Seite der anderen respawnen. Aber so richtig cool ist das nicht, obgleich das zwischenzeitliche Versagen, ich schließe mich selbst da keineswegs aus, am teils zu unkoordinierten Vorgehen des Teams lag. Ob geducktes oder kriechendes Vorgehen oder sogar das Verstecken in hohem Gras spielerisch letztlich groß relevant ist, bleibt abzuwarten.

Nicht ganz so cool sind auch die noch vorhandenen Fehler nicht. Die oft hakelige Eingabe hatte ich bereits erwähnt, neben der Nutzung von Bandagen funktionierte in der Messe-Demo aber auch die Aktivierung des Gleitschirms noch nicht zuverlässig, weshalb ich nach zwei Fehlversuchen beim Angriff auf einen anderen Komplex in der offenen Spielwelt letztlich weit außen rum gelaufen bin, bis der eigentliche Kampf fast schon vorbei war. Ich glaube nicht, dass das in der finalen Version noch so sein wird, in der E3-Demo aber rächt sich im Zusammenhang damit der deutlich vertikaler geprägte Aufbau der Spielwelt.

Die sieht indes gut aus und legt beim Detailgrad zu, obgleich ich da die Xbox-One-Fassung von Wildlands mit der gespielten PC-Fassung von Breakpoint vergleiche, was natürlich hinkt. Fehler gibt es aber noch ein paar. So ist eine Blumenwiese etwa flächendeckend animiert, wobei es wohl so aussehen soll, als wenn ein rauer Wind über das relativ flache Stück Land weht. Tatsächlich sieht das in der E3-Demo aber aus wie in einem günstig produzierten Theaterstück, in dem der Praktikant mit einem dicken Gebläse Wind über einen mit Blumenmotiv bemaltes Betttuch jagt. Mein Gott, daran hängt die Qualität von Ghost Recon – Breakpoint am Ende sicherlich nicht so sehr ab, und es wäre nicht das erste Ubisoft-Spiel, bei dem sich bis zum Release noch Dinge verbessern, die man fast für unmöglich halten würde. Aber es ist eben nicht nur die „Blümchenwiese“, weshalb mich Breakpoint aktuell nur sehr bedingt anmacht.

Ich habe den Vorgänger, Ghost Recon - Wildlands (im Test: Note 8.5), jedenfalls geliebt. Hätte es damals bei GamersGlobal bereits subjektive Wertungen gegeben, hätte das Spiel von mir gewiss noch eine etwas höhere Wertung erhalten. Breakpoint lässt mich zum aktuellen Zeitpunkt allerdings ziemlich kalt. Schon die technologisch fortgeschrittenen Waffen, von etlichen Drohnen-Arten bishin zu Panzern, gefallen mir überhaupt nicht. Hinzu kommt, dass offenbar mehr Wert auf die Personalisierung der Charaktere gelegt wird, mir nur dummerweise niemand davon liegt.

Da waren mir die letztlich belanglosen Helden im Vorgänger deutlich lieber. Bezogen auf den Gegenspieler Cole Walker, verkörpert vom aus The Walking Dead bekannten Schauspieler Jon Bernthal, könnte die Wahl einerseits nicht besser sein, da ich mir kaum eine unsympathischere Person vorstellen kann. Andererseits ist es aus meiner Sicht aber eben auch ein mieser Schauspieler, nach dem ohne die Popularität der TWD-TV-Serie kein Hahn krähen würde. Über das Spiel sagt das am Ende womöglich am wenigsten aus, denn die Story war auch in Wildlands absolut vernachlässigbar. Spielerisch allerdings tut sich an sich wenig, und wenn, dann tendenziell in die falsche Richtung. Das mag sich alles aber später in vielen Bereichen noch ändern. Spätestens zum Start des Beta-Tests Anfang September werde ich trotz des ernüchternden Ersteindrucks gewiss noch mal einen Blick riskieren.

Autor: Benjamin Braun

vgamer85 21 AAA-Gamer - - 28209 - 18. Juni 2019 - 18:10 #

Klingt gut. Ja, den Jon Bernthal find ich auch irgendwie total unsympathisch. Vlt. weil ich ihn zum ersten mal in Walking Dead gesehen habe...da war er ja ein A...

Golmo 18 Doppel-Voter - 9779 - 18. Juni 2019 - 18:59 #

Ich mochte ihn in The Wolf of Wall Street ;)

turritom 15 Kenner - P - 3138 - 18. Juni 2019 - 18:58 #

Er spielt noch die Hauptrolle in Punisher. Ich finde Ihn als Schauspieler nicht so schlecht wie hier erzählt wird. Naja ich warte mal ein paar Tests ab.

Inso 18 Doppel-Voter - - 9428 - 20. Juni 2019 - 11:28 #

Ich fand den Punisher hat er wirklich klasse gespielt, und als ich dann das Video von der Mission in Wildlands wo er ja auch "mitspielt" sah, fand ich das sehr gelungen. Ebenso hier bei Breakpoint.
Andererseits hab ich die Hände über´m Kopf zusammengeschlagen als ich von Lady Gaga und Cyberpunk gelesen hab. Ist immer schwierig wenn man sich Identifikationsfiguren für einen Spieletitel zu suchen: es wird immer eine Gruppe geben, die es als eher unpassend empfinden wird..

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 217586 - 18. Juni 2019 - 19:13 #

#ernüchtert

Flammuss 21 AAA-Gamer - - 25429 - 18. Juni 2019 - 22:00 #

Geht mir auch so. Den ersten Teil habe ich geliebt und zig Stunden darin verbracht.
Dieser High Tech Mist interessiert mich mal gleich null.
Das war schon in den Addons von Teil schlecht.
Schade drum!

Hyperlord 18 Doppel-Voter - P - 11989 - 18. Juni 2019 - 20:43 #

Was ich bisher spielen konnte ist nahezu deckungsgleich vom Eindruck wie die E3 Demo offensichtlich ...

Benjamin Braun Freier Redakteur - 425916 - 18. Juni 2019 - 21:10 #

Fehlt da was oder stehe ich auf dem Schlauch?

NorMasEf (unregistriert) 19. Juni 2019 - 7:37 #

Ich spekuliere jetzt mal wild: Closed Alpha + NDA?

Ganon 26 Spiele-Kenner - - 71365 - 21. Juni 2019 - 11:01 #

Benjamin, du hast wohl nie die Netflix-Versionen von Daredevil bzw. Punisher gesehen? Da finde ich Bernthal als Schauspieler echt gut. Und dass er nur wegen TWD populär ist (wen hat er da eigentlich gespielt?), würde ich deswegen auch definitiv verneinen. ;-)