Interview zu Total War Attila

"Als Rom ist es ein Survival-Strategiespiel" Interview

Jörg Langer 11. Februar 2015 - 18:57 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Die Schneegrenze rückt im Spielverlauf immer weiter nach Süden. Hier können wir eine zerstörte Siedlung neu gründen.
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Simon Mann: Daran haben wir hart gearbeitet. Ja, deine Beobachtungen sind nicht von der Hand zu weisen, und auch das Feedback vieler Spieler geht in diese Richtung. Aber wir haben einige neue Mechanismen in Total War Attila, die dagegensteuern sollen. Nimm etwa den Klimawandel: Das Spiel wird in den späteren Runden schwerer, nicht einfacher.

Pawel Wojs: Du kannst dich nicht zurücklehnen, du musst auf die sich ändernden Bedingungen reagieren. Und vergiss nicht die Hunnen...

Simon Mann: ... die eine richtig starke Fraktion sind. Sie werden dir immer im Genick sitzen. Oder, wenn du weder die Hunnen noch die Römer spielst: Es gibt die Chance, dass sich Rom erholt und neu erstarkt. Du magst als Sachse England erobert haben – doch um die Runde 90 herum kommen vielleicht die Römer zurück und wollen es dir wieder entreißen. Wir versuchen in Attila, den Druck kontinuierlich zu erhöhen mit der Spielzeit, statt ihn aus dem Kessel zu lassen. Dazu gehören auch Naturkatastrophen und vor allem Seuchen: Sie können sich von Stadt zu Stadt und in Armeen hinein verbreiten. Plötzlich denken deine Nachbarn: Oh, die sind geschwächt, lasst sie uns angreifen!

 
Der Klimawandel ist mit den sieben Siegeln verknüpft, die das Ende der Welt verkünden.
GamersGlobal: Aber es gibt keinen Schalter im Spiel oder einen Punkt, wo das Spiel auf einen Schlag schwerer wird? Also etwa, indem es eine weltweite Inflation gibt oder so etwas?

Simon Mann: Ein wenig haben wir das über den Klimawandel, bei dem sich die Schneegrenze kontinuierlich von Nord nach Süd erweitert. Der ist wiederum mit der Story verknüpft, den sieben Siegeln, die das Ende der Welt verkünden. Das passt wunderbar zu den Hungersnöten, die eine Folge des kälteren Klimas sind.

Pawel Wojs: Was übrigens historisch ist, es gab eine kleine Eiszeit. Deren Auswirkungen wurden von den zeitgenössischen Menschen als Zeichen verstanden und der "Geißel Gottes", also Attila, zugeschrieben. Der Klimawandel erstreckt sich über etwa 70 Jahre, also 280 Spielrunden. Den ersten Hinweis bekommst du nach etwa 40 Runden im Spiel, mit der Geburt Attilas. Daran haben wir die erste Verschiebung der Klimagrenze geknüpft.

Das Interview führten wir im Rahmen eines Events, zu dem Creative Assembly eingeladen hatte.

GamersGlobal: Habt ihr den Hunnen eine spezielle KI spendiert, damit sie mit ihren Spezialregeln auch zurecht kommt?

Simon Mann: Ihre KI hat andere Ziele, sie unterscheidet sich in diversen Variabeln von den anderen Fraktionen. Unter anderem kann sie ja keine Städte einnehmen.


Wir machen ein Sandkasten-Spiel, wir wollen die Spieler nicht zu sehr einschränken.
GamersGlobal: Das heißt, die Hunnen-KI könnte sich auch dazu entschließen, Westrom komplett zu verschonen? Wobei sie vermutlich eh eine Zielprovinz haben, die Rom heißt...

Simon Mann: Wir machen ein Sandkasten-Spiel, wir wollen die Spieler nicht zu sehr einschränken. Wenn du also etwas machen willst oder nicht machen willst, steht dir das offen. Die Hunnen-KI hat keine "Favoriten", sie greift einfach jeden an, der ihr im Weg steht. Gleichzeitig gibt es Wege, die Hunnen zu stoppen oder umzulenken. Alle Fraktionen können Diplomatie mit den Hunnen betreiben. Historisch hat ja insbesondere Ostrom sich schlicht freigekauft von den Hunnen, so dass sie weiter nach Westen gezogen sind.

GamersGlobal: Ihr habt beide lange an Attila gearbeitet – was gefällt euch jeweils am besten daran?


Pawel Wojs: Auch wenn es doof klingt: eigentlich alles. Besonders der Survival-Strategie-Ansatz, bei dem du wirklich hart arbeiten musst, um deine Wirtschaft, deine Familie und so weiter zu balancieren. Das schafft wirklich eine tiefe Immersion. Und dann kannst du jederzeit sagen, "jetzt spiele ich die Sachsen", und erlebst ein ganz anderes Spiel, es geht nicht mehr bergauf, sondern bergab. Diese Vielseitigkeit ist das, was mir am meisten gefällt: Attila hat einen höheren Wiederspielwert als die Total-War-Serienteile der Vergangenheit.

Simon Mann: Darf ich zwei Sachen nennen? Zum einen ist es die "Belagerungseskalation" – mit zunehmender Belagerungsdauer nimmt nicht nur die Truppenstärke in der Stadt ab, sondern du siehst auch auf dem Schlachtfeld immer mehr Schäden, beispielsweise eingestürzte Gebäude oder fehlende Wachtürme. Und die zweite ist das Ereignisprotokoll: Alles, was du tust, wird mitgetrackt, ob du nun einen Agenten ermorden lässt oder ob Attila zum Mann reift. Das alles schreiben wir in diese riesige, fraktionsspezifische Datenbank. Das gibt dir deine eigene Historie der Ereignisse, und du kannst sie auch online mit anderen teilen.

