Angetestet: 3. Bananenrepublik

Tropico 3 Preview

Sommer, Sonne, Staatsstreich: In den Tropen wartet ein luschiges Inselchen nur darauf, von einem Freizeit-Diktator nach Strich und Faden ausgenommen zu werden. Ein Angebot, das Mick Schnelle einfach nicht ablehnen konnte…
Mick Schnelle 14. August 2009 - 22:53 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
Tropico 3 ab 9,99 € bei Green Man Gaming kaufen.
Tropico 3 ab 4,45 € bei Amazon.de kaufen.
Aufbauspiele müssen nicht immer Anno Dunnemal spielen, mit romantischen Kornmühlen, Bauernhöfen und lauschigen Dörfchen. Es geht auch ganz anders. Tropico 3 beginnt zu einer Zeit, als der Kalte Krieg noch so richtig schön frostig war. Doch allzu kalt dürfte es euch nicht werden, wenn ihr im Jahr 1950 Maximo Lider einer karibischen Bananenrepublik werdet. Wir haben in einer weit fortgeschrittenen Version – online-exklusiv – den Präsidentenpalast erobert und ein Weilchen Hobbydespot gespielt … mit fatalem Ende.


Kuba Labre

Tja, da stehen wir vor unserem schmucken Palast, mitten auf einem sonnigen Inselchen. Anders als im Vorgänger aus dem Jahr 2000 existiert der Präsident nicht nur in den Tiefen der CPU, sondern ist ein real-steuerbares Kerlchen in 3D. Um ihn herum wuseln die potentiellen Untertanen, die allesamt ihrem Tagewerk nachgehen, dabei eine Meinung zu allem und jedem haben und sich aber hauptsächlich dafür interessieren, wie gut es ihnen geht. Diese Politikmüdigkeit bekämpfen wir gleich aktiv und schicken El Presidente per Rechtsklick auf den Balkon im Palast. Automatisch beginnt er eine Rede zu halten, die anders als bei so manchem realen Vorbild nur ein gutes Minütchen dauert, statt etlicher Stunden. Augenblicklich wendet sich die Bevölkerung ihrem Herrscher zu und lauscht gebannt, während der eingeblendete Zahlenwert für die Zustimmung im Volke am unteren Bildschirmrand munter ansteigt.

So, das ist ja schon mal gut gelaufen, doch auf warme Worte sollten bald auch Taten folgen! Ein Blick auf die armseligen Hütten der Bewohner zeigt schon, was zu den allerersten Aufgaben des angehenden Staatschefs Schnelle gehört: ordentliche Häuser bauen. Das hält die Leute zufrieden und sie denken gar nicht erst an eine Revolution. Jetzt noch flugs eine Papayaplantage anlegen, die Gehälter erhöhen, damit die Arbeiter zufrieden sind und dann muss man erstmal warten…. und warten... und warten.

Wenns mal ganz arg kommt, kann El Presidente vom Balkon aus eine flammende Rede halten und so das Volk eine Weile wieder auf Linie bringen.

.
El Presidente macht Druck

… und warten … und warten. Tropico 3 gehört wahrlich nicht zu den schnellen Spielen für zwischendurch. Bis die Gebäude errichtet sind, die Papayas wachsen und geerntet werden, vergehen etliche Minuten, selbst auf der schnellsten der vier Geschwindigkeitsstufen. Wer es aber ganz eilig hat, kann die zweite große Neuerung in Tropico 3 nutzen und El Presidente zu einer Baustelle schicken. Dessen Anwesenheit beschleunigt den Bau erheblich, aber natürlich kann er immer nur an einem Ort zugleich sein.

Die eingefärbten Bereiche zeigen an, wo welche Pflanzen am besten gedeihen. Unsere Kaffeeplantage steht mitten im grünen Bereich.
Sind alle Bürger dann erstmal zufrieden, sollten wir eine florierende Wirtschaft errichten. Vor allem zu Beginn geht das am leichtesten, indem ihr Güter für den Export anbaut, wie Kaffee oder auch Tabak. Das spült jede Menge Geld in die Staatskasse. Hierbei ganz wichtig: Vorher unbedingt die jeweiligen Fruchtbarkeiten für das jeweilige Gewächs überprüfen, um die Produktion möglichst effektiv zu halten. Auch dieser Bau dauert ein Weilchen, doch sobald die ersten Schiffe im Hafen anlegen und diese Güter an Bord nehmen, klingelt die Kasse. Zudem kommen mit den Kähnen Immigranten ins Land, die automatisch freie Arbeitsstellen besetzen, auf Baustellen schuften oder Farmer werden. Wenn genügend Bargeld hereingekommen ist, lohnt es sich, die Güter auch gleich selbst weiterzuverarbeiten und Fabriken für Zigarren oder Konservendosen errichten zu lassen.


Öl und Ballermänner

Ebenfalls ganz neu in Tropico 3 ist die Erdölproduktion. Die funktioniert sowohl auf dem Land wie auch zur See. Allerdings mussten wir erst eine ganze Weile fleißig sparen, bis wir uns eine Raffinerie samt zugehörigen Ölpumpen leisten konnten. Und dann dauerte es noch mal einige Zeit, bis der Ölpreis auf dem Weltmarkt derart stark angestiegen war, dass sich die hohe Investition tatsächlich auszuzahlen begann.

Wem das zu lange dauert, oder wer wie wir ausreichend Platz auf seinem Eiland hat, kann auch noch einen weiteren Wirtschaftszweig errichten: den Tourismus. Dazu muss zuallererst ein eigenes neues Dock her, an einem möglichst lauschigen Ort gelegen, fernab jeglicher Industrieproduktion. Jetzt noch flugs zwei Bettenburgen gebaut, eine Strandbar angelegt und schon trudeln unsere ersten Gäste ein. Auf die Dauer bringen die Ballermann-Touris aber nicht ausreichend Bares ein. Also bauen wir noch ein Nobelhotel für die gediegenere Klientel. Doch kurz nach der Eröffnung dann der Schock: Den Herrschaften waren die Unterhaltungsmöglichkeiten zu prollig und drohten mit der Abreise! Nur ein Kasino samt mehreren schmucken Bars konnten die Herrschaften wieder beruhigen.

Bis dahin kamen wir eigentlich ganz gut mit den eigenen ungelernten Inselbewohnern als Personal aus. Doch die Luxusherberge, und auch andere Bauten wie Kraftwerke oder Zeitungsredaktionen benötigen ausgebildete Fachkräfte. Und die gibt’s nur für teuer Geld im Ausland – denn die landeseigene Universität konnten wir uns beim besten Willen noch nicht leisten.

Am Anfang ist alles noch wüst und leer. Doch schon kurze Zeit später floriert unser Touristenparadies, inklusive Bettenbunker, Strandpromenade und Nobelhotel.

Kommentare nicht sichtbar (21)