Karsten sagt WoW Adieu

World of Borecraft Meinung

Das hat WoW: Warlords of Draenor nicht verdient! Erst spendiert Blizzard der fünften WoW-Erweiterung Sinnlos-Features wie Twitter-Link und Selfie-Kamera, dann bläst der Entwickler auch noch zum vorzeitigen Finale, das wir uns jetzt monatelang antun dürfen. Da steckt Karsten sein Geld doch lieber der japanischen Konkurrenz zu.
Karsten Scholz 12. Juli 2015 - 16:04 — vor 2 Jahren aktualisiert
Anfuehrung
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Hallo! Ich heiße Karsten und ich spiele World of Warcraft. Und zwar nicht erst seit gestern, sondern bereits seit März 2005. Ich bin also nicht ganz vom allerersten Tag an dabei, doch für die Rosenhochzeit reicht es allemal. Warum ich euch das erzähle? Weil ich erstmals mein Abo für unbestimmte Zeit auf Eis legen werde. Für mich ist Warlords of Draenor (GG-Test: 8.5) nämlich die schlechteste Erweiterung der WoW-Geschichte. Doch liegt das nicht an WoD selbst, sondern vielmehr an der desaströsen Patch-Politik, die Blizzard seit geraumer Zeit an den Tag legt, und die mir keine 13 Euro im Monat wert ist.

Gelungener Start, Dämpfer per PatchZu Beginn von Warlords of Draenor (GG-Test: 8.5) schien mir noch die Sonne aus dem Heldenhintern. Die Level-Phase machte mir dank aufgebohrter Optik, abwechslungsreichen Quests und kinoreifer Inszenierung auch beim zweiten und dritten Durchlauf eine Menge Spaß. Auch die Garnison, die blizzardsche Interpretation von Housing, gefiel mir gut. Und mit den Raid-Herausforderungen im Hochfels und der Schwarzfelsgießerei lieferte der Entwickler trotz kleinerer Probleme beim Balancing die gewohnt hochwertige Kost. Klar, nicht alles war perfekt: Die Anhänger-Missionen entpuppten sich als Minispiel auf Browsergame-Niveau, die PvP-Zone Ashran wirkte mit ihren unzähligen Nebenzielen und Events überfrachtet – und da einem an jeder Ecke Rüstungsteile und Waffen nachgeschmissen wurden, gab es kaum einen Grund, den neuen 5-Spieler-Instanzen einen Besuch abzustatten. Unterm Strich war WoD für mich daher eine gute, aber sicherlich nicht die beste Inhaltserweiterung, die bisher für WoW programmiert wurde. 
 
Ein neuer Raid musste wohl der Jukebox weichen
Der erste große Dämpfer kam für mich mit Patch 6.1. Normalerweise schnürt Blizzard für jeden großen Patch ein mit Inhalten vollgestopftes Paket, das erfahrene Spieler erneut für Wochen beschäftigt. Doch nicht dieses Mal. Statt neuen Dungeons und Zonen gab es die Twitter-Integration sowie das neue Blutelfenmodell. Ein neuer Raid musste wohl der Jukebox für die Garnison weichen, und wer wollte nicht schon immer mal statt mit dem Bogen auf Gegner mit der Selfie-Kamera auf sich selbst schießen? Okay, die Schwarzfelsgießerei war erst seit kurzer Zeit offen, ein neuer Raid hätte es also gar nicht sein müssen. Aber nicht einmal eine neue Instanz oder ein Kriegsgebiet für PvP-Spieler? Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Patch jemals so arm an Inhalten war.

Patch 6.2: Besser, aber nicht gut genugEs dauerte nach dem Release von WoD Mitte November 2014 über sieben Monate, bis Blizzard nun via Patch 6.2 endlich Nachschub nach Draenor brachte, der eine größere Halbwertszeit besaß als ein kühles Glas Kölsch, das sich am heißesten Tag des Jahres in die Umkleide einer Kreisliga-Mannschaft verirrt. Und auf den ersten Blick klingen die Neuerungen ziemlich gut: In der Höllenfeuerzitadelle tummeln sich 13 Bosse, zudem darf ich den Tanaandschungel frei erkunden und meine Garnison um eine Werft erweitern. Und wer es gerne knackig mag, der geht die 5-Spieler-Dungeons im neuen mythischen Modus an.
  Ein zweiter Blick offenbart jedoch die Schwachpunkte des Patches: War der Tanaandschungel in der Level-Phase noch eine klasse inszenierte Startzone, mutiert die hochstufige Version zu einem generischen Grind-Festival, auf dem man täglich wiederholbare Quests abschließt, um so den Ruf bei den hiesigen Fraktionen zu steigern, wodurch man Verbesserungen für die Werft freischa ... zzzZZZzzz ... oh, bin kurz eingenickt. Die Hafen-Missionen wiederum frustrieren mehr, als dass sie Spaß machen. Nur selten erreicht man bei den wichtigen Aufträgen eine Erfolgschance von 100 Prozent. Das gab es anfangs zwar auch bei den Anhängern, doch konnte man dort bei einer Niederlage nicht mal eben eine voll ausgelernte Einheit verlieren – bei den Werftquests geht das sehr wohl. Und wenn man keine Lust auf die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Dschungel hat, steht man schnell ohne Öl da, das man jedoch braucht, um die Schiffe auf See zu schicken.

