Computerspielsucht: ESA ruft zum Überdenken der WHO-Entscheidung auf

Bild von ChrisL
ChrisL 186938 EXP - Unendliches Abo,R10,S10,C10,A10,J10
Alter Haudegen: Ist seit mindestens 10 Jahren bei GG.de registriertNews-Redaktion: Hat von der Redaktion weitere Rechte für das News-Redigieren erhaltenPro-Gamer: Hat den ultimativen GamersGlobal-Rang 30 erreichtGG-Gründungsfan: Hat in 2009 einmalig 25 Euro gespendetExtrem-Schreiber: Hat mindestens 1000 News geschriebenDieser User hat am GamersGlobal Grillfest 2019 teilgenommenDieser User hat an der Weihnachtsfeier 2016 teilgenommenTop-News-Meister: Hat mindestens 500 Top-News geschriebenPlatin-Gamer: Hat den sehr hohen GamersGlobal-Rang 25 erreichtAlter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertGold-Jäger: Hat 75 Erfolge erreicht -- Wahnsinn!Gold-Gamer: Hat den GamersGlobal-Rang 20 erreicht

29. Mai 2019 - 19:19 — vor 1 Jahr zuletzt aktualisiert

Anfang der vergangenen Woche berichteten wir darüber, dass die Computerspielsucht von der  Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Krankheit anerkannt wurde. In der auf der 72. Jahresversammlung der WHO verabschiedeten 11. Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten – die am 1. Januar 2022 in Kraft tritt – heißt es dazu entsprechend:

Eine Spielstörung ist gekennzeichnet durch ein Muster von anhaltendem oder wiederkehrendem Spielverhalten [...], das online [...] oder offline sein kann, manifestiert durch:

  • Beeinträchtigte Kontrolle über das Spielen (zum Beispiel Beginn, Häufigkeit, Intensität, Dauer, Beendigung, Kontext);
  • zunehmende Priorität, die dem Spiel beigemessen wird, soweit das Spiel Vorrang vor anderen Lebensinteressen und täglichen Aktivitäten hat; und
  • Fortsetzung oder Eskalation des Spiels trotz des Auftretens negativer Folgen. Das Verhaltensmuster ist von ausreichender Schwere, um zu erheblichen Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen zu führen.

Wenige Tage, nachdem die Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation gefallen war, meldete sich die US-amerikanische Entertainment Software Association (ESA) als Sprachrohr der „globalen Videospielindustrie“ zu Wort. Mit dem Verweis auf Vertreter aus ganz Europa, den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland, Südkorea, Südafrika und Brasilien ruft die ESA die WHO beziehungsweise deren Mitgliedsstaaten dazu auf, den Entschluss zu überdenken, Computerspielsucht als Krankheit anzuerkennen. Weiter heißt es im Wortlaut:

Die WHO ist eine angesehene Organisation, und ihre Leitlinien müssen auf regelmäßigen, umfassenden und transparenten Überprüfungen beruhen, die von unabhängigen Experten unterstützt werden. Die „Spielstörung“ basiert nicht auf hinreichend belastbaren Beweisen, um ihre Einbeziehung in eines der wichtigsten Instrumente der WHO zur Festlegung von Normen zu rechtfertigen.

Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass die „interaktive Unterhaltungsindustrie eine führende Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien, einschließlich Virtual Reality, Augmented Reality, künstlicher Intelligenz und Big Data Analyse [spielt]“. Deutlich macht die ESA außerdem, dass die Branche zudem „erstklassige Verbraucherschutzinstrumente, einschließlich elterlicher Kontrollen und verantwortungsvoller Aufklärungsmaßnahmen [entwickelt], um sicherzustellen, dass die Spieler in der Lage sind, sich in den sichersten Umgebungen zu bewegen.“

Cat Toaster 11 Forenversteher - - 584 - 29. Mai 2019 - 20:03 #

Und ich hab mich gewundert was die europäische Weltraumagentur mit dem Thema zu tun haben könnte. Dabei ist der betroffene Lobbyverband nur am rumnölen...obviously.

