Mick Schnelle 26. Mai 2013 - 17:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Nicht erst seit dieser Woche weiß ich: Die Welt ist böse! Nur wurde es diese Woche mal wieder besonders offensichtlich. Nein, ich will jetzt nicht die dreisten Überwachungsphantasien von Microsoft an den Pranger stellen. Der Firma, die uns derzeit in ihren Windows-Explorerspots noch versichert „Ihre Privatsphäre ist uns wichtig" und gleichzeitig bei der Xbox One-Vorstellung demonstriert, was man sich darunter genau vorzustellen hat. „Ihr Wohnzimmer gehört uns" könnte der Untertitel der Veranstaltung gewesen sein. Aber nein, darüber wollte ich ja gar nicht meckern, das tun andere ja schon hinreichend.

Genauso wenig will ich mich über die unselige Tendenz der Konsolenhersteller ausheulen, uns Spieler mit mehr oder weniger sanfter Gewalt zur permanenten Anwesenheitspflicht im Internet zu verdonnern. „Always on – never free". Und wen interessieren schon Gebrauchtspiele...?
Nein, wofür ich bis hierher fast einen ganzen Absatz voller Buchstaben gebraucht habe, ist die Sorge um die Zukunft der ganzen Konsolenzunft, nein, der gesamten Spielebranche. Denn was Sony und Microsoft planen ist nicht weniger als die Degradierung der Spiele zum unbedeutenden Anhängsel in der lauwarmen Suppe eines Multimedia-Gemischtwarenladens, dessen einzige Aufgabe es ist, Umsatz zu generieren. Spielekonsole adé! Ihr glaubt mir nicht? Seht euch noch mal die "Reveal-Shows" beider Unternehmen zur PS4 und Xbox One an. Wie viel Zeit verging zum Beispiel bei letzterer, bevor es endlich nicht mehr um TV und Filme, sondern um ein Spiel ging?
 
Technik auf einen BlickWas waren das noch für Zeiten, als man einem Spiel noch ansehen konnte für welche Konsole es gemacht worden war. VCS 2600, Intellivision, Vectrex – auch heute noch ist es kein Problem, deren Spiele anhand der Grafik ihrer Plattform zuzuordnen. Jedes System stand auch für die darin verbaute Technik. Und oftmals diktierte eben jene Technik auch das Spiel. Mal ehrlich, Tempest konnte nur auf dem Vectrex mit seiner Vektorgrafik sein Flair entfalten, die River Raid-Klötze gehören nach wie vor zum VCS. Dabei trieb jede Konsolengeneration die Machbarkeit weiter, setzte aber genau dadurch eigene Standards. Die Kopffüßler japanischer Bauart waren den Beschränkungen der 8-Bitgrafik geschuldet, bestimmen aber selbst heute noch den Look moderner Rollenspiele aus Fernost. Und meint man nicht immer noch die gute alte Mode-7-Grafik in jedem Mario Kart um die Ecke lugen zu sehen?

Die Technik war es, die jede neue Konsolengeneration vor die Heimcomputer und PCs positionierte
Ich will nicht allzuweit in Nostalgie versinken. Aber jeder, der die Zeit mitgemacht hat, auch später bei den Playstation-, Saturn- und frühen Xbox-Jahren dabei war, wird diese Spiele nicht vergessen, die aufgrund der jeweils eigenen Konsolentechnik Genres definiert haben und heiß und innig geliebt wurden. Die Technik war es doch, die jede neue Konsolengeneration vor die Heimcomputer- und PC- Konkurrenz positionierte. Zumindest so lange, bis Highend-Grafikkarten aufseiten der Rechenknechte das Rennen erneut in Gang brachten. Und, nicht zu vergessen, zu herrlichen Grabenkämpfen der unterschiedlichen Fanfraktionen auf dem Schulhof und in der Mensa führten.
 
New World OrderDoch jetzt ändern Microsoft und auch Sony plötzlich die Spielregeln. Die Technik in PS4 und XBox One ist zwar noch nicht vollständig bekannt. Aber wie ein großer Sprung, der die PCs auf die Plätze verweist, wirken beide Systeme nicht. „Wohl eher so eine Art Mittelklasse-PC" ist wohl der meistgehörte Kommentar der Fachpresse... und zwar bei beiden Systemen. Viel wichtiger als technische Distanz zum PC scheint beiden Herstellern die nahtlose Integrierung moderner Schlagworte zu sein. Social Media jeglicher Couleur ist natürlich genauso vertreten, wie Film- und Fernsehmöglichkeiten bis zum Abwinken, allesamt verbunden mit lukrativen Abomodellen, die vor allem für Umsatz sorgen sollen. Spiele, vor allem aufwändige und damit teure Produktionen, scheinen nur noch eine Nebenrolle zu spielen. Der Konsolenbenutzer der Zukunft sitzt vor seiner eierlegenden Wollmilchsau, konsumiert, was die Unterhaltungskonzerne ihm in den Äther schaufeln und tut vor allem eins: er zahlt. Häufig, immer wieder und wieder.

Wenn man sich dazu vor Augen hält, dass etwa Microsoft eine halbe Milliarde Dollar allein für die Football-Rechte springen lässt, die Xbox-One-Nutzer an den Fernseher fesseln sollen, ahnt man, wo der Hase langläuft. Eben jenes Unternehmen behauptet ja sogar den kontrollierenden Blick ins Wohnzimmer zu beherrschen, genau zu wissen, wer was guckt oder spielt. Und die Spiele? Die sehen allesamt aus wie der 08/15-Brei, mit dem schon seit einiger Zeit jeglicher technische Fortschritt vermieden wird.
 
Pfeilschnell und unglaublich
Ich will keine pummelige Ich-kann-alles-Konsole ohne Eigenständigkeit
Nein, ich möchte niemandem verbieten, mit seinen Produkten Geld zu verdienen. Und ja, auch ich gucke auf meiner PS3 schon mal Filme und finde das praktisch. Nur: Eigentlich will ich keine pummelige „Ich kann alles"-Konsole, ohne die geringste Eigenständigkeit. Kann irgendwer noch mit bloßem Auge ein Xbox 360- Spiel von seinem PS3-Konkurrenten unterscheiden? Wo ist die neue Hardware, die durch ihre speziellen Fähigkeiten die Konkurrenz alt aussehen lässt und Spiele ermöglicht, die die Welt noch nicht gesehen hat? Wo ist das F-Zero der Neuzeit, wo das Virtual Racing, wo das Thunderforce 4? Spiele, die einem mit offenem Mund vor dem Fernseher zurücklassen, die gestandene Redakteure die Mittagspause vergessen lassen, wie einst Starfox auf dem Super Nintendo. Ich will pfeilschnelle Spezialsysteme, vollgestopft mit Spezialchips, die nur dazu dienen, unglaubliche Spiele in mein Wohnzimmer zu bringen!

Weg mit den Universalspielen für jedes System und jede Zielgruppe. Das ist nur gut für die Spielehersteller, die ihre Titel problemlos für zig Systeme gleichzeitig rausbringen können. Aber nicht für Spielefans, die Abwechslung und Eigenheiten wollen. Ich will Spiele, die neue Technik ausnutzen, die es nur für dieses eine System gibt! Dafür verzichte ich gern auf Facebook, Sprachsteuerung, Videoverleih und Bezahlfernsehen... und auch auf einen Besuch der Microsoft-Spionagezentrale in meinem Wohnzimmer!

Euer Mick Schnelle
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22.11.2013
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Mick Schnelle 26. Mai 2013 - 17:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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