Diabolisches RPG-Vergnügen

Torchlight 2 Preview

Heinrich Lenhardt 14. Mai 2012 - 20:22 — vor 7 Jahren aktualisiert
Blaue Leuchtsäulen markieren bei diesem Oberwelt-Kampf die Positionen der Mitspieler im Getümmel.
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Beute vielseitig erweiter- und ausbaubar
Alle Waffengattungen dürfen im Prinzip von allen Charakteren benutzt werden; beim Probespiel im 1. Akt sind wir nur auf wenig Klassen-spezifische Ausrüstung gestoßen. Also probiert man die neue, rare, cool flackernde Feueraxt mal aus, zumal mit der W-Taste schnell zwischen zwei Waffensets umgeschaltet wird. Sehr spannend, dass jede Waffengattung neben Schadenswert und magischen Boni bestimmte Charakteristika hat. Wählt unser Outlander eine Schrotflinte, trifft er in einem kegelförmigen Zielgebiet mehrere Gegner gleichzeitig, dafür sind Reichweite und Schadensspitzen bescheiden. Pistolen sind sehr schnelle Schusswaffen, Kanonen stoßen Feinde zurück, Pfeil und Bogen vergrößern die Reichweite. Auch die Nahkampfwaffentypen haben solche taktisch bedeutsamen Eigenheiten. Zum Beispiel können Keulen die Fähigkeitenausübung der Feinde unterbrechen und Stangenwaffen teilen zusätzlich Schaden über Zeit aus.
 
Neben Ausrüstungssets entdeckten wir auch seltene "ausbaubare" Waffen, quasi mit eingebauten Missionen. Uns fiel zum Beispiel ein Stab mit dem schönen Namen "Foe's Lament" ("Des Feindes Wehklagen") in die Hände, der ordentlich Schaden macht und für vier magische Boni sorgt. Außerdem heißt es im Tooltip "Töte 20 Kobolde für einen Upgrade". Nachdem wir diese Aufgabe erfüllt haben, kommen zwei weitere Nebenwirkungen dazu: +15% Feuerschaden-Bonus sowie eine 10%-Chance, bei Treffern einen Flammenstoß auszulösen. Darüber hinaus dürfen wir Ausrüstung durch das Sockeln von gefundenen Edelsteinen verbessern und bei verschiedenen Verzauberern gegen Goldspende zusätzliche magische Extras erwerben. Dafür, dass wir nur Ausrüstung für die ersten 20 Charakterstufen abgreifen konnten, waren Quantität und Qualität der Beute schon sehr ansehnlich. Für Wiederholungsdurchspieler hat Runic Games angekündigt, bessere Items bis Charakter-Level 100 anzubieten. Es gibt viel zu sammeln, klicken wir's an.
 
Entspannter Partnerwechsel
Diese schummrige Gruft ist eines der optionalen Dungeons, die wir zur Erfüllung von Nebenmissionen betreten.
Das Zusammenspiel im Online-Modus ist leger, lässig, aber nicht fälschungssicher. Die Charakterdaten werden nicht sicher auf Servern des Publishers gespeichert, wie Diablo 3 es macht, sondern lokal auf der User-Festplatte. Dass man dadurch theoretisch an den Charakteren rumschummeln kann, sollte einem beim Spielen mit Zufallsbekanntschaften klar sein. Da es nur kooperativ zur Sache geht, droht durch gedopte Helden kein großer Frust. Am meisten Spaß hat man ohnehin mit Freunden, die zudem leicht in der Match-Liste auffindbar sind.

Auch im Multiplayer-Part können wir alleine vor uns hinkämpfen, ohne dass es zu schwer wird. Nur wenn die Spieler eng zusammen sind, wird die Monsterstärke raufskaliert und die EXP-Summe automatisch geteilt. So passt sich die Herausforderung auch an, wenn sich einzelne Spieler mitten in der Partie verabschieden oder dazugesellen. Praktisch ist die Zusammenführungsfunktion, die uns von einem Wegpunkt aus zu einem bestimmten Mitspieler teleportiert. Nur bei Boss-Räumen funktioniert das nicht. Das hat offensichtlich den Zweck, zu verhindern, dass sich gewitzte Teilnehmer erst kurz vorm Umkippen eines Obergegners schnell dazu mogeln und dann fette Erfahrungspunkte kassieren.
 
