Stich ins Lesbennest Meinung
Teil der Exklusiv-Serie Fränkel spielt verrückt

Fränkel spielt verrückt #7

Harald Fränkel / 22. Juli 2020 - 12:08 — vor 1 Woche aktualisiert

Teaser

Harald Fränkel muss diesen Monat das neue Bühnenprogramm für Mario Barth schreiben. Zum Glück hat auch unser Kolumnist einen Ghostwriter: Torben. Er ist Covid-19-Leugner, Impfgegner und Patridiot.
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Anfuehrung
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Als ich kürzlich beim Optiker war, um Kontaktlinsen-Pflegemittel zu kaufen, wurde ich an Abby und Lev in The Last of Us - Part 2 erinnert: Plötzlich stand eine Transe vor mir! Das Gesicht sah aus, als sei es in einem Waldorfkindergarten zwischen eine Gruppe von Bälgern und deren Fairtrade-Fingerfarben geraten. Und diese Reibeisenstimme... ich fürchtete schon, dass Herr Wurst gleich „Ich bin unvermeidbar!“ brummt und mit den Fingern schnippt. 
Ich werde auf dem Hinweg oft von einem Mädchen aus der 3. Klasse zusammengeschlagen, das mir mein Pausenbrot wegnimmt.


Zum Glück sind wir Elite-Gamer keine feigen Säue, sondern äußern stets offen, was wir denken. Ich bin sogar so hart, dass ich dies – anders als peinliche Internet-Rambos – nicht nur anonym im Netz tue, sondern auch im realen Leben. Mein Gegenüber darf mir danken, immerhin fördert Kritik die Selbstreflexion und treibt so die Persönlichkeitsentwicklung voran. Also sagte ich zu Miss Bizeps 2020, die in dem Laden arbeitete: „Auch auf die Gefahr hin, dass du schneller schießt als dein Bartschatten, hol mal ganz schnell 'ne Bio-Kollegin!“ Ich stand auf meinen Zehenspitzen, sonst wäre ich nur mit dem Bauchnabel der Unholden auf Augenhöhe gewesen. Na ja, ich bin erst 14 und in der Pubertät, ich wachse noch.   

Was dann passierte, erinnerte mich an die Schule. Ich werde auf dem Hinweg nämlich oft von einem Mädchen aus der 3. Klasse zusammengeschlagen, das mir mein Pausenbrot wegnimmt. Und die Bananenmilch und die Milchschnitte. Als ich das Augenoptikgeschäft trotz dreimaliger Aufforderung nicht verließ, griff  der Chef zum Telefon. Dazu nur ein Wort: Polizeigewalt!!!111!!!! 

Ich habe ja nichts gegen lesbische Mannweiber oder ähnliche Sachen, aber im Dienstleistungsbereich? Die könnten doch woanders viel besser arbeiten. Im Callcenter, als Fachkraft für Kanalservice, Loretta-Darstellerin in Das Leben des Brian 2 oder, noch besser, als Butler von Stevie Wonder. Ich bitte euch, was kommt als Nächstes? Weibliche Fahrlehrer? Frauenfußball in FIFA 21? Na gut, ich will nicht den Teufel an die Wand malen.
      

Nachdem mich Papi mit seinem BMW 750 Li Solitaire und seinen Anwälten von der Wache abgeholt hatte, schlenderte ich noch ein wenig über den Marktplatz. Dort lungerte wieder mal dieser peruanische Panflöten-Spacko herum. Ich hasse Straßenmusiker. Zwar bleibe ich oft stehen und höre zwei bis drei Stunden begeistert zu. Ich fühle mich aber von den Hüten belästigt, die vor den selbsternannten Künstlern rumliegen. Wenn eure Kohle vom Amt nicht reicht, dann geht arbeiten, faules Pack! Unfassbar, aber diesem Gesindel scheint Bettelei und modernes Raubrittertum nicht mal peinlich zu sein.

