Battlefield im Mittelalter

War of the Roses Preview

Die Zeit der Weltkriegsshooter scheint vorbei, abgelöst wurden sie längst vom modernen Krieg: Schließlich wollen wir ja alle so gerne nachspielen, was wir anhand von Embedded-Reportagen oder Anschlagsszenen im Fernsehen nur erahnen können! Paradox Interactive traut sich an etwas anderes ran: einen Multiplayer-"Shooter" im Mittelalter.
Jörg Langer 8. Mai 2012 - 16:40 — vor 7 Jahren aktualisiert
War of the Roses ab 69,95 € bei Amazon.de kaufen.
Wir springen auf den Heuwagen und von dort auf den Vorsprung der Scheune, lugen ins Innere: Niemand drin, gut so. Dann drehen wir uns wieder um und spannen den Bogen, denn wir wissen: Gleich werden sie ins Dorf kommen, die räudigen Lancasters! Da, ein schwer gepanzerter Lanzenritter auf seinem Pferd, gefolgt von zwei Schwertträgern, einem Pikenier, einem Armbrust- und einem Musketenschützen. Den Ritter lassen wir ziehen, er ist gut gepanzert und im engen Dorf ein leichtes Opfer für unsere Kameraden. Stattdessen nehmen wir den ersten Schwertträger ins Visier. Er ist noch 50 Meter entfernt, wir halten vor, murmeln ein kurzes Gebet und lassen den Pfeil fliegen. Das Glück ist uns hold: Kopfschuss, er geht sofort zu Boden. Der Ritter galoppiert los, die anderen Feinde drehen sich nach links und rechts, sie haben uns nicht erspäht. Nun greifen unsere Kameraden ein, ein wildes Scharmützel entsteht. Vier Pfeile brauchen wir, um den in einen Nahkampf verstrickten zweiten Schwertträger zu fällen, da unser erster Schuss fehlt.
 
Marten Stormdal (oben) und Gordon Van Dyke (unten) stellten uns WotR vor.
Nun hat uns der Armbrustschütze erspäht, doch ein beherzter Sprung vom Vorsprung der Scheune rettet uns vor seinem Projektil. Während der Armbrustschütze elend langsam sein sperriges Todeswerkzeug nachlädt, schicken wir einen, zwei, drei Pfeile in seine Seite. Schwer verwundet zieht er sich zurück, wir zücken das Schwert – und sehen aus den Augenwinkeln, wie der Musketenschütze aus 10 Metern Entfernung auf uns anlegt. Doch die Verzögerung zwischen Anzünden der Lunte und Lösen des Schusses rettet uns das Leben, wir weichen aus und gehen den Musketenschützen im Nahkampf an. Plötzlich liegen wir am Boden, beinahe getötet von der Lanze des Schweren Ritters. Doch um uns den Rest zu geben, muss er absteigen: Während wir ihm von unten hilflos dabei zusehen, wie er auf uns einhackt, reitet von hinten einer unserer leichten Reiter heran...
 
Battlefield im Mittelalter, nur viel komplexer
Willkommen bei War of the Roses, einem typischen Multiplayer-Shooter mit einem klitzekleinen Unterschied: Er ist in der Mitte des 15. Jahrhunderts nach Christus angesiedelt, zur Zeit der Rosenkriege. Die Familie York (weiße Rose im Wappen) kämpft mit der Familie Lancaster (rote Rose) um den englischen Thron. Folglich halten wir auf dem Schlachtfeld keine Sturmgewehre oder Raketenwerfer in den Händen, sondern allerlei zeitgenössische Waffen, die der Entwickler Fatshark bis ins kleinste Detail simuliert (und konfigurierbar macht). Bei einem Anspiel-Event in England ließen wir uns von Lead Designer Marten Stormdal und von Paradox' Senior Producer für das Spiel, Gordon Van Dyke, in die Einzelheiten hinter dem Projekt einführen. Vor allem aber spielten wir diverse Partien selbst – eigentlich konnte uns nur der anstehende Rückflug vom Monitor lösen.
 

