GC 2018: The Sinking City – der ganz normale Lovecraft’sche Wahnsinn

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Benjamin Braun 402393 EXP - Freier Redakteur,R10,S10,C10,A10,J10
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21. August 2018 - 18:43 — vor 49 Wochen zuletzt aktualisiert
Guten Lovecraft-Grusel gab es im Spielebereich zuletzt selten. Die Macher von Sherlock Holmes wollen diese Durststrecke mit ihrem Spiel beenden – doch können sie sich auch mit der Konkurrenz aus dem Hause Cyanide messen?
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Als sich die Wege des französisch-ukrainischen Entwicklerstudios Frogwares und Publisher Focus vor einigen Jahren trennten, schien ihr Call of Cthulhu-Spiel gestorben. Tatsächlich gibt es mit dem Titel von Cyanide und dem umgetauften Spiel von Frogwares nun gleich zwei Abenteuer auf Basis des Horror-Mythos von H.P. Lovecraft. The Sinking City nähert sich nun der Fertigstellung  – und nach meinen Eindrücken von der Gamescom könnte es vielleicht sogar das bessere der beiden Lovecraft-Spiele werden – oder doch nicht?

Ein Detektiv auf Abwegen
Wie viele andere Soldaten auch, hat Charles Reed den Ersten Weltkrieg irgendwie überlebt. Die Narben in seinem Gesicht zeigen aber noch heute jedem, was er in Europa erlebt haben muss. Es sind die 1920er Jahre, Charles ist mittlerweile als Privatermittler an der Ostküste der Vereinigten Staaten tätig. Nach Oakmont im Bundesstaat Massachusetts würde er sich normalerweise nicht verirren. Doch seit einiger Zeit plagen Charles rätselhafte Visionen, die ihn genau in jene Stadt locken. Dort will er eigentlich rausfinden, was seine Visionen verursacht. Die seltsamen Gestalten, denen er dort begegnet, scheinen aber ganz neue in ihm auszulösen.

Um das Geheimnis aufzudecken, muss sich Charles aber mit den Leuten auseinandersetzen, sich um ihre Sorgen und Nöte kümmern, aber ganz technisch ausgedrückt Quests annehmen und sie erfüllen. Eine Frau, der man den Mund zugetackert hat, bittet ihn etwa darum in ihrer Wohnung nach dem Rechten zu schauen. Das Apartment selbst erreichen wir in der offenen Spielwelt nur, wenn wir in ein Boot steigen. Teile von Oakmont sind nämlich überflutet und können anders nicht bereist werden. Grundsätzlich bewegen wir uns aber frei durch die große Stadt. Denn wo wir hinreisen, mit wem wir sprechen und welcher Aufgabe wir uns als erstes stellen, das obliegt in The Sinking City im Wesentlichen dem Spieler.

Ermitteln und Ballern
Obgleich The Sinking City auf dem Konzept des ehemaligen Call of Cthulhu von Frogwares basiert, hat sich so manches am Konzept verändert. Denn die Macher der letzten Sherlock Holmes-Spiele geben Charles nicht bloß Utensilien wie eine Taschenlampe mit auf den Weg, sondern auch verschiedene Arten von Schusswaffen. Welche der grässlichen Monster tatsächlich echt sind, wissen wir nicht. Aber so richtig mag es nicht zur Lovecraft’schen Stimmung passen, dass wir mit der Schrotflinte auf Monster schießen und zu allem Überfluss auch noch Erfahrungspunkte dafür enthalten. In welche Fähigkeiten genau ich diese Punkte am Ende investieren kann, verraten die Macher noch nicht genau. Eine Rolle wird in jedem Fall die geistige Gesundheit spielen, die je nach Entscheidungen – was auch die zwischen Flucht und Kampf sein kann – schneller oder weniger schnell sinken wird. Mehr kann ich aktuell noch nicht zum System sagen, aber Schrecken und Wahnvorstellungen können im Laufe des Abenteuers entsprechend Überhand nehmen und sollen neben unterschiedlichen Questverläufen schließlich auch in verschiedene Enden münden.