Voll der krasse Clickbait! :p

Otto 13 Koop-Gamer - 1718 - 29. Mai 2019 - 20:25 #

Also bei ESA denke ich an was ganz anderes. Aber ist zugegeben ein guter klickfänger für mich zumindest.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 175829 - 29. Mai 2019 - 21:15 #

Jetzt zieht die esa den gleichen Mist durch, den die Tabakindustrie damals gemacht hat. "Rauchen ist gar nicht ungesund. Wir tun alles, damit unserer Kunden verantwortungsvoll paffen."^^ Das ist nichts anderes als dreckigste Lobbyarbeit.

revo 16 Übertalent - - 5002 - 29. Mai 2019 - 21:36 #

Danke! Lobbyarbeit. Wollte ich auch sagen.

Lorin 16 Übertalent - P - 5737 - 29. Mai 2019 - 22:05 #

Tatsächlich klingt das wie die Tabaklobby, alternativ auch bestimmt die Glückspiellobby.

Flammuss 20 Gold-Gamer - - 20115 - 30. Mai 2019 - 10:16 #

Der Gedanke kam mir auch zuerst.
Ein klarer Fall von „getroffene Hunde bellen“! :)

Harry67 19 Megatalent - - 15871 - 30. Mai 2019 - 10:36 #

Tatsächlich sind Lobbys ein wichtiges demokratisches Element in freien Gesellschaften.

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 30. Mai 2019 - 14:00 #

Nur weil ich diesen Unsinn (Hallo Q - Bert) immer wieder mitbekomme: Die Tabakindustrie und auch da eigentlich nur die Zigarettenindustrie hat damals Studien gefälscht hatte, verschwinden ließ und gelogen hat.
Man auch gar nicht in andere Industrien wechseln: Wie bei der Killerspieldebatte sind wir nach meiner Kenntnis an einen Punkt, wo man sagen kann, da ist eventuell etwas, aber die Forschung ist noch nicht so weit.

Noodles 24 Trolljäger - P - 60339 - 30. Mai 2019 - 14:55 #

"Die Tabakindustrie und auch da eigentlich nur die Zigarettenindustrie hat damals Studien gefälscht hatte, verschwinden ließ und gelogen hat."

Korrigier den Satz mal so, dass ich ihn verstehe. :D

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 30. Mai 2019 - 17:12 #

Wenn ich halt etwas zwischen den Bedienungen schreibe....
Ich denke so ist es verständlicher:
Die Tabakindustrie, in diesem Kontext wird hauptsächlich die Zigarettenindustrie gemeint, hat damals Studien fälschten lassen, ließ unbequeme Studien verschwinden und log bei öffentlichen Kundmachungen / Pressekonferenzen sowie bei offiziellen Befragungen.

Elefantenjongleur 13 Koop-Gamer - F - 1618 - 30. Mai 2019 - 22:48 #

Ich verstehe Deinen Punkt nicht.

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 30. Mai 2019 - 23:07 #

Weder ein Vergleich noch eine Analogie mit der Tabakindustrie funktioniert letztlich, außer man möchte sich letztlich auf jede Art der Lobbyarbeit beziehen, was Analogie beziehungsweise den Vergleich nutzlos macht.

Elefantenjongleur 13 Koop-Gamer - F - 1618 - 31. Mai 2019 - 6:42 #

Got it.

Baumkuchen 17 Shapeshifter - 7669 - 29. Mai 2019 - 22:08 #

European Space Agency, European Speedrunner Assembly... ach dieser durchaus umstrittene Lobbyverein! Na der steht bei mir ja fast auf einer Stufe mit dem ein oder anderen Kommentar der PETA über Spiele.

Nyukn 12 Trollwächter - 884 - 30. Mai 2019 - 2:09 #

Dei Punkte klingen mehr nach meinem Arbeitsleben. Hab ich jetzt eine Arbeitsstörung?

Janosch 24 Trolljäger - - 73946 - 30. Mai 2019 - 10:47 #

Es steht Dir ja frei mit dem Therapeuten Deines Vertrauens zu reden und Dir Hilfe zu suchen, wenn Du allein nicht aus der Situation herausfindest... ;)

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 30. Mai 2019 - 13:26 #

Welchen Nyukn aber nach der aktuellen Planung noch privat bezahlen müsste, da Arbeitssucht ja bislang nicht anerkannt wird.