Das zackige Monster-Totklicken wird allenfalls durch freudiges Sichten der Beute und Vergabe von Skill- und Attributspunkten unterbrochen. Mit einer halbwegs zusammenspielten Gruppe walzt man sich fast schon zu leicht durch die Monstermassen und knackt Bosse relativ schmerzfrei. Da arbeiten die Designer noch an der Balance und wir haben freilich "nur" auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden gespielt. Dass es zu Spielbeginn eher entspannt zur Sache geht, ist außerdem naheliegend – das macht Diablo 3 nicht anders.
 
Im Tempel erwartet uns so mancher Mini-Boss; oben stehen Hinweise zu den Fähigkeiten des anvisierten Gegners.

Kleingeld, Kleintiere, großer Spaß
Ski, Rodel und Prügel gut in den Frosted Hills. Später soll es auch durch Wüsten, Wälder und Sumpflandschaften gehen.
All die Datensicherheit, die bei Diablo 3 wegen Realgeld-Auktionshäusern von höchster Wichtigkeit ist, verschließt auch ein paar Hintertürchen. Alleine der Gedanke an User-Mods dürfte Blizzards IT-Personal in Ohnmacht fallen lassen. Das "kleine" Torchlight 2 – mit seinem 20-Dollar-Preisschild wird es etwa so viel kosten wie ein Drittel Diablo 3 – gibt sich offener; Runic Games will seine Entwickler-Tools veröffentlichen, um die Mod-Szene anzukurbeln. LAN-Unterstützung und Offline-Spielmodus für Solisten sind ebenfalls geplant. Das sind zwei weitere Details, die auf der Diablo-3-Featureliste fehlen. Torchlight-typisch ist auch das entsendbare Begleittier mit eigenem Inventar, um überflüssigen Krempel zu verscherbeln. Dank des neuen Einkaufszettels können Hund, Katz & Co. sogar Gebrauchsmittel mitbringen, falls Herrchen die Tränke, Identifizierungs-Spruchrollen oder Stadtportale ausgehen. Insgesamt acht Viecher stehen zur Wahl. Verabreicht man ihnen geangelte Fische, verwandeln sie sich in einige Minuten lang in bestimmte Monstertypen.
 
Der Beta-Test bestätigt soweit die Hoffnungen, welche Torchlight-Fans hegen. Runic Games hat nicht nur die Hauptkritikpunkte am Vorgänger (kein Multiplayer, nur ein Dungeon) ausgemerzt, sondern Grafik, Charakterentwicklung, Ausrüstung und Bedienung rundum verbessert. Es hat uns überrascht, in wie vielen Details sich Torchlight 2 trotz des identischen Grundspielprinzips von Diablo 3 unterscheidet. Die Antwort auf die Preisfrage, welches der beiden Action-Rollenspiele Fans des Genres nun kaufen sollen, könnte letztendlich "beide" lauten.
 
Autor: Heinrich Lenhardt
 
Torchlight 2
Vorläufiges Pro & Contra
  • "Spielt sich gut" (Steuerung und Tempo)
  • Jagd nach Ausrüstung & Skills motiviert
  • Vielfältigere Spielwelt als im Vorgänger
  • Vier interessante neue Klassen, die viele Freiheiten beim Ausbau lassen
  • Effektreiche, farbenfrohe Comic-Grafik
  • Unterstützt neben Online-Koop auch LAN-Multiplayer und Offline-Solo
  • Toolkit für Mod-Szene angekündigt
  • Charaktere sind Cheat-anfälliger als bei Diablo 3
  • Große Schlachten mit Spielergruppen können unübersichtlich geraten
  • Multiplayer nur kooperativ, kein PvP
Aktueller Zustand:
Beta-Version (Anfang Mai 2012)
Wir wünschen uns:
... dass die Massenschlachten im Koop-Modus etwas übersichtlicher und herausfordernder werden. Spielt man alleine, wirkt der erste Akt auf "normal"-Schwierigkeitsgrad gerade richtig austariert, doch beim Raufskalieren von Gegnern und Belohnungen wirken Minigrüppchen derzeit begünstigt. Genau für solche Balance-Akte hat Runic Games den Netzwerk-Test gestartet und lässt sich noch etwas Zeit mit der Fertigstellung des Spiels, das soweit einen höchst unterhaltsamen Eindruck macht.
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Green Man Gaming Aktuelle Preise (€): 18,99 (STEAM), 17,09 (Premium), 14,99 (STEAM), 13,49 (Premium)
Userwertung
8.2
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Hack and Slay
12
Runic Games
30.10.2012
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LinuxMacOSPCPS4SwitchXOne
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Heinrich Lenhardt 14. Mai 2012 - 20:22 — vor 7 Jahren aktualisiert
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