Bei den Ermittlungen scheint mir The Sinking City die Spieler nicht so stark zu fordern, wie es in den Sherlock Holmes-Titeln von Frogwares teilweise der Fall ist. Die dort vor ein paar Jahren eingeführte Möglichkeit, falsche Schlussfolgerungen zu ziehen, wird es zumindest in dieser Form nicht geben. Harte Kopfnüsse haben wir bislang auch noch keine gesehen. Stattdessen untersucht Charles die Umgebung, liest Briefe und untersucht Objekte. Hat er alle relevanten Informationen gefunden, hat er Visionen und muss diese so ähnlich wie die Hauptfigur in The Vanishing of Ethan Carter in der richtigen Reihenfolge markieren. In der gezeigten Quest stoßen wir im Rahmen der Ermittlungen, bei der ein Hund getötet und dessen Haut anschließend in einen Teddybären umgewandelt wurde auf eine Querverbindung zum Nachbarn. Den Schlüssel findet Charles dann indem er eine Art Visionssicht nutzt, die ihn mehr oder weniger direkt in die richtige Richtung lenkt. Anspruchsvoll wirkt das nicht. Interessant ist aber dennoch, wie sich die schließlich beim Nachbarn gefundenen Informationen bei der Recherche in einer Bibliothek als hilfreich erweisen. Hier suchen wir in verschiedenen Kategorien und Unterkategorien nach bestimmten Themen, dem womöglich bereits bekannten Namen des Autors eines Buches oder den möglichen Veröffentlichungszeitraum. Wenngleich auch das spontan nicht allzu fordernd wirkt, wird gerade in diesem Punkt die Ermittlertätigkeit spürbar.

Das bessere Call of Cthulhu?
The Sinking City erscheint größer, offener und mit Questmarkern und Co. auch stärker auf Zugänglichkeit getrimmt. Das an sich stört mich gar nicht so sehr. Problematisch finde ich allerdings, dass ich vom Lovecraft’schen Horror bislang noch nicht allzu viel gemerkt habe. Atmosphäre ist da, keine Frage. Bei Kleidung, Architektur oder Musik – in einer Wohnung steht etwa eine für die 1920er Jahre typische Nähmaschine herum, die aussieht wie eine der Firma Singer. Aber solche Details werden am Ende nicht reichen.

Mir kommen auch die klassischen Adventure- und RPG-Elemente etwas zu kurz. Denn während das Call of Cthulhu von Cyanide auch bestimmte Gesprächsoptionen und Co. je nach Skillwahl freigibt und allgemein umfangreichere Multiple-Choice-Dialoge bietet, wirkt es in The Sinking City bislang eher ein bisschen nach dem Abhaken einzelner Quests, um irgendwann das Geheimnis zu entschlüsseln. Dass das vielleicht doch tiefer geht, deutet aber eine Entscheidung am Ende der Messedemo an. Denn das Geheimnis im Apartment der Frau kann Charles zunächst nicht vollständig klären. Dem Spieler steht es frei, sie unter Druck zu setzen, ihm die Wahrheit zu verraten oder sie in Ruhe zu lassen und die Antworten selbst zu finden. Wollen wir nur hoffen, dass ich mir davon nicht zu viel verspreche. Klar ist, dass mich Call of Cthulhu quasi bereits überzeugt hat. The Sinking City ist rund ein halbes Jahr vor dem geplanten Release am 21. März 2019 davon noch ein gutes Stück entfernt.

MrFawlty 18 Doppel-Voter - 9374 - 21. August 2018 - 18:55 #

Es kann nicht genug Lovecraft-Spiele geben :)

TheRaffer 19 Megatalent - - 18811 - 21. August 2018 - 21:40 #

Sollten es schlechte Umsetzungen sein, dann ja!

xan 18 Doppel-Voter - P - 9406 - 21. August 2018 - 23:51 #

Klingt grundsätzlich ganz interessant, aber wenn es nicht der Krache schlechthin wird, wird es an mir vorbeigehen.

Aladan 24 Trolljäger - P - 52517 - 22. August 2018 - 6:04 #

Gleich Zwei Lovecraft Spiele in nächster Zeit, die mal moderner aussehen. Hoffentlich wird's gut.

Slaytanic 24 Trolljäger - P - 51908 - 22. August 2018 - 10:18 #

Da hoffe ich mal mit.

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