Erneuerung durch Zerstörung

World of Warcraft: Cataclysm Preview

World of Warcraft führt seit Jahren scheinbar mühelos die Konkurrenz vor, egal ob es um die schiere Zahl von Abonnenten oder aber um die Quantität der Quests geht. Blizzard ruht sich nicht auf den Lorbeeren aus, sondern krempelt mit dem 3. Addon die Spielwelt von Azeroth kräftig um. Wir berichten euch von wochenlangen Beta-Abenteuern.
Alex Hassel 9. September 2010 - 0:49 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC
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von Benjamin Ginkel


Über fünf Jahre nach seiner Veröffentlichung zieht World of Warcraft weltweit etwa 11 Millionen Spieler in seinen Bann. Regelmäßige Patches und zwei Erweiterungen versorgen die Fans mit neuen Inhalten. Mit Erfolg: World of Warcraft ist in fast jeder Beziehung das obere Ende der MMO-Messlatte. Neuerscheinungen müssen sich, ob sie wollen oder nicht, mit dem Platzhirsch vergleichen lassen. Manch Konkurrent wie Tabula Rasa geht dabei vorzeitig KO, andere wie Herr der Ringe Online weichen zwecks unzureichender Abonnentenzahlen zu einem Free-to-Play-System aus. Und geht es nach Blizzard, wird sich an dieser Vormachtstellung von WoW auch in Zukunft nichts ändern.

Mit der kommenden Erweiterung Cataclysm will die kalifornische Spieleschmiede das bisherige Spielerlebnis von Grund auf überarbeiten. Ein riskanter Schritt, denn wenn ein Update zu sehr in die Spielmechanik eingreift und bestehende Regeln ändert, könnten altgediente Spieler schnell die Lust verlieren. Der Reset von Star Wars Galaxies sorgte langfristig für den Weggang vieler Spieler. Wir haben für euch an der momentan laufenden Betaphase viele Wochen lang teilgenommen und die teils drastischen Änderungen in Azeroth begutachtet.

Goblin, grüß mir die Sonne! Mit Cataclysm dürfen Spieler endlich die alte Welt bereisen, indem sie selber fliegen.
 
Optische Veränderungen
 
Was bedeutet Kataklysmus?
Kataklysmus stammt vom Lateinischen cataclysmus ab, das wiederum aus dem altgriechischen Wort kataklysmos (aus kataklýzein „überschwemmen“, von katá „hinunter“- + klýzein „(weg)spülen“). Ein Kataklysmus bezeichnet in der Geologie eine erdgeschichtliche Katastrophe, beispielsweise eine plötzliche Vernichtung oder Zerstörung. Allgemein wird dieser Begriff genutzt, um eine alles zerstörende Katastrophe zu beschreiben. (Quelle: Wikipedia)
Blizzard plant, die Vorgeschichte von Cataclysm noch vor Release mittels Ingame-Events und einem weiteren Cinematic-Trailer zu erzählen. Die Zusammenfassung: Tapfere Helden haben den namensgebenden Oberbösewicht des zweiten Add-on Wrath of the Lich King entthront, Arthas’ Seele fand an der Seite von König Terenas ihre Ruhe. Eigentlich könnten Orks, Blutelfen, Zwerge und Menschen jetzt gemeinsam die Sonnentage am Strand des Schlingendorntals genießen und Cocktail-Rezepte statt Schwerthiebe austauschen. Doch WoW lebt vom Konflikt der beteiligten Parteien, und Stillstand bei einem MMO ist gefährlich. Daher präsentiert Blizzard den machthungrigen Drachenaspekt Todesschwinge, der aus seinem Exil Tiefenheim zurückkehrt. Sein Spitzname  "Zerstörer" ist passend gewählt, denn dieser Drachenaspekt ist es auch, der den namensgebenden Kataklysmus auslöst. Der wiederum stellt Azeroths Erscheinungsbild auf den Kopf und entfacht nebenbei auch noch den Krieg der Elemente.
 