Einer dicken blonden Bettlerin hab' ich nach ihrem Lied über einen Tanzaffen 'nen 10-Euro-Schein gegeben. Aus Monopoly. Ich bin nämlich nicht nur meinungsstark und extrem intelligent, sondern auch irre witzig. Miss Geburt konnte nur Englisch, deshalb hab ich ihr folgenden nicen Kommentar gedrückt: „Try your lucky as a street line slut, then can you also work at the fresh air but earn much more money. Don't make you thoughts because your ugly curb swallow hack face, you can wear a mask because Corona and no one will wonder.“ 

Wenn alles gut läuft, mache ich schon mit 37 meinen Realschulabschluss. Ich will nicht prahlen, muss das aber erwähnen, damit ihr ahnt, was ich bereits heute draufhabe. Jedenfalls stelle ich nicht nur Fußballtrainern, Sportkommentatoren, und Spielejournalisten mein Consultant-Fachwissen zur Verfügung, sondern allen anderen Versagern, die von ihrem Job null Ahnung haben. Ungefragt und pro bono. Nennt mich Brother Teresa. 

Weil ich weniger Freunde habe als die Skrotumfalten von Donald Trump, bezahle ich oft meine Klassenkameraden, damit sie mit mir zur Uniklinik pilgern. Gestern sind wir in einen OP eingedrungen, um einem Hirnchirurgen über die Schulter zu schauen. Als es zu einer gefährlichen Blutung kam, wiesen wir den Professor Dr. Dr. mit einer subtilen Geste auf seine Unfähigkeit hin: 50 Daumen runter, live vor Ort, das wird ihm hoffentlich eine Lehre sein. 
Nennt mich Brother Teresa.


Natürlich hätten wir dem feinen Halbgott in Weiß seinen Fauxpas erklären können (er hatte bei der Kraniotomie den Okzipitallappen touchiert), aber solche Anfängerfehler sind nicht mal einen Kommentar wert. Wo man auch hinsieht, überall arbeiten überbezahlte Dilettanten. Am Montag sind wir übrigens in Karlsruhe, im Bundesverfassungsgericht. Treffpunkt 14 Uhr.  

Was natürlich auch nicht geht: Entwickler, die beliebte Hauptfiguren umbringen. Ich will in puncto The Last of Us 2 nicht spoilern, aber am Ende stellt sich heraus, dass der Spieler nur gedacht hat, Ellie sei gestorben. In Wahrheit ist es umgekehrt: Der Spieler hat den Löffel angegeben, und Ellie kann tote Menschen sehen! Hammer-Twist, oder?`

Nun könnte ich natürlich Ellie-Darstellerin Ashley Johnson per Mail mit Mord drohen, wie es ein 08/15-Gamer mit nur mittelmäßig ausgeprägter krimineller Energie täte und viele es im Fall von Laura Bailey (Abby) auch mit Genuss tun. Ich aber habe Stil. Deshalb warte ich, bis Entwicklungschef Neil Druckmann eines Tages wegen eines Schneesturms einen Autounfall hat. Ich schnapp ihn mir, binde ihn an ein Bett, amputiere mit einem Löffel seinen linken Fuß und überrede die miese Drecksau, die Story neu zu schreiben.   

Es ist nicht leicht, nur von dummen Menschen umgeben zu sein. Der Frisör bei uns umme Ecke kann nicht mal 'n Pony schneiden. Seit er mich und mein Zwergpferd rausgeschmissen hat, gehe ich einmal die Woche hin, nur um ihn vor der Kundschaft zu diskreditieren: „Wussten Sie, dass unser kleiner dicker Fickaro gestern im First -ates-Restaurant war? Er hatte dort ein Rendezvous, und dabei war nicht nur das Essen warm!“ Hab ich schon erwähnt, dass mich auch alle meine Freunde für sehr witzig halten? 
Das kenne ich von Spiele-Websites. Die löschen auch jedwede konstruktive Kritik, wenn sie mir mal wieder argumentativ komplett unterlegen sind.