Zwar soll War of the Roses auch einen Solomodus enthalten, aber der wird wohl nur als "besseres Tutorial" dienen und euch – umgeben von Bot-Kameraden – mit einigen der Waffenklassen vertraut machen. Selbst ausprobieren konnten wir ihn nicht. Der Schwerpunkt aber wird auf brachialen Online-Schlachten mit bis zu 64 Spielern liegen, die sich aus der Nähe oder aus der Ferne, zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes die Lebenslichter auspusten wollen. Natürlich nicht alle gegen alle: Die Spieler werden auf die Seiten Lancaster und York aufgeteilt und kämpfen dann um strategische Punkte oder einfach die meisten Kills (Team Deathmatch).
 
Wenn ihr der Meinung seid, ein Multiplayer-Actionspiel benötige genau so viele Charakterklassen wie Doom oder Quake – nämlich eine – solltet ihr nicht weiterlesen. Die Vielfalt von War of the Roses beim Individualisieren könnte euch dann nämlich verstören.
Individualisierung
aus dem siebten Himmel
 Zunächst einmal stehen uns vorgefertigte "Kits" zur Verfügung, also etwa Langbogenschütze oder "Man at Arms". Doch wir wollen uns natürlich im Detail ausrüsten, also wählen wir zunächst unsere Hauptwaffenklasse, also etwa Lanze, Zweihänder, Pike, Schwert, Axt, Keule, Muskete, Bogen oder Armbrust. Unser Kampfstil (Englisch, Kaiserlich oder Mailändisch) beeinflusst kleine Faktoren wie die Zahl der Angriffe pro Minute, die wir mit der Waffe ausführen können. Nun stehen, je nach Waffe, diverse weitere Entscheidungen an. Bei einem Schwert etwa der verwendete Stahl (gehärteter? Damaszenischer Stahl?), der Schliff der Schneide (flach? konvex? doppelt-gekurvt?), die Art des Knaufs (beeinflusst die Präzision). Bei einer Axt hingegen wählt ihr die Holzart aus, und so weiter. Ohne die Materialien und ähnliches einzurechnen, stehen 60 Waffen zur Wahl. Bis hierhin schon beeindruckt? Noch nicht? Dann machen wir weiter!

In derselben Manier wählt ihr eine kleinere Zweitwaffe aus (falls die Hauptwaffe im Kampf zerstört wird oder ihr als Schütze in den Nahkampf müsst), zudem einen Dolch, einen Schild, einen Helm, die eigentliche Rüstung. Bei jedem Punkt klappen weitere Optionen aus, etwa beim Helm die drei Grundtypen, das Visier (wer letzteres heruntergeklappt, ist vor Kopfschüssen gefeit, sieht aber deutlich weniger), den Helmbusch und das Vorhandensein (und Material) des Halsschutzes. Bei der Körperrüstung ist unter anderem das Material wichtig: Stoff oder Leder machen uns leichter und damit schneller, schützen uns aber natürlich weniger als eine Kettenrüstung oder ein Plattenpa
Anzeige
nzer. Um euer Wappen für den Schild oder den Waffenrock zu generieren, können wir mit genügend Detailliebe einige Viertelstunden verbringen, so viele Varianten aus Grundmuster, Farben, Emblem und weiteren Verzierungen gibt es. Und selbstverständlich bietet uns War of the Roses auch noch 60 Perks, darunter passive wie "Man at Arms" (reduziert Nahkampfmali) und "Armour Training" (verringert Nachteile durch das Gewicht), aktive (die etwa Spezialattacken ermöglichen) oder auch "Officer Training" – letzteres erlaubt es, Feinde und Zielpunkte für unsere Kameraden zu markieren. All diese Wahlmöglichkeiten sollen für Experten wahrnehmbare Detailänderungen ergeben, zusammen mit den rein optischen Konfigurationen aber vor allem eines schaffen: Möglichst jeden Spieler individuell aussehen lassen – "schließlich blickst du deinen Gegnern ins Auge", wie uns Van Dyke sagt. Außerdem verrät er uns: "Schilde waren übrigens bei Infanteristen eher unüblich zur damaligen Zeit. Aber wir haben sie dennoch integriert, zum Teil, weil es jeder erwartet, und zum Teil, weil so auch Einsteiger eine Weile überleben können, bis sie unser Pariersystem kapiert haben". 
 
Zuschlagen und Parieren will gelernt sein: Unter anderem fließen die beiden Waffen (mit dutzenden Parametern), das Timing, die Richtung und Höhe sowie die Bewegungsgeschwindigkeit der Kontrahenten im Moment des Aufpralls ein.
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 80 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.