Ron Gilberts neues Baby

The Cave Preview

Wenn Ron Gilbert uns deutschlandexklusiv sein neues Spiel vorführen will, lassen wir uns nicht zwei Mal bitten und eilen zu Double Fine Productions in San Francisco. Dort enthüllte Gilbert The Cave: Ein Action-Adventure, das mehr Adventure als Actionspiel und eine intelligente Mischung aus Maniac Mansion und Lost Vikings ist.
Roland Austinat 25. Mai 2012 - 11:07 — vor 6 Jahren aktualisiert
Auch nach Dienstschluss geht es in den Büros der Double Fine Productions munter zu: Rund drei Dutzend Journalisten wurden von Publisher Sega eingeladen, um der Weltpremiere von Ron Gilberts neuestem Spiel beizuwohnen: einem Action-Adventure namens The Cave. "Die Idee dazu hatte ich schon lange vor Maniac Mansion", erklärt Gilbert, der sie dann Jahrzehnte später seinem alten Kumpel Tim Schafer erzählte. Dem gefiel sie so gut, dass er Gilbert prompt einen Job in seinem Studio in San Francisco anbot – der dankend annahm, "denn ich brauchte mal wieder eine Krankenversicherung." Allgemeines Gelächter zur traurigen Wahrheit, dass eine Krankenversicherung in den USA keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist: Rund ein Viertel der Bevölkerung muss bei Arztbesuchen ins eigene Portemonnaie greifen.

Sieben schräge Helden und eine sprechende HöhleWir springen indes sofort ins Spiel, das Anfang 2013 als Download-Titel für PC, Xbox 360 und PlayStation 3 erscheinen soll. Sieben schräge Helden im Cartoon-Look sind bereit für ihr Abenteuer in der Höhle, von denen wir drei auswählen müssen. Achte "Person" im Bunde ist die namensgebende Höhle selbst, die gelegentlich mit launigen Kommentaren die Spieler zum Lachen bringt. Die Höhle erinnert stark an die Insel der Mystery-Serie Lost: Wie auf der Insel hofft auch jeder Charakter in der Höhle etwas ganz Persönliches zu finden: Der Mönch ist auf der Suche nach seinem Meister, die Abenteurerin will zwei verlorene Freunde aufspüren, ein Hinterwäldler fahndet nach der Liebe, eine Forscherin möchte eine große Entdeckung machen, ein Zwillingspaar hat seine Eltern verloren, ein Ritter braucht sein Schwert und eine Zeitreisende muss einen Fehler in der Vergangenheit korrigieren. Das alleine wäre bei anderen Entwicklern schon Stoff für sieben Spiele, doch Ron Gilbert und sein Team kombinieren geschickt die Geschichten der drei vom Spieler ausgewählten Hauptdarsteller miteinander, so dass dadurch zahlreiche neue Stories und Spielenden entstehen. Obendrein begegnet jeder Held der einen oder anderen dunklen Seite seiner Biografie.
Jeder Held wie hier die Wissenschaftlerin besitzt einen eigenen Bereich in der Höhle, zu denen die anderen keinen Zutritt haben - oder etwa doch?

Monsterfang mit Köpfchen und Hot DogZeit, ein paar der Puzzles anzuschauen, die uns in The Cave erwarten. Dazu wechseln zwei von Ron Gilberts Kollegen an den Xbox-360-Gamepads munter zwischen dem ausgewählten Trio, bestehend aus dem Hinterwäldler, der Wissenschaftlerin und dem Ritter hin und her. Habt ihr keinen oder noch mehr Mitspieler parat, könnt ihr das Spiel natürlich auch alleine oder zu dritt angehen. Auch online? "Nein, nur an der gleichen Konsole, obwohl unsere Server schon vom ersten Tag an problemlos laufen werden", juxt Gilbert und fügt unter dem Gejohle der anwesenden Diablo 3-Geschädigten hinzu: "Hatte ich das Auktionshaus erwähnt?" Erste Aufgabe der drei Helden: Sie müssen ein Tor öffnen, doch der Hebel scheint nicht zu funktionieren – es saust immer wieder nach unten, was der Ritter auch anstellt. Schnitt zur Wissenschaftlerin: Auch sie hat einen Hebel vor sich, der das Tor aber nur zur Hälfte öffnet. Doch betätigt der Ritter anschließend seinen,
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bleibt es oben. Gut. Das nächste Hindernis ist ein Monster, das unseren Freunden den Weg versperrt. Wer sich vorwagt, segnet ohne Umschweife das Zeitliche, taucht aber unmittelbar danach wieder auf. "Die Höhle meint es gut mit euch", erklärt Ron Gilbert. "Schließlich habt ihr ja alle eine Aufgabe darin zu erfüllen." Der Hinterwäldler hat währenddessen eine Art Rummelplatz-Plüschtiergreifklaue entdeckt, die ein paar "Stockwerke" über dem Monster baumelt. Doch darunter befinden sich nur ein paar alte Knochen. Moment – vielleicht eine Futterstelle? Die Wissenschaftlerin organisiert aus einem Hot-Dog-Automaten ein überdimensionales Würstchen und spießt es auf einem der Knochen auf. Dann zieht sie an einer Glockenschnur, um das Monster anzulocken, das sich begeistert auf das Futter stürzt. Zeit für den Hinterwäldler, die Klaue zu aktivieren. Geschafft: Das Ungetüm baumelt in einem Schacht über den Helden, die nun unbehelligt weiterziehen. "Bei der Entwicklung dieses Spiels wurden keine Monster verletzt – bis auf dieses hier", kalauert Gilbert.
Der Hinterwäldler, im Englischen fast noch schöner Hillbilly genannt, ist in einem Dorf mit eigenem Kirmesplatz zuhause.
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