Manchmal gehe ich in den Real-Supermarkt, nur um dort einen Kommentar zu hinterlassen. Im Eingangsbereich gibt's nämlich eine Pinnwand für private Kleinanzeigen. Neulich schrieb ich auf einen Zettel: „Ich bin zwar kein Nazi, ich spiele ja sogar Franklin in GTA 5, aber die bei Ihnen an der Kasse sitzende maximalpigmentierte Schokoschaumkusskopf*In (hihihi) guckt immer so düster. Ekelhaft, dieses typische Social-Justice-Warrior-Ding!“. Schon tags drauf war die Nachricht weg. Das kenne ich von Spiele-Websites. Die löschen auch jedwede konstruktive Kritik, wenn sie mir mal wieder argumentativ komplett unterlegen sind. Dazu nur ein Wort: Zensur!!!111!!!  

Apropos Spiele und Handel: Was mich die Exklusivscheiße nervt! Ich würde sooo gern alles bei einem Anbieter kaufen. Stattdessen muss man mittlerweile zwischen 1.000 Shops switchen. Anders als ihr GamersGlobal-Leser mach ich aber nicht nur „Mimimi!“, sondern handle! Ich verzichte seit Jahren auf den Allgäuer Schmelzkäse von Hochland, den es nur beim geldgeilen Rewe gibt, ich habe dem Cavabel-Rahm-Brotaufstrich von Karwendel entsagt (Lidl = auch geldgeil) und meide den Alpspitz Emmentaler von Bayernland (Aldi = geldgeil). Stattdessen kaufe ich nur bei Markführer Edeka. Warum? Na weil halt!

Den anderen Lebensmittel-Einzelhändlern habe ich selbstverständlich Besuche in der Firmenzentrale abgestattet, um den CEOs meine Entscheidung mitzuteilen und dezidiert-stichhaltig zu begründen. Den Aldi-Heinz traf ich Auge in Auge. Um 12 Uhr mittags. Auf einer staubigen Straße. Zwischen vorbeirollenden Tumbleweed-Büschen.

Entwickler, die nur schnelles Geld machen wollen und deshalb ihre Spiele absichtlich mit lauter Bugs veröffentlichen (also alle Entwickler), stehen auch auf meiner Abschussliste. Nehmen wir F1 2020: GamersGlobal-Tester Benjamin Braun erwähnt die brutalen Fehler nicht, weil er von Codemasters und Pirelli kleine Aufmerksamkeiten erhielt und Bernie Ecclestone ihn mit hier nicht genauer ausgeführten Diensten bestochen hat. Wenn ich nun aber nur einen Blick auf die Hersteller-Seite werfe, schreiben im dortigen Support-Forum nur Zocker, die Probleme mit dem Game haben!!!111!!! Zufall? Nein, ihr merkt schon, ich war da einer großen Sache auf der Spur. 

Die Beweisführung zu dieser weltweiten Verschwörung verbreitete ich investigativ im ganzen Internet. Irgendein dummes Kevin-Kind hat auf meiner Facebook-Seite reagiert: „Du besuchst bestimmt auch deine Oma im Altenheim und wirfst dem Personal vor, dass die Sterberate in einem Seniorenstift unverhältnismäßig hoch ist.“ Auch hier spielte ich umgehend meine intellektuelle Überlegenheits-Karte. Ich weiß nämlich, wie man Kommentare löscht und Arschgeigen blockiert.

Ihr entschuldigt mich bitte, ich muss jetzt zu einem Konzert im Landkreis München. Meine Eltern haben mich gezwungen. Als Vorgruppe heizt Heino die scheintote Menge an. Danach tritt der aus Funk und Fernsehen unbekannte Jörg Langer ins Rampenlicht und kredenzt Hits wie Bei ons em Schwobaland aus seinem Album Ein bunter Blumenstrauß (Hörproben). Wenn es beim Konzert 'ne Paywall gibt, raste ich aus!

Schönes Leben noch!
Euer Torben i.V. von Harald Fränkel
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    Harald Fränkel 22. Juli 2020 - 12:08 — vor 1 Woche aktualisiert
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