Angetestet: Bericht der Betajedi

Star Wars - The Old Republic Preview

Der Mix aus Star Wars, Bioware-Storykompetenz und Großprojekt-Ressourcen klang von Beginn an elektrisierend. Aber wird angesichts all der Hoffnungen, Befürchtungen und Marketing-Versprechungen wirklich ein Hit aus The Old Republic? Oder wird es ein MMO-Strohfeuer wie so viele? GamersGlobal hat sich wochenlang in der Beta ausgetobt.
Karsten Scholz 20. Oktober 2011 - 18:00 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Dass auch in einer Demokratie das Recht der Redefreiheit kein unantastbares Gut ist, erleben Redakteure im PC- und Videospiele-Bereich dann, wenn sie mal wieder ein NDA (Non Disclosure Agreement, Verschwiegenheitsvereinbarung) unterzeichnen müssen. Und so verständlich und rechtlich zulässig  der Wunsch der Firmen ist, die Informationen – nicht aber deren Bewertung – über unveröffentlichte Spiele zu steuern, so sehr ärgert das im Einzelfall den Redakteur. Etwa dann, wenn er seit insgesamt sechs Wochen Star Wars - The Old Republic im Betastadium erleben konnte, bislang aber kein Wort drüber schreiben durfte. Erst seit heute ist der NDA-Knebel zumindest teilweise weg. Bestimmte Features und Story-Entwicklungen zu beschreiben, ist uns immer noch untersagt, wir dürfen im Detail nur über die Jediritter, nicht ihre Gegenpartei, die Sith schreiben, müssen euch verschweigen, dass wir im Verlaufe unserer Beta-Abenteuer ein XXXXX bekommen haben, und dass wir danach damit YYYYY und ZZZZZ konnten. Aber egal: Auch so können wir euch sehr umfangreich von dem MMO erzählen, dessen Macher sich offensichtlich in den Kopf gesetzt haben, die klare Nummer 2 hinter World of Warcraft zu werden.

Möge die Macht mit uns sein
Wie spielt sich der Jedi-Ritter?
Der Jedi-Ritter ist in Star Wars - The Old Republic ein reiner Nahkämpfer, der sich mit einem oder zwei Lichtschwertern in den Kampf stürzt und als Tank (Schaden auf sich ziehen) oder reiner Schadensausteiler fungiert. Mit einigen Angriffen baut er im Gefecht bis zu zwölf Fokuspunkte auf, die er wiederum in noch mächtigere Lichtschwert-Attacken investieren kann.

Zusätzlich verfügt der Jedi über weitere Fähigkeiten, die zwar keine Ressourcenzähler verbrauchen, dafür aber über eine Abklingzeit verfügen. So starten wir via "Meisterschlag" eine toll animierte Angriffskette, in der wir uns auch mal mit dem Rücken zum Gegner drehen und in bester Filmmanier das Lichtschwert an unserem Körper vorbei nach hinten stoßen. Auch die weiteren Kampfanimationen unseres Helden sehen in Bewegung geschmeidig aus. Wir blocken feindliche Blasterschüsse ab, schlagen spektakuläre Salti oder stürzen uns per "Machtsprung" in einen ganzen Pulk von Widersachern.

Einige der Angriffe vermitteln dabei das Gefühl, dass eine sehr große Kraft hinter den Schlägen steckt – das kennen wir so von den wenigsten Rollenspielen. Spätestens wenn wir unser Lichtschwert in Richtung eines Opfers schleudern, einen Feind mit einem Machtgriff aus dem Kampf nehmen und immer das selige Geräusch von schwingenden Lichtschwertern im Gefecht vernehmen, geht uns als Star-Wars- und RPG-Fan das Herz auf. Kämpfen mit dem Jedi macht einfach Spaß!