Janosch 24 Trolljäger - - 73946 - 31. Mai 2019 - 8:28 #

Oder man findet eine Ersatzdiagnose, die eine Behandlung rechtfertigt, mit seinem Problem aber nichts zu tun hat... Das eigentliche Problem mit solchen Aussagen ist aus meiner Sicht die mit der Aussage einhergehende Bagatellisierung, die so der Krankheitsbegriff unterzogen wird. Es wäre (Vorsicht, völlig politisch inkorrekt), als wenn ein Elternteil um sein durch einen Verkehrsunfall verunglücktes Kind trauert und irgendwer daher kommt und sagt, hab Dich nicht so, ich weiß wovon Du redest, meine 100 jährige Großmutter ist nach langer Krankheit gestorben, da habe ich mich nicht so angestellt...

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 31. Mai 2019 - 9:58 #

Hmmm welche Bagatellisierung (von mir?) meinst Du?

Janosch 24 Trolljäger - - 73946 - 31. Mai 2019 - 20:39 #

Nein, ich meinte den Suchtvergleich mit der Arbeit von Nyukn

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 21634 - 31. Mai 2019 - 16:14 #

Das "Ersatzdiagnose-Argument" war aber genau das, was im anderen Thread *gegen* die WHO Entscheidung stand: Wer (Online-)Spielsüchtig ist, dem konnte auch bisher geholfen werden, schreibt man eben Depression auf die Patienten-Akte.

Das "Workaholic"-Syndrom existiert sogar schon länger als die (Online-)Spielesucht und ist mMn auch eine Form des Eskapismus. Menschen kommen mit einem Teilbereich ihres Leben nichts mehr zurecht und flüchten sich dann in Games, SocialMedia, Pornos oder eben Arbeit. Ich fände es spannend zu wissen, ob das nicht nur verschiedene Ausprägungen sind, sprich: Symptome, die im Grunde alle eine Ursache haben.

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 31. Mai 2019 - 17:02 #

Nach meinem dürftigen Wissenstand lautet die Antwort: Wahrscheinlich nicht.
Psychologie hat das typische Problem aller empirischen Wissenschaften, die Forschung an den nicht stoffgebunden Süchten ist auch noch sehr jung und die Studienlage noch nicht ... gefestigt genug. Wir können uns relativ sicher sein, daß es sie gibt, aber was dadrunterfällt und wann die Bedingungen erfüllt sind, ist noch fraglich.

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 21634 - 31. Mai 2019 - 18:08 #

Aber der Mechanismus ist doch im Prinzip verstanden: Bestimmte Tätigkeiten triggern das Belohnungszentrum in unserem Hirn, wir produzieren unsere Drogen (Adrenalin, Endorphine etc.) dabei selbst. Treffen diese Glücksmomente auf fruchtbaren Nährboden, kann sich daraus ein Suchtverhalten entwickeln. Der Nährboden kann eine Depression sein, eine latente Unzufriedenheit, Kummer oder Sorgen. Ein gefestigter, glücklicher, zufriedener Mensch ist daher resistenter als ein labiler Charakter.

Womit wir das Belohnungszentrum triggern, ist dabei eigentlich fast egal: Games, Sex, Facebook, Nervenkitzel (Freeclimbing, zu schnelles Autofahren, Roulette), Sport oder eben Arbeit.

Fragwürdig ist immer nur das was und wieviel? Wenn jemand 1 Jahr lang täglich mehrere Stunden zockt und dabei Familie und Gesundheit vernachlässigt gilt er als krank - wenn jemand Sportfanatiker ist und das gleiche mit IronMan-Trainig macht, wird er bewundert... Was unterschiedet das eine vom anderen? Die gesellschaftliche Akzeptanz.

iYork 18 Doppel-Voter - P - 9263 - 31. Mai 2019 - 18:32 #

Aha. Da bleibt nur noch die Frage: Sex oder Sport?

