Kurztest: A Fisherman's Tale – großartiges Kreativ-Abenteuer mit VR-Problemen

PC PS4
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Benjamin Braun 400486 EXP - Freier Redakteur,R10,S10,C10,A10,J10
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22. Januar 2019 - 12:57 — vor 28 Wochen zuletzt aktualisiert
Mit einem simplen, aber genialen Spielprinzip stößt der TV-Sender Arte in den VR-Sektor vor. Hätte das Tracking auf PS4 nicht seine Macken, wäre das märchenhafte Rätselabenteuer VR-Werbung pur.
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Der Alltag eines Leuchtturmwärters kann schnell eintönig werden. Besonders dann, wenn man bloß eine Marionette aus Holz ist. Würden wir nicht fleißig an einem Modell unseres Turms basteln, wäre das morgendliche Putzen unserer Holzzähne vermutlich das Spannendste in unserem Alltag.

Doch an jenem Morgen entdecken wir etwas, als wir das Dach unserer Leuchtturmhütte öffnen. Denn offenbar sind wir selbst Teil eines noch viel größeren Modells! Und auch unser Ebenbild in der Miniatur ist höchst aktiv und macht immer genau das, was auch wir tun. Genau das müssen wir uns in den vier Kapiteln des ungewöhnlichen VR-Spiels A Fisherman's Tale zunutze machen. Etwa, um sprechenden Fischen zu helfen und in die Fußstapfen unseres verschollenen Fischervaters zu treten.
Alles, was ihr auf "eurer Ebene" tut, wirkt sich auch auf die anderen aus. Die hier entfernte Rückwand entfernt ihr folglich überall, und macht euch selbst so den Weg frei.

Geniales Spielkonzept
In A Fisherman's Tale steuert ihr den Protagonisten selbstredend aus der Ego-Perspektive. Gänzlich frei durch die Leuchtturmwärter-Hütte könnt ihr euch nicht bewegen. Stattdessen nutzt ihr ausschließlich die Move-Controller, um per Teleportsprung eure Position zu wechseln und dreht euch per Knopfdruck in Achtelschritten auf der Stelle. Mit den Controllern steuert ihr zudem eure Hände, die ihr mit einer der Aktionstasten wie einen Teleskoparm weiter von eurem Körper wegstreckt.
Ohne Move-Controller geht nichts. Leider ist das Tracking nicht optimal.

Während ihr zunächst im Wohnraum lediglich mit Objekten im Maßstab eures Helden interagiert, müsst ihr schon bald auch die nächstgrößere und die nächstkleinere Ebene mit einbeziehen. So erscheint euch etwa ein sprechender Einsiedlerkrebs, dem ihr einen Rettungsring und eine Matrosenkappe in der passenden Größe besorgen müsst – immerhin zieht ein Sturm auf, auf den jeder gut vorbereitet sein will.

Ihr müsst also irgendwie die Kappe im Miniformat besorgen, in der Welt in eurem Maßstab einen Schrank öffnen, dann aber das Objekt der Begierde aus dem kleinen Leuchtturmmodell entnehmen. Alles, was ihr in eurer Umgebung tut, passiert entsprechend auch auf der winzigen und der übergroßen Ebene.

Dieses Prinzip ist der rote Faden des VR-Abenteuers. So müsst ihr etwa einen Schlüssel in einem Loch im Spiegel besorgen, der nur auf der großen Ebene die richtige Größe für eine Tür besitzt. Da das Loch nur über eine Leiter auf der Makroebene erreichbar ist, entnehmt ihr dem kleinen Modell die Minileiter und platziert sie entsprechend in der „normal großen“ Umgebung vor besagtem Spiegel. Etwas komplizierter wird es, wenn ihr Objekte quasi direkt von der einen auf die andere Ebene bringen müsst. Ein winziges Rohrstück, das ihr zur Reparatur einer Wasserleitung benötigt, müsst ihr also aufnehmen und dann in die richtige Position bringen, damit ihr es in vergrößerter Form mit eurem Helden aufnehmen könnt.
Um ein Modellschiff zusammenzusetzen, fischt ihr per Kran auch Teile aus dem Wasser.

Ein Problem des Trackings
Obwohl sich dieses Prinzip mit einer Reihe von Objekten im Laufe der vier Kapitel (plus Prolog und Epilog) immer wieder, wenngleich in zunehmend komplexerer Form, wiederholt, kann man dabei auch mal auf dem Schlauch stehen. Das eigentliche Problem bei der Umsetzung besteht allerdings aus dem bisweilen unpräzisen Tracking der Move-Controller. Aber auch der Tatsache, dass Objekte bei Kollisionen mit der Umgebung zu Boden fallen und dann nicht mehr aufgenommen werden können.

