Angetestet: Fun-Racer 2.0

Trackmania 2 - Canyon Preview

Seit 2004 steht die Trackmania-Serie für unkomplizierten Rennspiel-Spaß auf selbst erstellten Kursen. Auf wahnwitzigen Strecken kämpft ihr, der Schwerkraft trotzend, um die Bestzeit. Nach diversen Ablegern steht mit Trackmania 2 - Canyon nun ein echter Nachfolger in den Startlöchern. Wir haben den Rennspiel-Baukasten ausprobiert.
Bernd Wener 26. April 2011 - 18:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC
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Trackmania-Überlick
  • 2004: Trackmania
  • 2005: Trackmania Sunrise
  • 2006: Trackmania Nations ESWC (Forever)
  • 2007: Trackmania United (Forever)
  • 2008: Trackmania (DS-Version)
  • 2010: Trackmania Turbo (DS-Version)
  • 2010: Trackmania (Wii-Version)
Der Überblick über die Trackmania-Serie mag für Außenstehende etwas verwirrend sein. Bereits 2004 erschien das erste Trackmania, das seit einem Update im Jahr 2005 den Zusatz Original trägt. Ebenfalls 2005 erschien Trackmania Sunrise, das neben verbesserter Grafik auch weitere Umgebungen mitbrachte. Das kostenlose, speziell für den E-Sport veröffentlichte Trackmania Nations ESWC und auch Trackmania United, das die Inhalte vom Original, Sunrise und Nations bündelt, erhielten beide per Update wiederum den Zusatz Forever. Außerdem veröffentlichte Nadeo bereits Ableger für Nintendo DS und Wii.
von Bernd Wener

Während andere Leute schon auf dem Weg in die Osterferien waren, reisten wir am vergangenen Donnerstag zu Ubisoft nach Düsseldorf, um uns dort das für Herbst geplante Trackmania 2 - Canyon  anzusehen, das gerade bei Nadeo entsteht.

Anne Blondel-Jouin
und Florent Castelnerac (letzterer vielen Trackmania-Fans auch bekannt unter dem Pseudonym Hylis) zeigten uns aber nicht nur eine aktuelle Version des Rennspiels nebst Streckenbaukasten, sondern auch, was sich hinter der Plattform Maniaplanet verbirgt.  Denn Nadeo will die engen Grenzen des Rennspiel-Genres bald hinter sich lassen; mehr dazu weiter unten im Text.

Das ist Baukasten-Spielgrafik?

Auch wenn es vielleicht nicht so wirkt: Bei den Screenshots in diesem Artikel handelt es sich (nach unserem Dafürhalten und der Aussage der beiden Entwickler) um ungeschönte Ingame-Grafik.Gestochen scharfe Texturen und schicke Spiegelungen auf den Autos können wir begutachten. Für ein Baukasten-Spiel wirken die Strecken erstaunlich natürlich. Würden sie nicht vor Loopings, riesigen Sprüngen und Wallride-Abschnitten nur so strotzen, wären wir versucht, gar von realistisch zu sprechen. Hinzu kommt ein ordentliches, allerdings rein optisches Schadensmodell -- ein Novum für die Trackmania-Spiele.

Erreicht wird die hübsche Optik unter anderem durch Vorberechnung der Beleuchtung nach Erstellen eines Kurses. Mittels eines globalen Beleuchtungsmodells ermittelt euer PC die Lichtverhältnisse und Schattenwürfe der Umgebung, je nach eingestellter Tages- oder Nachtzeit. Keine Angst, ihr benötigt zur Berechnung nicht etwa eine hochgezüchtete Server-Farm: Je nach Komplexität des Kurses dauert der Vorgang nur wenige Augenblicke bis Minuten. Dynamische Tag-Nachtwechsel oder unterschiedliche Wetterverhältnisse werden allerdings nicht integriert.

Erstmals in einem Trackmania-Spiel: Ein durchaus ansehnliches, wenn auch rein optisches Schadensmodell.

„Schwerkraft macht keinen Spaß.“

An der Fahrphysik hat Nadeo kräftig geschraubt. Florent erklärt uns seine Motivation dahinter: "Schwerkraft, wie wir sie kennen, macht keinen Spaß." Bislang steuerten sich die Boliden in der Trackmania-Serie sehr direkt, beinahe wie ein Kart. In Trackmania 2 beeinflussen hingegen bis zu 150 Parameter das Verhalten eures Wagens. Zur Simulation soll das Spiel trotzdem nicht mutieren. Vielmehr möchten die Entwickler erreichen, dass ihr auf der Strecke das Gewicht eures Fahrzeugs besser spüren könnt. Dennoch soll ein stufenloser Übergang zu den für die Serie typischen, mörderischen Sprüngen erfolgen.
Trackmania-Papa Florent "Hylis" Castelnerac (rechts) zeigt GamersGlobal-Autor Bernd Wener sein neues Baby.

In einem anschließenden Mini-Duell der anwesenden Redakteure auf drei unterschiedlichen Strecken konnten wir uns überzeugen, dass Nadeo dieser Spagat offenbar gelungen ist. Im Vergleich zu den Leichtgewichten früherer Trackmania-Spiele spürten wir die Masse der Boliden wesentlich deutlicher. Trotzdem geht bei der neuen Fahrphysik nichts von dem sehr guten Handling, dem eingängigen Spielgefühl und vor allem dem Spaßfaktor verloren. Wir konnten uns jedenfalls nur widerwillig vom Bildschirm losreißen und hätten gerne noch ein paar Runden mehr gedreht, um unsere Bestzeiten noch weiter zu verbessern.

Trackmania 2 - Canyon soll rund 60 Kurse enthalten, die allesamt von Spielern aus der großen Online-Community erstellt werden. Nadeo beschäftigt  hierzu die begabtesten Kurs-Designer kurzerhand als freie Mitarbeiter. Der mitgelieferte Editor soll mehr Bauteile als frühere Versionen bieten. Wie viele genau, konnte uns der Entwickler noch nicht mitteilen, da ständig neue Teile hinzugefügt, aber andere, die nicht gut funktionierten, wieder entfernt werden. Angepeilt ist ungefähr die dreifache Menge im Vergleich zum Vorgänger. Generell wird das Thema Online bei Nadeo groß geschrieben: Über 14 Millionen registrierte Trackmania-Spieler gibt es bis heute, davon entfallen wiederum rund 10 Prozent aufs automobilverrückte Deutschland, das die größte Trackmania-Community darstellt.

So sieht das auch im Spiel aus: knackscharfe Texturen und hübsche Spiegelungen auf den Wagenmodellen.
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