Überlebenskampf in Boston

The Last of Us Preview

Mit Uncharted kam sie groß raus, nun versucht Naughty Dog mit The Last of Us etwas vollkommen anderes. Wir haben uns mit Hauptfigur Joel und Begleiterin Ellie durch das postapokalyptische Boston geschlagen und geschlichen, Ausrüstung gebastelt und Infizierte erschlagen. Wird das Endzeit-Actionspiel ein Hit?
Benjamin Braun 28. März 2013 - 12:51 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Wir durchqueren ein Bürogebäude, an unserer Seite eine junge Frau und ein kleines Mädchen. Sie bleiben zurück, als wir uns durch ein zerfallenes Treppenhaus als Vorhut in die nächstuntere Etage gleiten lassen. Hinter einem umgestürzten Regal gehen wir in Lauerstellung. Wir spähen sorgsam den Raum direkt vor uns aus, können ihn allerdings trotz der eingestürzten Wände nicht vollständig einsehen. Links von uns verläuft ein langer Korridor, der einige Versteckmöglichkeiten durch Möbelstücke bietet. Weiter hinten verdichtet sich die Dunkelheit jedoch zu einem Hort der Ungewissheit. Grunzlaute zeugen davon, dass wir nicht allein sind, orten können wir die Geräusche jedoch nicht. Wir lassen noch einmal den Blick den Korridor entlang schweifen – und da sehen wir ihn!

Anders als Joel kennt Ellie (vorn) nur die Welt der Infizierten. Das garantiert spannende Diskussionen!
Emotionlos und gerissenEs war wohl mal ein ganz normaler Mann, bevor der Erreger ihm jegliche Menschlichkeit raubte. Nun ist er eine zombieähnliche Kreatur – emotionslos und mit einem gewaltigen Appetit auf Menschenfleisch. Wir klauben einen Ziegelstein auf und werfen ihn rechts vom Korridor in den Raum. Die Kreatur vernimmt das Geräusch und geht ihm sogleich nach, nur wenige Meter neben uns. In gehockter Stellung nähern wir uns der ächzenden Gestalt von hinten und brechen ihr das Genick.

Das aber war ein großer Fehler, denn unsere Aktion erregt die Aufmerksamkeit seiner Infizierten-Freunde, die nun aus dem nicht einsehbaren Teil des Raums in unsere Richtung stürmen. Sie sind nicht dumm, wählen sowohl den Weg durch den Korridor als auch den längeren Pfad, um uns in die Zange zu nehmen. Ihr Grunzen ist mittlerweile einem bedrohlichen Keifen gewichen. Doch mit unserer Eisenstange erledigen wir die Angreifer mehr oder weniger mühelos im Nahkampf. Die eingekehrte Ruhe ist allerdings nicht von Dauer, als wir plötzlich sonderbare Schnalzlaute vernehmen. Etwas packt uns von hinten und reißt uns mit seinen Zähnen große Fleischfetzen aus dem Hals. Eine unangenehme Erfahrung, auch wenn wir nur vor einem Preview-Event-Bildschirm stehen. Game Over!

Eine solche Szene würde mancher wahrscheinlich eher in einer Zombie-Mod zu Hitman - Absolution erwarten, aber keinesfalls in einem Spiel von Naughty Dog. The Last of Us ist das neueste PS3-exklusive Werk der Kalifornier und ganz anders als ihre Uncharted-Serie. Wir haben das Survival-Abenteuer für euch längere Zeit angespielt und verraten euch, ob Naughty Dog auch ohne Nathan Drake für Begeisterung sorgen kann.

Nichts ist, wie es einmal war Zwei Dekaden sind vergangen, seitdem eine rätselhafte Pilzinfektion Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt dahinraffte. Wie einst die Pest in Europa, nur in weit größerem Maßstab. Zwei Jahrzehnte lang hat sich die Natur fast alles zurückgeholt, was der Mensch ihr einst genommen hat. Die wenigen Überlebenden leben eingepfercht in kleinen Quarantäne-Zonen, bewacht vom Militär. Das genießt weitgehende Privilegien, kontrolliert alles und missbraucht auch immer wieder seine Vormachtstellung zum eigenen Vorteil. Vor allem deshalb regt sich Widerstand unter den Überlebenden, die aus der zur Knechtschaft geratenen Militärherrschaft ausbrechen wollen. Genau so gestaltet sich auch die Situation in Boston, in der unser Protagonist lebt, der Schwarzhändler Joel.