Schön wäre es auch gewesen, wenn man im mythischen Modus ein oder zwei neue Dungeons hätte erkunden dürfen. So wenige 5-Spieler-Instanzen wie in Warlords of Draenor gab es in keiner anderen Erweiterung! In Burning Crusade und Wrath of the Lich King kämpften wir uns noch durch 16 Gruppeninstanzen und in Cataclysm waren es immerhin noch 14. In WoD reichte die Zeit der Entwickler gerade einmal für acht mickrige Dungeons.

Finaaale... Moment, jetzt schon?Selbst die Höllenfeuerzitadelle hinterlässt einen durchwachsenen Eindruck. Die Kämpfe machen Spaß, keine Frage. Doch erreicht die mäßige Hintergrundgeschichte zu keiner Zeit das Niveau von Mists of Pandaria (GG-Test: 9.0). Ganz im Gegenteil: Dass mit Archimonde ein alter Bekannter der Endboss von WoD sein soll, den ich bereits in der Schlacht um Hyjal umgeboxt habe, wirkt an den Dämonententakeln herbeigezogen. Als ob die Entwickler auf Teufel komm raus verhindern wollten, dass erneut ein Orc die Rolle des Superbösewichts einnimmt. Warum gibt es überhaupt jetzt schon einen Endboss?  Bisher dauerte es drei bis vier Inhalts-Patches, bevor der letzte Vorhang eines Addons fiel. Doch verkündete Lead-Content-Designer Cory Stockton vor kurzem, dass es keine weitere Raid-Instanz für WoD geben werde und dass auch ein weiterer Mini-Patch keinesfalls sicher sei - der würde davon abhängen, wie schnell sich die Spieler durch die Zitadelle kämpfen. Und natürlich davon, wann die nächste WoW-Erweiterung erscheinen wird.
 
Den nächsten WoW-Inhaltsschub wird es vermutlich erst in zehn Monaten geben.
Zum nächsten WoW-Addon wollte sich Stockton nicht äußern. Wahrscheinlich werden sämtliche Info-Dämme erst auf der Blizzcon im November brechen. Bis dahin sind es jedoch noch vier Monate, und selbst wenn Blizzard kurz danach die Beta-Phase für das neue Addon startet, wird es erfahrungsgemäß ein halbes Jahr dauern, bis die Live-Server etwas davon haben. Den nächsten World-of-Warcraft-Inhaltsnachschub wird es also vermutlich erst in etwa zehn Monaten geben. Und bereits jetzt logge ich nur noch für die abendlichen Raid-Besuche ein.

Die Japaner zeigen, wie man´s machtSobald Archimonde fällt, gibt es für mich also keinen Grund mehr, 13 Euro im Monat nach Kalifornien zu überweisen. Natürlich könnte ich mir mit meinem Ingame-Gold ein paar WoW-Tokens zulegen, um so meine Spielzeit zu bezahlen. Doch wofür? Um ein Selfie davon zu machen, wie ich mich in meiner Garnison langweile? Dann stecke ich meine hart verdienten Taler lieber in mein Abo von Final Fantasy 14. Das Square-MMO mag in einigen Bereichen nicht ganz die Qualität von WoW erreichen, doch reißen sich die japanischen Entwickler dafür seit Monaten den sprichwörtlichen Hinte
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rn auf, um mir mit vollgepackten Inhalts-Patches meinen Aufenthalt in Eorzea so angenehm wie möglich zu machen.

Neue Instanzen oder Raids sind hier in jedem Patch genauso selbstverständlich wie die Weiterführung der Hauptkampagne oder neue Primae-Herausforderungen und Nebenszenarien. Dazu kommt dann auch mal eine neue Spielweise wie zuletzt der Ninja, spaßige Nebentätigkeiten wie die Chocobo-Rennen oder Fan-Service vom Feinsten in Form von Triple Triad (Kartenspiel aus Final Fantasy 8) oder Gold Saucer (der Vergnügungspark aus Final Fantasy 7). Da die umtriebigen Japaner zudem mit Alexander vor kurzem erst eine neue Raid-Herausforderung auf die Server geschmissen haben, stehen die Zeichen gut, dass sie auch mit der frisch erschienenen Erweiterung Heavensward die beispielhafte Patch-Frequenz der letzten Monate beibehalten werden.

Lange Rede, kurzer Sinn: World of Warcraft mag der Platzhirsch des MMO-Genres sein, doch in Sachen Inhaltsnachschub wirkt er eher wie ein alter, von Gicht geplagter Bock. Es wird Zeit, die World of Langeweile zu verlassen. 

Euer
Karsten Scholz
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MMO-Rollenspiel
12
Activision
13.11.2014
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Karsten Scholz 12. Juli 2015 - 16:04 — vor 2 Jahren aktualisiert
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