Harry67 19 Megatalent - - 15871 - 31. Mai 2019 - 19:04 #

Wollte fast schon schreiben: "So ein Quatsch!" :)
Nein im Ernst: Bewundert wird, wenn jemand mit großer Willenstärke über sich hinausgeht und gegen Widerstände etwas besonderes leistet. Wie zum Beispiel jemand, der hart für ein Ziel trainiert. Würde ich nicht mit exzessiven Konsum vergleichen.

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 31. Mai 2019 - 19:50 #

Aber es heißt nicht, daß beides damit einhergehenden kann.
Nehmen wir einmal die gute alte Magersucht: Die Leistung sein Gewicht von 100 kg auf 70 kg zu verringern, wird allgemein gewürdigt. Die deutlich schwierigere Leistung auf 40 kg zu kommen, wird aber von deutlich weniger Menschen gewürdigt. Komischerweise reagieren diese meist besorgt.

Harry67 19 Megatalent - - 15871 - 31. Mai 2019 - 22:07 #

Weil eben noch mehr dazu gehört als eine reine Kilozahl. Zum Beispiel der Wert der einem gesunden Leben beigemessen wird oder das Selbstbewusstsein, was jemand rüberbringt, der das Gewicht hat, das er im besten Sinne haben will.

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 31. Mai 2019 - 22:45 #

Damit schränkst Du Deine Aussage von oben allerdings in meinem Sinne ein: Es geht darum, das rechte Maß zu halten. Was das rechte Maß ist, ist allerdings individuell sehr unterschiedlich.

Harry67 19 Megatalent - - 15871 - 1. Juni 2019 - 0:05 #

Auch in meinem Sinne. Das rechte Maß ist eine sehr reflexive Angelegenheit. Erfolg, Glück, Selbstwert wären dann eher positive Indizien. Unglücklich sein, soziale Probleme,ausweichender Eskapismus usw. wären negative Indizien.

Wenn jemand Hilfe benötigt dann braucht es keine theoretischen Erwägungen ob das Phänomen schon gut genug erforscht ist. Dann muss die Möglichkeit für z.B. einen von der KK bezahlten Therapeuten da sein.

Aber jemandem der gut klarkommt, ein regelmäßiges Verhalten gleich als Sucht auszulegen ist natürlich genauso oberflächlich und unterscheidet sich im Grunde durch nichts vom mittelalterlichen Mob der alles Fremde mit Mistgabel und Fackeln austreiben möchte.

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 2. Juni 2019 - 7:43 #

Dein zweiter Absatz stellt in meinen Augen das Problem da. Die Diagnose einer unzureichenden erforschenden Krankheit bleibt letztlich immer immer dem Gusto des Artzes unterworfen was normal ist. Letztlich läuft es also auf den Freudschen Penisneid hinaus oder eben dem Mob aus dem "Mittelalter".

Harry67 19 Megatalent - - 15871 - 2. Juni 2019 - 9:16 #

Rein praktisch steht am Anfang nicht der Arzt mit seinen Ideen, sondern der Mensch, der aus einem Leidensdruck heraus zu ihm kommt.

Janosch 24 Trolljäger - - 73946 - 2. Juni 2019 - 10:46 #

So sollte es in der besten der Welten sein, volle Zustimmung...

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 2. Juni 2019 - 17:21 #

Wenn Du keinen quantenenergetisiertes Wasser im Wartezimmer anbietest, bestreite ich Das Du diese Aussage so meinst.

Janosch 24 Trolljäger - - 73946 - 2. Juni 2019 - 22:19 #

Nein, ich meinte das ganz wörtlich, was nutzt es dem Patienten, wenn der Arzt, und sei er noch so kompetent, mit seiner Sicht der Dinge kategorisiert und eintütet? Erst wenn der Leidende, sein Leid selbst versteht und für sich zutreffende Lösungen erarbeitet, kann ihm geholfen werden. Dass moderne Medizin oft so nicht funktioniert, ein Schelm, wer da an unzählige, auch kommerziele Interessen denkt. Nein, ich bleibe, auch ohne quantenenergetisiertes Wasser in meinem Wartebereich dabei, der Mensch in und mit seiner Not sollte im Zentrum aller Hilfsversuche stehen... ;)

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 21634 - 31. Mai 2019 - 19:59 #

Ich hab halt einen Kumpel, der für Hawaii IronMan Ü50 „trainiert“ und das gegen jeden Rat seiner Ärzte und Familie. Der wird irgendwann im Rollstuhl enden, aber es ist ihm egal. Das hat nichts mit „über sich hinauswachsen“ zu tun, das ist Suchtverhalten.