Damit wird das Spiel keineswegs unlösbar, denn fallengelassene Objekte werden so ähnlich wie in Transference (im Test: Note 6.0) wenige Sekunden später an ihre ursprüngliche Position zurückgesetzt. Überall dort, wo ihr Objekte nicht manuell durch die Gegend tragen müsst, gibt es keine Probleme, etwa bei der Bedienung eines Krans, mit dem ihr Teile für ein Schiffsmodell aus dem Wasser fischt. Das funktioniert so ähnlich wie die Greifarmautomaten in Freizeitparks oder auf Jahrmärkten, nur eben erheblich besser.

Ärgerlich können die Trackingprobleme (die Kopfbewegungen mit dem Headset funktionieren einwandfrei) aber dennoch werden. So müsst ihr später auch die Hände von gleich zwei kleineren Varianten eures Alter Ego einigermaßen präzise steuern, ein Streichholz mehrfach auf die untergeordneten Ebenen übergeben.

Die Bewegungsübertragung ist nicht so fehlerhaft, dass sie an sich problematisch wäre. In Kombination mit der Frage, wie man eine bestimmte Situation überhaupt löst, ist die suboptimale Präzision aber sehr störend.

Groß auf dem Schlauch stehen solltet ihr bei den Aufgaben aber selten bis nie. In Form von Kommentaren des Erzählers erhaltet ihr regelmäßig Tipps, die euch, ohne direkt die Lösung zu verraten, mit sinnvollen Hinweisen versorgen. Ihr könnt diese Funktion auch abschalten.
Die Rätsel selbst sind nicht allzu knifflig, allerdings müsst ihr für diese Leitungen etwa große Rohstücke "verkleinern" und Minirohre in einer großen Version besorgen.

Schöne Märchenatmosphäre
Die Geschichte von A Fisherman's Tale ist letztlich banal: Sie dreht sich um einen aufkommenden Sturm, wegen dem ihr das Licht des Leuchtturms entzünden müsst, aber auch um die Beziehung des Leuchtturmwärters zu seinem Vater. Der einst auf hoher See verschollene Fischer ist nicht allzu glücklich darüber, dass ihr nicht in seine Fußstapfen getreten seid – ihn letztlich doch irgendwie stolz zu machen, ist eines eurer obersten Ziele. Atmosphärisch kommt die Geschichte dennoch gut zur Geltung und entwickelt schnell ein märchenhaftes Ambiente.

Sehr gut gelungen, obwohl gleich mehrere Rollen vom selben Sprecher übernommen werden, ist die deutsche Sprachausgabe. Gewiss spielt auch der geringe Umfang von A Fisherman's Tale von bestenfalls drei Stunden eine Rolle dabei, weshalb Vertigo Games und der Co-Herausgeber Arte sie im Spiel umsetzen. Aber bei den zahlreichen Spieleproduktionen, die keine vollständige Lokalisation für den hiesigen Markt bieten, muss man diese (gut gelöste) Entscheidung definitiv lobend erwähnen.

Autor: Benjamin Braun, Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)


 

Meinung: Benjamin Braun

A Fisherman's Tale hat es mir wirklich angetan! Allein die spielerische Grundidee, mich so ähnlich wie beim Prinzip des unendlichen Spiegels zum Teil einer Welt mit unendlich vielen größeren und kleineren Varianten meiner Umgebung zu machen, ist außergewöhnlich und wird hier auch spielerisch kreativ genutzt. Ich benötige eine größere Fischkonserve? Na dann hole ich mir einfach die größere Variante aus der gigantösen übergeordneten Welt!

Die märchenhafte Erzählweise sorgt zudem bis zum (etwas unbefriedigenden) Ende für eine heimelige Atmosphäre. Und das, anders als in vielen anderen, deutlich größeren Produktionen, sogar mit deutscher Sprachausgabe. Über die kurze Spielzeit könnte ich jetzt ein Klagelied singen. Allerdings ist A Fisherman's Tale mit seinen vielleicht zweieinhalb bis drei Stunden kein Einzelfall unter den nativen VR-Titeln. Und besser kurz und gut als gestreckt und repetitiv!