Das Interview führte Jörg Langer für GamersGlobal.de



 
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Jörg Langer 11. Februar 2015 - 18:57 — vor 9 Jahren aktualisiert
Jörg Langer Chefredakteur - P - 470623 - 11. Februar 2015 - 18:57 #

Viel Spaß beim Lesen!

zynic 10 Kommunikator - 461 - 11. Februar 2015 - 20:11 #

Ich muss jetzt einfach mal sagen, dass ich die "Wende" bei Gamersglobal wirklich klasse finde. Mehr Videos und mehr Interviews sind einfach super und werten die Seite extrem auf :)

euph 30 Pro-Gamer - P - 130343 - 11. Februar 2015 - 20:46 #

Ja, sehr richtig. Auch wenn Interviews und Magazin-Texte nicht die riesigen Klickzahlen bringen, wie ein Test. Sie gehören einfach dazu und machen das besondere einer Webseite aus.

zynic 10 Kommunikator - 461 - 11. Februar 2015 - 20:54 #

Ja, aber wie du sagst, es gehört einfach dazu. Und ich denke damit erhöhen sich das insgesamt schon die Klickzahlen, weil es einfach runder ist. Außerdem interessieren mich Interviews schon, wenn es um Spiele oder Studios geht, die für mich ansprechende Spiele entwickeln (ist hier halt jetzt nicht der Fall).

Kinukawa 21 AAA-Gamer - P - 25868 - 12. Februar 2015 - 12:41 #

Wenn du noch ein Abo abschließt, dann ist Jörg sehr froh darüber. :) Interviews sind auch für mich sehr interessant, aber durch die wirklich wenigen Klickzahlen (Ausnahmen: Braben, Fargo) lohnt es sich eben nicht. Und warum nicht mal ein Interview-Video bringen, bei dem oder Skype oder ähnliches genutzt wird.

rammmses 22 Motivator - P - 32710 - 12. Februar 2015 - 11:55 #

Ja, da kommen ja neuerdings täglich gute Inhalte. :)

Erynaur (unregistriert) 11. Februar 2015 - 20:41 #

Freu mich auf den Test, das Interview war aber schon spannend.

Chorazeck 28 Party-Gamer - - 99712 - 11. Februar 2015 - 21:59 #

Geht mir genauso :D

ElCativo 14 Komm-Experte - 2154 - 12. Februar 2015 - 13:44 #

Ich Freue mich darauf ich denke das die Neuerungen allgemein dem Spiel Gut tun werden. Und die Optik gefällt mir deutlich besser als bei Rome 2. Und anders als beim Rome 2 fange ich wohl dies mal mit Rome an das klingt Spannend.

Und da ich so viel Kritisiere bei euch vor allem bei den Rollenspiel Test ;-)

Hier noch mal ein Lob eure Strategie Tests schätze ich sehr. Und danke für das Interview das war sehr Lesenswert.

Endamon 15 Kenner - 3893 - 12. Februar 2015 - 1:28 #

Schönes Interview. Mal schauen ob ich das dieses Jahr noch brauche oder nicht.

Lexx 15 Kenner - 3834 - 12. Februar 2015 - 6:24 #

Die PR für ihr nächstes Spiel arbeitet schon gut, wie ich sehe. :>

McTi. (unregistriert) 12. Februar 2015 - 7:56 #

-1 Kudo wegen wieder mal schlechtem Deutsch in der Überschrift.

McRib (unregistriert) 12. Februar 2015 - 8:33 #

Sagte der Sprachkritiker nicht etwa in einem wohlgeformten deutschen Satz, der, um überhaupt einer zu sein, unbedingt ein Prädikat verlangt, sondern in einer ästhetisch nicht sehr ansprechenden Ellipse. Das muss man auch erst einmal hinbekommen.

rammmses 22 Motivator - P - 32710 - 12. Februar 2015 - 11:55 #

Mal abgesehen davon, dass "wegen" den Genitiv erfordert...

John of Gaunt 27 Spiele-Experte - 78508 - 12. Februar 2015 - 15:08 #

Und "Kudo" absolut falsch ist...

Jörg Langer Chefredakteur - P - 470623 - 12. Februar 2015 - 9:10 #

Wie du schreiben tust selben Sinn auf gleichem Platz?

Philley (unregistriert) 12. Februar 2015 - 18:00 #

^^
Schönes Eigentor

Rumpelstilz (unregistriert) 12. Februar 2015 - 12:04 #

"Mir persönlich macht es keinen sonderlichen Spaß, Barbarenvölker zu spielen in der Total-War-Serie. Vielleicht, weil als Deutscher meine Vorfahren Barbaren waren, die gegen die Römer gekämpft haben"

Was ist denn das für ein Zusammenhang? Wenn, dann wäre das doch eher ein Grund dafür, warum es Spaß macht.

Larnak 22 Motivator - 37541 - 12. Februar 2015 - 15:27 #

Ich hoffe, Jörg, du hast deine Dankbarkeit für die Wiedereinführung der Bildchen dem Herren Lead Artist überschwänglich zum Ausdruck gebracht :)

Kinukawa 21 AAA-Gamer - P - 25868 - 12. Februar 2015 - 16:13 #

Ich hatte bisher immer den Eindruck, dass Attila ein Addon zu Rome 2 ist. Jedoch ist das wohl nicht der Fall.

Erynaur (unregistriert) 12. Februar 2015 - 20:30 #

Ist wohl eher wie Napoleon, war auch das bessere Empire.