Harry67 19 Megatalent - - 15871 - 31. Mai 2019 - 21:59 #

Mal schnell so dahin diagnostiziert :)

Wenn dein Kumpel damit für sich erfolgreich ist, oder es reicht ja schon wenn er damit glücklich ist, hat er dich schon widerlegt.

Nebenbei machst du ja schon wieder diese komischen Themenverschiebungen.Ausgangspunkt war, warum ein Verhalten gesellschaftlich anerkannt wird und ein anderes nicht.

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 21634 - 1. Juni 2019 - 0:25 #

>>> Mal schnell so dahin diagnostiziert :)

Ich habe die Kriterien der WHO für (Online)-Spielesucht auf Sport übertragen. Was legitim ist unter der Prämisse, dass die verschiedenen Eskapismen lediglich Ausprägungen derselben Ursache sind - und genau das IST ja meine Prämisse.

>>> wenn er damit glücklich ist, hat er dich schon widerlegt.

Der (Online-)Spielsüchtige ist auch glücklich beim Spielen. Und der, der sich ne Heroin-Spritze setzt, auch ne Weile. Das ist doch kein Argument! Der Punkt ist doch, dass langfristig negativen Konsequenzen zugunsten des kurzfrsitigen Kicks ausgeblendet werden. Der Zockersüchtige vernachlässigt Familie, Job, Gesundheit, um immer noch mehr zocken zu können. Der IronMan tut exakt dasselbe: Er ist jeden Tag 4-6 Stunden "trainieren", am Wochenende auch länger. Verletzungen werden "austrainiert" statt zu verheilen, Schmerzen werden ignoriert. Der Typ sagt selbst, dass er dabei "in einem Rauschtunnel" ist. Er weiß, dass diese extreme Überbelastung ziemlich sicher zu Langzeitschäden führt - er tut es trotzdem und er wird sogar hibbelig bis aggressiv, wenn er mal nicht morgens 20km laufen kann, als wäre er auf Entzug.

>>>> Nebenbei machst du ja schon wieder diese komischen Themenverschiebungen. Ausgangspunkt war, warum ein Verhalten gesellschaftlich anerkannt wird und ein anderes nicht.

Nee, die Aussage war, dass bestimmte Süchte nicht als solche gelten, weil das Ausgangsverhalten gesellschaftlich anerkannt ist. Sport und Arbeit sind gesellschaftlich positiv besetzt - über die krankhaften Ausprägungen (mein IronMan / ein Workaholic) wird kaum diskutiert. Zocken und Pornokonsum sind gesellschaftlich negativ besetzt - die krankhaften Ausrägungen landen somit schneller auf der Liste von Krankheiten. Und die Frage, die dahinter steht, lautet: Wird hier mit double standards gemessen?

Harry67 19 Megatalent - - 15871 - 2. Juni 2019 - 9:28 #

zu1. Die Kriterien stellen keine Diagnose dar sondern liefern den Rahmen bei dem man aufmerksam werden sollte ob(!) da was ist. Den Rest macht bitte nach wie vor der Arzt.

zu 2. Entschuldige, bei dem Thema Glück habe ich möglicherweise zu voraussetzungsvoll geschrieben. Ich beziehe mich natürlich auf langfristiges Glücklichsein in einem sinnerfüllten Leben und nicht auf einen kurzen Junk-Kick.

zu 3: Habe ich etwa das Wörtchen Sucht weggelassen, weil eh klar war dass das der Kontext ist? Dann füge es bitte gedanklich ein.

Ich würde mal über den Unterschied von Konsum und Willentlichen Leistungen nachdenken. Wertorientiertes Handeln könnte auch eine Rolle spielen. Sonst enden wir noch da, dass jede Betätigung ein Ausdruck eines tieferliegenden Problems ist.