Mit einem größeren Manko hat das Spiel aus Frankreich dann aber doch zu kämpfen: Die Tastenbelegung auf den Move-Controllern ist nicht allzu intuitiv, vor allem aber funktioniert das Tracking nur unsauber, was manche Aufgaben zu einer kleinen Geduldsprobe macht. Die von mir nicht getestete PC-Version könnte es diesbezüglich womöglich von vornherein besser machen. Jedenfalls gilt meine Note auch schon in dieser Fassung.


 
A Fisherman's Tale PCPS4
8.0
Userwertung7.5
Pro
  • Großartiges Spielkonzept
  • Angemessen knifflige Aufgaben
  • Gute Grafik
  • Sehr gute deutsche Sprachausgabe
  • Angenehm märchenhafte Atmosphäre
Contra
  • Recht kurz (maximal drei Stunden)
  • Unsauberes Tracking der Move-Controller
Jörg Langer Chefredakteur - P - 390826 - 22. Januar 2019 - 12:57 #

Viel Spaß beim Lesen!

dotdan 13 Koop-Gamer - 1330 - 22. Januar 2019 - 13:07 #

Bin mir unschlüssig, ob ich den Contra-Punkt "Recht kurz (maximal drei Stunden)" sinnhaft finde. Persönlich habe ich gar nicht so viel Zeit, um mir stundenlang Zeit für ein Game zu nehmen. Daher ist für mich der Kritikpunkt sogar eher ein Vorteil (was Benjamin ja auch in seinem Fazit andeutet).

Elfant 21 Motivator - P - 30802 - 22. Januar 2019 - 13:43 #

Es ist eine Haltungsfrage. Es gibt halt auch Menschen, welche schlicht auf einen möglichst kleinen Preis pro Stunde achten.
Ich nehme mir zwar stundenlange Zeit fürs spielen, aber letztlich sind mir zwei gute Stunden lieber als 400 mittelprächtige Stunden.

Severin (unregistriert) 22. Januar 2019 - 13:50 #

Wenn dich ein Spiel 400 Stunden lang beschäftigt, kann es doch gar nicht nur mittelprächtig gewesen sein.

Elfant 21 Motivator - P - 30802 - 22. Januar 2019 - 14:00 #

Warum könnte dem nicht so sein?

Lencer 17 Shapeshifter - P - 6341 - 22. Januar 2019 - 14:36 #

Also wenn mich ein Spiel nur mittelprächtig begeistert, interessiert es mich nach 10 Stunden nicht mehr. Stellaris war bspw. ne Ausnahme mit 40 Stunden, aber dann habe ich entnervt abgebrochen.

Wenn ich mir überlege, dass ich letztes Jahr ca. 150 Stunden in NBA2K18 gesteckt habe und ich dadurch ein halbes Jahr nichts anderes spielte, ging das nur, weil ich extremst begeistert war.

Elfant 21 Motivator - P - 30802 - 22. Januar 2019 - 14:55 #

Da reden wir aber von einer Frage des Gefallens und nicht der Qualität. Nur weil ich gerne in den 3D Fallout herumlaufe, ist die offene Welt alleine noch lange keine gute Qualität.

firstdeathmaker 17 Shapeshifter - P - 8471 - 23. Januar 2019 - 9:57 #

Ich hab inzwischen auch 104 Stunden in X4 angesammelt. Empfehlen würde ich das bisher aber nur eingeschränkt. Und es gibt viele Spiele, die mir mehr Spaß / Zeit gemacht haben. Wenn sie das Spiel fertig programmiert haben, wird es bestimmt auch nachhaltig Spaß machen.

Wenn ein Spiel kurz aber gut ist, dann finde ich das absolut in Ordnung. Dann darf das auch ein etwas schlechteres Preis/Zeit Verhältnis haben, vor allem wenn es ein Spiel ist, das wenig Wiederspielwert hat.

Severin (unregistriert) 22. Januar 2019 - 14:54 #

Weil ich dann nie und nimmer so viel Zeit investieren würde? Oder besser gesagt: Da wäre dann deutlich früher schon die Luft raus.

Oder bist Du jemand, der zwanghaft immer 100% erreichen muss?

Lencer 17 Shapeshifter - P - 6341 - 22. Januar 2019 - 14:35 #

"Recht kurz" ist eigentlich ne faire Bewertung. Muss man halt wissen, ob es einem dann 15€ wert ist.

Desotho 17 Shapeshifter - P - 6610 - 23. Januar 2019 - 0:53 #

Es ist in der Tat ein Punkt der nicht unbedingt bei "Contra" hätte stehen müssen, aber das wird ja auch im Text nochmal klar.