Eigentlich ist er wie alle anderen auch vor allem aufs eigene Überleben bedacht, doch er verspricht einem sterbenden Freund, sich um die 14jährige Ellie zu kümmern. Und mehr als das: Joel soll das Mädchen, das im Gegensatz zu ihm nichts von der Zeit vor der Katastrophe weiß, raus aus der Zone und zu den sogenannten Fireflys bringen. Diese mithin "Glühwürmchen" genannte Gruppe hat weit weg von Boston ihre eigene Zuflucht geschaffen, als allegorisches Licht im Dunkel. Und so treten Ellie und Joel eine Reise an, auf der ständig Gefahr durch die Infizierten droht, aber auch Begegnungen mit Überlebenden außerhalb der Quarantäne-Zonen auf sie warten. Es gibt aber ein noch viel größeres Problem als die Zombie-ähnlichen Kreaturen: Das Militär hat, aus anfangs unbekannten Gründen, ein sehr großes Interesse an Ellie und verfolgt Joel und seine Begleiterin. Klingt ein wenig nach der Story von Serenity, der Filmumsetzung der kultigen SF-Fernsehserie Firefly, aber eben zu Fuß...

Überlebenskampf statt Bombastaction
Das Exploring ist ein wichtiger Bestandteil von The Last of Us.
Obwohl es Naughty Dog bereits seit den 80er Jahren gibt, ist die Spieleschmiede aus Santa Monica erst seit ihrem PS3-Debüt Uncharted - Drakes Schicksal in aller Munde. Mit den beiden Fortsetzungen Uncharted 2 - Among Thieves (GG-Test: 9.0) und Uncharted 3 - Drake's Deception (GG-Test: 9.5) lieferte sie nicht nur cineastische Actionkost mit herausragenden Knalleffekten, sondern auch zwei der besten Action-Adventures der letzten Jahre. The Last of Us ist allerdings weit davon entfernt, das erfolgreiche Spielkonzept einfach auf ein anderes Szenario zu übertragen. Stattdessen bietet es mit dem Überlebenskampf in Boston etwas vollkommen anderes.

Joel hat beispielsweise keinen Zugriff auf dutzende von Waffen, sondern muss sich mit einer kleineren Auswahl an Pistolen, Gewehren und Schlagobjekten begnügen. Munition muss er mühsam zusammenklauben und nur sehr spärlich einsetzen. Es gibt auch keine Lebensenergie-Regeneration, Joel muss sich selbst heilen, indem er ebenfalls knappes Verbandszeug verbraucht. Vorpreschen und einfach die Heilspritze in den Arm jagen ist nicht möglich. Joel verbindet seine Wunden zudem vor unseren Augen und benötigt dafür Zeit, die mitten im Kampf nicht zur Verfügung steht. Einen gewissen Vorrat kann Joel allerdings in seinem Rucksack horten.

Überall in den Levels findet er verschiedenste Ressourcen wie alte Scheren, s
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tabiles Klebeband oder auch hochprozentigen Alkohol. Damit kann er sich einfach verwendbare Klingen basteln, Molotowcocktails oder auch Verbandszeug, vorausgesetzt, dass er die dazugehörigen Rezepte findet. Zudem ist er mit dem Material in der Lage, seine Nahkampfwaffen zu verbessern, Schaden oder Haltbarkeit zu erhöhen. Auch das ist theoretisch jederzeit möglich, vergleichbar mit ZombiU (GG-Test: 7.5) durchsucht Joel dabei seinen Rucksack allerdings in Echtzeit. Sind also Feinde in der Nähe, können sie währenddessen problemlos auf ihn einprügeln. Wofür ihr die knappen Ressourcen einsetzt, bleibt weitestgehend euch überlassen, womit ihr offenkundig großen Einfluss darauf nehmt, ob ihr den Überlebenskampf lieber kämpferisch oder heimlich erledigen wollt. Abgesehen von diesen Freiheiten wird die Reise von Joel und Ellie allerdings weitgehend linear ablaufen. Es soll zwar später hier und dort auch mal alternative Pfade geben – auf der E3 zeigte Naughty Dog, dass der Zugang zu einem Posten des Militärs auch über die Klimaanlage in einem Innenhof möglich ist – frei durch die Welt reisen werdet ihr aber nicht können.
In The Last of Us kann es auch mal hoch hergehen, wenn ihr zu viel Aufmerksamkeit erregt. Situationen wie diese zu überleben, scheint allerdings sehr schwierig. Besser ist es, bedächtig, überlegt und heimlich vorzugehen.
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