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 31. Mai 2019 - 19:33 #

Ja und Nein. Das Problem ist Deine Verkürzung. Zum Einen verstehen wir nur relativ grundsätzlichste Prozesse des Gehirns und zum Anderen kann es jeden erwischen. Das Vorurteil das gerade die geistig Schwachen Süchten erliegen, Du nanntest es fruchtbaren Nährboden, müssen wir leider ins Reich der Mythen verbannen.

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 21634 - 31. Mai 2019 - 20:05 #

Woot?!? Wo sage ich, dass Menschen mit Depression, Kummer oder Sorgen „geistig schwach“ wären??? Sowas würde ich niemals tun. Oder in einem Wort: Blödsinn! :)

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 31. Mai 2019 - 20:14 #

Sagen wir, daß wir Worte gerade unterschiedlich interpretieren. Ich machte vielleicht eine Ebene zu viel auf. Geistig Behinderte meinte ich zumindest nicht, sondern nur Personenkreise welche schon Probleme haben.

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 21634 - 31. Mai 2019 - 23:51 #

Eigentlich ist meine Aussage immer dieselbe: Das Suchtverhalten (Games, Sex, Porn...) ist Symptom, etwas Tieferliegendes (z.B. Depression) ist die Ursache. Die Depression ist der "Nährboden", von dem ich spreche, auf dem die Formen von Eskapismus gedeihen. Die Meinung hab ich auch schon vor 2 Jahren formuliert: https://www.gamersglobal.de/user-artikel/wir-spielen-weil-wir-muessen#comment-1973649

Was nun eine Depression auslöst, da habe ich auch eine Arbeitsthese, welche Faktoren begünstigend oder prophylaktisch wirken könnten. Diese Faktoren hab ich aber (absichtlich) gar nicht benannt :-)
Um Missverständnisse zu vermeiden, will ich aber deutlich sagen, dass ich da keinen Zusammenhang mit geistigen Fähigkeiten sehe.

Mich würde mal interessieren, welche Faktoren Du als begünstiegend bzw. prophylaktisch wirkend ansiehst. Oder ist (Online-)Spielesucht deiner Meinung nach etwas, was jeden Gamer absolut zufällig "erwischen" kann?

Janosch 24 Trolljäger - - 73946 - 1. Juni 2019 - 8:30 #

Lieber Q-Bert, Deine Gedanken sind nachvollziehbar, aber nicht so ganz Praxis tauglich. Oft aber nicht immer ist die Sucht die Tapete, hinter der etwas anderes steckt, aber es lohnt sich immer danach zu schauen. Und es gibt gerade bei der Depression einen genetischen Faktor. Bei Menschen mit Depressionen, findest Du oft keine Auslösefaktoren und dann fragst Du nach der depresssiven Mutter, den depressiven Vater und hörst ganz rührige Geschichten...

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 21634 - 1. Juni 2019 - 17:04 #

Das ist leider oft so bei mir und meinen Gedanken. Also die Sache mit der Praxistauglichkeit :)

Ich habe in meinem direkten Umfeld eine ganze Reihe von Leuten, die unter Depression leiden bzw. deswegen in Therapie sind. Aus dem Grund beschäftige ich mich seit Jahren mit den Themen, kann da aber natürlich nur an der Oberfläche kratzen. Ich versuche für mich Wege/Erklärungen zu finden, mit den Leuten umzugehen - und zugegebenermaßen gelingt mir das mit manchen Menschen leichter, als mit anderen, bei denen die Depression auffälligst immer nur dann zu Tage tritt, wenn es gerade "convenient" ist.

Janosch 24 Trolljäger - - 73946 - 1. Juni 2019 - 19:10 #

Wobei der letzte Satz schon ein massives Vorurteil bedient... Aber zum Glück können wir alle nicht in die Köpfe unserer Mitmenschen hineinschauen... ;)

Q-Bert 20 Gold-Gamer - P - 21634 - 2. Juni 2019 - 0:18 #

Aber nur, wenn du den letzten Satz ausm Kontext reisst. Wie gesagt: Ich versuche, die Menschen zu verstehen oder zumindest "richtig" mit ihnen umzugehen, denn es sind Menschen, die mir sehr am Herzen liegen und die ich z.T. schon aus Schulzeiten kenne. Manchmal fällt es halt extrem schwer, verständnisvoll zu reagieren.