Ganon 24 Trolljäger - P - 51649 - 24. Januar 2019 - 10:56 #

Ist halt ein subjektiver Test. Da muss man dann selbst noch ein wenig interpretieren, wie man die Punkte selbst gewichtet.

Apropos kurze Spiele, wo bleibt euer nächster Podcast? ;-)

Benjamin Braun Freier Redakteur - 400486 - 24. Januar 2019 - 15:25 #

Nun, dass sich die eher kurze Spieldauer nicht groß auf meine Wertung auswirkt, kann wohl jeder nachvollziehen, der den Artikel liest – zumal A Fisherman's Tale ja für ein reines VR-Spiel eher normal lang ist. Aber so ähnlich wie "Keine deutsche Sprachausgabe" in anderen Tests, ist das einfach ein objektiver Fakt, den man meines Erachtens, auch wenn ich ihn als Tester besonders bei VR-Spiel aus besagten Gründen, aber auch generell nicht allzu hoch gewichte, erwähnen muss.

Tasmanius 20 Gold-Gamer - - 22822 - 22. Januar 2019 - 13:10 #

"A Fisherman's Tale hat es mir wirklich angetan!" - Und 2€ ins Phrasenschwein :-)

Benjamin Braun Freier Redakteur - 400486 - 22. Januar 2019 - 19:35 #

Nö!

Tasmanius 20 Gold-Gamer - - 22822 - 22. Januar 2019 - 22:13 #

Dann halt nicht.

Desotho 17 Shapeshifter - P - 6610 - 23. Januar 2019 - 0:54 #

In anderen Tests hätte dann gestanden "Das Spiel hatte mich an der Angel" oder so.

Tasmanius 20 Gold-Gamer - - 22822 - 23. Januar 2019 - 21:21 #

Besser :-)

Benjamin Braun Freier Redakteur - 400486 - 24. Januar 2019 - 15:27 #

Wenn stünde dort, dass es einen gehooked hätte. Lustigerweise würde das zu einem Spiel, das "A Fisherman's Tale" heißt, sogar gut passen. ;)

Makariel 19 Megatalent - P - 16407 - 22. Januar 2019 - 13:54 #

Das klingt ja gut, für 15 Euronen sind 3 Stunden Spielzeit auch nicht so schlecht. Besonders viel Wiederspielwert hat es schätze ich mal nicht?

Calmon 13 Koop-Gamer - 1313 - 22. Januar 2019 - 15:25 #

Mich würde interessieren ob die Controller Probleme auch beim PC (Vive, Oculus) vorhanden sind.Das Spiel gibt es ja in wenigen Stunden auf steam, evtl. werde ich das mal austesten.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - F - 30642 - 22. Januar 2019 - 16:29 #

Im Zweifel gibts morgen einen Test der PC-Version bei der VR-Legion ;) .

Calmon 13 Koop-Gamer - 1313 - 22. Januar 2019 - 22:05 #

Ah cool, danke. Da schau ich dann mal vorbei :)

thoros 11 Forenversteher - 674 - 23. Januar 2019 - 22:19 #

Natürlich sind die Probleme auf dem PC nicht vorhanden.

Ganon 24 Trolljäger - P - 51649 - 24. Januar 2019 - 10:54 #

Warum "natürlich"?

thoros 11 Forenversteher - 674 - 24. Januar 2019 - 18:27 #

Weil die Probleme aus den Limitierungen des PSVR Move Tracking resultieren, die es auf dem PC nicht gibt.

Ganon 24 Trolljäger - P - 51649 - 24. Januar 2019 - 22:50 #

Kommt auch immer auf die Fähigkeiten der Entwickler (oder andere Faktoren) an. Trotz besserer Technik könnte es ja irgendwelche Probleme geben.

FantasticNerd 18 Doppel-Voter - - 9333 - 22. Januar 2019 - 16:10 #

Ich hab es mir gleich mal gekauft, gibt es ja aktuell im PS Store etwas günstiger.

TheRaffer 19 Megatalent - - 18588 - 24. Januar 2019 - 19:20 #

Sobald ich VR am Start habe, werde ich mich daran erinnern. Kommt auf die Liste :)

Puzzle/Logik
Innerspace VR
Vertigo Games
22.01.2019 (PC, Playstation 4)
Link
8.0
7.5
PCPS4
GMG (€): 11,99 (STEAM), 10,79 (Premium)