Mit Installation des Addons werden die beiden klassischen Kontinente Azeroth und Kalimdor für erfahrene Spieler kaum noch wiederzuerkennen sein. Fast in jeder Zone klaffen vorher nicht dagewesene Schluchten, aus neu entstandenen Vulkanen fließt heiße Lava, manche Siedlungen sind fast komplett von der Landkarte verschwunden. Aber Cataclysm beseitigt nicht nur alte Inhalte, sondern versieht vorher trostlose Gebiete mit neuem Leben. Im Brachland, das künftig in zwei Zonen aufgeteilt ist, erwacht beispielsweise die Savanne zu neuem Leben. Desolace, das zuvor nur Monochrom-Fans gefallen konnte, erhält mit dem Add-on auffällig viele Grünflächen. Rund um den Kodo-Friedhof ist eine große, farbenfrohe Oase entstanden. Einer spielerischen Neuerung verdanken wir es, dass wir die neugestaltete Welt auch endlich aus der Luft begutachten können: In der neuen Erweiterung schwingen wir uns fortan auf dem Rücken unserer Flugreittiere über den Himmel von Azeroth.

GamersGlobal-Tipp: Lieblingsorte rechtzeitig im Bild festhalten
Ihr habt in Auberdine als junge Nachtelfe eure heutige Gilde kennen gelernt? Vielleicht habt ihr im Park von Sturmwind eine virtuelle Hochzeitsparty gefeiert? Oder ihr seid im tristen Desolace zufällig eurem Nachbarn aus der Echtwelt begegnet? Nostalgiker (und Romantiker) unter euch sollten solche Orte vor dem Erscheinen von Cataclysm als Screenshot festhalten. Denn die Chancen stehen gut, dass euer Lieblingsort mit der Erweiterung von einem riesigen Lavafluss verwüstet wurde oder optisch kaum noch wiederzuerkennen ist. Wer kein Tool wie Fraps benutzt, kann im Spiel mittels "Druck"-Taste Screenshots speichern, die dann automatisch im entsprechenden Ordner eures WoW-Verzeichnis landen.

Phasing für alle

Schwarzdrache Deathwing ist im dritten WoW-Addon die Wurzel alles Übels -- und der Boss der letzten Raidinstanz.
Nicht nur die Topografie der Welt ändert sich in Cataclysm, auch viele Quests wurden überarbeitet.  Allein der Tod des Lichkönigs machte Änderungen in der Hintergrundgeschichte und auch bei der Erzählweise notwendig. So greifen die Entwickler jetzt auch in der alten Welt auf die Phasing-Technologie zurück, die mit Wrath of the Lich King eingeführt wurde. Damit gemeint ist die individuelle Gestaltung der Spielwelt für jeden einzelnen Spieler, abhängig davon, welche Quests und Ereignisse er absolviert hat.

Wer zum Beispiel in einem Gebiet wie den Nordends Questfortschritte gemacht, kann dies auch in Veränderungen der Umgebung erkennen. Ein wichtiger Faktor, um MMO-Spielern das Gefühl zu vermitteln, nicht ein unbedeutender Teil einer generischen Welt zu sein, die für Millionen Spieler identisch aussieht. Eine Quest lässt euch beispielsweise die Lagerfeuer-Erzählungen von drei Freunden nachspielen. Und jeder dieser Freunde gibt  seine ganz eigene Version des Tages, an dem Todesschwinge erschien, zum Besten. Wir wollen an dieser Stelle keine Details verraten. Wir sind uns aber sicher, dass auch erfahrene Spieler Gefallen am nochmaligen Durchspielen dieser Quests finden werden!

Andererseits erfindet Blizzard mit Cataclysm das WoW-Rad nicht neu, und so werdet ihr auch in der neuen Erweiterung altbekannte Routinen bewältigen müssen. Es gilt nach wie vor, etliche Gegner zu looten, um Questgegenstände zu erhalten, oder eine bestimmte Anzahl an Widersachern zu erledigen. Die Aufgaben werden mit unterhaltsamen Texten und Beschreibungen verpackt, die aber -- wie gewohnt -- kaum jemand lesen wird. Beim Thema Instanzen wird euch in der alten Welt die ein oder andere Überraschung erwarten. Hogger ist etwa mit seinen Gnollkumpanen künftig als Boss in den Palisaden von Stormwind zu finden. Dass die Quests zu einer Instanz nun nicht mehr mühsam aus allen Ecken der Welt zusammen gesucht werden müssen, sondern meist direkt in der Instanz von NPCs verteilt werden, ist gerade in Zeiten des automatischen Gruppensuchtools und seiner Teleport-Funktion äußerst praktisch.

Mit Cataclysm machen die Sumpflande ihrem Namen alle Ehre. Und dank des stark gestiegenen Meerespiegels kommen die Zwerge nur noch über Sandsäcke trockenen Bartes zum Schiff gen Theramore.

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