Auf Stufe 10 kann sich unser Jedi-Ritter zwischen der Karriere des Hüters (eine der Tank-Spezialisierungen im Spiel) oder der des Wächters (ein reiner Nahkampf-Spezialist) entscheiden und damit drei spezielle Talentbäume freischalten. Der Fokus-Baum ist bei beiden Ausrichtungen zu finden und aufgrund der Verbesserungen für Mobilität und Kontroll-Möglichkeiten wohl besonders gut für den Kampf gegen andere Spieler geeignet.
Dass wir uns zuerst einen Jedi-Ritter erstellen, ist klar wie Kloßbrühe. Han Solo war zwar eine coole Socke, aber dafür hatte er kein Lichtschwert! Deshalb verzichten wir darauf, einen Schmuggler zu spielen, die beiden anderen Charakterklassen (die sich später noch spezialisieren lassen) wären der Soldat und der Jedi-Gelehrte gewesen. Klar, wir dürfen auch das Geschlecht und einige Details des Aussehens unseren künftigen Helden verändern.

Unser frisch gebackener Kämpfer der Republik ist freilich nicht von Beginn an ein ausgebildeter Jedi. Als Padawan kommt er nach Tython, wo er auf dem Trainingsgelände einen neuen Meister erhalten soll. Doch schon bei seiner Ankunft wird er Zeuge eines Notrufs: Fleischräuber, eigentlich feige, unterentwickelte und unorganisierte Bewohner des Planeten, greifen die Basis an und stellen dank Blasterpistolen und einer ungewohnten Disziplin selbst für die Jedi eine Bedrohung dar. Wir greifen zum Übungsschwert und helfen bei der Verteidigung des Camps. Kaum sinkt der erste Gegner auf den Boden, erhalten wir den optionalen Auftrag, weitere Fleischräuber zu erledigen. Diese Bonus-Quests gibt es in fast jeder Zone und werden nicht nur automatisch ausgelöst, sondern auch genauso automatisch abgeschlossen, sobald ihr das Ziel erledigt habt – Belohnung inklusive. Manche dieser Missionen bestehen aus mehreren Stufen, bis ihr es letztendlich mit einem besonders starken Anführer aufnehmen müsst.

Mit der aktuell noch überschaubaren Server-Population der Beta-Phase (größtenteils aus Journalisten bestehend) war es kein Problem, diese Aufgaben nebenbei zu erledigen, ohne Ehrenrunden in einer Zone drehen zu müssen. Auf dem Live-Server wird deutlich mehr los sein, doch sind die Gebiete meist sehr weitläufig und die Gegner weit verteilt. Während der Verteidigung des Camps stoßen wir natürlich auch auf normale Quests. Wir retten andere Padawane aus Käfigen und finden sogar einen ganzen Trupp von vermissten Schülern wieder, von denen einer im Kampf böse verletzt wurde. An dieser Stelle erhalten wir das erste Mal die Möglichkeit, im Gesprächsverlauf eine Entscheidung zu treffen. Schicken wir die Gruppe zurück ins Lager, sodass der Verletzte versorgt werden kann, oder unterstützen wir die Rache-Gelüste der Jugendlichen und hetzen alle zurück an die Front? Neben Machtpunkten für die helle oder dunkle Seite winkt in dem Fall auch eine zusätzliche Quest als Belohnung. Diese Aufgabe gibt es aber nur für einen der beiden Lösungswege...
Schlagt mit eurem Schmuggler als Spezialisierung entweder die Karriere des Revolverhelden ein (siehe Screenshot), oder folgt dem Pfad des Schurken, der wider Erwarten sogar als Heiler einsetzbar ist.

Spannender Auftakt
Bereits nach den ersten Herausforderungen zieht die Geschichte spürbar an. Schnell stellen wir fest, dass hinter dem Angriff der Räuber eine größere Kraft stecken muss. Jemand, der mit einer bewaffneten und ausgebildeten Armee von Fleischräubern den neu errichteten Jedi-Tempel auf Tython zerstören möchte. Dabei ist dieser Kraft scheinbar jedes Mittel recht: Die heimischen Kreaturen wurden durch ein Serum stärker und intelligenter gemacht, und können dank des Tranks sogar im Ansatz Machtfähigkeiten nutzen. Wir sind schnell von der Handlung gefesselt und loggen nur mit sehr großem Widerwillen aus, um Schlaf zu tanken und offene Artikel-Deadlines einzuhalten.