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 2. Juni 2019 - 8:30 #

Ok fangen wir damit an, daß es den gesunden Menschen nicht gibt. Ein kompetenter Arzt mit aller Zeit und Mitteln dieser Welt wird schlicht immer etwas finden, was einen Grund zum Handeln bietet. Was es gibt ist der stabile Mensch.
Du selbst nanntest ja schon Sorgen, Kummer und Unzufriedenheit als Nährboden und wer von uns ist schon dauerhaft frei von Ihnen oder Ängsten? Ein Großteil von uns ist schlicht stabil genug um weiterhin normal zu funktionieren und mit ihnen nur kurzfristig Probleme zu haben. Dies heißt allerdings nicht, daß sie unterbewusst nicht weiter existieren oder die "Suchttrigger" nicht genau den richtigen Zeitpunkt erwischen können.
Suchtproblematiken sind zwar oft genug ein Folgeerkrankung (und damit kein Symptom), aber sie bilden sich nicht nur daraus. Wenn der Patient sich selbst keines Problems bewusst ist, jagst Du eine schwarze Katze in einen dunklen Raum und hoffst, daß sind überhaupt da ist. Falls Du sie dann doch finden solltest, war es am Ende nur die Eheringe, welche zur Hochzeit nicht fertig wurden, während man gerade spielte... oder das schwarze Baguette blockiert den Jeep, um diese Metapher wieder aufzugreifen.

Janosch 24 Trolljäger - - 73946 - 31. Mai 2019 - 20:46 #

Das Problem mit der Ersatzdiagnose ist, dass so lange sie genutzt wird, keine valide Statistik über Prävalenzen, Inzidenzen etc. entsteht und so keine spezifischen Therapien entwickelt werden können. Im Übrigen finde ich Euren Diskussionsstrang sehr cool, Ihr habt einen Fan... ;)

Elfant 24 Trolljäger - P - 48985 - 31. Mai 2019 - 21:34 #

Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Gibt es immer Dunkelziffern, welche geschätzt werden, sowie durchaus andere Erfassungsmöglichkeiten. Allerdings steht vor der Therapie oder der Erfassung die Diagnose und diese sollte von einheitlichen Natur sein (Ich bin mir gerade unsicher, in wie weit sie auch "reproduzierbar" sein müssen). Dafür sind die Kriterien der WHO allerdings deutlich zu lose.

Janosch 24 Trolljäger - - 73946 - 31. Mai 2019 - 22:53 #

Du kannst Dir gerne mal die noch aktuellen Kriterien nach ICD-10 für eine Depression anschauen, das ist auch ein Witz. Die Psychiatrie ist eine sehr bescheidene Wissenschaft, hier werden kleine Brötchen gebacken

vgamer85 20 Gold-Gamer - 22585 - 30. Mai 2019 - 13:34 #

Ich bin für Kaffeesucht am Arbeitsplatz...es kann nicht sein dass ich jeden Tag auf Arbeit ein großes Verlangen nach Kaffee besitze!Schlimmer als Videospiele -.- Ich bin kaffeesüchtig auf Arbeit.

Wuslon 19 Megatalent - - 14086 - 30. Mai 2019 - 9:22 #

So. Ein. Quark.

vgamer85 20 Gold-Gamer - 22585 - 30. Mai 2019 - 10:52 #

Reinster Horror

Lefty 13 Koop-Gamer - 1468 - 30. Mai 2019 - 16:23 #

Du weißt nicht ob du lachen sollst oder... Aber du merkst auch wie dumm die Leute sind, die dann sowas noch gut finden :D

Elefantenjongleur 13 Koop-Gamer - F - 1618 - 30. Mai 2019 - 22:52 #

Sega-Ryudo, wo bist Du?

TheRaffer 20 Gold-Gamer - P - 24637 - 31. Mai 2019 - 8:54 #

Naja, die müssen was poltern, aber letztlich sind die recht machtlos.

Mitarbeit
News-Vorschlag: