Meinung

Roland Austinat: „Kein Duke? Egal!“ Meinung

Roland Austinat ist ein alter Hase im Spielejournalismus, er schrieb schon für PC Player, war Chefredakteur von Video Games, ging vor Jahren nach San Francisco, um als US-Korrespondent für mehrere Magazine zu arbeiten. Bei GamersGlobal schreibt er eine regelmäßige Meinungskolumne sowie weitere Artikel.
Roland Austinat 14. Mai 2009 - 15:19 — vor 10 Jahren aktualisiert
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"Action-Held im Ruhestand verdient Geld mit einem Spielkasino, das von Außerirdischen angegriffen wird." Würdet ihr einem Spiel mit dieser Story eine Chance geben? Vielleicht schon, wenn der Held Duke Nukem und das Spiel Duke Nukem Forever heißt. Dazu müsste es nur fertig werden – was nach der Pleite seines Entwicklungsstudios 3D Realms (http://www.3drealms.com/index.html) mehr als unwahrscheinlich ist. So bizarr wie die Story ist auch die Entwicklungsgeschichte: Schon 1997 wurde der 3D-Shooter zum ersten Mal angekündigt. In Worten: vor zwölf Jahren – eine Ewigkeit in der Spielebranche. Damals angekündigter Erscheinungstermin, nach den Worten von 3D-Realms-Chef George Broussard: "When it's done."

Weltexklusiv-Vorschau in PC Player 12/99

Tatsächlich dachte ich im letzten Jahrzehnt mehrmals, dass "Duke Nukem Forever" kurz vor der Veröffentlichung stehe. Ich erinnere mich noch an eine Vorschau in PC Player 12/99, deren Ausgangsmaterial mir vor zehn Jahren von unseren Schwesterzeitschriften in den USA und England zugespielt worden war. Durch unseren raschen Vorlauf waren wir tatsächlich weltweit das erste Magazin (http://www.pcplayer.de/history/hefte/121999P.php), das mit neuen Bildern und Infos wuchern konnte! Das beunruhigte die amerikanischen Kollegen, die ja immer gerne "weltexklusiv" aufs Cover schreiben, doch dafür fand der Duke auf unserem Titelbild nur in einem Minikasten statt – der Rest gehörte "Battlezone 2". Fragt nicht.

2003 erhielt Duke Nukem Forever den Vaporware Lifetime Achievement Award
Mit den Jahren wechselten die Entwickler von 3D Realms mehrfach Personal und Grafik-Engine aus, während die ständige Mischung aus Hype und ausbleibendem Spiel zum Treppenwitz der Spielebranche geriet. Die Kollegen von Wired (http://www.wired.com) nahmen das Spiel bereits im Jahr 2000 in die "Vaporware Award"-Top-Ten auf. Nach einem respektablen 2. Platz gewann es dann 2001 und 2002 den jeweils Ersten Preis für nachhaltig ausbleibende Software. Um auch anderen Kandidaten eine Chance zu geben, erhielt "Duke Nukem Forever" 2003 den "Vaporware Lifetime Achievement Award" (http://www.wired.com/science/discoveries/news/2004/01/61935), doch nach Leserprotesten im weiterhin Duke-losen Jahr 2004 erlaubten die Wired-Redakteure, den Titel wieder zu nominieren. Die Folge: Von 2005 bis 2008 belegte das Spiel erneut konstant den ersten Platz.

Erscheinungsdatum 2008...

Zuletzt sah es tatsächlich so aus, als würde Duke Nukem Forever Ende 2008 erscheinen. Immer wieder tauchten neue Screenshots (http://www.shacknews.com/onearticle.x/54940) und Artworks auf. Doch der Versuch, damit noch neue Geldgeber für das Projekt zu interessieren, schlug fehl: Vor wenigen Tagen ging 3D Realms schlicht und ergreifend das Geld aus. Was jetzt mit dem Duke passiert, ist unklar. Was, wenn das Spiel nach über zwölf Jahren Entwicklungszeit wirklich nie erscheint? Ganz ehrlich: Meine Traurigkeit hält sich in Grenzen.

Als Kind der 90er Jahre ist der Duke  ein echter Anachronismus – mit Sex, Gewalt und tumben Macho-Sprüchen allein verkauft man heute keine Spiele mehr. Im 21. Jahrhundert dominieren Köpfchen und schlaue Crossover. Nehmen wir beispielsweise Bioshock, Mirror's Edge und Portal – wer diese 3D-Spiele mit dem schlichten Schlagwort Shooter abkanzelt, hat einiges nicht verstanden. Oder wie wäre es mit den "Half-Life 2"-Episoden, die Action, Physik-Puzzle und Story wie kein anderes Spiel miteinander verknüpfen? Vielleicht haben am Ende auch die Entwickler bei 3D Realms gemerkt, dass sie an einem Projekt der Vergangenheit arbeiten. Und  dass sie mittlerweile zwölf Jahre lang vergeblich versucht, die tieferen Mankos des Dukes mit neuen Grafik-Routinen zu übertünchen.

Euer Roland Austinat


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