"Schuld" daran ist vor allem die Art und Weise, wie die Geschichte unseres Helden und die zugehörigen Missionen präsentiert werden. Ihr wisst sicher bereits, dass alle Texte in The Old Republic vertont wurden. Was wir euch aber jetzt sagen können: Die deutschen  Synchronsprecher halten locker mit denen von Mass Effect und Co. mit. Natürlich kommt es alleine aufgrund der wahnsinnig großen Menge an Charakteren vor, dass nicht jede Stimme hundertprozentig zur Figur passt. Hier und da hört man in einer Nebenrolle auch "den Studenten von nebenan". Aber im Großen und Ganzen liefert Bioware in diesem Bereich ganz großes Kino ab. Zumal die Gespräche, wie auch in den älteren Titeln des Entwickler-Teams, durch wechselnde Perspektiven dynamisch dargestellt werden. Die Gesprächspartner stehen nur selten einfach nur da und reden. Oft bewegen sie sich und unterstreichen ihre Emotionen durch ihre Mimik und Gestik. Das haben wir in vielen Offline-Rollenspielen schon deutlich schlechter gesehen!

Übrigens: Diese "Origin Story" des Jedi-Ritters bleibt natürlich dieser Klasse vorbehalten. Hätten wir beispielsweise einen Soldat gewählt (wie ein interner GamersGlobal-Redakteur), wären wir zur Niederschlagung eines Aufstands auf einem Bürgerkriegsplaneten gerufen worden – ebenfalls mit voll vertonten, aber eben ganz anderen Multiple-Choice-Gesprächen. Genauso beim Schmuggler, der dritten Klasse, die wir für dieses Angetestet spielen. Da es auf beiden Seiten je vier Charakterklassen gibt, erwarten euch im fertigen Spiel also acht solcher "Einführungsgeschichten". Und nicht nur das: Durchs ganze Spiel (wobei wir nicht wissen, wie lange wirklich) ziehen sich die acht unterschiedlichen Handlungsfäden.
 
Dialog mit Tiefgang
Gleichzeitig stimmt aber auch der Inhalt der Gespräche. Der rote Geschichtsfaden unserer Klasse, mit seinen vielen Überraschungen und Twists, ist grandios gut erzählt und erinnert uns stark an die Faszination, die wir damals bei Star Wars - Knights Of The Old Republic empfanden. Vergessen dürfen wir natürlich auch nicht die unzähligen Nebenschauplätze, in denen wir die Machenschaften von Senatoren ans Licht führen, unschuldige Kinder aus den Fängen von militanten Gruppen retten oder einer Roboter-Vereinigung hilfreich zur Seite stehen, die in mathematischen Metaphern sprechen. Die Entscheidungen, die wir während solcher Missionen zu treffen ha
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ben, sind dabei nicht immer auf den ersten Blick in Gut oder Böse einzuordnen. So müssen wir mit unserem Schmuggler auf Ord Mantell einen Piraten aus den Fängen von Separatisten befreien, der auf die Seite der Republik übergelaufen ist und angeblich die Kämpfe mit seinem Wissen beenden kann. Bei einem Gespräch mit einem hiesigen Soldaten erfahren wir, welche Greueltaten dieser Bandit in seiner Vergangenheit begangen hat. Unser Gesprächspartner hat durch diesen Mann seine komplette Familie verloren und wir verstehen seinen Wunsch nach Rache. Als unerschütterlicher Jedi hätten wir diesem Wunsch auf keinen Fall entsprochen und das Lichtschwert schweigen gelassen. Doch unserem Schmuggler platzt die Hutschnur, als wir den Piraten aus seinem Gefängnis befreien und dabei nur arroganten Spott ernten. Die Exekution des Verbrechers liegt uns noch einige Zeit wie ein schwerer Stein in der Magengegend. Natürlich hatte er für seine Taten Bestrafung verdient und wenn wir ihn in die Freiheit eskortiert hätten, wäre er von seiner Schuld befreit worden. Doch jetzt sterben wegen unserer Tat in der näheren Zukunft vielleicht unschuldige Zivilisten. Held zu sein ist nicht leicht.
In den Kämpfen greift euer Jedi immer wieder auf besondere Macht-Fähigkeiten wie diesen telekinetischen Griff zurück.
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