Harald Fränkel rät:

"Geht wählen, Spieler!" Meinung

Da ihr alle ja nur Killerspiele spielt, kein Obst esst und nie unter die Menschen geht, wisst ihr sicher nicht, dass übermorgen Bundestagswahl ist. BUNDESTAGSWAHL! Mutti Merkel, Onkel Steini und so! Aber keine Sorge, Harald Fränkel sorgt für eure staatsbürgerliche Stimmvieh-Schnellausbildung.
Harald Fränkel 25. September 2009 - 22:11 — vor 9 Jahren aktualisiert
Anfuehrung
Action-Titel machen gewalttätig, dick, doof, lassen das Rückenmark schwinden und sind verantwortlich dafür, dass die Erde eine Scheibe ist. Das wissen wir nicht erst, seit neulich Spiele-Terminator Günther Beckstein back war, ohne es wenigstens mit einem lässigen „Ei bi back“ anzukündigen und während einer Veranstaltung der Seniorenunion über Counterstrike behauptete, es sei von der US-Armee entwickelt worden. Und zwar, um die Gewaltschwelle der Soldaten zu senken. Alte Menschen, also alle ab 35, glauben das natürlich. Ich hingegen finde, die Penner von Greenpeace sollten endlich mal etwas Vernünftiges tun und sich gegen den Wahlfang engagieren.
 
Macht euer Kreuzchen
 
Macht ihr am Wochenende auch wieder eure Kreuzchen und hofft, dass alles gut wird? Sorry, aber ich fürchte, ich muss euch enttäuschen: Denn die Chance, den Lotto-Jackpot zu knacken, liegt bei 1:140 Millionen. Es ist bekanntlich viel kleiner als das Risiko, vom Blitz erschlagen zu werden. Hinsichtlich der Bundestagswahl sieht es für uns Killerspielspieler übrigens auch eher mau aus.

Ihr könnt die Chancen erhöhen, wenn ihr einen Drachen steigen lasst
Klar, ihr könnt die Chancen auf ein Happy End erhöhen, wenn ihr einen Drachen steigen lasst. Also natürlich nicht die Chancen auf eine Niederlage der Union oder einen Lottogewinn, sondern auf einen treffsicheren Blitzschlag. Das wäre ja immerhin etwas, wenn das sicherlich in jedem Fall deprimierende Wahlergebnis bekannt gegeben wird. Fön in die Badewanne geht selbstverständlich auch (an alle NPD- und DVU-Wähler: Wasser nicht vergessen!). Jahaa, es gibt für jedes Problem eine Lösung – soll mal jemand sagen, ich sei immer nur negativ eingestellt! 
 
Laut Prognosen landet die CDU/CSU am Sonntag jedenfalls bei 35 bis 36 Prozent. Da sind die Aussichten künftig logischerweise eher so lala, dass einer unserer Regierungsvertreter mal ein „Killerspiel“ für den Friedensnobelpreis vorschlägt.
 
Ich frage mich, ob man beim Spiel Politik Simulator, das es für schlappe 35,95 Euro gibt, auch in die Rolle eines fetten CSU-Politikers schlüpfen kann, der Walkampf, äh Wahlkampf betreibt. Wahrscheinlich nicht, drei Menüpunkte für große Reden („Verbieten, verbieten, alles verbieten!“, „Ihr könnt nach zwei Maß Bier noch selbst im Auto nach Hause fahren!“ und „Killerspiele sind an Amokläufen, S-Bahn-Morden, an der Klimakatastrophe und an der Freilassung von Florian Silbereisen schuld!“) scheinen auf Dauer nicht sonderlich abwechslungsreich. Wenn wir schon bei Verboten sind: Ich als Politberater würde der Union empfehlen, besser Mobbing, Außenseitertum, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Äxte und schlechte Elternhäuser zu verbieten. Aber mich fragt ja niemand.

Alois Karl und Sandra Monte
 
Apropos „Killerspiele sind an allem schuld“: Neulich hat ja der CSU-Bundestagsabgeordnete Alois Karl einer Milchbäuerin eine gesemmelt, weil diese ihn bei einer „heimtückischen Attacke“ (siehe Karls Website) mit 20 Litern Milch übergossen hat. Bei der genauen Analyse des Schlags gehen die Meinungen ein klein wenig auseinander. Gehandelt habe es sich um einen Schlag, der eine „behandlungsbedürftige Halswirbelprellung“ verursachte. Sagt die Bäuerin, die nun vor Gericht ziehen will. Gehandelt habe es sich um eine „reflexartige, leichte Ohrfeige", sagt Politiker Karl. Was auch immer: Ich finde, Wolfgang Schäubles Spezialeinsatzkommando sollte sich unbedingt mal den PC des Politikers näher ansehen, wer weiß, was sich darauf so alles findet. Der spielt doch bestimmt abends heimlich Fight Night oder so.
 
Oh, ich habe gerade einen Brief von der CSU-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie erhalten. Dagmar Wöhrl heißt sie. In dem Brief steht eigentlich nichts drin, außer dass ich total glücklich werde, wenn ich der CSU meine Stimme gebe. Und sie hat natürlich völlig Recht, wenn sie die Wichtigkeit der Werte (sie meint mein Aktiendepot, denke ich) ungefähr 10x in dem Brief betont. Oder wenn sie schreibt: "Im Mittelpunkt steht der Mensch". Wer Frau Wöhrl nicht kennt (ich muss es leider unbedingt erwähnen): Sie mimte 1973 in Peter Steiners Erotik-Komödie Die Stoßburg eine gewisse Sandra Monte. Na, das finde ich ja mal pfui, pfui, pfui! Wobei das allein allerdings ist auch kein Grund ist, CSU zu wählen. Sorry, Dagmar!
 
Alternativen zur Union
 
Mag sein, dass dem einen oder anderen die Union ein gaaaanz kleines bisschen unsympathisch sein könnte (hier in Bayern dürfen wir ja noch nicht mal die CDU wählen, die tritt ja nicht an. Weil nämlich sonst die CSU im restlichen Bundesgebiet antreten würde. Seltsame Drohung, übrigens). Da stellt sich natürlich die Frage, wen man denn bitte sonst wählen soll. Die SPD, die ja seit Eeeewigkeiten gegen ein pauschales „Killerspielverbot“ ist? Wobei Eeeewigkeiten in diesem Fall rund drei Monate sind, erinnern wir uns an die Innenministerkonferenz vom Juni 2009. Hier sorgten unter anderem vier Sozis dafür, dass der Beschluss contra Action-Spiele einstimmig ausfiel. Ferner möchte ich unsere geschätzten Alzheimerpatienten daran erinnern, dass sie auch den Koalitionsvertrag im Jahr 2005 mitgetragen haben. Bitte Seite 106 aufschlagen, Genossen, da findet sich ein Eintrag „Verbot von Killerspielen“.    
 
Vielleicht die Linken, sodass künftig endlich alle gleich wenig Geld haben?
Also doch die FDP? Die ja irgendwie nur sehr gegen die Wirtschaftskrise ist (das aber entschieden!) und nach der Wahl einzig mit der CDU/CSU kuscheln will? Oder die Grünen, die sich dann wieder liebevoll um die SPDemenz kümmern? Vielleicht die Linken, sodass künftig endlich alle gleich wenig Geld haben? Ich weiß nicht so recht. Bleiben eigentlich nur die Piraten. Die finden Computer, Spiele und Internet ja insgesamt super. Wobei: Alles in einem Wiki ausdiskutieren, Bildung per BitTorrent verteilen und die deutsche Wirtschaft Google-optimieren führt jetzt vielleicht auch nicht gerade schnell zu einer Lösung für unsere Probleme.   
 
Mist, ich muss wohl doch für die „Violetten“ stimmen, die eine „spirituelle Politik“ betreiben wollen. Deren Hauptziel ist es, eine Gesellschaft zu entwickeln, in der „jeder von seinem Bewusstseinsstand aus denken, fühlen und handeln und sich zu höherem Bewusstsein entwickeln kann“. Jau, mit halluzinogenen Pilzen ist die Herrschaft der Schwarzen vielleicht auch zu ertragen. Wobei ich das mit den Schwarzen nicht so meine, wie es sich liest – euch irregeleiteten Denkbremsen von der NPD und der DVU muss man aber auch alles haarklein erklären, Mann!
 
Ach ja, mit einer Partei für Senioren liebäugele ich auch noch, weil ich im Februar 40 werde. Mal sehen … hm … also für Senioren stünden zur Wahl: die CDU/CSU, die Rentnerinnen- und Rentner-Partei und die Rentner-Partei-Deutschland. Rentnerinnen- und Rentner-Partei und Rentner-Partei-Deutschland? Judäische Volksfront und Volksfront von Judäa oder was? Ich sollte erst mal rauskriegen, wie die sich unterscheiden. Hoffentlich schaffe ich das noch bis Sonntag.

Witze mit Walen
 
Zum Thema Wahlfang fallen mir zum Schluss einige hammermäßige Witze ein. Wie nennt man die Umkleide in einem Klamottenladen für Übergrößen? Walkabine! WALkabine, ihr versteht? Huahuahua!

Und wo müssen Kunden des besagten Bekleidungsgeschäfts hin, wenn sie nach Hause wollen? Durch den Walausgang! HAHAHA, ich krieg mich nimmer ein!

Halt, einer noch: Was braucht man, wenn Tine Wittler stirbt? Eine Walurne natürlich, MUAHAHALOLROFLMAO. Äh … ich muss weg. Schönes Leben noch!

Euer Harald Fränkel

Abfuehrung

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